{"id":821,"date":"2014-01-12T13:20:05","date_gmt":"2014-01-12T13:20:05","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/12\/zehn-jahre-musik-medizin-in-der-schweiz\/"},"modified":"2014-01-12T13:20:05","modified_gmt":"2014-01-12T13:20:05","slug":"zehn-jahre-musik-medizin-in-der-schweiz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/12\/zehn-jahre-musik-medizin-in-der-schweiz\/","title":{"rendered":"Zehn Jahre Musik-Medizin in der Schweiz"},"content":{"rendered":"<table cellpadding=\"10\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"430\"><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\"><br \/> 05.11.2007 &#8212; <strong>Die mittlerweile zehn Jahre z\u00e4hlende Schweizerische Gesellschaft f\u00fcr Musik-Medizin (SMM) hat hierzulande in Sachen Pr\u00e4vention und Behandlung von Musikerkrankheiten unsch\u00e4tzbare Aufbauarbeit geleistet. Im Saal des Berner Konservatoriums zeigten Gr\u00fcnder, Freunde und Zugewandte anl\u00e4sslich des 5. Symposiums der Gesellschaft \u00fcberblicksartig, unter welch schwierigen gesundheitlichen Bedingungen Musik als Beruf ausge\u00fcbt werden muss.<\/strong><\/p>\n<p> Berufsmusiker nutzen ihre eigenen K\u00f6rper als hochsensible Instrumente und k\u00e4mpfen aufgrund einer fragilen gesellschaftlichen Stellung und hohen Eigenanspr\u00fcchen in ausserordentlichem Masse mit Selbstzweifeln und belastenden psychischen Situationen. Sie neigen deshalb deutlich h\u00e4ufiger als andere Berufsgruppen zum Verdr\u00e4ngen der gesundheitlichen Belastungen, die schneller als in anderen Metiers zur Bedrohung f\u00fcr die Berufsf\u00e4higkeit werden k\u00f6nnen. Auf diesen Umstand wies Pia Bucher, die Gr\u00fcnderin und Pr\u00e4sidentin der SMM in ihrer Er\u00f6ffnungsansprache zum Symposium hin. Dass die SMM ihr Jubil\u00e4um in der Bundesstadt feiert, hat laut der ehemaligen Spitzenmusikerin, die ihre eigene Karriere selber aus gesundheitlichen Gr\u00fcnden hat aufgeben m\u00fcssen, auch damit zu tun, dass sie 1998 in Bern gegr\u00fcndet wurde \u2212 als Anlauf- und Beratungsstelle.<\/p>\n<p> <strong>Ringen um die besten Vermittlungsformen<\/strong><\/p>\n<p> Den von der Musikerzunft mit Skepsis beobachtete Beginn machten Fachvortr\u00e4ge an den Musikhochschulen. Die SMM organisierte aber auch eine Spezialwoche am Comer See und Seminare in Blonay. Da sich der zeitliche Aufwand f\u00fcr interessierte Musiker f\u00fcr solche Seminare aber als zu gross erwies, wurde sp\u00e4ter ein Drei-Tages-Programm erarbeitet. Schliesslich etablierten sich die eint\u00e4gigen Symposien als wichtige Informationsplattform zum Thema. In den letzten Jahren weitete die heute knapp 100 Mitglieder z\u00e4hlende SMM ihre Aktivit\u00e4ten auch in die Westschweiz aus. Zudem hat sie weitverzweigte Kontakte nach Deutschland und \u00d6sterreich gekn\u00fcpft. SMM-Mitglieder referieren mittlerweile aber auch in Frankreich, Deutschland, Tschechien, Spanien oder den USA.<\/p>\n<p> Der Arbeitsmediziner Peter Sch\u00f6nenberger wies darauf hin, dass sich die Gesundheitsprobleme von Musikern nicht wesentlich von denjenigen anderer Berufsgruppen unterscheiden. Die damit verbundenen Einschr\u00e4nkungen in der Berufsaus\u00fcbung sind aber eben erheblich. Ein Wechsel des Arbeitsplatzes oder Umschulung ist nicht ohne weiteres m\u00f6glich. Zudem sind das viele Sitzen und die zahllosen repetitiven Bewegungen keineswegs ideal. Die \u00fcblichen Methoden zur Erfassung eines Arbeitsplatzprofils sind aber aufgrund der speziellen Umst\u00e4nde wenig hilfreich.