{"id":802,"date":"2014-01-12T13:06:31","date_gmt":"2014-01-12T13:06:31","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/12\/musikkritik-in-der-selbstreflektion\/"},"modified":"2014-01-12T13:06:31","modified_gmt":"2014-01-12T13:06:31","slug":"musikkritik-in-der-selbstreflektion","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/12\/musikkritik-in-der-selbstreflektion\/","title":{"rendered":"Musikkritik in der Selbstreflektion"},"content":{"rendered":"<table cellpadding=\"10\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"430\"><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\"><strong>17.12.2004 &#8212; An einem \u00abForum Musikkritik\u00bb diskutierten Journalisten, Veranstalter und Musiker an der Hochschule der K\u00fcnste Bern \u00fcber den Zustand und die Perspektiven der traditionellen journalistischen Rezension. Der Anlass war verbunden mit einem Workshop, in dessen Rahmen angehende Musikwissenschaftler \u00fcbungshalber Besprechungen eines Konzerts verfassten.<\/strong><\/p>\n<p> Mit dem Konzert, das ein klassisches Klavierduo, eine Jazzgruppe und ein Kontrabassquartett einander gegen\u00fcberstellte, wurde das dreit\u00e4gige Forum in den R\u00e4umen der Berner Hochschule der K\u00fcnste er\u00f6ffnet. Ebenfalls ins Rahmenprogramm des von der Berner Musikkommission angeregten und unterst\u00fctzten Anlasses geh\u00f6rte ein Solorezital des niederl\u00e4ndischen Cellisten Pieter Wispelwey und die Aufzeichnung einer erstmals vor Live-Publikum durchgef\u00fchrten Ausgabe der DRS-2-Sendung \u00abDiskothek im Zwei\u00bb. Pieter Wispelwey und die Berner Violinistin Eva Zurbr\u00fcgg diskutierten dabei unter der Leitung von Walter Kl\u00e4y Aufnahmen des Doppelkonzertes op.102 von Johannes Brahms.<\/p>\n<p> Das Herzst\u00fcck des Forums bildeten aber zwei Gespr\u00e4chsrunden, die eine mit Vertretern der schreibenden Zunft, die andere mit Veranstaltern und Beobachtern.<\/p>\n<p> <strong>Erste Runde: Aspekte der Kritik<\/strong><\/p>\n<p><\/span><\/span> <\/p>\n<table align=\"left\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"163\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/161204ravizza.jpg\" border=\"0\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><center><span class=\"txt-s-black\"><strong>Victor Ravizza<\/strong><\/span><\/center><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\">Die erste Gespr\u00e4chsrunde wird eingef\u00fchrt und geleitet von Victor Ravizza, der an der Universit\u00e4t Bern Musikwissenschaft lehrt. Man wirft, erkl\u00e4rt Ravizza, der Musikkritik vor, sie sei als Gattung \u00fcberholt. Sie werde nicht mehr gelesen. Es werde deshalb von verschiedenster Seite gefordert, dass an ihre Stelle als Dienst an Leser und H\u00f6rer die allgemeinverst\u00e4ndliche, wohlwollende Einf\u00fchrung zu Veranstaltungen zu treten habe. Kann man einem musikalisch interessierten Publikum wirklich keine etwas anspruchsvollere Fachsprache zumuten, fragt der Musikwissenschaftler weiter, so wie sie beispielsweise im Wirtschafts- oder Sportteil einer Zeitung ganz selbstverst\u00e4ndlich gepflegt wird? Kritik sei auch wichtiger Bestandteil einer demokratisch organisierten Gesellschaft, gibt er in seinem Einf\u00fchrungsreferat zu bedenken. <\/p>\n<p> <strong>Peter Hagmann: Schwierige Rahmenbedingungen<\/strong><\/p>\n<p> Peter Hagmann, Musikredaktor der NZZ, gibt sich in seinem Diskussionsbeitrag \u00fcberzeugt, dass Kritik st\u00f6ren muss. Musik, erkl\u00e4rt er, ist in einem ganz besonderen Mass eine Kunst, die von Menschen zum Leben gebracht wird und immer wieder aufs Neue zum Leben gebracht werden muss. Deshalb verwirklicht sie in einer unmittelbaren Weise Kommunikation und verlangt so auch nach Rezipienten, die ebenfalls unmittelbar reagieren.