{"id":817,"date":"2014-01-12T13:17:14","date_gmt":"2014-01-12T13:17:14","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/12\/musikmedizin-in-der-ausbildung\/"},"modified":"2014-01-12T13:17:14","modified_gmt":"2014-01-12T13:17:14","slug":"musikmedizin-in-der-ausbildung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/12\/musikmedizin-in-der-ausbildung\/","title":{"rendered":"Musikmedizin in der Ausbildung"},"content":{"rendered":"<table cellpadding=\"10\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"430\"><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\"><\/p>\n<p> 22.11.2006 &#8212; <strong>In der Hochschule f\u00fcr Musik und Theater Z\u00fcrich f\u00fchrte die Schweizerische Gesellschaft f\u00fcr Musik-Medizin ihr mittlerweile viertes Symposium zu gesundheitlichen Aspekten des Musizierens durch. Thema waren heuer musikmedizinische Aspekte in der Ausbildung.<\/strong><\/p>\n<p> Pia Bucher weist in ihrer Begr\u00fcssung darauf hin, dass \u00dcberlastungsbeschwerden bereits bei Kindern und Jugendlichen ein Thema sind. Nicht selten seien, so Bucher, Wettbewerbe und Diplompr\u00fcfungen Anl\u00e4sse, f\u00fcr die \u00fcberaus intensiv ge\u00fcbt werde. Musikmedizinsche Aspekte m\u00fcssten deshalb bereits in den ersten Unterrichtsjahren ber\u00fccksichtigt werden.<\/p>\n<p> Daniel Fueter, der Direktor der gastgebenden Z\u00fcrcher Musikhochschule best\u00e4tigt in einem Grusswort die gesteigerten Anspr\u00fcche des Musikerberufes, die zu h\u00f6heren Belastungen f\u00fchrten. Die Pr\u00e4vention bewirke auch unter diesen erschwerten Bedingungen einen signifikanten R\u00fcckgang der kurz-, mittel- und langfristigen Sch\u00e4digungen. Festmachen k\u00f6nne man das etwa an der in den letzten Jahren deutlich zur\u00fcckgegangenen Quote entz\u00fcndungsbedingter Absagen von Diplompr\u00fcfungen.<\/p>\n<p> Die Fortschritte in der Pr\u00e4vention w\u00fcrdigt auch Karl Knobloch, der Pr\u00e4sident der Schweizerischen Interpreten-Gesellschaft. Er erinnert daran, dass ergonomische Massnahmen wie verstellbare Pulte und individuell eintellbare St\u00fchle vor wenigen Jahrzehnten noch keineswegs so selbstverst\u00e4ndlich waren wie heute.<\/p>\n<p> <strong>Der Instrumentalunterricht von morgen<\/strong><\/p>\n<p> Tobias Schabenberger, Leiter des Studiengangs II, Interpretation und Performance, an der Musikhochschule Basel, fragt in einem Referat zu den gesundheitlichen Herausforderungen f\u00fcr Pianisten, was eine gesunde Einstellung zur Musizierhaltung und zum Instrument ausmacht. Am Klavier kann, erkl\u00e4rt er, anders als etwa am Blasinstrument, vollkommen verspannt und verkrampft agiert und dennoch ein scheinbar entspannter Klang erzeugt werden. Es ist deshalb doppelt wichtig, Atem und Bewegung des gesamten K\u00f6rpers in den \u00dcbeprozess zu integrieren. Wenn P\u00e4dagogen in ihrer Ausbildung keine derartigen physiologischen und ganzheitlichen Techniken vermittelt bekommen, sind sie aber nicht in der Lage, solche Aspekte in die Arbeit mit den Sch\u00fclern einzubringen. Es gilt deshalb, in der Ausbildung die Eigenwahrnehmung der Sch\u00fcler und die Wahrnehmung ihrer Sch\u00fcler zu vertiefen und in der Auswahl der zu erarbeitenden St\u00fccke mehr darauf zu achten, ob sie dem Stand eines Sch\u00fclers entsprechen. <\/p>\n<p> Katharina Gohl \u2013 sie betreut an derselben Hochschule wie Schabenberger