{"id":812,"date":"2014-01-12T13:13:53","date_gmt":"2014-01-12T13:13:53","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/12\/musik-muss-sein-im-theater-basel\/"},"modified":"2014-01-12T13:13:53","modified_gmt":"2014-01-12T13:13:53","slug":"musik-muss-sein-im-theater-basel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/12\/musik-muss-sein-im-theater-basel\/","title":{"rendered":"\u00abMusik muss sein!\u00bb im Theater Basel"},"content":{"rendered":"<table cellpadding=\"10\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"430\"><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\"><br \/> 13.04.2006 &#8212; <strong>Im Theater Basel diskutierten Kulturschaffende und Kulturf\u00f6rderer drei Tage lang \u00fcber die gesellschaftliche Dimension des Musikmachens. Themenschwerpunkte bildeten neuere Erkenntnisse der Hirnforschung, staatliche und private Finanzierungsmodelle und die Globalisierung des Musiklebens. Eine Dokumentation einiger Veranstaltungen.<\/strong><\/p>\n<p> Idee und Konzept des in Zusammenarbeit mit dem Schweizer Fernsehen realisierten Diskurses stammten von Bettina Auer und Beate Breitenbach vom Basler Theater sowie vom Fernsehmacher Thomas Beck. Neben Vortr\u00e4gen und Podiumsdiskussionen bot der Anlass auch Gelegenheit, zwei Filme zu begutachten, n\u00e4mlich den erstmals gezeigten Dokumentarstreifen \u00abMusik muss sein!\u00bb von Nico Gutmann, der p\u00e4dagogische Initiativen in Sachen Musik in der Schweiz zum Thema hat, und \u00abKnowledge Is The Beginning\u00bb (2005) von Paul Smaczny \u00fcber das West-\u00d6stliche Diwanorchester des Dirigenten Daniel Barenboim. <\/p>\n<p> Er\u00f6ffnet wurde der Anlass mit einem Grusswort des Basler Intendanten Michael Schindhelm, der einr\u00e4umte, dass heutzutage angesichts der Subventionsk\u00fcrzungen die scheinbare Selbstverst\u00e4ndlichkeit der Behauptung, dass Musik sein m\u00fcsse, nicht mehr gegeben ist. So wies er auch darauf hin, dass in Deutschland nur noch ein F\u00fcnftel aller Grundsch\u00fcler Musikunterricht erhalten, und nur die wenigsten davon etwas \u00fcber Oper erfahren. <\/p>\n<p> Von Seiten des Schweizer Fernsehens begr\u00fcsste Kulturchef Adrian Marthaler das Publikum. Das Engagement des Schweizer Fernsehens f\u00fcr dieses Symposium bedeute, erkl\u00e4rte er, eine kultur- und gesellschaftspolitische Verpflichtung, die dem Service public, dem seine Institution verpflichtet sei, inh\u00e4rent sein m\u00fcsse. <\/p>\n<p> <strong>Hans-G\u00fcnther Bastian: \u00abMusikalit\u00e4t und Intelligenz\u00bb<\/strong><\/p>\n<p> Der Frankfurter Musikp\u00e4dagoge Bastian warnte eingangs seines Referates davor, die Musik als Allheilmittel gegen alles B\u00f6se zu sehr zu idealisieren. Man m\u00fcsse sich bewusst bleiben, dass \u00abdie b\u00f6sen Menschen ihre Lieder am lautesten sangen\u00bb. Sp\u00e4testens seit den Konzentrationslagern der Nationalsozialisten mit ihren Lagerorchestern habe die Musik ihre Unschuld verloren. Bastian zitierte den Schweizer Philosophen Hans Saner, der meint, man m\u00fcsse gegen alle Verkl\u00e4rungen der Kunst resistent werden. Musik k\u00f6nne auch verdummen und man k\u00f6nne mit ihr l\u00fcgen. Zudem gelte das Sprichwort \u00abWenn die Musik erklingt, ist der Verstand in der Trompete\u00bb.