{"id":808,"date":"2014-01-12T13:10:45","date_gmt":"2014-01-12T13:10:45","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/12\/lucerne-festival-academy-ein-augenschein\/"},"modified":"2014-01-12T13:10:45","modified_gmt":"2014-01-12T13:10:45","slug":"lucerne-festival-academy-ein-augenschein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/12\/lucerne-festival-academy-ein-augenschein\/","title":{"rendered":"Lucerne Festival Academy \u2013 ein Augenschein"},"content":{"rendered":"<table cellpadding=\"10\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"430\"><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\"><strong>09.09.2005 &#8212; Michael Haefliger setzt als Intendant des Lucerne Festivals mit Hartn\u00e4ckigkeit und Geduld auf die Integration Neuer Musik in eine traditionelle Plattform der Hochkultur. K\u00fcnstlerisches Gelingen und Resonanz im Publikum geben ihm Recht.<\/strong><\/p>\n<p> Auf kaum einem Gebiet l\u00e4sst sich so flexibel argumentieren wie in der Musik. Die Probe aufs Exempel machen Exponenten der jungen Schweizer Sommerschulen f\u00fcr k\u00fcnftige Orchestermusiker \u2013 des 2000 ins Leben gerufenen UBS Verbier Festival Orchestras und der zum zweiten Mal durchgef\u00fchrten Lucerne Festival Academy. <\/p>\n<p> F\u00fcr Verbier \u00fcbt sich der Dirigent James Levine in Abstinenz. \u00abWir verzichten\u00bb, erkl\u00e4rt er auf der Webseite eines Sponsors, \u00abauf zeitgen\u00f6ssische Komponisten, weil wir glauben, dass ein Musiker zeitgen\u00f6ssische St\u00fccke ohne profunde Kenntnis der grossen K\u00fcnstler der Vergangenheit nicht spielen kann. Es ist unerl\u00e4sslich f\u00fcr die Menschen dieser Altersgruppe, bei ihrer Ankunft in der Musikszene das richtige R\u00fcstzeug mitzubringen.\u00bb <\/p>\n<p> Das hat nat\u00fcrlich etwas f\u00fcr sich. Fragt sich aber eben bloss, ob die k\u00fcnftigen Profis in diesem Fall \u00fcberhaupt je dazu kommen werden, Zeitgen\u00f6ssisches zu spielen. Nicht weniger \u00fcberzeugend ist deshalb der dieses Jahr in Luzern engagierte Pierre Boulez. In einem Interview beklagt er im Vorfeld der Academy, dass die Kultur des 20. und 21. Jahrhunderts in den Ausbildungsst\u00e4tten vernachl\u00e4ssigt werde. Nat\u00fcrlich hat auch er Recht.<\/p>\n<p> <strong>Werke f\u00fcr grosses Orchester und Kammermusik<\/strong><\/p>\n<p> Und so ist denn die praktische Arbeit des Nachwuchses in Luzern gepr\u00e4gt von neueren und neuesten kompositorischen Entwicklungen. Die Orchesterakademie ist der \u00abSommer\u00bb-Auflage des Lucerne Festivals angegliedert und besteht zum einen aus einem einw\u00f6chigen Meisterkurs f\u00fcr Streichquartette \u2013 unter der Leitung von Walter Levin vom La Salle Quartett und dem Komponisten Helmut Lachenmann.<\/p>\n<p> Zum andern schliessen sich daran drei Wochen harte Orchesterarbeit an \u2013 mit Urauff\u00fchrungen von Werken von Dai Fujikura und Christophe Bertrand als kr\u00f6nendem Abschluss. Lachenmann, dieses Jahr Composer in residence am Vierwaldst\u00e4ttersee, arbeitet \u00fcberdies mit Studierenden der Musikhochschule Luzern an eigenen Werken. <\/p>\n<p><\/span><\/span> <\/p>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"10\">\u00a0<\/td>\n<td width=\"109\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/050905stenzl.jpg\" border=\"0\" \/><\/td>\n<td valign=\"bottom\" width=\"170\"><span class=\"txt-s-black\"><strong>Der in Salzburg t\u00e4tige Musikwissenschaftler J\u00fcrg Stenzl f\u00fchrt am Lucerne Festival in einem \u00f6ffentlichen Vortrag in die H\u00f6rwelten Var\u00e8ses ein.