{"id":823,"date":"2014-01-12T13:21:10","date_gmt":"2014-01-12T13:21:10","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/12\/la-traviata-im-zuercher-hauptbahnhof\/"},"modified":"2014-01-12T13:21:10","modified_gmt":"2014-01-12T13:21:10","slug":"la-traviata-im-zuercher-hauptbahnhof","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/12\/la-traviata-im-zuercher-hauptbahnhof\/","title":{"rendered":"\u00abLa Traviata\u00bb im Z\u00fcrcher Hauptbahnhof"},"content":{"rendered":"<table cellpadding=\"10\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"430\"><span class=\"txt-m-black\"><br \/> 01.10.2008 &#8212; Das Z\u00fcrcher Opernhaus und das Schweizer Fernsehen haben in einer Koproduktion mit grossem Erfolg auf ungew\u00f6hnliche Weise bereits Mozarts \u00abZauberfl\u00f6te\u00bb zur Primetime auf die TV-Bildschirme gebracht \u2212 in einer Zweikanal\u00fcbertragung, wobei auf dem einen Kanal das Geschehen auf der B\u00fchne und auf dem zweiten die Arbeiten hinter den Kulissen beobachtet werden konnten. Nun haben die beiden gemeinsam mit dem deutsch-franz\u00f6sischen Kulturkanal Arte Verdis \u00abTraviata\u00bb mitten in den Pendlerstr\u00f6men des Z\u00fcrcher Hauptbahnhofes zur Auff\u00fchrung gebracht.<\/p>\n<p> Die Produktion ist \u00fcber verschiedene Kan\u00e4le von Begleitprogrammen sekundiert worden: Zuschauer konnten ihre Meinung zum Projekt in Interviews vor Ort oder telefonisch kundgeben und sich w\u00e4hrend der Produktion auf der Webseite von Arte in einem Chat austauschen. Im Anschluss an die \u00dcbertragung \u00e4usserten sich im Studio \u00fcberdies (allerdings recht belanglos) die fr\u00fchere MTV-Chefin Catherine M\u00fchlemann, der Z\u00fcrcher Operndirektor Alexander Pereira und die S\u00e4ngerin Maya Boog zum Gelingen des Experimentes. Die Produktion provozierte international ein grosses Echo, und die Reaktionen des Publikums im Chat und Interviews waren fast ausschliesslich sehr positiv bis euphorisch (so euphorisch, dass Nutzer des Arte-Chats sich fragten, ob kritische Anmerkungen zensiert w\u00fcrden &#8211; eine eher gewagte Annahme).<\/p>\n<p> Es hat also offensichtlich ganze Arbeit geleistet, das Team rund um den routinierten Musikfilme-Regisseur Adrian Marthaler, den TV- Regisseur Felix Breisach, das Orchester der Oper Z\u00fcrich unter der Leitung von Paolo Carignani und die Solisten Eva Mei (Violetta), Vittorio Grigolo (Alfredo), Katharina Peetz (Flora) und Angelo Veccia (Giorgio).<\/p>\n<p> Anf\u00e4ngliche kleinere Abstimmungsprobleme in der Tontechnik und eher schr\u00e4ge Details der bildnerischen Umsetzung \u2212 unfreiwillig komisch etwa die Chormitglieder in Pelzm\u00e4nteln mit Bratw\u00fcrsten wie Prozessionskerzen in der Hand \u2212 liessen zun\u00e4chst Zweifel am Gelingen des Abends aufkommen. Die trotz widriger klimatischer Verh\u00e4ltnisse sehr hohe s\u00e4ngerische Qualit\u00e4t (war da wirklich alles live gesungen?) und die Geradlinigkeit der Inszenierung erzeugten mit der Zeit allerdings einen musikalischen Sog, dem man sich kaum entziehen konnte.<\/p>\n<p> Der einzige (auch in den Zuschauerkommentaren ge\u00e4usserte) ernsthafte Einwand richtete sich vor allem auf die Kommentare und Interviews der ansonsten sehr sympathisch wirkenden Moderatorin Sandra Studer, die den Fluss der Erz\u00e4hlung vor allem zu Beginn allzusehr unterbrachen. Dabei entstand \u00fcberdies der Eindruck, dass nicht wirklich <em>mit<\/em> dem Bahnhof, sondern bloss <em>im<\/em> Bahnhof gespielt wurde. Das Dekor wirkte zuf\u00e4llig und die Auff\u00fchrung schien nicht <em>wegen<\/em> des ungew\u00f6hnlichen Spielortes einen eigenen Reiz zu entfalten, sondern <em>trotz<\/em> diesem. Die Moderatorin nahm in ihren Conferences die Stimmung der Oper auch nicht auf, sondern platzte mehr oder weniger unger\u00fchrt in diese hinein, um die Aufmerksamkeit wieder auf die Umst\u00e4nde der Produktion zu zwingen.<\/p>\n<p> Zudem bedeutete die Produktion in der Publikumsn\u00e4he gegen\u00fcber \u00fcblichen Opernauff\u00fchrungen trotz des hohen technischen Aufwandes eher einen R\u00fcckschritt: Untertitel, die es dem nicht operngewohnten TV-Publikum erlaubt h\u00e4tten, die Handlung im Detail mitzuverfolgen, wurden nicht mitgeliefert.