{"id":794,"date":"2014-01-12T11:53:16","date_gmt":"2014-01-12T11:53:16","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/12\/der-charme-der-musikautomaten\/"},"modified":"2014-01-12T11:53:16","modified_gmt":"2014-01-12T11:53:16","slug":"der-charme-der-musikautomaten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/12\/der-charme-der-musikautomaten\/","title":{"rendered":"Der Charme der Musikautomaten"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\"><br \/> 18.07.2006 &#8212; <strong>Im malerischen Seewen im Solothurner Schwarzbubenland hat eine einzigartige Sammlung an Musikautomaten eine definitive Heimst\u00e4tte gefunden: Das zur Gruppe Mus\u00e9e Suisse geh\u00f6rende Musikautomatenmuseum ist ein ideales Ziel f\u00fcr sommerliche Ausfl\u00fcge, die Kulturgeschichte und beschauliche Spazierg\u00e4nge verbinden.<\/strong><\/p>\n<p> Das Zeitalter der mechanischen Reproduktion von Musik beginnt nicht mit dem Grammophon. Vor der Entdeckung, dass T\u00f6ne mit Hilfe eines Wachszylinders gespeichert und wieder abgespielt werden k\u00f6nnen, standen Kodierungsverfahren, die heute fast moderner anmuten: Verfertigt wurden Spielanweisungen f\u00fcr Musikautomaten in Form \u00abdigitaler\u00bb, mechanischer Speicher \u2013 als rotierende Zylinder, gelochte Metallplatten oder Papiersteifen. Die dadurch begr\u00fcndete Industrie der Musikkdosen wurde 1811 von Abram-Louis Cuendet in Sainte-Croix nahe Genf ins Leben gerufen. Bald einmal best\u00fcckte da ein Heer schlecht bezahlter Heimarbeiterinnen in geduldiger Kleinarbeit Walzen f\u00fcr Musikdosen mit feinsten Metallstiftchen.<\/p>\n<p> Zu den ersten solchen Kleinoden gestellten sich \u2013 ganz getreu dem \u00f6konomischen Gesetz des immer Gr\u00f6sseren und Aufwendigeren \u2013 gr\u00f6ssere mechanische Orgeln und Klavier, ja ganze Orchester mit immer raffinierteren, von Lochkartenstreifen und -b\u00e4ndern gesteuerten Mechaniken.<\/p>\n<p><\/span><\/span><\/p>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"204\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/2006\/060717seewen1.jpg\" border=\"0\" \/><\/td>\n<td align=\"left\" valign=\"bottom\"><span class=\"txt-s-black\"><strong>Die Kirchweihorgel im Foyer des Museums ist st\u00fcndlich zu h\u00f6ren. <\/strong><\/span><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\"><br \/> An diese Musikautomaten verlor der junge Basler Druckereiunternehmer Heinrich Weiss Mitte des 20. Jahrhunderts sein Herz. Bereits in dieser Zeit begann er, die ausrangierten Zeugen vergangener Musikkultur auf Flohm\u00e4rkten und in Abstellkammern zusammenzusuchen und zu reparieren. Daraus ist eine der faszinierendsten Sammlungen zur Geschichte der mechanischen Musikreproduktion gewachsen. Im Jahr 2000 hat sie in einem luxuri\u00f6sen Museumsbau im Solothurner Jura eine definitive Heimst\u00e4tte gefunden.<\/p>\n<p> Wer Musikdosen, Trichtergrammophone und Drehorgeln mit dem Geruch von Antiquit\u00e4tenm\u00e4rkten und gem\u00fctvollen B\u00fcrgersalons assoziiert, d\u00fcrfte von dem k\u00fchlen und funktionalen, daf\u00fcr repr\u00e4sentativen Bau der Architekten Markus Schwob und Christoph Sutter irritiert sein. Die luftige Atmosph\u00e4re und die grossz\u00fcgigen Dimensionen der vier Ausstellungss\u00e4le (zwei f\u00fcr die Sammlung, einer f\u00fcr die Museumsp\u00e4dagogik und einer f\u00fcr Wechselausstellungen) erlauben es aber vor allem den gr\u00f6sseren Objekte wie einer Decap-Tanzorgel oder der Kirchweihorgel im Foyer, ihren individuellen Charme zu entfalten.<\/p>\n<p><\/span><\/span><\/p>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td align=\"right\" valign=\"bottom\" width=\"200\"><span class=\"txt-s-black\"><strong>Musikautomaten m\u00fcssen nicht unbedingt nostalgischen Charakter aufweisen, wie dieses Objekt im Foyer beweist.<\/strong><br \/> <\/span><\/td>\n<td><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/2006\/060717seewen2.jpg\" border=\"0\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><span class=\"txt-m-black\"><br \/> Zug\u00e4nglich sind die rund 500 Ausstellungsobjekte der Sammlung nur in Form von F\u00fchrungen durch geschultes Museumspersonal. Dies ist aber durchaus sinnvoll; schliesslich ist es der Klang, der die Automaten zu Leben erweckt. So empfiehlt es sich, bloss eine auf einmal in Betrieb zu setzen und dies kompetentem Personal mit der n\u00f6tigen Sorgfalt zu \u00fcberlassen. Der etwa einst\u00fcndige Rundgang gibt so einen einzigartigen und lehrreichen Eindruck von dieser versunkenen Welt b\u00fcrgerlicher Behaglichkeit und der Poesie der Maschinen.<\/p>\n<p> Bis 22. Oktober 2006 ist in dem Museum eine Sonderausstellung zu historischen und zeitgen\u00f6ssischen Figurenautomaten zu bestaunen. Ausgehend von den legend\u00e4ren menschlichen Automaten des Franzosen Jacques de Vaucanson und der Schweizer Pierre Jacquet-Droz und Henri Maillardet bildete sich eine ganze Tradition mechanischer Tiere und Figuren, die auch heute noch gepflegt wird. In der Seewener Ausstellung sind rund 75 Exponate zu sehen \u2013 unter anderem von Christian Bailly, Renato Boaretto oder dem in Brugg t\u00e4tigen Walter Dahler sowie von Fran\u00e7ois Junod, der die Kunst des feinmechanischen Figurenbaus im geschichtstr\u00e4chtigen Sainte-Croix weiterf\u00fchrt.\u00a0 (wb)<\/p>\n<p> <span class=\"txt-s-black\">Museum f\u00fcr Musikautomaten, Bollh\u00fcbel 1, 4206 Seewen, ge\u00f6ffnet Di-So, 11-18 Uhr. Webseite: <a href=\"http:\/\/www.musee-suisse.com\/d\/index2.html\" target=\"\u201cblank\u201c\" rel=\"noopener noreferrer\">www.musee-suisse.com <\/a><\/span><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>18.07.2006 &#8212; Im malerischen Seewen im Solothurner Schwarzbubenland hat eine einzigartige Sammlung an Musikautomaten eine definitive Heimst\u00e4tte gefunden: Das zur&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[15],"tags":[],"class_list":["post-794","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-systematische-musikwissenschaften","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/794","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=794"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/794\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=794"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=794"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=794"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}