<br \/><\/strong><\/span><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\"><br \/> In Verbier wird an Werken Smetanas, Tschaikowskys, Chopins, Carters und Beethovens get\u00fcftelt \u2013 mit Blick auf eine Tournee im November, welche den Nachwuchs in europ\u00e4ische und lateinamerikanische Metropolen f\u00fchrt. In Luzern hat man sich unter anderem in die \u00abLyrische Suite\u00bb von Alban Berg, Bruno Mantovanis Konzert f\u00fcr Bassklarinette und Edgard Var\u00e8ses \u00abAm\u00e9riques\u00bb vertieft \u2013 in kleineren Ensembles nimmt man sich auch der Musik von Stockhausen, Manoury, Carter, Augusta Read Thomas und Chen Yi an. <\/p>\n<p> Die Chinesin Yi hat letztes Jahr den Kompositionsauftrag der \u00abRoche Commission\u00bb zugesprochen erhalten und ist mit der Urauff\u00fchrung des Resultates, realisiert vom Cleveland Orchestra, auch im eigentlichen Kernprogramm des Lucerne Festival pr\u00e4sent. <\/p>\n<p> Ein Augenschein im Dirigierkurs von Boulez und in der Klasse mit Kammermusik Lachenmanns zeigt zweierlei: Erstens werden in Luzern k\u00fcnstlerisch keinerlei Konzessionen gemacht. Zweitens sind die Festivalbesucher von der Tatsache, dass hier nicht f\u00fcr sie, sondern f\u00fcr die Musik gearbeitet wird, keineswegs abgeschreckt: Sowohl der Dirigierkurs als auch das in den R\u00e4umlichkeiten der Musikhochschule abgehaltene Briefing Lachenmanns sind \u00fcberaus gut besucht.<\/p>\n<p> Auch in den \u00f6ffentlich zug\u00e4nglichen Stunden herrscht eine konzentrierte und sachliche Arbeitsatmosph\u00e4re. Boulez, der an der \u00abLyrischen Suite\u00bb und \u00abAm\u00e9riques\u00bb arbeitet, weist die Nachwuchsdirigenten zwar mit Altersmilde, aber dennoch in aller Deutlichkeit in die Schranken, wenn ihre Gesten eher als Effekt \u00abpour la galerie\u00bb taugen \u2013 wie er das sp\u00f6ttisch nennt \u2013, als der Interpretation zu dienen. Immer wieder betont er \u00fcberdies, dass in der Kommunikation zwischen Dirigent und Orchester Klarheit herrschen m\u00fcsse und es unerl\u00e4sslich sei, den Musikern unaufgeregt, aber genau zu erkl\u00e4ren, was denn nun Missfallen errege und weshalb.<\/p>\n<p><\/span><\/span><center> <\/p>\n<table style=\"width: 285px;\">\n<tbody>\n<tr>\n<td><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/050905lachenmann.jpg\" border=\"0\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><center><span class=\"txt-s-black\"><strong>Helmut Lachenmann arbeitet mit Studierenden der Musikhochschule Luzern an eigenen Werken.<\/strong><br \/><\/span><\/center><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\"><br \/> Der Blick \u00fcber die Schulter d\u00fcrfte f\u00fcr manchen Zaungast zum eindr\u00fccklichen Erlebnis geworden sein. Gerade Klangwelten wie diejenige Lachenmanns, erschliessen sich erst richtig, wenn man erlebt, wie Komponist und Ausf\u00fchrende Interpretationsdetails diskutieren, Unstimmigkeiten in der Partitur durchgehen oder die Schwierigkeiten einer eindeutigen Notation perkussiver Kl\u00e4nge er\u00f6rtern. Und Hochklassiges wie Bergs Suite offenbart auch verstecktere Ausdrucksqualit\u00e4ten, wenn zu bewundern ist, wie ein gestandener Dirigent einen jungen dazu bringt, mit subtilsten Gesten verst\u00e4ndig zu f\u00fchren.<\/p>\n<p> <strong>Alltag und H\u00f6hepunkte junger Orchestermusiker<\/strong><\/p>\n<p> Und wie erleben die Betroffenen selber die drei Wochen harter Ensemblearbeit? Ein Ausflug der Lucerne Academy auf die Rigi bietet Gelegenheit, den Puls zu f\u00fchlen. <\/p>\n<p> Das \u00abSchulreisli\u00bb ist vom Wettergl\u00fcck gepr\u00e4gt: Aus der nebligen Stimmung einer Dampfschifffahrt \u00fcber den Vierwaldst\u00e4ttersee gehts mit der historischen Rigibahn hinauf an die Sonne, \u00fcber ein spektakul\u00e4res, end- und uferlos scheinendes Nebelmeer. <\/p>\n<p> F\u00fcr die Studierenden ist es eine willkommene Abwechslung und eine Gelegenheit Kontakte zu kn\u00fcpfen oder zu vertiefen. Der weitaus gr\u00f6sste Teil des Ensembles ist sonst in Kleinstgruppen auf Gastfamilien verteilt, \u00fcber die auf der Rigi \u00fcbrigens nur Lobendes zu h\u00f6ren ist.