die instrumentale und vokale P\u00e4dagogik und referiert aus der Sicht der Streicher \u2013 weist darauf hin, dass Bewegungen bei Streichern \u00fcberaus komplex sind und sich in ausgekl\u00fcgelten, teils national bedingten Techniken finden, in deren Vermittlung das Individuelle eines Sch\u00fclers aus dem Fokus zu verschwinden droht. Den Studierenden und ihren Lehrern sollte zun\u00e4chst einmal der Mut zur\u00fcckgegeben werden, sich unvoreingenommen wahrzunehmen. Ge\u00fcbt werden sollten nicht nur fertige Bauteile, sondern auch gr\u00f6ssere Aufgaben, etwa die Unabh\u00e4ngigkeit der H\u00e4nde und Finger, eine gr\u00f6ssere F\u00e4higkeit, schnell umzuschalten, komplexe rhythmische Formen wahrzunehmen oder K\u00fcrzestnoten modulieren zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p> Sylvia Schwarzenbach expliziert als langj\u00e4hrige Fachdidaktikdozentin f\u00fcr Holzbl\u00e4ser an der Berner Hochschule der K\u00fcnste die typischen Herausforderungen, vor die sich Bl\u00e4ser gestellt sehen. Deren Atmung ist eng verbunden mit ihrer psychischen Verfassung. Es ist auch wichtig zu wissen, ob ein Sch\u00fcler Asthmatiker ist, ob er Allergien hat. Leider sprechen Eltern dar\u00fcber oft gar nicht. Es hat, meint Schwarzenbach, auch keinen Sinn, Atem\u00fcbungen zu machen, wenn jemand erk\u00e4ltet ist.<\/p>\n<p> Eine zentrierte, entspannte K\u00f6rperhaltung und eine flexible Wirbels\u00e4ule ohne Hohlkreuz sind Grundvoraussetzungen f\u00fcr eine nat\u00fcrliche Zwerchfellatmung und korrekte Atemst\u00fctze. Wichtig sind am Instrument auch Handst\u00fctzen, die der Hand des Sch\u00fclers wirklich entsprechen. Gr\u00f6ssere Instrumente sollten nicht mehr mit dem einseitig belasteten Nackenband gespielt werden, sondern mit einem Oberk\u00f6rpergurt, dank dem der ganze Oberk\u00f6rper das Gewicht tr\u00e4gt. <\/p>\n<p> Ansatzprobleme und Verspannung der Gesichtsmuskulatur k\u00f6nnen unterschiedliche Ursachen haben, unter anderem Fehlatmung, falsche K\u00f6rperhaltung, Zahn- und Kieferver\u00e4nderungen, Zahnl\u00fccken, nicht an die physiognomischen Gegebenheiten angepasste Mundst\u00fccke, zu harte Bl\u00e4tter oder Metallallergien. Zu fr\u00fcher Anfang auf dem Instrument kann auch zu Fehlhaltungen f\u00fchren. Da k\u00f6nnen Spezialinstrumente wie das Fagottino Abhilfe schaffen. <\/p>\n<p> <strong>Musikphysiologische Angebote der HMT Z\u00fcrich<\/strong><\/p>\n<p> Horst Hildebrandt, an den Hochschulen von Z\u00fcrich und Basel f\u00fcr die Fachbereiche Musikphysiologie und Musik- und Pr\u00e4ventivmedizin zust\u00e4ndig, ist der \u00dcberzeugung, dass in Beruf und fachdidaktischer Ausbildung die grundlegende Erfahrung mit Muskelspannungen in allen ihren Facetten die Basis des Gesundheitsbewusstseins sein muss. Wichtig ist laut Hildebrandt zudem die grundlegende Kompetenz der Selbstorganisation, die in Kursen in Basel und Z\u00fcrich ebenfalls gelehrt wird. <\/p>\n<p> Weitere Lernveranstaltungen besch\u00e4ftigen sich mit Auftrittskompetenz und B\u00fchnenmanagement. Ein erstes Ziel ist es, einen differenzierten Tonus, speziell im Unterbauch aufzubauen. So kann der Oberbauch weitgehend von Spannung unber\u00fchrt gelassen und damit dem Zwerchfell die M\u00f6glichkeit zur tiefen Atmung gegeben werden. Hand- und Feinmotorik sind weitere Aspekte. Da muss etwa gefragt werden, ob Instrumente \u2013 zum Beispiel im