{"id":800,"date":"2014-01-12T13:04:37","date_gmt":"2014-01-12T13:04:37","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/12\/mein-name-ist-bach\/"},"modified":"2014-01-12T13:04:37","modified_gmt":"2014-01-12T13:04:37","slug":"mein-name-ist-bach","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/12\/mein-name-ist-bach\/","title":{"rendered":"\u00abMein Name ist Bach\u00bb"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\"><strong>Musik, Macht und Menschlichkeit: Dominique de Rivaz\u2019 Film verbindet Generationen und Welten, Geschichte und Phantasie. Johann Sebastian Bach und Friedrich II. von Preussen begegnen sich 1747 und messen K\u00f6nnen und Macht. Sie h\u00e4tten Vater und Sohn sein k\u00f6nnen. <\/strong> <\/p>\n<p><\/span><\/span><\/p>\n<p> <center><em>Von Fred Zaugg<\/em><\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\"><br \/> 06.04.2004 &#8212; Eine Reise. Eine Kutsche schaukelt durch Landschaften und Tageszeiten. Dann ein Halt, eine Kontrolle. Unterwegs ist Johann Sebastian Bach. Aus Leipzig ist er aufgebrochen, um in Potsdam seinen Sohn Carl Philipp Emanuel zu besuchen, dessen j\u00fcngstes Kind getauft werden soll. Aber dem Musiker wird nicht die ihm seiner Meinung nach zustehende Behandlung zuteil. Er ist an der Grenze des engeren Wirkungsbereichs von Friedrich II., den man dereinst den Grossen nennen wird. Der junge preussische K\u00f6nig l\u00e4sst selbst den Meister seine Macht sp\u00fcren. <\/p>\n<p> <strong>Reisen und Grenzen<\/strong> <\/p>\n<p> Reisen beziehungsweise das Unterwegssein im Leben, in der Zeit und vor Ort, aber auch Grenzen, seien es solche der Freiheit und des Denkens oder der Fakten und der Phantasie, spielen fortan eine wichtige Rolle im Film \u00abMein Name ist Bach\u00bb der Schweizer Filmautorin Dominique de Rivaz. <\/p>\n<p> Kost\u00fcmfilme helvetischer Provenienz sind eher selten. Wenn es sich zudem um eine Auseinandersetzung mit Ikonen der abendl\u00e4ndischen Kultur und Geschichte handelt, muss von einer Rarit\u00e4t gesprochen werden, ganz abgesehen davon, dass die Bezeichnung Kost\u00fcmfilm f\u00fcr \u00abMein Name ist Bach\u00bb kaum zutreffend ist. Hier wird gespielt, mit Kl\u00e4ngen und Instrumenten, mit Worten und Noten, mit Macht und Genialit\u00e4t und schliesslich auch mit Barock-Kost\u00fcmen, aber \u2013 und dies ist wohl das Reizvollste und auch Riskanteste \u2013 mit Verb\u00fcrgtem und Erdachtem, Gefundenem und Erfundenem. <\/p>\n<p> Bekannt und mehrfach belegt ist die Begegnung des alternden Johann Sebastian Bach mit dem jungen Friedrich II. am 7. Mai 1747 in Potsdam. Der Monarch zitiert den ber\u00fchmten Musiker an den Hof, wo \u00fcbrigens Carl Philipp Emanuel als Musikintendant wirkt. Friedrich II. ist nicht nur ein gebildeter Herrscher, sondern auch ein begabter Musiker. Am Abend jenes 7. Mai fordert der 33-J\u00e4hrige im alten Schloss zu Potsdam den 62-j\u00e4hrigen Bach auf, eine kleine, von ihm erdachte Melodie als Fuge zu drei oder gar sechs Stimmen zu improvisieren. Der Virtuose verweigert sich vorerst und kehrt dem K\u00f6nig den R\u00fccken. <\/p>\n<p> Dies ist eine fiktive L\u00f6sung, denn die Fakten fehlen. Aber die von Friedrich erdachte oder erlistete Melodie wurde zu einem Thema der zweitletzten grossen Komposition Johann Sebastian Bachs: \u00abDas musikalische Opfer\u00bb. Es wurde dem K\u00f6nig erst lange nach dem Zusammentreffen mit einem herzlichen Brief \u00fcbermittelt, und es scheint sich darin etwas von jener ebenso dramatischen wie kontemplativen Woche zu spiegeln, die Dominique de Rivaz und ihre