{"id":797,"date":"2014-01-12T11:55:28","date_gmt":"2014-01-12T11:55:28","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/12\/ruggero-leoncavallo-in-brissago\/"},"modified":"2014-01-12T11:55:28","modified_gmt":"2014-01-12T11:55:28","slug":"ruggero-leoncavallo-in-brissago","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/12\/ruggero-leoncavallo-in-brissago\/","title":{"rendered":"Ruggero Leoncavallo in Brissago"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\"><strong>19.09.2007 &#8212; Mit der Oper \u00abPagliacci\u00bb (\u00abDer Bajazzo\u00bb), uraufgef\u00fchrt 1892 in Mailand, wurde Ruggero Leoncavallo international ber\u00fchmt. Wenig bekannt ist, dass er sich im Tessiner Dorf Brissago am Lago Maggiore eine Villa errichten liess, wo er w\u00e4hrend l\u00e4ngerer Zeit wohnte und arbeitete. Seit f\u00fcnf Jahren gibt es in Brissago das bisher einzige Museum, das ganz dem wohl prominentesten Komponisten des Tessins gewidmet ist, dessen 150.Geburtstag in diesem Jahr gedacht wird. <\/strong> <\/p>\n<p><\/span><\/span><\/p>\n<p> <center><em>von Gustav A. Lang<\/em><\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\"><br \/> Der Neapolitaner Ruggero Leoncavallo (23. April 1857 bis 9. August 1919) ein Tessiner? Nat\u00fcrlich nicht, was seine Staatsangeh\u00f6rigkeit, seine Musikalit\u00e4t betrifft. Aber das Tessin wurde ihm zur Herzensangelegenheit, und im Tessin liegt, nach einem Umweg \u00fcber Florenz, denn auch seine Grabst\u00e4tte. <\/p>\n<p> Wie es dazu kam? Nun: Die S\u00fcdschweiz war \u2013 und ist es zum Teil noch heute \u2013 vielen K\u00fcnstlern, unter ihnen nicht wenigen Deutschen, ein willkommenes Refugium, wo sie unter klimatisch angenehmen Bedingungen Distanz halten konnten zu den Erwartungen, den Verpflichtungen, auch zu den Verstrickungen in ihren Heimatl\u00e4ndern. Und so hat Leoncavallo, seit 1888 in Mailand wohnhaft, seinerseits das Tessin \u00abentdeckt\u00bb, als er in den fr\u00fchen Neunzigerjahren des 19. Jahrhunderts zusammen mit Giacomo Puccini, seinem sp\u00e4teren beruflichen \u00abRivalen\u00bb, in Vacallo beim Grenzort Chiasso \u00fcber die mit Pietro Mascagnis \u00abCavalleria rusticana\u00bb 1890 einem Paukenschlag gleich auf die Theaterb\u00fchne getretene veristische Oper debattierte und dabei an seinem Meisterwerk, dem \u00abBajazzo\u00bb, den hinreissenden \u00abPagliacci\u00bb, feilte. Das Bedeutende am sogenannten Verismus, des italienischen musikalischen Realismus und Naturalismus, war wohl, Musiktheater \u00abnach\u00bb Grossmeister Giuseppe Verdi \u00fcberhaupt noch m\u00f6glich gemacht zu haben. <\/p>\n<p> <strong>Die \u00abPagliacci\u00bb \u2013 ein Meisterwerk<\/strong> <\/p>\n<p> Mit den genialischen \u00abPagliacci\u00bb, 1892 unter der Stabf\u00fchrung des jungen Arturo Toscanini im Teatro Dal Verme in Mailand uraufgef\u00fchrt, wird Leoncavallo \u00fcber Nacht weltber\u00fchmt \u2013 und endlich auch einigermassen verm\u00f6gend. Er f\u00e4hrt nun \u00f6fters zum \u00abAusl\u00fcften\u00bb an die oberitalienischen Seen, insbesondere an den Langensee. Ein Kuraufenthalt in Cannero Riviera auf der piemontesischen Seite des Lago Maggiore macht ihn bereits 1893 aufmerksam auf das damals malerisch vertr\u00e4umte, geschichtlich jedoch bedeutsame Tessiner Dorf Brissago just