Klappenbereich \u2013 individuell umgebaut werden m\u00fcssen, um dem Spieler eine nat\u00fcrlichere Spielweise zu erm\u00f6glichen. Hildebrandt sch\u00e4rft seinen Studierenden auch ein, sie sollten nur dann unterrichten, wenn sie in der Lage sind, Bewegungsabl\u00e4ufe in einer Spielbewegung einfach und klar anzuweisen und einem Sch\u00fcler zeigen zu k\u00f6nnen, wie die Grobmotorik m\u00fchelos in die Zielbewegung integriert wird. <\/p>\n<p> <strong>Gesundheitsf\u00f6rderung im Musikschulalltag<\/strong><\/p>\n<p> Hans Brupbacher, Musikschulleiter und Pr\u00e4sident der Vorsorgestiftung von Musikschulen und Musikp\u00e4dagogischem Verband erkl\u00e4rt, dass ein grosser Teil der Musiker, die vorzeitig aus dem Berufsleben ausscheiden, dies krankheitsbedingt und im speziellen aus Gr\u00fcnden psychischer \u00dcberlastung tun. Er meint, dass es deshalb besonders wichtig sei, in Musikschulen eine gute, freundschaftliche Atmosph\u00e4re zu schaffen, in der sich die Lehrerinnen und Lehrer als Team und gut aufgehoben f\u00fchlen. In der Schule, der er selber vorsteht, erreicht er dies mit verschiedenen Massnahmen. Dazu geh\u00f6ren Lob und Anerkennung f\u00fcr die Arbeit, gemeinsame Ausfl\u00fcge und gesellige Treffen oder scheinbare Nebens\u00e4chlichkeiten wie die W\u00fcrdigung von Geburtstagen. Zu den Massnahmen, die eine Musikschule menschlicher machen, geh\u00f6rt auch die Ausgestaltung des Musikzimmers, zum Beispiel mit dem Aufh\u00e4ngen von Zeichnungen von Sch\u00fclern. Laut Brupbacher geh\u00f6rt in jedes Schulzimmer \u00fcberdies obligatorisch ein Sitzball.<\/p>\n<p> <strong><br \/>Das Verhalten von Kindern verstehen<\/strong><\/p>\n<p> \u00dcber psychische und k\u00f6rperliche Eigenheiten von Kinder mit Blick aufs Musizieren gibt der Interlakner Kinderarzt Ruedi Gr\u00fcring Auskunft. Er ist \u00fcberzeugt davon, dass jedes Kind einmalig ist und eine individuelle Entwicklung zeigt. Verhaltensauff\u00e4lligkeiten sollten auch nur dann behandelt werden, wenn sie st\u00f6rend sind und sich daf\u00fcr keine offensichtliche Erkl\u00e4rung finden l\u00e4sst. Probleme lassen sich allerdings auf vielerlei Arten abkl\u00e4ren. Bei Schmerzen ist etwa eine M\u00f6glichkeit, ein Schmerztagebuch schreiben zu lassen, um den Ursachen auf den Grund zu gehen. H\u00e4ufig ist man mit dem konfrontiert, das der Neurowissenschaftler Manfred Spitzer als \u00abTeufelskreis des Lernens\u00bb bezeichnet: Unsicherheit macht Angst, die wiederum kann Aggressionen ausl\u00f6sen und Vermeidungsreaktionen provozieren, welche die Leistung senken, was zu Frustration und wiederum zu noch mehr Verunsicherung f\u00fchrt.<\/p>\n<p> Gr\u00fcring erkl\u00e4rt auch, dass auf verschiedene Wege zu einem Instrument gefunden werden kann. Es kann sich wie im Falle des Fl\u00f6tisten James Galway um eine gew\u00fcnschte oder wie beim Geiger Gidon Kremer um eine erzwungene \u00dcbernahme handeln. Der Zufall, nach dem etwa der Fagottist Milan Turkovi\u0107 zu seinem Instrument gekommen ist, kann eine Rolle spielen. Das Beispiel einer gegl\u00fcckten Suche stellt der Cellist Pablo Casals dar. Es kann aber auch eine Mischung aus mehreren solchen Wegen vorliegen, wie etwa im Fall des Pianisten Jan Paderewski. Um die Probleme der Kinder richtig erkennen zu k\u00f6nnen, muss der P\u00e4dagoge sich selber gut kennen, akzeptieren und respektieren und auch einsehen, dass ein Sch\u00fcler unter Umst\u00e4nden ein ganz anderes Welt- und Menschenbild hat als er selber. <\/p>\n<p> Gr\u00fcring weist auch darauf hin, dass die Musikmedizin bei Kindern selber in den Kinderschuhen steckt und es noch zahlreiche interessante Fragen zu l\u00f6sen gibt. Dazu geh\u00f6rt etwa, ob und wann ein Instrument gewechselt werden darf und ob ein Kind mehr als ein Instrument lernen kann oder gar sollte. Hier sind auch die neuesten Resultate der Hirnforschung zu ber\u00fccksichtigen.