<\/p>\n<p> Bastian stellte die kognitionsspezifischen Teilergebnisse der Berliner Studie \u00abMusikerziehung und ihre Wirkung\u00bb vor. Bereits bei den Sechs- bis Siebenj\u00e4hrigen liess sich dabei ein Zusammenhang zwischen Musikalit\u00e4t und Intelligenz feststellen. Mit einer gewissen Verz\u00f6gerung, n\u00e4mlich nach vier Jahren kommt es laut der Studie bei den musikalisch Gef\u00f6rderten gar zu einem erstaunlichen Zugewinn im IQ-Wert.<\/p>\n<p> Die Begr\u00fcndung f\u00fcr den Zusammenhang von Intelligenz und Musikalit\u00e4t kann man laut Bastian in theoretischen Ans\u00e4tzen zur Transfererkl\u00e4rung finden. Musik ist Komposition, Zusammenhang, Syntax, Struktur und fordert sowohl die Sensibilisierung von \u00e4sthetischem Sinn als auch die Wahrnehmung heraus. Ein Instrument spielen ist denn auch eine der komplexesten menschlichen T\u00e4tigkeiten \u00fcberhaupt. Ein in der Studie nachweisbarer Zusatzeffekt sei, erkl\u00e4rte Bastian, dass in Klassen mit musikalischer F\u00f6rderung Ausgrenzung von Sch\u00fclern viel weniger stattfinde als in der Kontrollgruppe und diese auch damit einen bedeutenden sozialen Effekt habe. <\/p>\n<p> <strong>Lutz J\u00e4ncke: \u00abMusik und Gehirn\u00bb<\/strong><\/p>\n<p> Auch der in Z\u00fcrich t\u00e4tige Neuropsychologe Lutz J\u00e4ncke, dessen Hauptinteresse der Plastizit\u00e4t des menschlichen Gehirns gilt, stellte in seinem Referat verschiedene aktuelle Forschungsarbeiten vor. Eine zentrale Erkenntnis brachte 1992 eine Arbeit, die zeigte, dass der \u00dcbeaufwand weit mehr als das Talent determiniert, wie gut ein Musiker wird. Neuere Untersuchungen mit bildgebenden Verfahren zeigen \u00fcberdies, dass alle Hirnstrukturen, die an der Kontrolle und an der Wahrnehmung von musikalischen Aspekten beteiligt sind, sich bei Musikern im Hinblick auf ihre Struktur dramatisch ver\u00e4ndern. Auch diese anatomischen Ver\u00e4nderungen korrelieren mit dem Trainingsaufwand. Eine d\u00e4nische Forschungsruppe hat \u00fcberdies festgestellt, dass Hirngebiete, die mit Sprachproduktion, Phonemunterscheidung und mit der Entwicklung der Grammatik assoziiert sind, aktiviert werden, wenn Musikst\u00fccke nachgeklopft werden. <\/p>\n<p> Im EEG l\u00e4sst sich laut J\u00e4ncke zeigen, dass der Laienh\u00f6rer alle Regionen des Hirns aktiviert, wenn er Musik h\u00f6rt. Dies macht den Umgang mit Musik auch in bezug auf Demenzerkrankungen interessant. Alle Lehrb\u00fccher machten uns weis, meinte J\u00e4ncke, dass ab dem zwanzigsten Lebensjahr das Hirnvolumen zwangsl\u00e4ufig abnehme. Das seien aber falsche Behauptungen, die aufgrund methodischer M\u00e4ngel entstanden seien. Moderne Studien zeigten ganz andere Entwicklungsprozesse. Es gebe keinen einheitlichen Abbauprozess. Diejenigen Strukturen die zuletzt reiften \u2013 Aufmerksamkeit, Konzentration, Selbstdisziplin, Motivation \u2013 seien die, welche als erste wieder degenerierten. Sie haben ihren Sitz im Frontalkortex und kommen erst im zwanzigsten Lebensjahr zur Bl\u00fcte.<\/p>\n<p> Der Abbau dieser Funktionen, dies eine wichtige Einsicht, kann im Alter mit aktivem Musizieren in hohem Masse herausgez\u00f6gert werden. Neuere Forschungsresultate zeigen \u00fcberdies, dass Menschen mit musikalischem Training die emotionale Prosodie von Worten und die Intonationen der Sprache besser zu erkennen verm\u00f6gen. Erkl\u00e4ren kann man viele Sonderleistungen, die Musizierende erbringen, und ihre tendenziell erfolgreichere Lebensbew\u00e4ltigung m\u00f6glicherweise damit, dass Kinder, die ein Instrument erlernen, eine h\u00f6here Motivationsstruktur, ein \u00abh\u00f6heres Ausmass an Hoffnung auf Erfolg\u00bb haben. <\/p>\n<p> Auf dem ganze Gebiet der Neuromusikologie