<\/p>\n<p><\/span><\/span> <\/p>\n<table align=\"right\">\n<tbody>\n<tr>\n<td><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/161204hagmann.jpg\" border=\"0\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><center><span class=\"txt-s-black\"><strong>Peter Hagmann<\/strong><\/span><\/center><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\">Laut Hagmann sind die Rahmenbedingungen aber klar schwieriger geworden. Die Musikkritik muss sich heute in einer andern Weise legitimieren, als noch vor zwei, drei Jahrzehnten. Sie muss zun\u00e4chst einmal wieder zur dezidierten Meinungs\u00e4usserung finden. Das wertende Unterscheiden ist im letzten Drittel des 20. Jahrhunderts zugunsten der reinen Wissensvermittlung in den Hintergrund gedr\u00e4ngt worden. Der wertneutrale Umgang mit Musik ist jedoch ein Ding der Unm\u00f6glichkeit. Ganz selbstverst\u00e4ndlich l\u00f6st sie Emotionen aus, fordert sie Zustimmung oder Ablehnung ein. Noch wichtiger als das Urteil ist aber dessen Begr\u00fcndung. Sie bildet den Kern des diskursiven Prozesses, den Musikkritik in Gang zu setzen und in Gang zu halten versucht. Aus diesem Verst\u00e4ndnis ergibt sich nach Hagmann eine Reihe von Voraussetzungen der qualifizierten Musikkritik: Sie erfordert hohe Fachkompetenz und die F\u00e4higkeit zur Empathie, zum \u00abAufnehmen und Mittragen der zahlreichen, oftmals sehr feinen musikalischen und atmosph\u00e4rischen Schwingungen\u00bb. Eine weitere Voraussetzung ist die sprachliche Kunstfertigkeit. Musikkritik muss sich ebenso lustvoll wie fantasievoll verst\u00e4ndlich machen. <\/p>\n<p> Auf die Versuche, Kritik abzuschaffen und durch Public Relations oder Best\u00e4tigungsjournalismus zu ersetzen, sollte man nicht durch Anpassung, sondern mit der Sch\u00e4rfung des Bewusstseins f\u00fcr die Aufgabe, ja die Mission von Kritik und mit einer klaren Akzentuierung auf der Ebene der Qualit\u00e4t reagieren, schliesst Hagmann.<\/p>\n<p> <span class=\"txt-s-black\"><strong>Diskussion:<\/strong> Wenn die Kritik \u00fcber ein St\u00fcck oder ein Konzert erscheint, wird dieses nicht mehr gespielt oder es ist ausverkauft. Wie man also daf\u00fcr sorgen k\u00f6nne, dass die Leute schon im Vorfeld informiert werden, wird aus dem Publikum gefragt. Die Referenten betrachten dies als Frage der PR, die nichts mit Kritik zu tun hat. Kritik trage dazu bei, ein Klima zu bilden, das sich nicht an einzelnen Punkten manifestiere. Man m\u00fcsse diese Dinge auseinander halten und sich dagegen wehren, dass Kritik als Auseinandersetzung mit dem Gegenstand durch Werbung ersetzt wird.<br \/> Aus dem Publikum wird zu bedenken gegeben, dass Musikh\u00f6ren sich sprachlich eigentlich nicht umsetzen l\u00e4sst. Ein Referent best\u00e4tigt, dass es f\u00fcr einen Kritiker in diesem Zusammenhang immer Zweifelsmomente gibt. Das sei aber eine Grenze, mit der man sich auseinandersetzen k\u00f6nne und die immer wieder zu \u00fcberschreiten sei.<\/span><\/p>\n<p> <strong>Peter Kraut: Musikkritik als Mythenbildung<\/strong><\/p>\n<p> Peter Kraut, Musikveranstalter und Mitarbeiter der Hochschule der K\u00fcnste Bern, entwickelt sein Referat aus dem typischen Satz \u00abIch war damals dabei\u00bb, der die Unwiederholbarkeit eines Konzertes oder Theaterabends charakterisiert. Der Satz steht, gibt Kraut zu Bedenken, am Anfang von zwei Problemen: Weil die Musikkritik un\u00fcberpr\u00fcfbar ist, funktioniert sie mythenbildend. Man ist beim Sprechen \u00fcber ein Konzert auf Erinnerung angewiesen. Es gibt aber nur zwei wissenschaftliche Methoden, um eine solche zu untersuchen: die Oral History und die Psychoanalyse. Beides taugt schlecht f\u00fcr die