<\/p>\n<p> Im Orchestergraben herrschen laut Sch\u00f6nenberger prek\u00e4re akustische und ergonomische Bedingungen. Besonders gef\u00e4hrdet sind Musiker auch f\u00fcr psychologische Aspekte wie Selbstzweifel, Erwartungsdruck, Konkurrenz- und Wettbewerbssituation, Lampenfieber, Konflikte und Reibereien mit Kollegen. Typisch sind zudem Schw\u00e4che- und Schweregef\u00fchle, M\u00fcdigkeit von Beinen, Sodbrennen, saures Aufstossen, Mattigkeit, Reizbarkeit und \u00e4hnliches. Gesundheitliche Abkl\u00e4rungen sind deshalb ausserordentlich aufwendig.<\/p>\n<p> Die praktische Arbeit im Orchester sprach der Orchesterschlagzeuger Hans Peter V\u00f6lkle an. Sie ist auch mit Blick auf die gesundheitlichen Belastungen vom Laienmusizieren fundamental verschieden. Daneben, dass musikalische Berufsarbeit physische Schwerarbeit und feinmotorische H\u00f6chstbeanspruchung mit sich bringt, besteht im Orchester als sozialer Ort die einzigartige Situation, dass Menschen auf engstem Raum in h\u00f6chster Pr\u00e4zision und unter hoher L\u00e4rmbelastung zeitgleich zusammenarbeiten m\u00fcssen. H\u00e4ufig sind auch die klimatischen Verh\u00e4ltnisse alles andere als ideal: Stickige Luft und Durchzug sind keine Seltenheit.<\/p>\n<p> <strong>Ein Tabubruch als Ausgangspunkt<\/strong><\/p>\n<p> Das Tabu wurde 1979 mit der Dissertation \u00abDie Geh\u00f6rbelastung des Orchestermusikers\u00bb des Arztes J\u00fcrg Frei \u00fcber die Verh\u00e4ltnisse in Tonhalle und Z\u00fcrcher Oper erstmals gebrochen. Frei wies nach, dass knapp die H\u00e4lfte der Orchestermusiker unter H\u00f6reinbussen litten und l\u00f6ste damit ein mittleres Erdbeben aus. Seither ist einiges geschehen: Die Musiker sind sich der Gefahr heute bewusst. In Zusammenarbeit mit der Suva werden regelm\u00e4ssig Schalluntersuchungen durchgef\u00fchrt.<\/p>\n<p> Seit einigen Jahren pr\u00fcft die Versicherung alle f\u00fcnf Jahre die H\u00f6rf\u00e4higkeit der Musiker und versorgt diese auch mit individuell angepassten Geh\u00f6rsch\u00fctzen. Dass die Belastung des Ohres noch immer das gr\u00f6sste Problem darstellt, hat aber auch mit einem kulturellen Wandel zu tun: Die Instrumente werden dank technischer Entwicklungen und Marktdruck immer lauter und aggressiver. In den Konzertprogrammen verschwinden die kleiner besetzten Werke, die dem Musiker fr\u00fcher zwischen den grossen Besetzungen Erholung geboten haben. Auch die akustischen Verh\u00e4ltnisse in individuellen \u00dcber\u00e4umen k\u00f6nnen eine hohe Belastung mit sich bringen. V\u00f6lkle zeigte sich \u00fcberzeugt, dass der Geh\u00f6rschutz keine allgemeine L\u00f6sung darstellen kann. Es sei, so der Schlagzeuger, paradox, dass der Musiker das feine Geh\u00f6r nutzen m\u00fcsse und dabei von einem Geh\u00f6rschutz behindert werde. Der Schutz k\u00f6nne nur dazu dienen, in absoluten Notf\u00e4llen das Schlimmste zu vermeiden.<\/p>\n<p> Laut V\u00f6lkle gibt es weitere sinnvolle Massnahmen. Aus Sicht der Orchestervertreter sind dies etwa Obergrenzen f\u00fcr grosse Besetzungen. \u00dcberbesetzungen auf Konzertpodien sollten vermieden werden. In St. Gallen wurde etwa eine Oberlimite von 66 Personen f\u00fcr Besetzungen durchgesetzt. Auch die Entwicklung von Schallschutzelementen hat ein gewisses Potential. \u00dcberdies ist Aufkl\u00e4rung \u2212 schon w\u00e4hrend der Ausbildung \u2212 dringend notwendig. Schliesslich sollte sich die Einsicht wieder durchsetzen, dass Musik von Klangdifferenzierungen und nicht von Klangballungen zum Leben erweckt wird.