<\/p>\n<p> <span class=\"txt-s-black\"><strong>Diskussion<\/strong><br \/> Auf die Frage aus dem Publikum, wie man die Musikschulleiter f\u00fcr Massnahmen zur Mitarbeit motivieren und solche konkret umsetzen kann, wenn kein Geld daf\u00fcr vorhanden ist, antwortet Brupacher, er finanziere solche Aktivit\u00e4ten praktisch ausschliesslich aus privaten Geldern. Das setze aber eingestandenermassen ein grosses Beziehungsnetz und ein konkretes Konzept voraus. Vieles h\u00e4nge dabei von der Initiative der Schulleitung ab. Ein weiterer Zuh\u00f6rer meint, es sei wichtig, die positiven Aspekte und die St\u00e4rken der Sch\u00fcler zu betonen, statt den Finger st\u00e4ndig auf das zu legen, was verbesserungsbed\u00fcrftig sei. Es wird auch die Frage gestellt, wie man die Akzeptanz in der Wirtschaft gegen\u00fcber der Kultur f\u00f6rdern k\u00f6nne. Podiumsteilnehmer entgegnen, man k\u00f6nne den Wirtschaftsvertretern klar machen, dass in die Kinder und die Kunst investiert werde und man zu kurz greife, wenn einfach von den Kosten gesprochen werde. Es seien aber auch politische Massnahmen angesagt. 2007 werde vom Musikrat eine \u00abInitiative Musik\u00bb lanciert. Es geht nicht mehr an, dass das geplante Gesetz zur Kulturf\u00f6rderung auf die lange Bank geschoben werde. Dieses d\u00fcrfe auch nicht mit unverbindlichen Kann-Formeln gestaltet werden.<\/span><\/p>\n<p><\/span><\/span><center> <\/p>\n<table style=\"width: 400px;\">\n<tbody>\n<tr>\n<td><span class=\"txt-s-black\"> <img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/2006\/0611020podium.jpg\" border=\"0\" alt=\"Podium am Symposium 2006 der SMM\" \/> <\/span><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><center><span class=\"txt-s-black\"><strong>Das Abschlusspodium der Tagung (v.l.n.r.): Hildebrandt, Reiter, Gr\u00fcring, Gutzwiller, Wyder, Schwarzenbach.<\/strong><\/span><\/center><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center><span class=\"txt-m-black\"><\/p>\n<p> <strong>Wahrnehmungstraining und K\u00f6rpererfahrung<\/strong><\/p>\n<p> In enem der beiden Workshops stellt die Physiotherapeutin Johanna Gutzwiller als Dozentin der Musikhochschule Luzern zun\u00e4chst fest, dass \u00dcben ungesund sein kann und stellt die Frage, wie sich das \u00e4ndern l\u00e4sst. Sie erinnert daran, dass es nicht die Frage ist, wieviel jemand \u00fcbt, sondern wie er dies tut. Sie stellt dabei die Regel auf, dass nach sp\u00e4testens zwanzig Minuten die erste Pause kommen muss. Wenn man nach zwanzig Minuten glaube, man habe erst angefangen zu \u00fcben, so Gutzwiller, dann habe man falsch ge\u00fcbt. Genaue Eigenwahrnehmung und das \u00dcben selber muss man \u00fcben wie alles andere auch. Es gibt dazu keine allgemeinen Regeln, jeder muss zu seinem eigenen System finden. Das ist ein Prozess, der seine Zeit dauert. Wenn man diesen Prozess gemacht hat, dann kommt