{"id":809,"date":"2014-01-12T13:12:01","date_gmt":"2014-01-12T13:12:01","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/12\/psychische-belastungen-im-musikerberuf\/"},"modified":"2014-01-12T13:12:01","modified_gmt":"2014-01-12T13:12:01","slug":"psychische-belastungen-im-musikerberuf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/12\/psychische-belastungen-im-musikerberuf\/","title":{"rendered":"Psychische Belastungen im Musikerberuf"},"content":{"rendered":"<table cellpadding=\"10\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"430\"><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\"><strong>03.11.2005 &#8212; An Ihrem 3. Symposium hat sich die Schweizerische Gesellschaft f\u00fcr Musik-Medizin (SMM) einem Thema angenommen, das unter Musikern noch immer ein Tabu ist: psychische Belastungen im Berufsleben.<\/strong><\/p>\n<p> In den R\u00e4umlichkeiten der Hochschule f\u00fcr Musik und Theater Z\u00fcrich (HMT) er\u00f6rterten an dem gut besuchten Anlass Spezialisten der unterschiedlichsten Fachrichtungen Aspekte des Thema. Ein fundamentales Problem pr\u00e4gte dabei die Referate: Betroffene suchen in der Regel erst Hilfe, wenn es bereits zu sp\u00e4t ist.<\/p>\n<p> <strong>Nicht nur passive Wissensvermittlung<\/strong><\/p>\n<p> Aber nicht bloss die passive Weitergabe von Wissen sollte an dem Anlass im Zentrum stehen. Vielmehr galt es auch, in Workshops spezifische \u00dcbungen f\u00fcr Stressbew\u00e4ltigung im Unterricht und f\u00fcr die B\u00fchne einzu\u00fcben.<\/p>\n<p> So erl\u00e4uterte zum einen die Musik-Kinesiologin Pia Bucher, wie sich mittels Einsatz von Farben und Bewegungs\u00fcbungen Blockaden von Energiesystemen des K\u00f6rpers verhindern oder aufbrechen lassen. Eine Folge von Stress ist etwa, dass die F\u00e4higkeit zur k\u00f6rperlichen Koordination abgesenkt wird. Solchen Einschr\u00e4nkungen der Vitalit\u00e4t und Leistungsf\u00e4higkeit kann mit einfachen K\u00f6rper\u00fcbungen begegnet werden, welche die komplexe Koordination beider K\u00f6rperh\u00e4lften stimuliert.<\/p>\n<p><\/span><\/span><center>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8211; <br \/><strong>Die Weblinks<\/strong><br \/> Infos zur der Tagung:<br \/> <a href=\"http:\/\/212.60.37.143\/beratung2.php\" target=\"blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Symposium<\/a><br \/> Schweizerische Gesellschaft f\u00fcr Musik-Medizin:<br \/> <a href=\"http:\/\/www.musik-medizin.ch\" target=\"blank\" rel=\"noopener noreferrer\">www.musik-medizin.ch<\/a> <br \/> &#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8211;<\/center><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\"><br \/> Heidi Blessing Rolli machte die Teilnehmer des Symposiums zum andern mit der Feldenkrais-Methode bekannt. Diese kann auf zwei Arten eingesetzt werden, und zwar in der Einzelarbeit oder in der Gruppe. Letzteres demonstrierte die Referentin mit einer praktischen Lektion, im Sitzen die Eigenwahrnehmung zu verfeinern und so die Arbeit am Instrument wirksam und bleibend zu ver\u00e4ndern. <\/p>\n<p> <strong>Psychische Belastungen noch immer ein Tabu<\/strong><\/p>\n<p> Dass die Aus\u00fcbung des Musikerberufs mit immensen inneren und \u00e4usseren Belastungen verbunden ist, unterstrich Pia Bucher als Pr\u00e4sidentin der SMM in ihrer Einf\u00fchrung zum Tagesprogramm. Angesichts seiner Bedeutung habe man sich aber entschlossen, sich an des Thema zu wagen. Dabei sei es sinnvoll, das Gebiet interdisziplin\u00e4r aus physiologischer und psychologischer Sicht anzugehen.