<\/p>\n<p> Als Hindernis zur Einf\u00fchrung zeitgem\u00e4sser Gestaltung des Arbeitsplatzes erweisen sich auch die veralteten Strukturen in Orchestern, die zum Teil noch aus dem 19. Jahrhundert stammen. \u00dcber die Probenarbeit hinaus findet auch heute noch kaum ein Dialog statt, weder zwischen den Musikern noch mit dem Dirigenten. Es sollten deshalb Mitarbeitergespr\u00e4che und Anlaufstellen f\u00fcr entsprechende Probleme eingef\u00fchrt werden.<\/p>\n<p> <strong>Erfahrungen aus der Westschweiz und Ungarn<\/strong><\/p>\n<p> Die Westschweizer Physiotherapeutin Aude Hauser-Mottier legte in der Folge dar, welche Bedeutung funktionelle Dystonien f\u00fcr Musiker haben k\u00f6nnen. Es handelt sich dabei um muskul\u00e4re Bewegungen und Zittern, die nicht kontrolliert werden k\u00f6nnen, mit keinerlei Schmerzen verbunden und weiter verbreitet sind, als man annehmen k\u00f6nnte. Davon betroffen sind etwa zwei Prozent der Berufsmusiker, M\u00e4nner (84%) deutlich h\u00e4ufiger als Frauen (16%). Die Gr\u00fcnde f\u00fcr diese geschlechtlichen Eigenheiten sind unbekannt. Besonders die Schmerzfreiheit f\u00fchrt dazu, dass die Betroffenen sich weder krank noch geschw\u00e4cht f\u00fchlen und deshalb nicht verstehen, was mit ihnen geschieht. Sie erleben die Fehlfunktion allerdings als eine Art \u00abVampir\u00bb, der die k\u00fcnstlerische Energie aus ihnen saugt. <\/p>\n<p> Laut Hauser-Mottier k\u00f6nnen die Dystonien m\u00f6glicherweise als Folge evolution\u00e4rer \u00dcberlebensstrategien gesehen werden: Die kontrahierenden Muskeln \u00f6ffnen sich vielfach st\u00e4rker und schneller als die expandierenden, weil Zusammenziehen und Kleinmachen in bedrohlichen Situationen wichtige Schutzfunktionen darstellen. Die Genfer Physiotherapeutin vermutet deshalb, dass der Musiker, der dem mythischen Bild des unfehlbaren und perfekten K\u00fcnstlers gerecht werden will, sich selber unter Druck setzt und als Schutz vor der allzu hohen Erwartung diese Kontraktionsreflexe unbewusst ausl\u00f6st &#8211; eine Reaktion, die mit der Zeit ausser Kontrolle ger\u00e4t.<\/p>\n<p> Da die funktionelle Dystonie beim Musiker also auf eine Dissoziation kognitiver, emotionaler und motorischer Kontrollen zur\u00fcckzuf\u00fchren ist, kann man nach der \u00dcberzeugung Hauser-Mottiers die Dystonien nur mit einem ganzheitlichen Ansatz behandeln, zu dem neben physiologischen Massnahmen auch psychologische Interventionen und Aufmerksamkeit f\u00fcr kognitive Werte geh\u00f6ren.<\/p>\n<p><\/span><\/span><center> <\/p>\n<table style=\"width: 360px;\">\n<tbody>\n<tr>\n<td><span class=\"txt-s-black\"> <img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/2007\/SMM2007_2.jpg\" border=\"0\" \/> <\/span><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><center><span class=\"txt-s-black\"><strong>Ungleichgewicht von Belastbarkeit und Belastungen: Zsuzsa P\u00e1sztor bringt ein zentrales Problem professioneller Musiker auf den Punkt.<\/strong><\/span><\/center><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\"><br \/> Von einem ungew\u00f6hnlichen Pionierprojekt, das in Ungarn zahlreiche Anh\u00e4nger gefunden hat, berichtete die P\u00e4dagogin und Pianistin Zsuzsa P\u00e1sztor. Im Heimatland Bela Bart\u00f3ks und Zolt\u00e1n Kod\u00e1lys richtete sich der Blick relativ fr\u00fch auf die Gesundheit der Musiker. Laut P\u00e1sztor sah Kod\u00e1ly, damals Professor an der Franz Liszt Akademie, bereits in den f\u00fcnfziger Jahren des 20. Jahrhunderts die Notwendigkeit der Pr\u00e4vention. Auf seine Anregung hin nahm sich der Sportmediziner G\u00e9za Kov\u00e1cs des Problems an. Ab 1960 waren die von ihm initiierten Aktivit\u00e4ten im Geb\u00e4ude der Musikakademie lokalisiert, 1977 wechselten sie ans B\u00e9la Bart\u00f3k Konservatorium, wo sie noch heute angesiedelt sind.