Musikkritik. <\/p>\n<p><\/span><\/span><center> <\/p>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"300\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/161204krautbrotbeck.jpg\" border=\"0\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><center><span class=\"txt-s-black\"><strong>Peter Kraut (links) und Roman Brotbeck<\/strong><\/span><\/center><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\"><\/p>\n<p> Das Naheliegendste, meint Kraut, ist oft das Schwierigste: In einfachen, nachvollziehbaren Worten sagen oder beschreiben, was man geh\u00f6rt oder gesehen hat, und es anschliessend interpretieren und begr\u00fcnden. Beim Schreiben \u00fcber geh\u00f6rte Musik werden im Grossen und Ganzen vielmehr andere Strategien verfolgt. Der Fokus wird etwa auf technische Aspekte verschoben. Dies ist in vielen Varianten der elektronischen Musik Gang und G\u00e4be. Eine zweite Strategie \u2013 vornehmlich in der Rezension klassischer Musik gepflegt \u2013 geht davon aus, dass der Kritiker das Wahre, das Richtige und das Sch\u00f6ne kennt. Die Interpreten stehen dann in der Expertenpr\u00fcfung. Im Jazz wiederum ist der Komponist h\u00e4ufig sein eigener Interpret, und man kann ihm deshalb nicht eine falsche Interpretation unterstellen. Also hilft man sich mit einem lexikalischen Zugriff und legt ein Netzwerk an Referenzen auf, die sowohl den Interpreten wie den Kritiker legitimieren. <\/p>\n<p> Alle diese Ans\u00e4tze werden von einem weiteren \u00fcberschattet, den man unter dem Titel \u00abStarsystem und Fankultur\u00bb zusammenfassen kann. Man verschiebt den Fokus auf die K\u00fcnstlerinnen und K\u00fcnstler und k\u00fcmmert sich weniger um die Musik selbst.<\/p>\n<p> <span class=\"txt-s-black\"><strong>Diskussion:<\/strong> Von Publikumsseite wird eingewendet, dass das \u00abIch war damals dabei\u00bb im Zeitalter der Tontr\u00e4ger relativiert wird. Man kennt die Arbeit des K\u00fcnstlers und erwartet die Reproduktion dessen, was man auf CD von ihm kennt. Die Referenten meinen, das sei die typische Erwartung in der Popmusik. Aber auch klassische K\u00fcnstler weckten mittlerweile durch Markenzeichen \u00e4hnliche Erwartungen. Aus dem Publikum wird hinzugef\u00fcgt, dass gerade Frauen sich solchen Kriterien immer wieder gegen\u00fcber s\u00e4hen. Wenn eine Dirigentin auftrete, dann spiele ihre \u00e4ussere Erscheinung eine viel gr\u00f6ssere Rolle als wenn sich ein m\u00e4nnlicher Kollege pr\u00e4sentiere. Solche Beobachtungen geh\u00f6rten prinzipiell nicht in eine Konzertkritik.<\/span> <\/p>\n<p> <strong>Corinne Holtz: Vier Beobachtungen zur Krise<\/strong><\/p>\n<p> Corinne Holtz, Musikredaktorin des nationalen Kulturradios DRS 2 pr\u00e4sentiert vier Beobachtungen. Erste Beobachtung: Die Musikkritik ist in Verruf geraten, weil sie sich bloss noch an Insider richtet. Der Vorwurf trifft aber nicht nur die Musikkritik, sondern die Kulturkritik generell.<\/p>\n<p><\/span><\/span> <\/p>\n<table align=\"left\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"154\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/161204holtz.jpg\" border=\"0\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><center><span class=\"txt-s-black\"><strong>Corinne Holtz<\/strong><\/span><\/center><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\">Zweite Beobachtung: Der Einfluss der Musikkritik ist geringer geworden. Wer heute noch einen Verriss schreiben darf, wird als Instanz der Meinungsbildung nicht mehr so ernst genommen. Wichtiger als Meinungen sind K\u00f6pfe und Bilder, auch akustische, vom sch\u00f6nen und erfolgreichen Menschen. Dieser Prestigeverlust hat auch strukturelle Gr\u00fcnde. Das Feuilleton ist in der Tendenz weiblicher und j\u00fcnger geworden. Wie man heute weiss, sinken Prestige und Lohn in einer Berufsgruppe dann, wenn die Frauen dazustossen. Umgekehrt steigen Image und Lohn, wenn M\u00e4nner in sogenannte Frauenberufe einsteigen.