Drehbuchkoautoren Jean-Louis Bourgeois (von ihm stammt die Filmidee) und Leo Raat zu ihrem feinen Filmspiel befl\u00fcgelten. <\/p>\n<p> <strong>Menschen hinter Masken<\/strong> <\/p>\n<p> Einmal \u00f6ffnen sie uns mit vielen k\u00f6stlichen Details ein Fenster auf die Zeit Bachs und Friedrichs II. Aber sie z\u00f6gern dabei nicht, aus Denkm\u00e4lern Menschen zu machen. Eine mit W\u00e4rme und Liebe ausgestaltete Intimit\u00e4t wird vor die wissenschaftlich ausgelotete Authentizit\u00e4t gestellt. \u00abMein Name ist Bach\u00bb wird damit zu einem verletzlichen Werk. Vieles kann in Frage gestellt werden. Doch dieser Film wendet sich nicht an Wissenschafter, sondern an alle, die sich einem Erz\u00e4hlen, ja manchmal einem Fabulieren \u00f6ffnen, das hinter die Masken f\u00fchrt, hinter die Vollkommenheit des Komponisten wie hinter die Befehlsgewalt des Monarchen. Dort wohnen Zweifel, Schmerz und Furcht, unerf\u00fcllbare Tr\u00e4ume und nagende Selbstkritik. <\/p>\n<p> Der Per\u00fccke bar, wird Bachs Sch\u00e4del zum Globus. Darin sind wohl geniale Einf\u00e4lle, aber auch nagende Angst vor dem Erblinden und davor, als Vater versagt zu haben. Friedrichs Vater hat seinen besten Freund hinrichten lassen. Traumatisiert, m\u00f6chte er dennoch der Beste sein, ein K\u00fcnstler als Regent und Fl\u00f6tenspieler, doch er bleibt ein launischer Tyrann. In der Ann\u00e4herung der gegens\u00e4tzlichen Charaktere wird \u00abMein Name ist Bach\u00bb aktuell, als Familiengeschichte zeitlos. <\/p>\n<p> <strong>Subtiles Filmspiel<\/strong> <\/p>\n<p><\/span><\/span><\/p>\n<p> <center><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/Bach-Film2.jpg\" border=\"0\" \/><\/center><center><span class=\"txt-s-black\">Johann Sebastian Bach (Vadim Glowna), Friedrich II. (J\u00fcrgen Vogel) <br \/>und sein Sekret\u00e4r Goltz (Gilles Tschudi).<\/span><\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-m-black\"><br \/> Wenn \u00abMein Name ist Bach\u00bb, eine Koproduktion Schweiz-Deutschland, den Preis des besten Schweizer Spielfilms 2004 erhalten hat, so wird damit ein Ganzes ausgezeichnet, die feine Inszenierung mit der reichen Bildsprache, der sorgsam ausgew\u00e4hlten Musik und den eine Br\u00fccke in die Gegenwart schlagenden Originalkompositionen von Fr\u00e9d\u00e9ric Devreese. Wenn Gilles Tschudi f\u00fcr die Nebenrolle des Sekret\u00e4rs Goltz geehrt worden ist, so wird damit \u00fcber sein unbestrittenes K\u00f6nnen hinaus ein Zeichen daf\u00fcr gesetzt, mit welcher Intensit\u00e4t hier neben Bach (Vadim Glowna) und Friedrich (J\u00fcrgen Vogel) auch Prinzessin Amalie als V\u00f6gelchen in goldenem K\u00e4fig (Karoline Herfurth), Friedemann Bach als querulierender musikalischer Vision\u00e4r (Anatole Taubman), Hofkomponist Johann-Joachim Quantz (Philippe Vuillemier) und schliesslich Voltaire (Michel Cassagne) gezeichnet und gespielt werden. <\/p>\n<p> Die in Bern aufgewachsene Dominique de Rivaz hat schon als Kind ihre Leidenschaft f\u00fcr den Film entdeckt und ihr bisheriges vielgestaltiges Kurz- und Dokumentarfilmschaffen mit einem Spielfilm, einem faszinierenden Essay, \u00fcber zwei \u00abGrosse\u00bb und ihre Welt gekr\u00f6nt. K\u00f6nnte es sein, dass uns der Barock und seine Menschen n\u00e4her sind, als wir glauben? <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>fz<\/em>)<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Musik, Macht und Menschlichkeit: Dominique de Rivaz\u2019 Film verbindet Generationen und Welten, Geschichte und Phantasie. 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