<\/p>\n<p> Das Projekt ist damit auch ein Beispiel daf\u00fcr, wie sehr sich mit modernen Methoden des Kulturmarketings das Interesse in der Musikvermittlung vom Eigentlichen, n\u00e4mlich den Werken, auf die technischen und organisatorischen Umst\u00e4nde ihrer Realisierung verlagert hat (siehe dazu auch die <a href=\"http:\/\/212.60.37.143\/%E2%80%9Cpopular.php?art=47%E2%80%9C\">Rezension<\/a> der CD zu einem Silvesterkonzert der Berliner Philharmoniker). Das Schweizer Ferrnsehen bringt am 5. Oktober, um 23.15 Uhr, in der Sendung Klanghotel denn auch auch ein \u00abMaking of\u00bb zur Produktion. Bereits im Vorfeld stand im Zentrum der Kommunikation, dass f\u00fcr 15 Kilometer Kabel 17 provisorische Starkstrom-Anschl\u00fcsse verwendet wurden, die Technik 462 Mannstage aufwenden musste, 16 HD-Kameras zum Einsatz kamen und so weiter und so fort.<\/p>\n<p> Man kann Verst\u00e4ndnis daf\u00fcr haben, dass das Schweizer Fernsehen sich f\u00fcr das Experiment f\u00fcr eine sehr popul\u00e4re Oper entschieden hat. Schliesslich ging es ja offenbar darum, die Kunstform auch einem hochkulturfernen Massenpublikum n\u00e4herzubringen. Der Erfolg gibt den Produktionspartnern dabei sicher auch recht. Man kann aber auch bedauern, dass die Chance nicht genutzt wurde, in der zeitgem\u00e4ssen Form der Musikvermittlung auch ein zeitgem\u00e4sses Werk zu vermitteln. Man h\u00e4tte einen zeitgen\u00f6ssischen Komponisten ja sogar mit einem solchen beauftragen k\u00f6nnen. Die Massenwirkung, die mit einer \u00abTraviata\u00bb generiert worden ist, h\u00e4tte sich dabei allerdings kaum eingestellt, und m\u00f6glicherweise w\u00e4re der Ruf des Elit\u00e4ren laut geworden.<\/p>\n<p> Man muss sich aber fragen, weshalb in dem Bahnhof-Ambiente eine \u00fcberaus konventionelle Inszenierung in \u00fcberaus konventionellen historischen Kost\u00fcmen n\u00f6tig war. Ironischerweise wurde ja im Falle der \u00abZauberfl\u00f6te\u00bb im traditionellen Ambiente des Opernhauses eine modernistische szenische Umsetzung gew\u00e4hlt, die viel besser in das Bahnhof-Ambiente gepasst h\u00e4tte, als ins altehrw\u00fcrdige Theater.<\/p>\n<p> Man kann sich auch fragen, wohin die Kooperation zwischen dem Z\u00fcrcher Opernhaus, das immerhin 80 Prozent des Kulturbudgets des Kantons Z\u00fcrich verschlingt, und des geb\u00fchrenfinanzierten Schweizer Fernsehens f\u00fchren m\u00f6gen. Trotz aller Sympathie f\u00fcr das in Sachen medialer Vermittlung fraglos sehr interessante Projekt wurde man n\u00e4mlich den Eindruck nicht ganz los, dass da mit erheblichen Mitteln und Ressourcen eine r\u00fcckw\u00e4rts gewandte Opern\u00e4sthetik und das Kulturverst\u00e4ndnis des in Sachen Programmgestaltung doch eher mutlos agierenden Z\u00fcrcher Opernhauses \u2212 eine Art \u00abGlamour und Lifestyle f\u00fcr alle\u00bb \u2212 propagiert wurde. Man wagt sich nicht auszumalen, wieviel Goodwill man f\u00fcr modernes Musiktheater und Neue Musik schaffen k\u00f6nnte, wenn dazu diese geballte Masse an finanziellen und intellektuellen Ressourcen zur Vef\u00fcgung stehen w\u00fcrden. <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>wb<\/em>)<\/span><\/p>\n<p><center> <\/p>\n<table style=\"width: 430px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><span class=\"txt-s-black\">\u00abLa Traviata\u00bb im Z\u00fcrcher Hauptbahnhof. Koproduktion von Z\u00fcrcher Opernhaus, Schweizer Fernsehen und Arte, Dienstag 30. September 2008, <a href=\"http:\/\/www.sf.tv\/sf1\/latraviata\" target=\"blank\" rel=\"noopener noreferrer\">www.sf.tv\/sf1\/latraviata<\/a> <\/span><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>01.10.2008 &#8212; Das Z\u00fcrcher Opernhaus und das Schweizer Fernsehen haben in einer Koproduktion mit grossem Erfolg auf ungew\u00f6hnliche Weise bereits&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[20],"tags":[],"class_list":["post-823","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-filmbesprechungen","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/823","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=823"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/823\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=823"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=823"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=823"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}