<\/p>\n<p><\/span><\/span> <\/p>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td align=\"right\" valign=\"bottom\" width=\"190\"><span class=\"txt-s-black\"><strong>Ein weiter Blick \u00f6ffnet sich den Mitgliedern der Lucerne Festival Academy nicht nur auf Neue Musik.<\/strong><br \/><\/span><\/td>\n<td align=\"right\" width=\"174\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/050905rigi1.jpg\" border=\"0\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td align=\"right\" valign=\"bottom\" width=\"190\"><span class=\"txt-s-black\"><strong> Beim Ausflug auf die Rigi spielt auch das Wetter mit und pr\u00e4sentiert ein atemraubendes Panorama.<br \/> <\/strong><\/span><\/td>\n<td align=\"right\" width=\"174\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/050905rigi2.jpg\" border=\"0\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td align=\"right\" valign=\"bottom\" width=\"190\"><span class=\"txt-s-black\"><strong> Warten in Weggis \u2013 auf das Schiff zur R\u00fcckfahrt nach Luzern.<br \/> <\/strong><\/span><\/td>\n<td align=\"right\" width=\"174\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/050905rigi3.jpg\" border=\"0\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <span class=\"txt-m-black\"><br \/> Das Tagewerk besteht aus Orchesterproben, Einzelstunden mit Mitgliedern des Ensemble Intercontemporain und der Arbeit an den Werken der Urauff\u00fchrungen. Diese \u2013 auch das f\u00fcr ein Publikums-Festival ungew\u00f6hnlich \u2013 k\u00f6nnen in einem mehrere Jahre dauernden Prozess der Interaktion zwischen Komponisten und Interpreten organisch wachsen.<\/p>\n<p> Dabei herrscht unter dem Nachwuchs erfrischender Pragmatismus. Auf dem Weg zur Rigi antwortet ein junger amerikanischer Geiger auf die Frage, ob er die Arbeit in Luzern eher als etwas Aussergew\u00f6hnliches oder als \u00abBusiness as usual\u00bb erlebe. Nach l\u00e4ngerem Nachdenken entscheidet er sich zu einem \u00absowohl als auch\u00bb.<\/p>\n<p> Mag sein, dass dies das Erfolgsgeheimnis der Lucerne Festival Academy ist: Die Arbeit schliesst nahtlos an den Alltag der Studierenden an. Sie versucht nicht, wie mancher Ferienkurs oder zahlreiche \u00abSommerakademien\u00bb, eine Insel atmosph\u00e4rischer Gl\u00fcckseligkeit zu bieten. Rudern die Teilnehmer von solchen zur\u00fcck, finden sie sich in der Regel in einem Alltag wieder, den sie in der Folge als frustrierend erleben. <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>wb<\/em>)<\/span><\/p>\n<p><center> <\/p>\n<table style=\"width: 430px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><span class=\"txt-s-black\">Lucerne Festival Academy, Luzern, 20. August bis 9. September 2005<br \/> <a href=\"http:\/\/d.academy.lucernefestival.ch\" target=\"blank\" rel=\"noopener noreferrer\">www.lucernefestival.ch<\/a> <\/span><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>09.09.2005 &#8212; Michael Haefliger setzt als Intendant des Lucerne Festivals mit Hartn\u00e4ckigkeit und Geduld auf die Integration Neuer Musik in&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[12],"tags":[],"class_list":["post-808","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-ereignisbesprechungen","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/808","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=808"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/808\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=808"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=808"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=808"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}