{"id":82,"date":"2014-01-07T09:24:31","date_gmt":"2014-01-07T09:24:31","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/07\/der-dirigent\/"},"modified":"2014-01-07T09:24:31","modified_gmt":"2014-01-07T09:24:31","slug":"der-dirigent","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/07\/der-dirigent\/","title":{"rendered":"Der Dirigent"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\"><span class=\"txt-m-black\"><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\"><span class=\"txt-m-black\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"images\/140104dirigent.jpg\" border=\"0\" alt=\"Cover Der Dirigent\" width=\"70\" height=\"102\" style=\"float: left; margin: 8px;\" \/>02.01.2014 &#8212; Bescheidener Diener der Musik oder selbsts\u00fcchtiger Pultstar? Dem Ph\u00e4nomen des modernen interpretierenden Dirigenten widmet Wolfgang Hattinger eine breit angelegte Untersuchung, in der er all jene wichtigen Aspekte ber\u00fccksichtigt, die in der klassischen Dirigenten-Ausbildung an Hochschulen und Konservatorien h\u00f6chstens am Rande thematisiert werden.<\/span><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\"><span class=\"txt-m-black\"><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\"><span class=\"txt-m-black\"><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\"><span class=\"txt-m-black\">Es geht ihm weder um Schlagtechnik noch um Partiturlesen, schon gar nicht um mit Anekdoten angereicherte Biografien ber\u00fchmter Orchesterleiter von Anfang des 19. Jahrhunderts bis in die Gegenwart.<\/span><\/span> <\/span><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\"><span class=\"txt-m-black\"><img decoding=\"async\" src=\"images\/140104dirigent.jpg\" border=\"0\" alt=\"Cover Der Dirigent\" style=\"float: left; margin: 8px;\" \/>02.01.2014 &#8212; Bescheidener Diener der Musik oder selbsts\u00fcchtiger Pultstar? Dem Ph\u00e4nomen des modernen interpretierenden Dirigenten widmet Wolfgang Hattinger eine breit angelegte Untersuchung, in der er all jene wichtigen Aspekte ber\u00fccksichtigt, die in der klassischen Dirigenten-Ausbildung an Hochschulen und Konservatorien h\u00f6chstens am Rande thematisiert werden. <\/p>\n<p> Es geht ihm weder um Schlagtechnik noch um Partiturlesen, schon gar nicht um mit Anekdoten angereicherte Biografien ber\u00fchmter Orchesterleiter von Anfang des 19. Jahrhunderts bis in die Gegenwart. In f\u00fcnf thematisch klar strukturierten, inhaltlich miteinander vielf\u00e4ltig verzahnten Bl\u00f6cken tr\u00e4gt Hattinger alle essentiellen Elemente zusammen, denen ein Dirigent in Theorie und Praxis gewachsen sein muss: von der Vorbereitung seiner Werkinterpretation \u00fcber den Umgang mit Klangk\u00f6rpern, Publikum und Medien, von den Problemen und Konflikten im Orchester bis zu des Dirigenten Mythos, Macht und Ohnmacht. <\/p>\n<p> Grunds\u00e4tzliches zum Thema musikalische Reproduktion, das jeden interpretatorisch T\u00e4tigen gleichermassen betrifft, breitet der Autor im ersten Teil, \u00abDer Dirigent als Interpret\u00bb, aus. Einem R\u00fcckblick auf die musikhistorischen Aspekte des Dirigierens, auf den modernen Dirigenten und seine Rolle im 20. Jahrhundert folgen Erl\u00e4uterungen zu Fragen der Interpretation (\u00absubjektive\u00bb versus \u00abobjektive\u00bb und \u00abneusachliche\u00bb Zugangsweise) und der Problemfelder, denen sich der Dirigent (und nicht nur dieser) stellen muss: Verh\u00e4ltnis zwischen Text und Werk, Offenlegung von Sinn und Gehalt einer Partitur (Analyse), Werktreue und Authentizit\u00e4t, das Modell der Intertextualit\u00e4t (alle Texte beziehen sich auf andere, nicht identifizierbare \u00dcberlieferungen), \u00abPerformance Studies\u00bb (Performanzforschung; Notentext einerseits, dessen Realisierung andrerseits). <\/p>\n<p> \u00abDer Dirigent und Konflikte\u00bb (Teil 2). Bei seiner vermittelnden T\u00e4tigkeit sieht sich der Dirigent immer wieder mit Schwierigkeiten und Spannungen konfrontiert, die einem reibungslosen Einvernehmen zwischen ihm und