hinter der italienisch-schweizerischen Grenze, unweit von Ascona und Locarno. <\/p>\n<p> Und so kehrt er immer wieder nach Brissago zur\u00fcck, logiert in dortigen Alberghi, bewohnt ab 1896 am See ein Haus, entscheidet sich schliesslich um 1902 herum zur definitiven Wohnsitznahme und l\u00e4sst sich \u00fcber dem See 1903 die \u00fcppige, viele Stile vermischende Villa Myriam bauen. Hier h\u00e4lt er grossz\u00fcgig Hof und empf\u00e4ngt, zusammen mit seiner franz\u00f6sischen Gattin Berthe, zahlreiche Ber\u00fchmtheiten des fr\u00fchen 20. Jahrhunderts, unter ihnen auch den Tenor Enrico Caruso, den Dirigenten Toscanini und seinen Verleger Sonzogno, ebenso die Schauspielerin Eleonora Duse. In Locarno inszeniert er im neu erbauten Teatro 1904 pers\u00f6nlich eine Auff\u00fchrung der \u00abPagliacci\u00bb.<\/p>\n<p> Schnell hat sich Leoncavallo ins Locarnese eingelebt, pflegt geselligen Umgang mit den Brissaghesen, mit kunstsinnigen Tessinern. Er ist beliebt, und die Leute hier sind stolz auf den ber\u00fchmten Gast. Er bem\u00fcht sich im Angesicht der florierenden \u00abBelle \u00e9poque\u00bb auch um touristischen Aufschwung und geh\u00f6rt zu den Initianten f\u00fcr den Bau des 1907 schr\u00e4g unterhalb seiner Villa fertig erstellten Grand-H\u00f4tels. <\/p>\n<p><\/span><\/span><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 360px;\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/2007\/070904leoncavallo2.jpg\" border=\"0\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><center><span class=\"txt-s-black\"><strong>1903 erbaut, 1978 abgerissen: Leoncavallos Villa Myriam in Brissago.<\/strong><\/span><\/center><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\"><br \/> Deshalb wird ihm bereits am 18. Dezember 1904, als er von der viel beachteten Urauff\u00fchrung des \u00abRolands von Berlin \u00bb, der Auftragsoper Kaiser Wilhelms II., aus der deutschen Reichshauptstadt zur\u00fcckkehrt, in einer feierlichen, von der wackeren Dorfmusik akustisch gepr\u00e4gten Zeremonie und unter Anteilnahme ganz Brissagos mit wohlgesetzten Worten des Gemeindepr\u00e4sidenten, Sindaco Roberto Chiappini, das Ehrenb\u00fcrgerrecht (das bisher einzige der Seegemeinde) verliehen: \u00abZum Applaus, zur Anerkennung und den Ovationen anderer V\u00f6lker empfangen Sie auch die Ehrerbietung eines republikanischen Volks, welches das Genie der K\u00fcnste zu sch\u00e4tzen weiss!\u00bb Und Leoncavallo bedankt sich sichtlich ger\u00fchrt f\u00fcr die Ehre: \u00abIch liebe dieses Dorf, das Zeuge ist meiner Tr\u00e4ume und meiner K\u00e4mpfe, und ich bewundere dieses freie und starke republikanische Volk&#8230; Ich werde es lieben, bis ich zum ewigen Schlaf in Eurem bescheidenen Friedhof gerufen werde!\u00bb Es ist dieser letzte Satz, der Jahrzehnte sp\u00e4ter die sterblichen \u00dcberreste des Tondichters nach Brissago zur\u00fcckgef\u00fchrt hat. <\/p>\n<p> <strong>Fruchtbare Jahre am Lago Maggiore<\/strong> <\/p>\n<p> Seine in Brissago zugebrachten ein Dutzend bis zwanzig Jahre \u2013 unterbrochen durch zwei mehrw\u00f6chige musikalische Tourneen durch die USA 1906 und 1913 \u2013 sind wohl, abgesehen vom riesigen Erfolg der \u00abPagliacci\u00bb, die gl\u00fccklichsten seines ganzen Lebens. Hier f\u00fchlt er sich wohl, angespornt zu weiterem