<\/p>\n<p> Daniel Fueter, der Pr\u00e4sident der HMT Z\u00fcrich, gestand in einer Grussbotschaft seiner Institution, dass auch er selber unter dem weitverbreiteten Lampenfieber leide und sich dies mit zunehmendem Alter nicht etwa verbessert, sondern eher intensiviert habe. Er gab aber auch zu bedenken, dass Musik machen und dass Musik h\u00f6ren selbst geeignete Mittel sind, den Musikberufen standzuhalten und die Musik selber Energien mobilisiert \u2013 andere Berufsgattungen, seien nicht im selben Mass in der Lage, ihre T\u00e4tigkeiten auch als Ausgleich zu den Belastungen des Alltages zu nutzen.<\/p>\n<p> <strong>Ein falsch konstruierter Gegensatz<\/strong><\/p>\n<p> Der Psychosomatiker Christof Ammermann erinnerte daran, dass das Musizieren eine sehr nach innen gerichtete T\u00e4tigkeit ist, die zum \u00f6ffentlichen Auftritt in einem Spannungsverh\u00e4ltnis steht. Kommt es aufgrund dieses Konfliktes zu Zwischenf\u00e4llen, so wird die Psyche beeintr\u00e4chtigt. Allerdings besteht eine hohe Hemmschwelle, sich in solchen F\u00e4llen einem Fachmann anzuvertrauen, weil Psychiatrie in der Regel als etwas gesehen wird, was nur in schweren F\u00e4llen von St\u00f6rungen in Frage kommt. Das verzerrte Bild der Psychiatrie scheint Hilfesuchende zun\u00e4chst einmal zu entwerten und erh\u00f6ht die Schwelle f\u00fcr Ratsuchende. <\/p>\n<p> In dem Denken steckt laut Ammermann ein falscher Antagonismus, der davon ausgeht, dass eine St\u00f6rung entweder psychischer oder aber rein k\u00f6rperlicher Art ist. Diese Ausschliesslichkeit wird auch von den einschl\u00e4gigen offiziellen Katalogen von Krankheitsbildern bef\u00f6rdert. Vor allem bei chronischen Beschwerden, bei denen organische Untersuchungen nichts zutage bringen, werde &#8211; meinte der Psychotherapeut -, der falsche Schluss gezogen, dass das Problem bloss auf der psychischen Ebene bestehe; zudem gerieten Betroffene unter den Verdacht des Simulantentums.<\/p>\n<p> Eine wichtige Quelle von St\u00f6rungen, die sich in den \u00fcblichen physischen Diagnosen nicht zeigen, sind Automatismen, wie sie f\u00fcrs Musizieren wesentlich sind, etwa motorische Abl\u00e4ufe beim Instrumentalspiel, wenn sie nicht mehr bewusst gesteuert werden. Es handelt sich dabei nicht nur um Bewegungs-, sondern auch um Empfindungsmechanismen, die sich \u00e4hnlich der Phantomschmerzen in amputierten Gliedern verselbst\u00e4ndigen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p> So k\u00f6nnen sich zum Beispiel nach Verletzungen eines Arms Automatismen der Verkrampfung von Schulterbereichen einspielen, die auch nach dem Ausheilen der betroffenen Partie fortbestehen. Physiotherapeuten kennen das Ph\u00e4nomen auch unter dem Begriff der Kompensation: Wenn gewisse K\u00f6rperbereiche beeintr\u00e4chtigt sind, etwa nach einem Schlaganfall, werden Behelfsautomatismen entwickelt und einge\u00fcbt, die von den Betroffenen auch dann beibehalten werden, wenn sie nicht mehr ben\u00f6tigt werden. Damit sind Fehlbelastungen des K\u00f6rpers vorprogrammiert.