dem Orchester hinderlich im Wege stehen k\u00f6nnen. Wolfgang Hattinger beschreibt die berufliche Situation von Orchestermusikern, referiert aktuelle deutsche Untersuchungen und Studien zu ihrer Arbeitszufriedenheit und zum Stress-Erleben, geht gruppendynamischen und orchesterspezifischen Ausl\u00f6sern von Konflikten nach, im Blick stets die Besonderheiten der Kommunikation des sich prim\u00e4r gestisch und mimisch mitteilenden Dirigenten mit dem Orchester, die Vermeidung bzw. Entsch\u00e4rfung von Kontroversen. \u00abDas vielleicht beste Ingediens f\u00fcr alle kommunikativen Situationen \u2013 sowohl &#8217;normalen&#8216; Arbeitssitzungen als auch konfliktbeladenen \u2013 ist der Humor.\u00bb (Seite 123) <\/p>\n<p> Vorbei sind die Zeiten der Taktstock-Despoten. Doch Machtaus\u00fcbung geh\u00f6rt weiterhin zum Bild des Dirigenten. Macht, verstanden als eine Wirkungsweise, die das Handeln anderer ver\u00e4ndert, funktioniert heute auf subtilere Weise. Konzepten von Macht und deren Gesichtspunkte, die den Dirigenten betreffen, widmet sich der Autor im dritten Teil, \u00abDer Dirigent und Macht\u00bb. Macht als Archetyp (C. G. Jung), Konzepte von Macht (Max Weber, Bertrand Russell, Hannah Arendt, Niklas Luhmann, Byung-Chul Han), Ph\u00e4nomene der Macht (Heinrich Popitz) verbindet Hattinger mit den Anforderungen und Auswirkungen auf den Dirigenten. \u00abJe drastischerer Mittel es bedarf, um Macht durchzusetzen, desto geringer ist sie.\u00bb (Seite 151) Aus Macht w\u00e4chst im optimalen Fall Charisma \u2013 wie und unter welchen Voraussetzungen es sich im Lauf eines Berufslebens entwickelt und wirkt, ist im letzten Teil dieses Kapitels zu verfolgen. <\/p>\n<p> Dass grosse Dirigenten auf sie in der \u00d6ffentlichkeit begleitende Mythen angewiesen sind und wie sie ihnen konforme Mythen selbst schaffen, analysiert Hattinger im 4. Teil (\u00abDer Dirigent als Mythos\u00bb). Er zieht die Ergebnisse und Ansichten von Wirtschaftswissenschaft, Managementforschung, Psychologie, Psychiatrie (Stichwort: Narzissmus) hinzu, stellt \u00dcberlegungen an zu diversen Mythen: der Dirigent als Mann (weshalb haben es Dirigentinnen schwerer?), Selbstsicherheit, das Primat des Musikalischen, der Mythos der Texttreue, mythenumrankte (Selbst-)Biografien, der Mythos vom Geld, das gar nicht so wichtig ist (wenn man schon Millionen auf der hohen Kante hat). <\/p>\n<p> Mit welcher Umsicht und sprachlichen Differenzierungsf\u00e4higkeit der Autor Klarheit und Tiefensch\u00e4rfe in Themen bringt, die schwierig zu verbalisieren sind, erweist sich auch im 5. Teil: \u00abDer Dirigent als Medium\u00bb, als Medium zwischen der Partitur und dem Klangk\u00f6rper und zwischen Orchester und Publikum. Energien und \u00dcbertragungen fliessen zwischen Dirigent, Orchester und Publikum. Wolfgang Hattinger reflektiert, welche physischen, psychischen und mentalen Prozesse an den \u00dcbertragungen beteiligt sind, warum Menschen in der Lage sein k\u00f6nnen, Gef\u00fchle und Energien anderer zu erfahren. In seinen Erl\u00e4uterungen beruft er sich auf Neurobiologie und Epigenetik (Spiegelneuronen), auf den besonderen Bewusstseinszustand des Flow und kommt auch auf die transzendenten, spirituellen Aspekte beim Musizieren zu sprechen. <\/p>\n<p> Im 6. und letzten Teil, \u00abPerspektive: Dirigent\u00bb, fasst der Autor die wichtigsten Erkenntnisse des Buchs zusammen und skizziert Antworten auf die Frage, wie der Beruf des Dirigenten in Zukunft sich entwickeln k\u00f6nnte und welche Anforderungen an ihn zu stellen w\u00e4ren. <\/p>\n<p> Wolfgang Hattinger \u2013 Professor f\u00fcr Musiktheorie in Graz, Gr\u00fcnder und Leiter des Kammerensembles \u00abszene instrumental\u00bb und Gastdirigent verschiedene Sinfonieorchester und Opernproduktionen \u2013 vereint in seinem breit gef\u00e4cherten Studien- und Lehrbuch Theorie und Anwendung auf inspirierende Weise. Meinungen, Forschungsresultate und Statistiken werden res\u00fcmiert, erl\u00e4utert, kommentiert und verkn\u00fcpft mit der Praxis des