sch\u00f6pferischen Schaffen, das ihm ja von der Musikwelt, die ihn stets am \u00abBajazzo\u00bb misst, nicht leicht gemacht wird. Hier beendet er, der \u2013 im Unterschied zu Puccini und den anderen Veristen \u2013 als feinf\u00fchliger Literat die Libretti seiner dramatischen Werke mit wenigen Ausnahmen selber schreibt, den \u00abRolando\u00bb, bearbeitet seine \u00abBoh\u00e8me\u00bb, um sie von Puccinis Erfolgsoper besser abzuheben, als \u00abMim\u00ec Pinson\u00bb, komponiert die \u00abZingari\u00bb nach Puschkin, beginnt sich mit dem patriotischen \u00abMameli\u00bb und dem \u00abEdipo Re\u00bb nach Sophokles auseinanderzusetzen und schafft nach dem Libretto des ihm befreundeten Locarneser Dichters Angelo Nessi seine \u00abMaj\u00e0\u00bb, von Mascagni 1910 im Teatro Costanzi in Rom uraufgef\u00fchrt. <\/p>\n<p> Dazu, nebst seinen \u00fcber f\u00fcnfzig gehaltvollen Arie da camera und der unverw\u00fcstlichen, in zahlreichen Adaptionen wohlbekannten \u00abMattinata\u00bb, der Caruso zu Ruhm verhilft, eine Reihe von Operetten im \u2013 es ist auch die Zeit Franz Leh\u00e1rs und der Wiener leichten Muse \u2013 \u00abitalienischen Stil\u00bb. Unter ihnen, in Brissago komponiert, \u00abMalbruk\u00bb (erneut zusammen mit Nessi) sowie \u00abLa Reginetta delle rose\u00bb und \u00abAre you there?\u00bb. Die beiden letzten dieser Operetten-Reihe, entstanden in Montecatini, gelangen, wie der \u00abEdipo Re\u00bb, erst nach Leoncavallos Tod auf die B\u00fchne. <\/p>\n<p> So wie seine melodienstarke, eng mit der Stimmung in Brissago verkn\u00fcpfte Klaviermusik von verst\u00e4ndnislosen Puristen der, immerhin, gehobenen \u00abSalonmusik\u00bb zugeordnet wird, so sieht sich Leoncavallo konfrontiert mit dem Vorwurf, in die \u00abNiederungen\u00bb der Operette hinabgestiegen zu sein. Das tut er tats\u00e4chlich auch aus pekuni\u00e4ren Gr\u00fcnden, kann er doch schlecht mit seinen unregelm\u00e4ssigen Eink\u00fcnften umgehen, jedoch ebenso aus seinem Naturell heraus, das nicht allein der Dramatik, sondern ebenso dem prallen Lebensgenuss zugeneigt ist. Mit seinem \u00abPierrot au cin\u00e9ma\u00bb bekundet er \u00fcbrigens ein fr\u00fches Interesse f\u00fcr die Kombination von Musik und Film.<\/p>\n<p><\/span><\/span><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 324px;\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"164\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/2007\/070904leoncavallo3.jpg\" border=\"0\" \/><\/td>\n<td align=\"left\" valign=\"bottom\"><span class=\"txt-s-black\"><strong> Ruggero Leoncavallo (1857\u20131919) <\/strong><\/span><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\"><\/p>\n<p> Es ist, nebst finanziellen Zw\u00e4ngen, seine angeschlagene Gesundheit sowie die Turbulenz des Kriegsausbruchs mitsamt Eintritt Italiens in den Ersten Weltkrieg 1915, die Leoncavallo veranlassen, in den toskanischen Kurort Montecatini Terme umzuziehen und 1916 die Brissagheser Villa Myriam, h\u00f6chst ungern zwar, zu ver\u00e4usssern. Wohl bleibt er auch in Montecatini sch\u00f6pferisch t\u00e4tig, aber seine Gesundheit findet er nicht wieder: Er stirbt am 9. August 1919, nach Kriegsende, an Nierenversagen; an der Totenfeier in Montecatini nehmen, nebst einer grossen Menschenmenge, Puccini und mehrere weitere Veristen