<\/p>\n<p> <strong>Auftrittstraining als Z\u00fcrcher Pionierleistung<\/strong><\/p>\n<p> Der Fachbereich Musikphysiologie der Hochschule f\u00fcr Musik und Theater Z\u00fcrich bietet ein Vorspiel- und Singtraining, das auf seinem Gebiet in Europa Pionierarbeit vollbringt. Vorgestellt wurde es vom Leiter Horst Hildebrandt. Beim musikalischen Vortrag m\u00fcssten sich \u2013 erkl\u00e4rte der Pr\u00e4ventivmediziner \u2013 der Musiker oder die Musikerin auf eine nahe Zukunft konzentrieren. Dies lasse sich mit speziellem Training schulen.<\/p>\n<p> Wenn jemand mit Lampenfieber k\u00e4mpft, so ist es wichtig, dass er lernt, sich auf bestimmtes Kommendes, sei es rhythmisch der klanglich, zu freuen, damit die zu erf\u00fcllende Aufgabe nicht als un\u00fcberwindliche Wand vor sich gesehen wird. Man kann dabei auch bewusst die Abl\u00e4ufe und die Synchronisation von Bewegungen und Geh\u00f6r beim Voraush\u00f6ren und der Bewegungserwartung trainieren.<\/p>\n<p> Ziel der Veranstaltungen an der HMT ist es, Selbstregie und \u00abKrisenmanagement\u00bb in solchen Abl\u00e4ufen zu schulen. Das Problem vieler Studierender ist, dass sie bereits sehr fr\u00fche Erfahrungen mit anspruchsvollen B\u00fchnenauftritten gemacht haben, da sie h\u00e4ufig bereits im Kindesalter, etwa bei Vortrags\u00fcbungen, mit stark ritualisierten und mit hohen Anspr\u00fcchen aufgeladenen \u00f6ffentlichen Zurschaustellungen konfrontiert worden sind und auch bereits vor die Kamera des filmenden Onkels haben treten m\u00fcssen, die alle Fehler f\u00fcr alle Zeiten registriert und damit jeden Auftritt zu einer existentiellen Bew\u00e4hrungsprobe werden liess.<\/p>\n<p><\/span><\/span><center> <\/p>\n<table style=\"width: 400px;\">\n<tbody>\n<tr>\n<td><span class=\"txt-s-black\"> <img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/051031smm3.jpg\" border=\"0\" \/> <\/span><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><center><span class=\"txt-s-black\"><strong>Pia Bucher, Joachim Lahme, Heidi Blessing Rolli, Maria Mullis Gadient.<\/strong><\/span><\/center><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\"><br \/> Die Auftritte des Nachwuchses werden aber automatisch auch an Aufnahmen grosser Stars gemessen und damit Beurteilungen vollzogen, bei denen Kinder und Halbw\u00fcchsige bloss verlieren k\u00f6nnen. An der HMT wird in Gruppen von sechs bis zehn Personen plus Kursleiter gearbeitet, wobei die verschiedensten Instrumente und Gesang bewusst gemischt werden. Es gilt dabei die Regel, dass zun\u00e4chst die positiven Aspekte einer Darbietung herausgestrichen werden, bevor die konstruktive Kritik ins Spiel kommt. Dabei werden auch praktische Techniken ge\u00fcbt wie etwa, sich in angtseinfl\u00f6ssenden Situationen bewusst lebhaft und frei zu bewegen, um dem Einengenden, das der Angst eigen ist, gegensteuern zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p> <strong>Phoniatrische Aspekte des Sprechens und Singens<\/strong><\/p>\n<p> Die Berner Phoniatrie-Spezial\u00e4rztin Maria Mullis Gadient bedauerte, dass die Stimme in der Regel erst so richtig wargenommen wird, wenn sie nicht mehr funktioniert. H\u00e4ufig wird dabei in erster Linie an eine Erkrankung des Kehlkopfes gedacht und von der Medizin eine einfache Reparaturleistung erwartet.