man zu einem \u00dcben, das gesund ist. <\/p>\n<p> In einem zweiten Workshop pr\u00e4sentiert die Berner Bewegungsp\u00e4dagogin Katja Wyder Bewegungen und Bewegungs-Bilder, die den K\u00f6rper \u00fcber alle Gelenke erfahrbar machen und helfen, die Atmung zum organischen Fliessen zu bringen. Richtiges Auf- und Durchatmen, so die Dozentin der Hochschule der K\u00fcnste Bern, macht wacher und durchl\u00e4ssiger, balanciert Muskeltonus, Stoffwechsel und Hirnfunktionen und ver\u00e4ndert die Stimmung hin zum \u00abspielenden Gelingen\u00bb in der Musik.<\/p>\n<p> <strong>Die dreidimensionale musikphysiologische Untersuchung<\/strong><\/p>\n<p> Der in Freiburg t\u00e4tige Musikphysiologe Jochen Blum skizzert eine Systematik, die Belastungen, daraus resultierende Beanspruchungen und die Leistungsf\u00e4higkeit der Studierenden zueinander in Verbindung setzt. Belastungen sind etwa L\u00e4rm und komplexe ergonomische Bedingungen, aber auch psychischer und mentaler Stress. Die Beanspruchungen wiederum betreffen eine Vielzahl von Systemen: Muskeln und Skelett, Sinnesorgane, Psyche, Haut \u2013 durch Kolophonium, H\u00f6lzer und Lacke \u2013 und Atmungsorgane. Solche Rahmenbedingungen beeintr\u00e4chtigen letztlich die Leistungsf\u00e4higkeit.<\/p>\n<p> Mit Blick auf diese Bereiche kann die Qualit\u00e4t des Unterrichtes dank gezielten Analysetechniken verbessert werden, die grob einem Ablauf aus Beobachtung, Analyse, Einordnung und Korrekturanweisungen folgen. Der Lehrer muss den Sch\u00fcler aus verschiedenen Entfernungen und Perspektiven beobachten, aus einer Fern- und einer Naheinstellung, aber auch in einer dynamischen Rundsicht und von oben. Bestimmte Probleme in der Schulterhaltung von Gitarristen k\u00f6nnen zum Beispiel nur von oben erkannt werden. Der Lehrer kann durchaus auch einmal auf einen Stuhl steigen und den Sch\u00fcler aus der Vogelperspektive studieren. Wenn solche Beobachtungen analysiert werden sollen, muss auch ein anatomisches, physiologisches und ergonomisches Bezugssystem vorhanden sein, dank dem sich die beobachteten Bewegungen innerlich abbilden lassen. Ein klassisches anatomisches Bezugssystem zur Beschreibung von Bewegungen wie Elevation, Abduktion, Aussenrotation und so weiter ist die Klassifikation in Komponenten in der Sagittal-, Transversal und Frontalebene, aber auch mit unterschiedlichen Achsen. Kategorien zum Einordnen der Analysen sind richtig und falsch, kurzfristige und langfristige Auswirkungen oder die Frage, ob Bewegungen gesund und krankmachend sind. Da sollte nicht einfach nach vagen Sch\u00e4tzungen beurteilt werden. Eingeteilt werden kann auch in tolerable und nicht tolerable Eigenheiten. <\/p>\n<p> <strong>Die jugendliche Wirbels\u00e4ule<\/strong><\/p>\n<p> Der Dornbirner Facharzt f\u00fcr Orthop\u00e4die Roland Reiter erinnert daran, dass es zwar banal t\u00f6nt, aber dennoch wichtig ist, dass das Instrument ans Kind angepasst wird und nicht umgekehrt. N\u00fctzlich w\u00e4ren in dieser Hinsicht nach Instrumenten aufgeschl\u00fcsselte Untersuchungen \u00fcber H\u00e4ufigkeit und Art von Belastungssch\u00e4den. Falsche Haltungen finden sich laut Reiter bei Hobbymusikern h\u00e4ufiger als bei Profis. Allerdings ist die Meinung problematisch, Probleme l\u00f6sten sich bei den Amateuren eher, weil diese einfach mit \u00dcben aufh\u00f6ren k\u00f6nnen, wenn sie Schmerzen haben. In Tat und Wahrheit l\u00f6sen sie die Probleme nicht, sondern h\u00f6ren einfach mit Musizieren auf.