<br \/> Dritte Beobachtung: Statt Fachredaktoren sind l\u00e4ngerfristig Generalisten gefragt, die ihre Aufgabe in der m\u00f6glichst perfekten Pr\u00e4sentation sehen und weniger in der kritischen Durchleuchtung. <br \/> Vierte Beobachtung: Die Krise der Kritik ist auch hausgemacht. Kritiker halten am abgehobenen Sprachgebrauch fest und senken in vorauseilendem Gehorsam den Anspruch an ihre Berichterstattung. \u00dcberdies wird stellenweise die Unabh\u00e4ngigkeit preisgegeben, beispielsweise wenn \u00fcber Projekte berichtet wird, mit denen ein Schreiber pers\u00f6nlich verflochten ist. <\/p>\n<p> <span class=\"txt-s-black\"><strong>Diskussion:<\/strong> Referenten sind der Meinung, dass Vorschau und Kritik Aufgaben sind, die man von der Person her klar trennen muss. Wenn man sich mit einem K\u00fcnstler getroffen hat und mit ihm \u00fcber seine Absichten gesprochen hat, dann ist man nicht mehr in der Lage eine Kritik zu verfassen. Kritik ist eine Drittmeinung, die von aussen kommt. Heisst das auch, wird aus dem Publikum zur\u00fcckgefragt, dass wenn man einmal ein Interview macht, man nie mehr eine Konzertbesprechung zur entsprechenden Person machen kann? Da scheine ein Ethos zu bestehen, das nicht eingehalten werden k\u00f6nne. Man m\u00fcsse ja auch aus pers\u00f6nlichen Begegnungen sch\u00f6pfen, wenn man informiert sein wolle. Ein Referent r\u00e4umt ein, dass die \u00f6konomische Situation freier Kritiker die Trennung nicht erlaubt. Objektivit\u00e4t, wird geschlossen, gibt es nicht, es brauche deshalb aber objektivierbare Kriterien. In bezug auf die Musik heisse das eben Fachkompetenz und Nachpr\u00fcfbarkeit. Es brauche aber auch den Mut zur Subjektivit\u00e4t, den Mut zur Zuspitzung.<\/span><\/p>\n<p> <strong>Christian Steulet: Das Konzert als pluralistischer Prozess<\/strong><\/p>\n<p> Christian Steulet, Kordinator des A.M.R. in Genf, weist in seinem Referat auf die unterschiedliche Wahrnehmung von Musikern und Publikum und die Prozesshaftigkeit eines Konzertes hin. In einem Rock-Pop-Konzert mit elektronischer Verst\u00e4rkung, erkl\u00e4rt der Genfer, varriiert die Wahrnehmung sehr mit der Position des H\u00f6rers. Im Bereich der improvisierten Musik oder des \u00abInstant Composing\u00bb sehen die K\u00fcnstler die Musik \u00fcberdies nicht so sehr als Objekt oder Werk an, sondern als einen Prozess, der w\u00e4hrend eines Konzertes den H\u00f6rer auch ver\u00e4ndert. Der H\u00f6rer konstruiert die Realit\u00e4t im Moment der Wahrnehmung. Er und der Musizierende befinden sich w\u00e4hrend des Konzertes jedoch nicht in derselben Welt, zumindest nicht im Setting des europ\u00e4ischen Konzertes, in dem es eine strikte Trennung zwischen Musizierenden und H\u00f6rern gibt.<\/p>\n<p> Die Musikkritik muss im Falle solcher prozessbetonter Musik, betont Steulet, auch den Kontext eines Anlasses ber\u00fccksichtigen und referieren, die Beziehung zwischen den Musikern, die Rahmenbedingungen eines Konzertes und so weiter. Damit trotz diesen Relativierungen eine Kommunikation zustande kommen kann, braucht es f\u00fcr die Musikkritik gemeinsame Werte und Bezugspunkte. <\/p>\n<p><\/span><\/span><center> <\/p>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"300\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/161204steulet.jpg\" border=\"0\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><center><span class=\"txt-s-black\"><strong>Christian Steulet<\/strong><\/span><\/center><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\"><\/p>\n<p> <span class=\"txt-s-black\"><strong>Diskussion:<\/strong> Der Wertekanon