<\/p>\n<p> Bei den Stimmst\u00f6rungen unterscheidet man laut Mullis Gadient zwei Hauptgruppen, die organischen und die funktionell bedingten, die sich allerdings nicht klar trennen lassen, da etwa organische St\u00f6rungen wie Entz\u00fcndungen, Zysten oder Polypen funktionelles Fehlverhalten provozieren. Schlechte \u00e4ussere Bedingungen \u2013 zum Beispiel das kontinuierliche \u00dcben in schlecht geheizten und trockenen R\u00e4umen \u2013 sind eine h\u00e4ufige Ursache f\u00fcr derartige St\u00f6rungen. Und nat\u00fcrlich schaden auch schlechte Gewohnheiten wie Rauchen, Alkoholmissbrauch oder Schlafmangel der Stimme.<\/p>\n<p> Man m\u00fcsse, meinte die FMH-\u00c4rztin, allerdings lernen, mit Unvollkommenheiten zu leben. So machten professionelle S\u00e4nger die Erfahrung, dass sie nicht mehr als zwei-, dreimal pro Jahr einen Auftritt unter den gew\u00fcnschten idealen Bedingungen zu absolvieren in der Lage seien.<\/p>\n<p> Der Kehlkopf sagt laut Mullis Gadient im \u00fcbrigen nichts aus \u00fcber die M\u00f6glichkeiten, zum grossen S\u00e4nger oder zur grossen S\u00e4ngerin zu werden. Ebensowenig k\u00f6nne jede Stimme durch entsprechende Technik strahlender und klangvoller gemacht werden. Die Phoniatrie k\u00f6nne lediglich feststellen, ob eine Stimme funktionst\u00fcchtig sei und den Anforderungen des Alltags gen\u00fcge. Die k\u00fcnstlerische Qualit\u00e4t einer Stimme sei auch abh\u00e4ngig von kulturellen Pr\u00e4ferenzen. So gelte etwa eine rauhe Stimme wie diejenige von Louis Armstrong oder Joe Cocker als sehr expressiv, auch wenn sie sich vom Standpunkt der Medizin eher dysfunktional pr\u00e4sentiere.<\/p>\n<p> <strong>Das Gebiss als Indikator innerer Spannungen<\/strong><\/p>\n<p> Der auf Musikerkrankheiten spezialisierte Dornbirner Zahnarzt Joachim Lahme wies darauf hin, dass \u00fcberaus grosse Energien aufgewendet werden, wenn wir \u00abauf die Z\u00e4hne beissen\u00bb. So verschwendet jemand, der w\u00e4hrend des Schlafens buchst\u00e4blich mit den Z\u00e4hnen knirscht und diese physisch sch\u00e4digt, wieder einen grossen Teil der Energie, die er sich mit dem Schlaf eigentlich holen m\u00f6chte.<\/p>\n<p> Die Z\u00e4hne zusammenpressen kann in Angst- und Anspannungssituationen auch Energien ableiten, und den K\u00f6rper kurzfristig stabilisieren \u2013 eine Strategie, die Bl\u00e4sern nicht zur Verf\u00fcgung steht, da sie ja mit dem Mundst\u00fcck an den Lippen nicht auf die Z\u00e4hne beissen k\u00f6nnen. Das Z\u00e4hnepressen hat allerdings l\u00e4ngerfristig weitreichende physische Sch\u00e4digungen zur Folge. Die Z\u00e4hne werden abgeschliffen, und der Knochen weicht wegen des ausge\u00fcbten Drucks mit der Zeit zur\u00fcck.<\/p>\n<p> Eine Folge davon sind Zahnfleischentz\u00fcndungen, \u00fcberdies werden Verspannungen und Deformationen in die Halswirbels\u00e4ule und schliesslich in den Schulterbereich weitergegeben. Auch der sogenannte Geigerfleck ist im Grunde genommen Zeichen von Verspannung und falscher Haltung. Um dem entgegenzuwirken haben Lahme und seine Mitarbeiter eine spezielle Geigenst\u00fctze entwickelt, die individuell gearbeitet wird.