{"id":796,"date":"2014-01-12T11:54:49","date_gmt":"2014-01-12T11:54:49","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/12\/honeggers-durchbruch-als-komponist\/"},"modified":"2014-01-12T11:54:49","modified_gmt":"2014-01-12T11:54:49","slug":"honeggers-durchbruch-als-komponist","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/12\/honeggers-durchbruch-als-komponist\/","title":{"rendered":"Honeggers Durchbruch als Komponist"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"txt-m-black\"><strong>30-03.2007 &#8212; Mit \u00abK\u00f6nig David\u00bb gelang dem jungen Arthur Honegger der Druchbruch als Komponist; eigentlich aber ist die Dramatisierung der zwei biblischen B\u00fccher Samuels ein geistiges Kind von Ren\u00e9 Morax, dem Waadtl\u00e4nder Dichter, der 1908 in dem D\u00f6rfchen Mezi\u00e8res das Th\u00e9\u00e2tre du Jorat gegr\u00fcndet hatte<\/strong><\/p>\n<p> W\u00e4hrend des ersten Weltkrieges \u2013 Morax bringt ihn als Postordonnanz hinter sich \u2013 schreibt er einige St\u00fccke f\u00fcr Pupazzi, eine Art Marionetten; er macht dadurch die Bekanntschaft des Z\u00fcrcher Puppenspielers Alfred Altherr, tritt einem Komitee bei, das dem Marionettenspiel zu gr\u00f6sserer Beachtung verhelfen soll, und lernt so den Winterthurer M\u00e4zen Werner Reinhart kennen, der ihm, indem er ihn auf eine nach Indien und Ceylon f\u00fchrende Gesch\u00e4ftsreise mitnimmt, eine Gelegenheit zum Studium orientalischer Theaterformen bietet.<\/p>\n<p> F\u00fcr Morax \u00f6ffnen sich ungeahnte Erlebniswelten: Landschaften, Architektur, Mythen, die unsere indogermanische Herkunft aufleben lassen&#8230; In Colombo wohnt er einem hinduistischen Theater bei, bewundert den Bau der endlosen lyrischen Wiederholungen und des verschlungenen Geschichtsverlaufes; in Rameswaram beeindruckt ihn eine religi\u00f6se Zeremonie so tief, dass er beschliesst, ein Werk orientalischen Charakters, das einen bezug zur Bibel hat, zu schreiben \u2013 die \u00c4hnlichkeit zwischen der Geschichte der indischen F\u00fcrsten und j\u00fcdischen \u00dcberlieferungen frappiert ihn, vor allem die Polygamie, die so zahlreiche Streitereien hervorrief \u2013 erinnert sei vor allem an Absalom&#8230;<\/p>\n<p> Zwischen den von persischer Musik beeinflussten Ges\u00e4ngen auf dem Kontinent und den Psalmen Davids sieht er eine mystische Verbindung. In die Schweiz zur\u00fcckgekehrt, zieht Morax sich in ein kleines Gasthaus in Leuk zur\u00fcck und schreibt \u2013 gest\u00f6rt einzig von hemds\u00e4rmeligen Wahlkundgebungen einer Walliser Partei \u2013 sein Epos, in dem er das Erlebnis des Weltkrieges und die orientalische Formen- und Sinnenwelt verarbeiten kann. <\/p>\n<p> Das Th\u00e9\u00e2tre du Jorat hat, nach der Auff\u00fchrung des \u00abTell\u00bb von Morax, w\u00e4hrend des Krieges seine Tore schliessen m\u00fcssen, und der \u00abK\u00f6nig David\u00bb bietet eine gute Gelegenheit, es neu zu er\u00f6ffnen. Zun\u00e4chst tritt Morax an seinen Hauskomponisten Gustave Doret mit der Bitte um Vertonung des Dramas heran.<\/p>\n<p> Doret lehnt ab, sei es wegen seines in dieser Zeit offenkundigen Antisemitismus, sei es wegen anderer Verpflichtungen (Honegger allerdings wird er den Erfolg sp\u00e4ter neiden und als einflussreicher Journalist daf\u00fcr sorgen, dass die Waadtl\u00e4nder Auff\u00fchrungen in Lausanne und Genf zun\u00e4chst kaum Presseecho finden.) Der von Doret als Ersatz vorgeschlagene Jean Dup\u00e9rier lehnt ab, weil er bef\u00fcrchtet, die zahlreichen Ch\u00f6re nicht bew\u00e4ltigen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p> Ernest Ansermet schl\u00e4gt schliesslich den in der Schweiz noch unbekannten Arthur Honegger vor. Ohne zu z\u00f6gern sagt dieser zu&#8230; und stutzt ob der vorgesehenen seltsamen Besetzung: Grosser Chor und lediglich siebzehn Instrumentalisten.<\/p>\n<p> Strawinsky r\u00e4t ihm, so zu tun, als sei dies gerade sein Wunsch gewesen. Ein Rat, den Honegger \u00abals wertvolle Lektion in Kompositionslehre\u00bb dankbar entgegennimmt. Und da die Zeit bis zur geplanten Urauff\u00fchrung schon recht knapp bemessen ist, schl\u00e4gt er umgehend vor, zun\u00e4chst einmal die Ch\u00f6re zu schreiben, damit die S\u00e4nger besch\u00e4ftigt seien.<\/p>\n<p> Der Erfolg, den der \u00abK\u00f6nig David\u00bb beim Publikum von Beginn weg hatte, war \u00fcberw\u00e4ltigend. (wb)<\/p>\n<p> Aufnahmen (Auswahl):<br \/> <a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/B000CQNIWO?ie=UTF8&amp;tag=codexflores-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=B000CQNIWO\">Michel Corboz (Leitung), Choeur et Orchestre de la Fondation Gulbenkian<\/a><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.assoc-amazon.de\/e\/ir?t=codexflores-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=B000CQNIWO\" border=\"0\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" style=\"border: none !important; margin: 0px !important;\" \/> <br \/> <a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/B0007TF11M?ie=UTF8&amp;tag=codexflores-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=B0007TF11M\">Charles Dutoit (Leitung), Orchestre Philharmonique de Monte Carlo<\/a><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.assoc-amazon.de\/e\/ir?t=codexflores-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=B0007TF11M\" border=\"0\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" style=\"border: none !important; margin: 0px !important;\" \/><br \/> <a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/B0000258EZ?ie=UTF8&amp;tag=codexflores-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=B0000258EZ\">Ernest Ansermet (Leitung), Orchestre de la Suisse Romande<\/a><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.assoc-amazon.de\/e\/ir?t=codexflores-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=B0000258EZ\" border=\"0\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" style=\"border: none !important; margin: 0px !important;\" \/><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>30-03.2007 &#8212; Mit \u00abK\u00f6nig David\u00bb gelang dem jungen Arthur Honegger der Druchbruch als Komponist; eigentlich aber ist die Dramatisierung der&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[16],"tags":[],"class_list":["post-796","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-musikgeschichte","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/796","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=796"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/796\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=796"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=796"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=796"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}