teil. Beigesetzt wird er im Grab seiner Schwiegermutter auf dem Cimitero delle Terre Sante zu Florenz. Es ist allerdings nicht der Ort seiner letzten Ruhe&#8230; <\/p>\n<p> <strong>Leoncavallos Nachleben in Brissago<\/strong> <\/p>\n<p> Nat\u00fcrlich bleibt die Erinnerung an Leoncavallo am Alto Verbano, dem oberen Langensee, wach. Der musikalisch begabte Emilio Ambrogio Bressani-Pedroli, Ingenieur und Hauptmann der italienischen Armee, in Brissago aufgewachsen, dort eingeb\u00fcrgert und mit Leoncavallo bekannt, l\u00e4sst sich vom Meister inspirieren zu seinen zierlichen Operetten \u00abLisetta\u00bb (1922) und \u00abPassano i Boemi\u00bb (1925), die er \u2013 man staunt heute \u2013 auf eigene Kosten im kleinen Ort am See zur Auff\u00fchrung bringt. Und die hiesige Filarmonica Brissaghese weiss um die ihr durch Leoncavallo zugewachsene besondere Verantwortung&#8230; <\/p>\n<p> Allein: Bald melden sich wirtschaftliche und politische Krisenjahre, Konfrontation mit Europas Diktaturen und schliesslich Zweiter Weltkrieg. Doch Leoncavallos 100. Geburtsjahr geht, nachdem der Krieg die Schweiz weitestgehend verschont hat, nicht vergessen: Im Einklang mit der Republik Italien, die eine Gedenkpostmarke drucken l\u00e4sst, wird in Brissago des Tondichters bei Musik, Speis und Trank gedacht \u2013 1958. Ein Jahr zu sp\u00e4t, wie man seither weiss und die Geburtsurkunde aus Neapel zweifelsfrei kl\u00e4rt. Zum Irrtum hat allerdings der Maestro selber beigetragen, wollte er doch gleich jung sein wie der 1858 in Lucca geborene \u00abRivale\u00bb Puccini. <\/p>\n<p> Und als die bisher namenlosen Strassen Brissagos benannt werden, wird die Hauptstrasse durch den Ort, die Via Centrale, 1987 in aller Form Via R. Leoncavallo getauft, und das Orchestra Radiotelevisione della Svizzera italiana gibt ein Konzert \u00abHommage a Leoncavallo\u00bb. Was nichts daran zu \u00e4ndern vermag, dass nach dem \u00abCaff\u00e8 Rolando\u00bb 1978 auch die Villa Myriam der Spitzhacke und einem Appartementhaus zum Opfer gefallen ist: Die Gemeinde, durch den Ankauf im Jahr 1970 des patrizialen Palazzo Branca-Baccal\u00e0, eines f\u00fcrwahr barocken Bijous, noch immer strapaziert, konnte es nicht verhindern \u2013 und Private taten es leider auch nicht. Nur die Statue des ritterlichen Roland, das Geschenk des letzten Hohenzollern-Kaisers und eventuell das Modell f\u00fcr den Berliner Roland von 1902 auf dem Brunnen des Berliner Kemperplatzes, im Krieg besch\u00e4digt und von der DDR beseitigt, bleibt noch bis November 2004 in den \u00abGiardini Leoncavallo\u00bb hartn\u00e4ckig und stramm stehen. Dem Grand-H\u00f4tel, dem Leoncavallo zu Gevatter stand, geht es \u00fcbrigens nicht besser als der Villa: Nach wechselvollem Schicksal wird es 1993 abgerissen und in den ersten Jahren des neuen Jahrhunderts durch einen ebenso wuchtigen modernistischen weissen Block mit Seeblick-Eigentumswohnungen ersetzt. <\/p>\n<p> <strong>Des Meisters R\u00fcckkehr nach Brissago<\/strong> <\/p>\n<p> Doch Ruggero Leoncavallo erh\u00e4lt schliesslich wertvollste Sch\u00fctzenhilfe durch einen Musikologen und eine Freifrau. Der Locarneser Musikwissenschaftler und Dirigent Graziano Mandozzi, ausgewiesener Kenner der Musik Leoncavallos, tr\u00e4gt im Lauf der Jahre eine umfangreiche Sammlung zum