ist heute zerfallen, heisst es von Pulbikumsseite, so bleibe unklar, wo der Kritiker selber stehe. Dies wiederum mache Kritik unverbindlich und langweilig. Das hat, heisst es aus dem Kreis der Referenten, auch damit zu tun, dass das Musikleben selber pluralistischer geworden ist. Eine Zuh\u00f6rerin bem\u00e4ngelt, dass in der Jazz- und Popberichterstattung h\u00e4ufig unverst\u00e4ndlicher Jargon gepflegt werde. Ein Referent entgegnet, f\u00fcr den entsprechenden Fan sei die Sprache verst\u00e4ndlich. Es sei aber tats\u00e4chlich w\u00fcnschenswert, Konzertkritiken f\u00fcr die Leute zu schreiben, die nicht in den Konzerten gewesen seien.<\/span><\/p>\n<p> <strong>Roman Brotbeck: Kritik in Zeiten ohne Begrenzungen<\/strong><\/p>\n<p> In der Musikgeschichte hat es bisher relativ wenige Zeiten wie die heutige gegeben, in denen vieles m\u00f6glich ist, erkl\u00e4rt Roman Brotbeck, der Leiter des Fachbereichs Musik der Hochschule der K\u00fcnste Bern. Eigentlich, f\u00fcgt er an, k\u00f6nnten die Kritiker deshalb eigene Positionen vertreten, auf sich gestellt und frei von allen vorgeordneten Kategorien. Intensive Debatten w\u00e4ren m\u00f6glich. Aber das Gegenteil ist der Fall. Auch bei sehr kompetenten und sehr differenzierten und differenzierenden Kritikern ist zu beobachten, dass klare Positionen heute seltener werden. <\/p>\n<p> In der Un\u00fcbersichtlichkeit des heutigen Kulturschaffens haben sich zwei Filter entwickelt. Der eine sind Einzelpersonen in Form von Verlagsleitern, Kuratoren und Festivalleitern, welche teilweise als Autoren der Autoren auftreten und deren Werke durch ihre eigene Kontextualisierung stark mitpr\u00e4gen. Den anderen bilden Design- und Produktelinien. Wer in diese Linien passt, kann schnell und erfolgreich verwertet werden. Diese Linien pr\u00e4gen aber auch das Werk der K\u00fcnstler. Sie richten ihre Produktionen auf diese Linien aus. <\/p>\n<p> <span class=\"txt-s-black\"><strong>Diskussion:<\/strong> Die \u00dcberf\u00fclle bewirkt, dass Filter gebraucht werden. Der m\u00fcndige B\u00fcrger kann die Vermittlungsarbeit der \u00abStars\u00bb unter den Kuratoren und Kritikern ja auch relativieren, erkl\u00e4rt ein Zuh\u00f6rer. Von Seiten der Referenten wird eingewandt, dass schon in den 80er- und 90er-Jahren mit einem Starsystem etwas aufgegeben worden ist. Damals h\u00e4tten Pers\u00f6nlichkeiten wie Stockhausen oder Penderecki diese Aufgabe verk\u00f6rpert. Heute \u00fcbern\u00e4hmen Kuratoren diese Starrolle. Sie differenzierten sich aber nicht, sondern konvergierten in ihrer Ausrichtung. Die Festivals beg\u00e4nnen einander zu gleichen.<\/span><\/p>\n<p> <strong>Samstag: Verh\u00e4ltnis zwischen Musikkritik und Veranstaltern<\/strong><\/p>\n<p><\/span><\/span> <\/p>\n<table align=\"right\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"124\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/161204kuebler.jpg\" border=\"0\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><center><span class=\"txt-s-black\"><strong>Susanne K\u00fcbler<\/strong><\/span><\/center><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\">Die Diskussion vom Samstag wurde von Susanne K\u00fcbler, Musikredaktorin am Z\u00fcrcher \u00abTages-Anzeiger\u00bb geleitet. Sie pr\u00e4sentierte die Menge an Anfragen f\u00fcr Kritiken, die im Laufe einer Woche auf einer Redaktion eintreffen. Sie nehmen stetig zu und der verf\u00fcgbare Platz wird immer weniger. K\u00fcbler beobachtet, dass die Vermarktung immer professioneller wird. Dies ist auch eine Folge der Kulturmanagement-Ausbildungen, die sich mittlerweile etabliert haben. Heute hat jeder Laienchor einen zumindest halbprofessionellen Marketingverantwortlichen. Die Anfragen zeigen aber auch, dass Berichterstattung erw\u00fcnscht wird. <\/p>\n<p> Als Vertreter der Veranstalterseite \u00e4usserten sich Hans-J\u00f6rg Ammann, Direktor des Theaters Biel Solothurn, Marianne K\u00e4ch, Direktorin des Berner Symphonie-Orchesters und Michael Bonanomi als Pr\u00e4sident von Bejazz Bern. Daneben trug Anselm Gerhard, Direktor des Insitutes f\u00fcr Musikwissenschaft der Universit\u00e4t Bern, einige Ideen aus akademischer Sicht bei.