<\/p>\n<p> Ab 1975 organisierte eine Gruppe von Musiklehrern kontinuierliche \u00dcbungslektionen. Ab 1980 startete das st\u00e4dtische Institut f\u00fcr P\u00e4dagogik das offizielle professionelle Ausbildungsprogramm f\u00fcr Musiklehrer. 1995 wurde in Debrecen die Stiftung f\u00fcr Musikergesundheit gestartet. Nach dem Tod von G\u00e9za Kov\u00e1cs im Jahr 1999 f\u00fchrte P\u00e1sztor die Arbeit weiter. Seit dem Jahr 2000 wird die \u00abMethode Kov\u00e1cs\u00bb auch an der Musikakademie Franz Liszt unterrichtet, und seit 2003 wird sie \u00fcberdies Nachdiplomstudenten an der E\u00f6tv\u00f6s Lor\u00e1nd Universit\u00e4t angeboten.<\/p>\n<p> Die Methode besteht aus einer Vielzahl unterschiedlicher und ineinandergreifender Komponenten, so etwa einem Atemtraining, Massnahmen zur Vermeidung von Unf\u00e4llen, aber auch aus \u00dcbeanleitungen, Entspannungstechniken, Aufw\u00e4rmmethoden und Hilfestellungen im Umgang mit den physischen und neurologischen Rahmenbedingungen von Wettbewerbssituationen oder Lampenfieber. Auch Bewegungskoordination und Haltungskontrolle zieht sie in Betracht, und schliesslich will sie Musiker auch im \u00fcberzeugenden und \u00e4sthetischen Auftreten schulen.<\/p>\n<p> Kurse zur Kov\u00e1cs-Methode werden auch im Ausland angeboten. 20 bis 30 Kursteilnehmern werden entweder ein- oder dreiw\u00f6chige Trainings vermittelt. Mehr Infos zur Methode und Kontaktadressen finden sich auf der Webseite <a href=\"http:\/\/www.kovacsmethod.com\" target=\"blank\" rel=\"noopener noreferrer\">www.kovacsmethod.com<\/a><\/p>\n<p> <strong>Erfahrungsberichte von Musikern und \u00c4rzten<\/strong><\/p>\n<p> Davon, welche individuellen Schicksale hinter gesundheitlichen Problemen stehen k\u00f6nnen, erz\u00e4hlten drei direkt Betroffene. Ein Klarinettist schilderte, wie er sich w\u00e4hrend der Berufsausbildung mit Aussicht auf ein Auslandsstipendium mitten in einem hohen Ton die Lippe durchgebissen und dabei wichtige Nerven zerst\u00f6rt hatte. Wie wieviele \u00c4rzte er auch aufsuchte, ihre Antwort war stets diesselbe: Es bestehe keine Hoffnung, dass er das Instrumentalspiel wieder aufnehmen k\u00f6nne. So lernte er zun\u00e4chst Schreiner und spielte sieben Jahre lang keinen Ton mehr. Nun hat er jedoch mit einem neuen Ansatz, der die Lippe nicht direkt beansprucht, begonnen, an der Swiss Jazz School das Spiel der Bassklarinette zu erlernen und ist wieder voll als Musiker t\u00e4tig.<\/p>\n<p> Eine Fl\u00f6tistin berichtete, wie sie wegen starker Schmerzen im Innenohr das Spielen drastisch reduzieren musste. Sie ersetzte die laute moderne Fl\u00f6te durch die weichere und leisere Traversfl\u00f6te, musste aber f\u00fcr deren Studium zwischen Holland und der Schweiz hin- und herpendeln. Mit der Zeit entwickelte sie starke Schmerzen im Oberarm, die auch mit Physiotherapie nicht in den Griff zu kriegen waren. Erst der Hinweis eines Arztes, sie habe offenbar \u00abzu viel um die Ohren\u00bb, f\u00fchrten sie dazu, ihr dichtes Programm drastisch zu reduzieren. Damit verschwanden auch die Schmerzen im Oberarm.<\/p>\n<p><\/span><\/span><center> <\/p>\n<table style=\"width: 360px;\">\n<tbody>\n<tr>\n<td><span class=\"txt-s-black\"> <img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/2007\/SMM2007_3.jpg\" border=\"0\" \/> <\/span><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><center><span class=\"txt-s-black\"><strong>Das abschliessende Podium mit Zsuzsa P\u00e1sztor, Joachim Lahme, Peter Sch\u00f6nenberger, Aude Hauser-Mottier und Urban Diethelm.