ist eine hohe Dynamik festzustellen. J\u00e4ncke erinnerte sich, dass an diesen Themen vor f\u00fcnfzehn Jahren vielleicht drei, vier Leute arbeiteten. An der Konferenz \u00abNeurosciences and the Music\u00bb in Leipzig (siehe den <a href=\"http:\/\/212.60.37.143\/rezensionen_ind2.php?art=191\">Codex flores Kongressbericht<\/a>) waren es bereits tausend. Viele haben also erkannt, dass Musik ein sehr interessantes Modell ist, um die Plastizit\u00e4t des Gehirns zu untersuchen. Dabei ist eher beil\u00e4ufig die Einsicht gewachsen, dass Musik auch ein sehr interessantes Medium f\u00fcr p\u00e4dagogische und therapeutische Zwecke sein kann. <\/p>\n<p><\/span><\/span><center> <\/p>\n<table style=\"width: 350px;\">\n<tbody>\n<tr>\n<td><span class=\"txt-s-black\"> <img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/2006\/060412freitag.jpg\" border=\"0\" \/> <\/span><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><center><span class=\"txt-s-black\"><strong> (v.l.n.r.): J\u00e4ncke, Bastian, Ehnert, Frank, Egerszegi, Herzig.<\/strong><\/span><\/center><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\"><\/p>\n<p> <strong>Politik, F\u00f6rderstellen und Kulturschaffende auf dem Podium<\/strong> <\/p>\n<p> Auf dem Podium im Anschluss an die zwei Vortr\u00e4ge diskutierten die Nationalr\u00e4tin Christine Egerszegi als Pr\u00e4sidentin der parlamentarischen Gruppe Musik, Hector Herzig, der Pr\u00e4sident des Verbands Schweizer Musikschulen, der Basler Theaterp\u00e4dagoge Martin Frank und die Referenten. Moderiert wurde das Gespr\u00e4ch vom Journalisten Roger Ehnert.<\/p>\n<p> Christine Egerszegi zeigte sich angesichts der vorgestellten Resultate befriedigt dar\u00fcber, dass Musik nicht mehr nur als Spielerei wahrgenommen wird, sondern mit andern F\u00e4higkeiten gleichzusetzen ist. Martin Frank r\u00e4umte allerdings ein, dass die Bildung der Jugend, speziell in Sachen klassischer Musik, deutlich an Boden verliert. Die Jugend, so Frank, habe ein \u00abpostp\u00e4dagogisches Verh\u00e4ltnis\u00bb zur klassischen Musik. F\u00fcr sie diene Musik der Attraktivit\u00e4tssteigerung und Kommunikation im erotischen Bereich. Dieses Bed\u00fcrfnis, Neuland zu erobern, mache es sehr schwierig, die v\u00f6llig erschlossene klassische Musik f\u00fcr die Jugendlichen attraktiv zu gestalten.<\/p>\n<p> Herzig regte eine Initiative an, welche die Notwendigkeit der Musik in der Schule verbindlich verankert. Im internationalen Vergleich seien die Schweizer Musikschulen zwar ein Vorzeigeobjekt und Baselland sei der Vorzeigekanton in der Schweiz. Der freiwillige Musikunterricht sei aber teuer geworden und die allgemeine musikalische Grundversorgung damit nicht mehr gew\u00e4hrleistet. <\/p>\n<p> Egerszegi erinnerte daran, dass \u00fcber die Grundschule hinaus bloss noch Gymnasiasten die M\u00f6glichkeit haben, subventionierten Musikunterricht zu geniessen. F\u00fcr die, welche eine Berufslehre machen, sei eine musikalische Ausbildung praktisch nicht mehr bezahlbar. J\u00e4ncke gab in diesem Zusammenhang zu bedenken, dass Kinder nach neuesten p\u00e4dagogischen Erkenntnissen in der Primarschule massiv unterfordert werden \u2013 in Sprachen, in Mathematik, in allen Bildungsf\u00e4chern \u2013 und bereits da viel Potential verschenkt werde. Auch der Kindergarten sei eher so eine Art Verwahrstation.<\/p>\n<p> <strong>Robert Nef: \u00abUnsere Kultur muss \u00f6konomischer werden!