<\/p>\n<p> Da wurde etwa festgestellt, dass sich der Kritiker zunehmend gleichwertig mit den Interpreten zu inszenieren versucht \u2013 etwa Joachim Kaiser, der im Auftrag der S\u00fcddeutschen Zeitung eine Reihe von Interpreten vorstellt und sich dabei selber in Szene setzt. Ammann meint, der Produzent k\u00f6nne den Kritiker nicht wirklich ernst nehmen, weil er selber sein differenziertester Kritiker ist, mit der intimsten Kenntnis einer Produktion. Dem wird in der Diskussion entgegengehalten, dass die Massst\u00e4be des Kritikers eben andere sind und er aus der Sicht des Zuschauers die Produktion an andern misst. Seine Kompetenz stamme aus dem Wissen um viele andere Produktionen. Das schnelle Urteilen habe auch seinen Sinn, weil eine Produktion das Publikum ja auch im ersten Moment \u00fcberzeugen m\u00fcsse. Marianne K\u00e4ch wiederum hofft auf etwas engagiertere Kritiker. So stellt sie fest, dass noch nie ein solcher vor einer Urauff\u00fchrung etwa eine Partitur angefordert habe. <\/p>\n<p><\/span><\/span><center> <\/p>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"300\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/161204plenumsamstag.jpg\" border=\"0\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"300\"><center><span class=\"txt-s-black\"><strong>Von links nach rechts: Gerhard, K\u00e4ch, Ammann, Bonanomi<\/strong><\/span><\/center><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center><span class=\"txt-m-black\"><\/p>\n<p> Auf die Frage aus dem Publikum, ob Kritik auch \u00f6konomische Auswirkungen habe, antwortet Ammann mit einem dezidierten Ja. Die Kritik forme den Zuspruch mit. Auf eine skeptische Radiokritik habe es im St\u00e4dtebundtheater spontan etwa dreissig Absagen von Abonnenten f\u00fcr die entsprechende Produktion gegeben.<\/p>\n<p> Siehe zu diesem Artikel auch den <a href=\"http:\/\/212.60.37.143\/editorials.php?art=151\">Kommentar<\/a> <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>wb<\/em>)<\/span><\/p>\n<p><center> <\/p>\n<table style=\"width: 430px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><span class=\"txt-s-black\">Forum Musikkritik, 9. bis 11. September 2004, Hochschule der K\u00fcnste Bern. Die Ausgabe der live aufgenommenen \u00abDiskothek im Zwei\u00bb von DRS 2 &#8211; sie wird jeweils am Montagabend um 20 Uhr und in der Wiederholung am Samstagnachmittag um 14 Uhr ausgestrahlt &#8211; soll am 27. Dezember erfolgen. Eine Wiederholung ist im Sommer 2005 geplant.<\/span><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>17.12.2004 &#8212; An einem \u00abForum Musikkritik\u00bb diskutierten Journalisten, Veranstalter und Musiker an der Hochschule der K\u00fcnste Bern \u00fcber den Zustand&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[15],"tags":[],"class_list":["post-802","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-systematische-musikwissenschaften","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/802","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=802"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/802\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=802"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=802"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=802"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}