<\/strong><\/span><\/center><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center><span class=\"txt-m-black\"><br \/> Gesundheitliche Probleme k\u00f6nnen bei weitem nicht nur Berufsmusiker treffen, wie die Geschichte einer Hobbygeigerin klarmachte, die mit dem Geigenspiel relativ sp\u00e4t begonnen hatte. Sie k\u00e4mpfte mit total blockierten Handgelenken und Sehnenscheidenentz\u00fcndungen, die mit jahrelanger Physiotherapie ebenfalls nicht kuriert werden konnten. Auch ein Umstieg auf das gr\u00f6ssere Cello konnte das Problem nicht beheben. Erst die sorgf\u00e4ltige Umstellung auf eine neue K\u00f6rperhaltung und Instrumentaltechnik und eine individuelle Kinnst\u00fctze schafften Linderung.<\/p>\n<p> Schliesslich berichtete der Rheumatologe Urban Diethelm von seinen Erfahrungen aus der Sprechstunde, die Musiker aufgrund stressbedingter \u00dcberlastungen vor allem mit weichteilrheumatischen Beschwerden aufsuchen. Die h\u00e4ufigsten Gr\u00fcnde f\u00fcr derartige Beschwerden sind nach der Erfahrung Diethelms sofortige hohe Beanspruchungen nach l\u00e4ngerer Spielpause, Zeitdruck, ein Repertoire mit technisch sehr anstrengenden Passagen, viele Verpflichtungen und winterliche K\u00e4lte. Auch ein Wechsel auf ein anderes, weniger gewohntes Instrument, mangelnde Berufserfahrung, zu hohe Anspr\u00fcche und langes \u00dcben ohne Pausen sind als Gr\u00fcnde auszumachen. Im Gegensatz zur funktionellen Dystonie sind von rheumatischen Beschwerden vor allem Frauen betroffen, nicht zuletzt weil sie kleiner und feingliedriger sind und Instrumente spielen m\u00fcssen, die von M\u00e4nnern f\u00fcr M\u00e4nner konstruiert worden sind.<\/p>\n<p> Therapien f\u00fcr derartige Leiden sind laut Diethelm schwierig. Trotz intensiver Forschung w\u00fcrden die Ursachen dieser Schmerzen nur ungen\u00fcgend verstanden. Evidenzbasierte Therapieratschl\u00e4ge fehlten bis heute weitgehend. Wichtig sei aber sicher die menschliche Zwendung. Der durchschnittliche Musikerpatient beanspruche denn auch deutlich mehr Zeit in der Konsultation als andere Hilfesuchende.<\/p>\n<p> Schliesslich pr\u00e4sentierte der Zahnmediziner Joachim Lahme Fallbeispiele, die zeigten, wie sensibel der ganze K\u00f6rper auf Verspannungen im Mundbereich reagieren kann und wie hinderlich problematische Zahnstellungen \u2212 vor allem f\u00fcr Bl\u00e4ser \u2212 beim Musizieren sein k\u00f6nnen. <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>wb<\/em>)<\/span><\/p>\n<p><center> <\/p>\n<table style=\"width: 430px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><span class=\"txt-s-black\">\u00abGesundheit im Musikerberuf\u00bb, 5. Symposium und 10 Jahre SMM, Musikschule Konservatorium Bern, Samstag, 27. Oktober 2007<\/span><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>05.11.2007 &#8212; Die mittlerweile zehn Jahre z\u00e4hlende Schweizerische Gesellschaft f\u00fcr Musik-Medizin (SMM) hat hierzulande in Sachen Pr\u00e4vention und Behandlung von&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[14],"tags":[],"class_list":["post-821","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-musikmedizin-und-musiker-medizin","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/821","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=821"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/821\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=821"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=821"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=821"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}