\u00bb<\/strong><\/p>\n<p> Die Veranstaltungen vom Samstag er\u00f6ffnete Robert Nef, der Leiter des liberalen Institutes, der mit einem Artikel in der NZZ mit kritischen \u00dcberlegungen zur staatlichen Kulturf\u00f6rderung vor einigen Monaten f\u00fcr erheblichen Diskussionsstoff gesorgt hatte. <\/p>\n<p> Er warnte davor, die Kultur \u00abkaputtzuf\u00f6rdern\u00bb. Zudem relativierte er den Titel seines Vortrages, indem er forderte, dass Kultur nicht \u00f6konomischer werden m\u00fcsse, sondern die \u00d6konomie kultivierter. Der f\u00fcr den besagten NZZ-Artikel gew\u00e4hlte Titel \u00abKultur ist Sache der Kultur\u00bb sei bewusst eine Provokation als Beweislastregel gewesen: Wer Kultur f\u00f6rdern wolle, habe den Beweis anzutreten, dass dies gut und richtig sei. Die These zielt laut Nef sowohl auf Schutz des Staates als auch auf denjenigen der Kultur. <\/p>\n<p> Nef erkl\u00e4rte, er mache sich Sorgen um eine Kultur, die immer mehr vom fiskalischen Zwang abh\u00e4nge. Sollen wir denn alle von Kulturfunktion\u00e4ren zur Kultur gezwungen werden? fragte er in den Raum. M\u00fcssen Leute, die lieber Fussball schauen, in Zukunft ein Museum mitfinanzieren? Soll der Staat zur Institution verkommen, die Brot und Spiele offeriert und in der jeder auf Kosten des andern leben will und die H\u00e4nde in die Taschen der andern steckt? Der Traum, so Nef, der Kulturf\u00f6rderer ist es, Steuergeld ohne jede Bedingung auszusch\u00fctten. <\/p>\n<p> Nef unterschied allerdings zwischen st\u00e4dtischer und staatlicher F\u00f6rderung. Im Vergleich zu letzterer sei die st\u00e4dtische Kulturf\u00f6rderung durchaus sinnvoll, weil sie eine direkte Partizipation der Betroffenen bedeute. Hingegen sei nicht einzusehen, weshalb etwa Basler Bundessteuerzahler in Z\u00fcrich nach Vorgaben aus Bern Kultur f\u00f6rdern m\u00fcssten. <\/p>\n<p> Nef wies auch darauf hin, dass das urspr\u00fcngliche Wirtschaften historisch in der \u00abAgricultura\u00bb auch mit Kultivieren verbunden ist. Sowohl Kultur als auch Handel sind Kommunikation. Der Handel selbst ist laut Nef ein Kulturph\u00e4nomen ersten Ranges. Die ersten Handelsg\u00fcter waren kulturelle Artefakte erster G\u00fcte. Es macht also historisch keinen Sinn, die beiden Dinge auseinander zu dividieren. <\/p>\n<p> <strong>Hedy Graber: \u00abVisionen einer verantwortungsvollen Kulturpolitik\u00bb<\/strong><\/p>\n<p> Hedy Graber, die Leiterin der Direktion Kultur und Soziales des Migros Genossenschaftsbundes, fand, dass sich in der Kulturdiskussion viele Politiker \u00fcber etwas \u00e4ussern, von dem sie kaum etwas verstehen. Ein weiteres Hindernis der Schweizer Kulturpolitik stelle der Kant\u00f6nligeist dar. Aber auch auf Seite der Veranstalter werde ges\u00fcndigt. Dank dem prestigetr\u00e4chtigen Sponsoring bringen viele heute eher Produkte auf den Markt, die der \u00abgrassierenden Eventitis\u00bb als einer vision\u00e4ren Kulturf\u00f6rderung zudienen.<\/p>\n<p> Innovative Kulturpolitik muss sich laut Graber mit den Denkprozessen hinter den Kulturereignissen besch\u00e4ftigen. Kultur soll \u00abder Stachel im Fleisch der bestehenden Verh\u00e4ltnisse\u00bb sein. F\u00f6rderung habe die Verh\u00e4ltnisse zu schaffen, in denen sich kritische Kultur entfalten k\u00f6nne. <\/p>\n<p> H\u00e4lt man daran fest, dann ist Kulturf\u00f6rderung in den Augen der Referentin ein Wagnis. Sie geht dann nicht in die Knie, wenn ein k\u00fcnstlerisches nahtlos in ein sozialpolitisches oder \u00f6kologisches Projekt m\u00fcndet. Wer Kultur nur zu Repr\u00e4sentationszwecken