Thema zusammen, insbesondere aus den Nachlassbest\u00e4nden der Br\u00fcder Trovatelli in Florenz, und hebt einige Werke des Komponisten aus der Versenkung wie etwa \u00abI Medici\u00bb, die er 1993 in Frankfurt am Main zur Auff\u00fchrung bringt \u2013 jene Oper, die Wilhelm II. beeindruckt und zum Auftrag an Leoncavallo f\u00fcr den \u00abRolando\u00bb bewegt hatte. Und die k\u00fchne sinfonische Dichtung \u00abS\u00e9raphitus-S\u00e9raphita\u00bb, die er 1994 in Ballettform auf toskanischen B\u00fchnen, zusammen mit den \u00abPagliacci\u00bb, erklingen l\u00e4sst. Sp\u00e4ter tritt Mandozzi grosse Teile dieser Kostbarkeiten an den Kanton Tessin ab, der in der Biblioteca Cantonale zu Locarno den \u00abFondo Leoncavallo\u00bb einrichtet \u2013 die nunmehr bedeutendste musikwissenschaftliche Anlaufstelle f\u00fcr das Erbe des Komponisten aus Neapel. <\/p>\n<p><\/span><\/span><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 240px;\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/2007\/070904leoncavallo4.jpg\" border=\"0\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><center><span class=\"txt-s-black\"><strong>Im Palazzo Branca-Baccal\u00e0 in Brissago ist seit 2002 das Museo Leoncavallo untergebracht. <\/strong><\/span><\/center><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\"><br \/> Im \u00fcbrigen erreicht Mandozzi, dass die sterblichen \u00dcberrreste Leoncavallos, wie es dessen Wunsch von 1904 entspricht, 1989 auf recht abenteuerliche Weise \u2013 diplomatisch nicht unbedenklich \u2013 von Florenz nach Brissago gelangen, wo sie dann f\u00fcnf Jahre sp\u00e4ter, nach einigem Werweissen \u00fcber den w\u00fcrdigsten Standort, im Portikus aus dem 17. Jahrhundert der sch\u00f6nen Renaissancekirche Madonna di Ponte direkt \u00fcber dem See, zusammen mit Berthe, ihre definitive Ruhe finden. Das ist denn auch die Initialz\u00fcndung f\u00fcr das seit 1996 allj\u00e4hrliche Musikfestival \u00abRuggero Leoncavallo\u00bb, zuerst unter Mandozzis, sp\u00e4ter unter Ottavio Palmieris Regie, eines einheimischen Tenors; im Mai 2007 hat im Rahmen des Feierjahrs, in dem auch eine konzertante Freilicht-Auff\u00fchrung der \u00abPagliacci\u00bb vor dem Museum angesetzt ist, die zw\u00f6lfte Auflage stattgefunden. <\/p>\n<p> <strong>Die Baronessa und ihr Museum<\/strong> <\/p>\n<p> Ein weiterer Teil der Hinterlassenschaft Leoncavallos, darunter auch etliches aus dessen Privathaushalt, geht in den Besitz der bereits seit etlichen Jahren in Brissago ans\u00e4ssigen, vor allem junge Musiker f\u00f6rdernden \u00abBaronessa\u00bb Hildegarde Freifrau von M\u00fcnchhausen \u00fcber. Damit ist auch die Idee eines Museums geboren: Gemeinsam mit der politischen Gemeinde Brissago wird sie, nach der Begr\u00fcndung der \u00abFondazione Ruggero Leoncavallo\u00bb Ende 1999\/Anfang 2000 und dem Vertrag zwischen Municipio und Fondazione vom 3. Mai 2001, am 13. April 2002 realisiert. Der Comune stellt die frisch renovierten R\u00e4umlichkeiten im Palazzo Branca-Baccal\u00e0 sowie deren Betreuung zur Verf\u00fcgung; der Stiftungsrat, die Fondazione, beteiligt sich an den Erneuerungsarbeiten und besorgt das \u00abInt\u00e9rieur\u00bb mitsamt Leoncavallos Hammerfl\u00fcgel, ein \u00abErard Paris\u00bb aus dem Jahr 1841. An dieser Arbeitsteilung ist es