<\/p>\n<p> Den Ver\u00e4nderungen der Wirbels\u00e4ule muss im Musikunterricht Rechnung getragen werden. Beim Kleinkind wirken noch keine axialen Kr\u00e4fte, die Wirbels\u00e4ule ist einfach rund gebogen. Zwischen dem f\u00fcnften und siebten Lebensjahr k\u00f6nnen aber bereits erste Haltungsschw\u00e4chen auftreten. In der Pubert\u00e4t ist der Bewegungsapparat bis zum Zerreissen gespannt, es kann deshalb zu St\u00f6rungen und statischen Insuffizienzen kommen. Auch schwere Erkrankungen sind m\u00f6glich, etwa der sogenannte \u00abScheuermann\u00bb, der sich unter anderem durch eine gewisse Steifigkeit des R\u00fccken \u00e4ussert. Auch Skoliosen \u2013 S-f\u00f6rmige Verkr\u00fcmmungen \u2013 k\u00f6nnen auftreten. Oberstes Ziel muss sein, dass man Sch\u00e4den erkennt und behebt, bevor sie wirksam werden. <\/p>\n<p> F\u00fcr die Haltungskontrolle ist der Spannungsschlauch der Rumpfmuskulatur entscheidend. Dazu geh\u00f6ren R\u00fccken-, Bauch- und Beckenbodenmuskulatur, aber auch die Atmung. Haltungskontrolle ist ein komplexes System mit motorischen und sensorischen Komponenten. Sie l\u00e4uft auch zeitlich versetzt ab, das heisst, nicht alle Muskeln werden zum gleichen Zeitpunkt angesprochen. Zu den koordinativen F\u00e4higkeiten geh\u00f6ren neben der Gleichgewichts- und Haltungskontrolle die Stabilisierungsf\u00e4higkeit sowie Gewandtheit und Geschicklichkeit. Diese koordinativen F\u00e4higkeiten sind die Grundlage jeder motorischen Handlungskompetenz. Diese F\u00e4higkeiten k\u00f6nnen mit variiertem \u00dcben und \u00dcbungsbedingungen von Musik gef\u00f6rdert werden. <\/p>\n<p> Musiker, erkl\u00e4rt Reiter weiter, werden zwar h\u00e4ufig mit Spitzensportlern verglichen. Wenn man den Stand der Sportmedizin und denjenigen der Musikmedizin vergleicht, sieht man aber auff\u00e4llige Unterschiede: Sportmediziner haben einen sauber vorgeschriebenen Ausbildungsplan und besch\u00e4ftigen sich mit spezifischen Sportarten. Sportmedizin ist auch eine gesch\u00fctzte Zusatzbezeichnung, f\u00fcr die eine Pr\u00fcfung abgelegt werden muss. Es existieren \u00fcberdies sportartenspezifische Pr\u00e4ventionsprogramme. All dies fehlt zur Zeit in der Musikmedizin.<\/p>\n<p> <span class=\"txt-s-black\"><strong>Diskussion<\/strong><br \/> Aus dem Publikum wird nach den Unterschieden der Lehrangebote in Luzern und Bern gefragt. Johanna Gutzwiller erkl\u00e4rt, dass in Luzern das System auf Bologna umgestellt worden sei und im Bachelorbereich die Studierenden die Wahl h\u00e4tten, ein Bewegungsseminar im ersten Semester zu buchen. Es bestehe auch die M\u00f6glichkeit, im Fall von Schwierigkeiten eine Beratung zu machen \u2013 dazu habe sie ein Mandat von sechs Stunden pro Woche. Es gebe auch R\u00fcckmeldungen zu Auftritten. Von Willy Kotoun w\u00fcrden auch alle in rhythmischer Bewegung geschult. Katja Wyder meint, in Bern werde eher weniger geboten. Es gebe Schulung in Rhythmik und Bewegung. Im Aufbaustudium k\u00f6nne im Wahlpflichtfach weiter Bewegung belegt werden. Die Angebote dazu wechselten st\u00e4ndig. Die Studierenden k\u00f6nnten auch einmal im Semster dreissig Minuten mit ihr oder einer Kollegin arbeiten.