unterst\u00fctzt, w\u00fcrgt ihre Entwicklung letztlich ab. <\/p>\n<p> Graber ist \u00fcberdies \u00fcberzeugt davon, dass der essentielle, kritische und innovative Teil der Kulturf\u00f6rderung nur vom Staat und damit von uns allen gef\u00f6rdert werden kann. Sogenannt riskante Projekte mit hohem Potential m\u00fcssen wachsen k\u00f6nnen. Wenn sie sich einmal gemausert haben, k\u00f6nnen sie an die Sponsoren mit ihren Finanzierungsmodellen weitergereicht werden. <\/p>\n<p><\/span><\/span><center> <\/p>\n<table style=\"width: 350px;\">\n<tbody>\n<tr>\n<td><span class=\"txt-s-black\"> <img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/2006\/060412samstag.jpg\" border=\"0\" \/> <\/span><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><center><span class=\"txt-s-black\"><strong> (v.l.n.r.): Graber, Nef, Salm, Koechlin, Gartmann.<\/strong><\/span><\/center><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\"><\/p>\n<p> <strong>Kulturschaffende auf dem Podium<\/strong> <\/p>\n<p> In der anschliessenden Diskussion, die von der Radiofrau Karin Salm moderiert wurde, warf Michael Koechlin, der Leiter des Ressorts Kultur im Erziehungsdepartement Basel-Stadt, Nef vor, Unsinn zu erz\u00e4hlen. Es gebe keinen Gegensatz zwischen Fussball und Museen und Nef habe den Sinn von Museen nicht verstanden oder diesen vors\u00e4tzlich falsch dargestellt. Er sei sich bewusst, dass das schwere Vorw\u00fcrfe seien. Aber Fussball k\u00f6nne nicht auf das grosse Gesch\u00e4ft etwa mit der Champions League reduziert werden. Viele Fussballfans und -stars profitierten auch davon, dass es Museen gebe, und ohne die Museen w\u00fcrde wahrscheinlich auch der Fussball nicht auf dem gegenw\u00e4rtigen Niveau stattfinden. Man solle aufh\u00f6ren, wichtige gesellschaftliche Bereiche gegeneinander auszuspielen.<\/p>\n<p> Graber kritisierte Nefs Metapher des \u00abKaputtf\u00f6rderns\u00bb, die fern von aller Realit\u00e4t sei. Die freie Szene werde in sehr bescheidenem Masse unterst\u00fctzt. Darauf entgegnete Nef, dass er selber in Institutionen, die auf Sponsoren angewiesen sind, arbeite. Seinen Sponsoren sage er aber, sie sollten ihn nicht f\u00f6rdern, sondern in ihn investieren. Schon Nietzsche habe, fuhr Nef fort, darauf hingewiesen, dass Schenkungen Abh\u00e4ngigkeit erzeugten. Diese Abh\u00e4ngigkeiten m\u00fcssten solche auf Zeit sein. Er sei ein \u00fcberzeuger Anh\u00e4nger des Subsidiarit\u00e4tsprinzips, heutige Forderungen gingen aber dahin, dass der Staat zun\u00e4chst einmal f\u00fcr die Grundversorgung sorgen solle. <\/p>\n<p> Koechlin stellte die Frage nach der Verantwortlichkeit: Wir haben grosse Mittel f\u00fcr die grossen Institutionen und relativ wenig Mittel f\u00fcr Neues. Wir haben heute aber auch ein explosionsartig zunehmendes und fragmentiertes Angebot an Kultur. Da fragt man sich, was die Verantwortung der grossen Kulturinstitutionen ist. Man kann deren Bedeutung anerkennen, sie aber in die Pflicht nehmen, um die Breite der Bed\u00fcrfnisse abzudecken, weil die F\u00f6rderung nicht einfach beliebig auf weitere Angebote ausgedehnt werden kann. <\/p>\n<p> Thomas Gartmann, der Abteilungsleiter Musik von Pro Helvetia, gab zu bedenken, dass die gr\u00f6ssere Reichhaltigkeit des Angebotes dazu f\u00fchren m\u00fcsse, dass vermehrt \u00fcber Inhalte gesprochen werde. Wichtig sei auch die Publikumsf\u00f6rderung. Er ging mit Nef darin einig, dass man Projekte vor\u00fcbergehend und nicht kontinuierlich f\u00f6rdern solle \u2013 bis sie auf eigenen Beinen stehen k\u00f6nnten. In Holland m\u00fcsse sogar ein Concertgebouw Orchester alle paar Jahre seine Bed\u00fcrfnisse neu ausweisen. <\/p>\n<p> Hedy Graber f\u00fcgte an, dass man sich beim Migros Kulturprozent frage, welche Bed\u00fcrfnisse die Kulturschaffenden h\u00e4tten, was ihre Inhalte seien, und wie diese gef\u00f6rdert werden k\u00f6nnten. Man habe da nat\u00fcrlich einen gr\u00f6sseren Spielraum als die \u00f6ffentliche Hand. Wichtig sei auch die Einsicht, dass nicht einzelne Musiker oder Gruppen gef\u00f6rdert werden m\u00fcssten, sondern dass man ihnen die Distributionswege und den Marktzugang \u00f6ffne.<\/p>\n<p> Koechlin wies darauf hin, dass auch in Basel keine Subvention l\u00e4nger als f\u00fcnf Jahre dauere, auch diejenigen der grossen Institutionen. Mit jeder Subvention \u00fcber 300&#8217;000 Franken m\u00fcsse man zudem ins Parlament. Das sei uns\u00e4glich m\u00fchsam, aber die beste aller m\u00f6glichen Kulturf\u00f6rderungen, weil sie so vom Volk getragen werde. <\/p>\n<p> Laut Graber wird die Dichte an Kultur in der Schweiz schon fast zum Problem. Zur Grundversorgung geh\u00f6rt ihrer \u00dcberzeugung nach auch die Debatte \u00fcber Inhalte. Koechlin wiederum meinte, Grundversorgung werde von verschiedenen Kreisen verschieden definiert. Seines Erachtens geh\u00f6rte dazu ein Dreispartentheater pro Region und das koste schon fast ein Drittel des Kulturbudgets. Aus Sicht j\u00fcngerer Kulturschaffender geh\u00f6rten dazu aber auch Auftrittsm\u00f6glichkeiten, Probelokale und so weiter. Da wachse die Liste schon. <\/p>\n<p> Laut Nef ist Grundversorgung einfach die Versorgung des Volkes mit Nahrung, Kleidung und Wohnung und ausgerechnet diese werde bestens \u00fcber den Markt sichergestellt und gerade nicht von oben gesteuert. Man muss sich, meinte Nef, von dem elit\u00e4ren Kulturbegriff verabschieden. Kultur muss leben, muss aufnehmen, was sie selber will, ohne sich in \u00e4sthetische Wertkategorien pressen zu lassen. Eine st\u00e4dtische F\u00f6rderung der Kultur ist laut Nef in Ordnung, wenn sie aber zentralistisch von Bern oder gar Br\u00fcssel aus gelenkt werde, sei das nicht mehr in Ordnung. <\/p>\n<p> Laut Koechlin wird die Debatte, wie zur Verf\u00fcgung stehende Mittel faktisch verteilt werden sollen, zu wenig gef\u00fchrt &#8211; auch innerhalb der Fachwelt. In Basel habe man zum Beispiel als Novum in den neuen Subventionsvertrag des Theaters Basel ganz milde geschrieben, dass das Theater eine \u00fcber alle Sparten und \u00fcber die ganze Spielzeit gerechnete durchschnittliche Auslastung von \u00fcber sechzig Prozent anstrebe. Da habe man der Politik vorgeworfen, sie greife damit ins Prinzip der k\u00fcnstlerischen Freiheit ein. Die Bestimmung bedeute aber keineswegs, dass jede Produktion eine solche Auslastung haben solle. Das Theater d\u00fcrfe und m\u00fcsse experimentieren und auch scheitern k\u00f6nnen. <\/p>\n<p><\/span><\/span><center> <\/p>\n<table style=\"width: 300px;\">\n<tbody>\n<tr>\n<td><span class=\"txt-s-black\"> <img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/2006\/060412musiker.jpg\" border=\"0\" \/> <\/span><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><center><span class=\"txt-s-black\"><strong>Balthasar Streiff (Alphorn) und Ueli Derendinger (Shakuhachi), zwei der Musiker, welche den Anlass konzertant auflockerten.