<\/p>\n<p> <strong>Neuropsychologische Teufelskreise<\/strong><\/p>\n<p> Der Z\u00fcrcher Neurowissenschaftler Lutz J\u00e4ncke entwarf ein Bild des Stress\u2019 als Reaktion des K\u00f6rpers auf unangenehme Reize. Stress sei das Symptom, das durch Stressoren ausgel\u00f6st werde und eine klassische Anpassungsreaktion des K\u00f6rpers auf eine belastende Situation darstelle, erkl\u00e4rte der Neuropsychologe.<\/p>\n<p> Die Stress erzeugenden Faktoren k\u00f6nnen chemischer, k\u00f6rperlicher, sozialer oder seelischer Art sein \u2013 Zeitmangel, Schichtarbeit, Mobbing, Pr\u00fcfungen und vieles mehr. Stressoren von ausserordentlicher Bedeutung sind in der westlichen Welt etwa der Tod eines Ehepartners, Scheidung, Trennung, Gef\u00e4ngnisaufenthalte, Tod eines Verwandten, eine schwere Verletzung, Heirat und K\u00fcndigung des Arbeitsplatzes. Die h\u00f6chsten Belastungen bilden soziale Faktoren. Materielle Verluste finden sich erst weit dahinter.<\/p>\n<p><\/span><\/span><center> <\/p>\n<table style=\"width: 400px;\">\n<tbody>\n<tr>\n<td><span class=\"txt-s-black\"> <img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/051031smm2.jpg\" border=\"0\" \/> <\/span><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><center><span class=\"txt-s-black\"><strong>Lutz J\u00e4ncke, Horst Hildebrandt, Christof Ammermann, Susanne Elsensohn.<\/strong><\/span><\/center><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center><span class=\"txt-m-black\"><br \/> Stress ist mit der Aussch\u00fcttung von Cortisol und Adrenalin verbunden. In einer Stresssituation werden ein langsamer und ein schneller Prozess in Gang gesetzt: Adrenalin wird ausgesch\u00fcttet und erzeugt die Flucht\/Kampf-Reaktion im langsamen Prozess. Wird Cortisol ausgesch\u00fcttet, werden andere Prozesse heruntergefahren. In der Folge wird im kognitiven Bereich ein Teufelskreis angetrieben: Im Hippocampus werden vom Cortisol Rezeptorenzellen zerst\u00f6rt, was wiederum die Regelung der Stressreaktion verschlechtert. Die Ged\u00e4chtnisleistung sinkt, bis es zur dissoziativen Amnesie kommt.<\/p>\n<p> Cortisol, Dopamine und andere Substanzen k\u00f6nnen auch die motorischen Schaltstellen in einen \u00fcbererregten Zustand bringen und schliesslich ausser Gefecht setzen. Stress hat \u00fcberdies einen grossen Einfluss auf viele Erkrankungen, etwa auf Depressionen und andere emotionale St\u00f6rungen, und behindert viele kognitive Funktionen.<\/p>\n<p> Es gibt mehrere M\u00f6glichkeiten mit Stressoren umzugehen. Eine davon \u2013 die ges\u00fcndeste \u2013 ist die sogenannte Coping-Strategie, mit der das Individuum versucht, sich realit\u00e4tsbezogen mit den Stressoren auseinanderzusetzen. Eine zweite, bloss kurzfristig Erleichterung bringende, ist eine Verleugnungsstrategie, die mittelfristig zu krankhaften Reaktionsformen und schliesslich zu Realit\u00e4tsverlust f\u00fchren kann.