{"id":791,"date":"2014-01-12T11:50:57","date_gmt":"2014-01-12T11:50:57","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/12\/zoltan-kodalys-te-deum\/"},"modified":"2014-01-12T11:50:57","modified_gmt":"2014-01-12T11:50:57","slug":"zoltan-kodalys-te-deum","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/12\/zoltan-kodalys-te-deum\/","title":{"rendered":"Zoltan Kodalys Te Deum"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"txt-m-black\">23.12.2005 &#8212; Die beispiellose Zusammenarbeit der beiden ungarischen Volksmusikforscher und Komponisten Bela Bartok und Zoltan Kodaly erstreckte sich \u00fcber die Zeit von 1905 bis 1945 und pr\u00e4gte das musikalische Leben Europas in m\u00f6glicherweise weniger spektakul\u00e4rer, daf\u00fcr umso nachhaltigerer Art und Weise als die Entwicklungen in den grossen Metropolen Paris, Wien oder Berlin. <\/p>\n<p> Bei aller inneren \u00dcbereinstimmung bestanden zwischen den beiden Tonsch\u00f6pfern jedoch auch grundlegende Unterschiede der Mentalit\u00e4t und des musikalischen Temperaments, die sich schon in ihren verschiedenen Auffassungen dar\u00fcber, was Volksmusik sei, \u00e4usserten. Bartok behauptete eine Trennung zwischen authentischer Volksmusik, wie sie in den l\u00e4ndlichen Gegenden gepflegt wurde, und dem st\u00e4dtischen Liedgut, das tats\u00e4chlich zu einem grossen Teil das Resultat pseudo-folkloristischer Moden des 19. Jahrhunderts war.<\/p>\n<p> Mit einer solchen Art der musikalischen Klassifikation jedoch konnte Kodaly sich nicht abfinden, auch wenn er das Bestreben seines Freundes, Echtes von Unechtem zu trennen, zweifelsohne unters\u00fctzte. In einem kurzen Artikel \u00fcber die ungarische Volksmusik verteidigte er die Universalit\u00e4t der nationalen Kunst gegen\u00fcber einem irgendwie gearteten Klassendenken. <\/p>\n<p> Die verschiedenen Standpunkte weisen weit \u00fcber Differenzen in praktischen Einteilungsfragen hinaus. Bartok f\u00fchrten seine akademischen Ideen dazu, sich vor allem mit der Instrumentalmusik und den Rhythmen zu besch\u00e4ftigen. Kodaly fand die identit\u00e4tsbildende Kraft des musikalischen Ausdrucks in erster Linie in der Vokalmusik und damit auch im Chorwesen und der Erziehung. Sein unbedingter Einsatz f\u00fcr den Gesang und seine tiefe Verwurzelung in der europ\u00e4ischen Tradition machen ihn zu dem Komponisten, der dem Chorwesen im 20. Jahrhundert wohl die st\u00e4rksten Impulse verschaffte. <\/p>\n<p> Dass Kodaly an Bekanntheit hinter Bartok zur\u00fccksteht, liegt wohl nicht zuletzt gerade in der Perfektion seiner Liedkomposition. In seinen Werken in ungarischer Sprache gehen Text und Melodie eine derart vollkommene Verbindung ein, dass sie sich fast nicht \u00fcbersetzen lassen, ohne Wesentliches zu verlieren oder \u00fcberhaupt unverst\u00e4ndlich zu werden. Gerade dies ist einer der Gr\u00fcnde, weshalb das auf den lateinischen Text geschriebene \u00abBudavari Te Deum\u00bb von besonderer Bedeutung ist. <\/p>\n<p> Ein weiterer Grund daf\u00fcr liegt in der Tatsache, dass es sich bei ihm um eines der wenigen Auftragswerke handelt \u2013 den einzigen Auftrag \u00fcbrigens, der ihm nicht freie Wahl der Form liess. Die Konzessionen, die Kodaly in seinem Te Deum deshalb einzugehen gezwungen war und der f\u00fcr die gesamteurop\u00e4ische Kultur symboltr\u00e4chtige Anlass seiner Entstehung, das Andenken an die zur Zeit der Urauff\u00fchrung 250 Jahre zur\u00fcckliegende Befreiung Budapests von der t\u00fcrkischen Besetzung, machen es deshalb zu einem der universalsten und wichtigsten Werke des ungarischen Komponisten und der europ\u00e4ischen Chorliteratur des 20. Jahrhunderts \u00fcberhaupt. <\/p>\n<p> In bezug auf die instrumentalen Partien des Te Deums konnte Kodaly auf Verfahren zur\u00fcckgreifen, die er in seinem komplexen zweiten Streichquartett entwickelt hatte. In den Vokalpartien verarbeitet er zwar keine Volksliedelemente, dennoch sind sie gepr\u00e4gt von der Volksliedforschung (die gerade zur Zeit ihrer Entstehung, 1936, auch aktuelle politische Untert\u00f6ne besessen haben d\u00fcrfte). <\/p>\n<p> Kodaly nimmt den Anstoss der Entstehung und die Allgemeing\u00fcltigkeit des Ambrosianischen Lobgesanges zum Anlass f\u00fcr die Verarbeitung und Synthetisierung der europ\u00e4ischen Vokalformen schlechthin. So verarbeitet er im Te Deum Gregorianik, plagale Harmonie der Renaissance, Bachs Polyphonie oder Elemente, die Ganztonleiter und Pentatonik vereinen, in denen also seine Besch\u00e4ftigung mit der Musik Debussys ihre Spuren hinterlassen hat, ohne je einem billigen Eklektizismus zu verfallen.<\/p>\n<p> Er gliedert das Te Deum in drei Teile. Den ersten er\u00f6ffnet eine Fanfare, die das Gedenken an die Helden von Budapest wachhalten soll und seinen jubilierenden Grundton pr\u00e4gt. Der zweite entwickelt sich rund um einen gregorianischen Gesang und im dritten entfaltet sich eine grandiose Doppelfuge, die schliesslich in einem Piano ausklingt, das den ewigen Frieden besingt. (wb)<br \/><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>23.12.2005 &#8212; Die beispiellose Zusammenarbeit der beiden ungarischen Volksmusikforscher und Komponisten Bela Bartok und Zoltan Kodaly erstreckte sich \u00fcber die&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[16],"tags":[],"class_list":["post-791","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-musikgeschichte","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/791","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=791"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/791\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=791"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=791"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=791"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}