<\/strong><\/span><\/center><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center><span class=\"txt-m-black\"><\/p>\n<p> <strong>Thomas Schindhelm und Alexander Pereira im Gespr\u00e4ch<\/strong><\/p>\n<p> Thomas Schindhelm, Intendant des Theaters Basel und Alexeander Pereira, der Intendant des Z\u00fcrcher Opernhauses legten ihre Sicht der Dinge unter der Moderation des Kulturjournalisten Thomas W\u00f6rdehoff dar.<\/p>\n<p> Pereira wies auf Gefahr hin, dass durch den gestrichenen Kunst- und Musikunterricht das zuk\u00fcnftige Publikum der Theater- und Opernh\u00e4user verloren zu gehen droht. Aber auch professionelle Kulturfunktion\u00e4re seien schwierig zu rekrutieren. In Z\u00fcrich versuche er deshalb, ein Postgraduate-Studium f\u00fcr Intendanten aufzubauen, um den Nachwuchs in diesem Bereich etwas geplanter aufbauen zu k\u00f6nnen. <\/p>\n<p> Schindhelm stellte fest, dass sich heute alles neu legitimieren m\u00fcsse, nicht nur die Oper. Man m\u00fcsse sich deshalb fragen, wie das Theater und die Oper aus dem \u00abInner Circle\u00bb herausfinden k\u00f6nnten. Ein M\u00f6glichkeit bestehe darin, Pers\u00f6nlichkeiten f\u00fcr die B\u00fchne zu gewinnen, die per se keine B\u00fchnenk\u00fcnstler seien. So habe er in den letzten zehn Jahren immer wieder mit K\u00fcnstlern gearbeitet, die aus anderen Sparten kommen, zum Beispiel mit Filmregisseuren, deren Arbeit dann auch ein neues Publikum ins Theater lockt. <\/p>\n<p> F\u00fcr Pereira ist das ein legitimer Weg. Er wies aber auch darauf hin, dass 22 Prozent der Besucher des Z\u00fcrcher Opernhauses heute unter 25 Jahre alt sind. Um eine ganze Generation dar\u00fcber habe man sich aber nicht gek\u00fcmmert und d\u00fcrfe sich deshalb nicht wundern, dass sie im Theater nicht zu finden sei. <\/p>\n<p> Sowohl Schindhelm als auch Pereira r\u00e4umten ein, dass die Opernszene im zwanzigsten Jahrhundert unter dem Deckmantel der Neuen Musik zu einer geschlossenen Gesellschaft von Eingeweihten geworden sei, auch wenn es viele zeitgen\u00f6ssische Werke gebe, die ihr Publikum f\u00e4nden. Ob man von einem Werk etwas verstehe, sei aber auch ein wenig taugliches Mittel, um dessen Wert abzusch\u00e4tzen, erkl\u00e4rte Schindhelm. Zudem sei das Problem der Akzeptanz und fehlenden Breitenwirkung keineswegs neu. Die neue Oper habe ja auch schon immer Schwierigkeiten gehabt. So sei Bayreuth mit dem ersten Ring etwa pleite gegangen. <\/p>\n<p> Pereira wies darauf hin, dass Akzeptanz und zeitgen\u00f6ssische Werke zwei verschiedene Aspekte sind. Es gibt auch hervorragende Klassiker, die sich keineswegs gut verkaufen, etwa Schuberts \u00abFierrabras\u00bb. Und die grossen Erfolge feiere man mit Wagner in der Schweiz auch heute noch nicht. <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>wb<\/em>)<\/span><\/p>\n<p><center> <\/p>\n<table style=\"width: 430px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><span class=\"txt-s-black\">\u00abMusik muss sein!\u00bb, dreit\u00e4gige Veranstaltung (7. bis 9. April 2006) des Theaters Basel zu den Themen \u00abMusik macht klug\u00bb, \u00abMusik macht Staat\u00bb und \u00abMusik macht global\u00bb. Der als Premiere gezeigte Film \u00abMusik muss sein!\u00bb von Nico Gutmann wird am 7. Mai 2006 abends im \u00abKlanghotel\u00bb des Schweizer Fernsehens SF1 ausgestrahlt.<\/span><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>13.04.2006 &#8212; Im Theater Basel diskutierten Kulturschaffende und Kulturf\u00f6rderer drei Tage lang \u00fcber die gesellschaftliche Dimension des Musikmachens. 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