bis heute geblieben. <\/p>\n<p> Wer das kleine, jedoch schmucke Museo Leoncavallo im Ortskern Brissagos besucht, soll realisieren, dass Leoncavallo nicht allein der Sch\u00f6pfer der \u00abPagliacci\u00bb, der \u00abMattinata\u00bb und eines \u00abAve Maria\u00bb ist, sondern ein umfassendes kompositorisches Werk von grossem Wert hinterlassen hat. Dass von seinem langj\u00e4hrigen Aufenthalt in Paris gepr\u00e4gte Opern wie sein Fr\u00fchwerk \u00abChatterton\u00bb, die im Vergleich mit Puccini zumindest \u00abrealistischere\u00bb Fassung der \u00abBoh\u00e8me\u00bb oder seine von Toscanini im Mail\u00e4nder Teatro Lirico im Jahr 1900 uraufgef\u00fchrte \u00abZaz\u00e0\u00bb \u2013 nebst \u00abLa nuit de mai\u00bb, einer fr\u00fchen sinfonischen Dichtung von tiefem Gehalt \u2013 es verdienten, auf die B\u00fchnen zur\u00fcckzukehren, l\u00e4sst sich anhand der in den vergangenen Jahren geschaffenen CD-Studioaufnahmen auch von Liebhabern des lyrischen Theaters \u00fcberpr\u00fcfen. Es verh\u00e4lt sich eben bei Leoncavallo wie bei etlichen anderen Veristen, die seltsamerweise allein mit einem einzigen Werk pr\u00e4sent geblieben sind: Wer hinter die Konventionen einer sterilen Musikkritik vordringt, st\u00f6sst unfehlbar auf nicht wenige verborgene Perlen! Dazu soll das Museo Leoncavallo Anstoss geben. <\/p>\n<p> <strong>Im 150. Geburtsjahr Ruggero Leoncavallos<\/strong> <\/p>\n<p> Zu den Aufgaben der Fondazione geh\u00f6rt nat\u00fcrlich der kontinuierliche Einsatz f\u00fcr Leoncavallo und dessen Musik: So erinnert sie im November 2004 mit einer musikalischen Feier an die hundertj\u00e4hrige Ehrenb\u00fcrgerschaft Leoncavallos, wobei der hinterher noch gr\u00fcndlich ges\u00e4uberte Roland, ein Unikum in der Schweiz, ebenfalls hundert Jahre nach der Erstauff\u00fchrung der gleichnamigen Oper in Berlin, seinen neuen Standort vor dem Museum zugewiesen erh\u00e4lt. Daselbst hat nun auch die beim Abbruch der Villa Myriam in St\u00fccke geschlagene und gl\u00fccklicherweise wieder zusammengef\u00fcgte Statue der T\u00e4nzerin Zaz\u00e0 eine bleibende Statt gefunden.<\/p>\n<p> Die Fondazione unterst\u00fctzt ebenso die Publikation einer zweiten Biografie des Maestro (eine erste datiert von 1985), die im Oktober 2005 in Brissago ihre Vernissage erlebt und nun in 2. Auflage vorliegt. Deren Autor, Konrad (Claude) Dryden, erinnert daran, dass es gerade der sp\u00e4tromantische \u00abRolando\u00bb w\u00e4re, der in Berlin wieder auf Interesse stossen m\u00fcsste. Dass \u00abI Medici\u00bb, die Graziano Mandozzi vom Libretto her f\u00fcr aussergew\u00f6hnlich h\u00e4lt, im Juli 2007 in Torre del Lago Puccini bei Viareggio zum Gedenken Leoncavallos erneut aufgef\u00fchrt werden und nun auch D\u00fcsseldorf f\u00fcr diese Oper Interesse bekundet, ist h\u00f6chst erfreulich. Zwei f\u00fchrende \u00f6ffentlichrechtliche deutsche Radiosender gedenken im April in ausgedehnten Sendungen des Geburtstags des Komponisten und dokumentieren damit, dass Leoncavallo insbesondere in Deutschland noch immer gesch\u00e4tzt wird.