<\/p>\n<p> J\u00e4ncke hat beobachtet, dass bei Musikern Schmerzen extrem h\u00e4ufig vorhanden sind. Musiker verbinden das Aus\u00fcben ihres Berufes sehr stark mit ihrer Pers\u00f6nlichkeit; das erzwungene Aufgeben des Berufes kann deshalb einen Zusammenbruch des eigenen Selbstbildes zur Folge haben. Krankheitsbilder wie die Fokale Dystonie werden laut J\u00e4ncke \u00fcberdies h\u00e4ufig von psychischen Krankheitsbildern wie sozialen Phobien begleitet.<\/p>\n<p> <strong>Vorstellungen und Erwartungen pr\u00e4gen unsere \u00c4ngste<\/strong><\/p>\n<p> Die Psychoanalytikerin Susanne Elsensohn erkl\u00e4rte, dass \u00c4ngste deutlich von inneren Vorstellungen mitgepr\u00e4gt werden, etwa von Vorstellungen \u00fcber das Publikum, die mit der Realit\u00e4t nichts zu tun haben. Im Selbstbild sind eigene Erfahrungen und R\u00fcckmeldungen von Bezugspersonen gespeichert. Fatale Selbstbilder k\u00f6nnen so stark verinnerlicht sein, dass sie als normal angesehen werden und gar nicht mehr ins Bewusstsein treten. Wenn uns unsere Fantasien aber bewusst werden, so sind wir in der Lage, uns dagegen zu wehren.<\/p>\n<p> R\u00fcckmeldungen k\u00f6nnen ungeheuer m\u00e4chtig werden, wenn sie geh\u00e4uft negativ auftreten. Dies gilt speziell f\u00fcr Musiker, die nicht einfach ein Produkt liefern oder auswendig Gelerntes repetieren, sondern des ganzen Menschen bed\u00fcrfen. Damit attackiert eine Ablehnung auch die eigene Pers\u00f6nlichkeit und das eigene Selbstvertrauen.<\/p>\n<p> Frauen sind laut Elsensohn \u00fcberdies wegen ihrer physiologischen Eigenheiten benachteiligt. So k\u00f6nnen Menstruationszyklen etwa erhebliche Hindernisse in Pr\u00fcfungs- und Bew\u00e4hrungssituationen bedeuten.<\/p>\n<p> Vor Auftritten kann die Angst vor einem totalen Blackout so gross sein, dass Solisten f\u00fcrchten, davon verschlungen zu werden und in Ohnmacht zu fallen. Diese \u00c4ngste ziehen so viele Energien ab, dass kaum mehr solche f\u00fcr die eigentliche k\u00fcnstlerische Aufgabe \u00fcbrigbleiben.<\/p>\n<p> Autoaggression bei Musikern ist \u00d6l ins Feuer des Lampenfiebers. Autoaggression kommt auch bei Komponisten vor und hat teils fatale Folgen. So hat etwa der geniale franz\u00f6sische Komponist Paul Dukas zahlreiche seiner Werke vernichtet, darunter zwei vollst\u00e4ndige Opern und zwei Ballette.<\/p>\n<p> Wie man fatale Selbstbilder aufl\u00f6sen kann, zeigen uns laut Elsensohn die Schamanen: Diese projizieren sie nach aussen und verweisen sie auf ihren Platz. Man kann bedrohliche Komplexe also etwa malen und ihnen einen Namen geben, um mit ihnen umgehen zu k\u00f6nnen. <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>wb<\/em>)<\/span><\/p>\n<p><center> <\/p>\n<table style=\"width: 430px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><span class=\"txt-s-black\">\u00abPsychische Belastungen im Musikerberuf\u00bb, 3. Symposium der Schweizerischen Gesellschaft f\u00fcr Musik-Medizin SMM und der Schweizerischen Interpretenstiftung SIS, in Zusammenarbeit mit der Hochschule Musik und Theater HMT Z\u00fcrich und dem Schweizerischen Musikp\u00e4dagogischen Verband (SMPV). Samstag, 22. Oktober 2005, Hochschule Musik und Theater Z\u00fcrich<\/span><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>03.11.2005 &#8212; An Ihrem 3. 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