<\/p>\n<p> Aus dem Publikum wird nach Ern\u00e4hrungsprinzipien gefragt. Horst Hildebrandt erkl\u00e4rt, es gebe immer wieder Leute, die kompett ohne warme Mahlzeiten und ohne regelm\u00e4ssiges Essen in die Sprechstunde k\u00e4men. Auch die Frage, was man vor einem Konzert isst, sollte er\u00f6rtert werden. Informationen zur Ern\u00e4hrung seien noch kein Teil des Curriculums. <\/p>\n<p> Ein Zuschauerin erkl\u00e4rt, sie habe Sch\u00fcler, die beim Klavierspiel immer wieder den Daumen einz\u00f6gen und m\u00f6chte wissen, ob das normal ist. Vom Podium wird geantwortet, dass die Reifung des Daumen mit der Schulreife noch nicht abgeschlossen ist. Der Daumen sei der Finger, der am sp\u00e4testens reife. Da gelte es achtsam zu sein, denn das Einziehen des Daumens in die Hand hinein k\u00f6nne den Anfang einer grossen Gesamtproblematik bilden. Der h\u00e4ufig beschimpfte kleine Finger sei hingegen schon fr\u00fch recht stark. <\/p>\n<p> Aus dem Publikum wird auch die Frage nach der Suchtproblematik gestellt. Horst Hildebrandt erkl\u00e4rt dazu, in einem Seminar \u00fcber Lernstrategien k\u00e4men zum Beispiel die Rolle des Cannabis-Konsums bei der Entstehung von Psychosen zur Sprache. Die Hochschule in Z\u00fcrich sei mittlerweile rauchfrei. Auch Betablocker seien ein Thema. Es gebe aber keine eigenen Kurse dazu. Auch die Frage des Aufw\u00e4rmens und Abk\u00fchlens sei virulent, weil das Bier nach dem Auftritt auch schon sehr beliebt sei. <\/p>\n<p> Eine Zuschauerin m\u00f6chte wissen, ob Jazzmusik weniger gesundheitliche Probleme h\u00e4tten, als die Vertreter der klassischen Musik. Pia Bucher erkl\u00e4rt, dass die Anlaufstelle der SMM immer wieder Anfragen von Jazzern erhalte. Diese w\u00fcrden selber glauben, sie seien beim Musizieren entspannter und w\u00fcrden sich mehr bewegen und h\u00e4tten deshalb weniger Probleme. Es k\u00e4men aber immer mehr in die Sprechstunde. Zudem meldeten sich auch immer mehr Amateure, zum Beispiel aus dem Blasmusikbereich, der in der Schweiz ein Hochleistungssport sei. Johanna Gutzwiller best\u00e4tigt Buchers Beobachtungen und meint, die Jazzer entdeckten das Thema Gesundheit gerade erst so richtig, In ihren Beratungen stellten sie mittlerweile schon fast die H\u00e4lfte der Anfragen. <\/span><\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>wb<\/em>)<\/span><\/p>\n<p><center> <\/p>\n<table style=\"width: 430px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><span class=\"txt-s-black\">4. Symposium der Schweizerischen Gesellschaft f\u00fcr Musik-Medizin zum Thema \u00abMusikmedizinische Aspekte in der Ausbildung\u00bb, Hochschule f\u00fcr Musik und Theater Z\u00fcrich, 11. November 2006<\/span><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>22.11.2006 &#8212; In der Hochschule f\u00fcr Musik und Theater Z\u00fcrich f\u00fchrte die Schweizerische Gesellschaft f\u00fcr Musik-Medizin ihr mittlerweile viertes Symposium&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[14],"tags":[],"class_list":["post-817","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-musikmedizin-und-musiker-medizin","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/817","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=817"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/817\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=817"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=817"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=817"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}