<\/p>\n<p><\/span><\/span><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 324px;\" cellspacing=\"4\">\n<tbody>\n<tr>\n<td align=\"right\" valign=\"bottom\"><span class=\"txt-s-black\"><strong> Der Portikus der Renaissancekirche Madonna di Ponte beim Lido von Brissago beherbergt die Grabst\u00e4tten Leoncavallos und seiner Frau Berthe. <\/strong><\/span><\/td>\n<td width=\"164\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/2007\/070904leoncavallo5.jpg\" border=\"0\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\"><\/p>\n<p> Und nat\u00fcrlich ist die Fondazione im laufenden Jahr 2007, dem 150. Geburtsjahr Leoncavallos, intensiv beteiligt an der Organisation diverser musikalischer Veranstaltungen und Festivit\u00e4ten, in deren Verlauf im Mai auch die Gemeindepartnerschaft zwischen Brissago und Montalto Uffugo in Kalabrien, dem Handlungsort der \u00abPagliacci\u00bb, wo Leoncavallo ein paar Jahre seiner Jugendzeit verbracht hat, in beiden Orten besiegelt wird. In konzertanter Form erklingt dieses geniale Meisterwerk Ende Juli erstmals in Brissago auf der Piazzetta vor dem Palazzo Branca-Baccal\u00e0.<\/p>\n<p><\/span><\/span><\/p>\n<p> <center>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;<\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\"><br \/> siehe auch:<br \/> <a class=\"txt-m-red\" href=\"http:\/\/212.60.37.143\/dossiers_ind9.php?art=69\"><strong>Musik Leoncavallos auf Tontr\u00e4ger<\/strong><\/a><\/p>\n<p><\/span><\/span><\/p>\n<p> <center>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;<\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-m-black\"><br \/> <strong>Information im Internet:<\/strong><br \/> <a href=\"http:\/\/www.leoncavallo.ch\" target=\"blank\" rel=\"noopener noreferrer\">www.leoncavallo.ch<\/a> (Fondazione) <br \/> <a href=\"http:\/\/www.sbt.ti.ch\/leoncavallo\" target=\"blank\" rel=\"noopener noreferrer\">www.sbt.ti.ch\/leoncavallo<\/a> (Fondo) <br \/> <a href=\"http:\/\/www.maggiore.ch\" target=\"blank\" rel=\"noopener noreferrer\">www.maggiore.ch<\/a> (Ente Turistico) <\/p>\n<p> <strong>Literatur:<\/strong><br \/> Daniele Rubboli: Ridi Pagliaccio, Ruggero Leoncavallo: un musicista raccontato per la prima volta, Lucca 1985 (italienisch) <br \/> Konrad Dryden: Leoncavallo, Life and works, Bamberg 2005 (englisch)<br \/> Gustav A. Lang: \u00abRidi Pagliaccio\u00bb am Lago Maggiore. Ein Museum f\u00fcr Ruggero Leoncavallo in Brissago; in: ZIBALDONE, Zeitschrift f\u00fcr italienische Kultur der Gegenwart, hg. von Thomas Bremer u. Titus Heydenreich, No. 43, Stauffenburg-Verlag T\u00fcbingen, Fr\u00fchjahr 2007 (deutsch)<br \/> Zur Freifrau von M\u00fcnchhausen vgl. Zeitschrift \u00abemoTIon\u00bb, Top Ticino, 2\/2006 <\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>19.09.2007 &#8212; Mit der Oper \u00abPagliacci\u00bb (\u00abDer Bajazzo\u00bb), uraufgef\u00fchrt 1892 in Mailand, wurde Ruggero Leoncavallo international ber\u00fchmt. Wenig bekannt ist,&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[16],"tags":[],"class_list":["post-797","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-musikgeschichte","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/797","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=797"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/797\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=797"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=797"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=797"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}