Dirigenten, des Orchesters, den Erwartungen des Publikums. Die Zusammenschau f\u00fchrt zu erhellenden neuen Erkenntnissen. <\/p>\n<p> Der Dirigent ist \u00abPsychologe, Kommunikator, Musiktheoretiker, Soziologe, Historiker sowie spirituell und philosophisch Geforderter\u00bb, heisst es in der Einleitung. Hattinger ist eine diese Blickwinkel einbeziehende Gesamtsicht zu verdanken, eine spannende Lekt\u00fcre f\u00fcr alle an Musik (und an Kunst und Interpretation generell) Interessierten, eine an Einsichten und \u00dcberraschungen reiche Erkundung durch Geschichte und Gegenwart eines Musik-Metiers und seiner einflussreichsten Exponenten.<\/p>\n<p> <strong><em>Zitat aus dem Buch: <\/em><\/strong><br \/> \u00abMusic as performance\u00bb zu verstehen, macht abermals klar, dass das Verh\u00e4ltnis von Interpret und Werk sich vielfach verschlungen darstellt. Es ist nicht ann\u00e4hernd so klar getrennt, wie es die Schulanalyse glaubhaft machen k\u00f6nnte. Die Annahme, dass sich durch eine gr\u00fcndliche Analyse der vom Komponisten ins Werk gesetzte Sinn aufschl\u00fcsseln lie\u00dfe, ist in ihrer Banalit\u00e4t nicht haltbar. Zum einen sind die Zeichen selbst nicht eindeutig und bezeichnen nicht ann\u00e4hernd alle Elemente, die musikalisch wirksam sind. Zum anderen l\u00f6st die Geschichte die Werke aus ihrem Zeitkontext und l\u00e4sst ihr einstiges Erleben und ihre einstigen Bedeutungen immer mehr in der Vergangenheit zur\u00fcck. \u00ab\u00dcberlebt\u00bb haben lediglich die Noten und andere schriftliche Darstellungen der jeweiligen Zeit. Die Auff\u00fchrungspraxis \u00e4ndert sich permanent und die Werke sich mit ihnen. (Seite 76)<br \/> <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>ws<\/em>)<\/span><\/span><\/p>\n<p><span class=\"txt-m-black\" style=\"font-size: xx-small;\"><span class=\"txt-s-black\">Wolfgang Hattinger: Der Dirigent. Mythos \u2013 Macht \u2013 Merkw\u00fcrdigkeiten. Gemeinschaftsausgabe der Verlage B\u00e4renreiter, Kassel, und Metzler, Stuttgart 2013. 320 Seiten mit Abbildungen, Literaturverzeichnis und Personenregister. \u20ac 29,95. Fr. 44.90.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span class=\"txt-m-black\">\u00a0<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\"><span class=\"txt-m-black\"><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\"><span class=\"txt-m-black\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"images\/140104dirigent.jpg\" border=\"0\" alt=\"Cover Der Dirigent\" width=\"70\" height=\"102\" style=\"float: left; margin: 8px;\" \/>02.01.2014 &#8212; Bescheidener Diener der Musik oder selbsts\u00fcchtiger Pultstar? Dem Ph\u00e4nomen des modernen interpretierenden Dirigenten widmet Wolfgang Hattinger eine breit angelegte Untersuchung, in der er all jene wichtigen Aspekte ber\u00fccksichtigt, die in der klassischen Dirigenten-Ausbildung an Hochschulen und Konservatorien h\u00f6chstens am Rande thematisiert werden.<\/span><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\"><span class=\"txt-m-black\"><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\"><span class=\"txt-m-black\"><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: small;\"><span class=\"txt-m-black\">Es geht ihm weder um Schlagtechnik noch um Partiturlesen, schon gar nicht um mit Anekdoten angereicherte Biografien ber\u00fchmter Orchesterleiter von Anfang des 19. Jahrhunderts bis in die Gegenwart.<\/span><\/span> <\/span><\/span><\/span><\/span><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[11],"tags":[],"class_list":["post-82","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-buchbesprechungen","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/82","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=82"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/82\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=82"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=82"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=82"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}