{"id":824,"date":"2014-01-12T13:21:50","date_gmt":"2014-01-12T13:21:50","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/12\/psychosomatische-aspekte-des-musizierens\/"},"modified":"2014-01-12T13:21:50","modified_gmt":"2014-01-12T13:21:50","slug":"psychosomatische-aspekte-des-musizierens","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/12\/psychosomatische-aspekte-des-musizierens\/","title":{"rendered":"Psychosomatische Aspekte des Musizierens"},"content":{"rendered":"<table cellpadding=\"10\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"430\"><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\"><br \/> 11.11.2008 &#8212; <strong>Am 6. Symposium der Schweizerischen Gesellschaft f\u00fcr Musik-Medizin (SMM) \u2212 die Tagung fand diesmal in den R\u00e4umen der Hochschule f\u00fcr Musik der Musik-Akademie der Stadt Basel statt \u2212 standen die psychosomatischen Aspekte bei Erkrankungen von Musikern zur Diskussion. Dabei kamen auch pr\u00e4ventive Massnahmen und immer wieder der Umgang mit Medikamenten in schwierigen Lebens- und Berufssituationen aufs Tapet.<\/strong><\/p>\n<p> Pia Bucher, die Pr\u00e4sidentin der SMM, verdankte in ihrer Begr\u00fcssung die Zusammenarbeit mit der Musikhochschule Basel, der Schweizerischen Interpreten-Stiftung (SIS), dem Schweizerischen Musikp\u00e4dagogischen Verband (SMPV), dem Verband der Musikschulen der Schweiz (VMS) und der Schweizer Akademie f\u00fcr Musik und Musikp\u00e4dagogik (SAMP). Musikerinnen und Musiker, so Bucher weiter, seien einer Vielzahl von berufsbedingten psychischen und physischen Belastungen und \u00dcberbelastungen ausgesetzt. Die Anforderungen seien gestiegen. Jeder Musiker m\u00f6chte seinen Beruf zwar schmerzfrei aus\u00fcben, dies sei jedoch nicht immer gegeben.<\/p>\n<p> Nach einem kurzen Grusswort Stephan Schmidts, des Direktors der Basler Musik-Hochschule, wies auch Karl Knobloch, der Vertreter der SIS, drauf hin, dass psychosomatische Aspekte ihrer T\u00e4tigkeit die Musiker ein ganzes Leben lang begleiteten. Zwar h\u00e4tten vor allem die Dirigenten fr\u00fcher auf die psychischen Befindlichkeiten der Orchestermusiker weniger R\u00fccksicht genommen als heute, daf\u00fcr seien die Anforderungen enorm gestiegen. Das Urteil der Kollegen \u00fcber das eigene Spiel habe noch immer eine sehr hohe Bedeutung und k\u00f6nne das gute Erlebnis des Spielens \u00fcberschatten. Das Niveau auch des j\u00fcngsten Nachwuchses sei heute sehr hoch, was vor allem die \u00e4lteren Kollegen mehr und mehr unter Druck setze.<\/p>\n<p> <strong>Helmut M\u00f6ller: \u00abMusikeralltag: Angst im Kopf, was nun?\u00bb<\/strong><\/p>\n<p> Auch der Berliner Psychoanalytiker Helmut M\u00f6ller stellt fest, dass Angst ein st\u00e4ndiger Begleiter des aus\u00fcbenden Musikers ist. Er zitiert Gidon Kremer, der das Konzertpodium einmal als \u00abeinen der ungem\u00fctlichsten Orte auf der ganzen Welt\u00bb bezeichnet hat. \u00c4ngste sind laut M\u00f6ller die am meisten gef\u00fcrchtete Nebenerscheinung jeder k\u00fcnstlerischen Arbeit. So gibt es zwar eine sch\u00fctzende Angst, die uns vor Unheil bewahrt. Wir kennen aber auch ein zweite, im besseren Fall belebende Angst, das Lampenfieber. Dieses kann aber, wenn es zu stark ist, leistungsmindernd werden und uns unsicher und sprachlos werden lassen.<\/p>\n<p><\/span><\/span><center> <\/p>\n<table style=\"width: 404px;\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"204\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.codexflores.ch\/bilder\/2008\/081111smm2.jpg\" border=\"0\" \/><\/td>\n<td align=\"left\" valign=\"bottom\"><span class=\"txt-s-black\"><strong>Der Berliner Psychoanalytiker Helmut M\u00f6ller und seine Frau schildern Fallbeispiele aus dem Musikeralltag.<\/strong><\/span><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\"><\/p>\n<p> M\u00f6ller zitiert f\u00fcnf Beispiele aus dem Lebenskreis von Musikern. Zun\u00e4chst einen Vater, der seinen Sohn zum besten Pianisten der Welt machen will und diesen beim kleinsten Fehler schl\u00e4gt. Zwar macht das Kind tats\u00e4chlich Karriere, die Gegenwart des Vaters in einem Konzert l\u00f6st beim ihm jedoch eine Panikattacke aus, die den jungen Erwachsenen an der weiteren Berufsaus\u00fcbung hindert. Die Eltern, so M\u00f6ller, delegieren ihre eigenen unerf\u00fcllten W\u00fcnsche in solchen F\u00e4llen an ihre Kinder. Sie schwanken dabei in der Regel zwischen \u00fcberm\u00e4ssiger Liebe auf der einen Seite und mangelnder Einf\u00fchlung auf der andern. Damit stimulieren sie die Kinder in ihrem Narzissmus besonders, und sie hindern diese so an einer gesunden Entwicklung ihrer Pers\u00f6nlichkeit.<\/p>\n<p> Aus der Studien- und Ausbildungszeit berichtet M\u00f6ller den Fall einer Klarinettistin, die aus Angst davor, den Anspr\u00fcchen der Lehrer nicht zu gen\u00fcgen, zehn Kilo zunimmt. Ihr Lehrer l\u00e4sst Sp\u00fcche fallen wie: \u00abWerden Sie doch Fensterputzer, da k\u00f6nnen Sie wenig falsch machen\u00bb. Tendenzen der Entwertung. meint M\u00f6ller, sind unter Musikern ein st\u00e4ndiges Thema. Autorit\u00e4re Meister-Bindungen k\u00f6nnen dabei so ins Selbstbild von Sch\u00fclern eingreifen, dass tausende von \u00dcbungsstunden zunichte gemacht werden. Die Opfer, mahnt der Psychoanalytiker, sind aber auch oft T\u00e4ter an sich selber, weil sie es zulassen, dass man mit ihnen in einer so zerst\u00f6rerischen Art umspringt. M\u00f6ller schildert auch den Fall einer Fl\u00f6tistin, die Vorspiel und Probezeit f\u00fcr eine Orchesterstelle \u00fcbersteht, dabei aber Medikamente konsumieren muss. Sie stellt fest, dass sie die Arbeit gar nicht wechseln kann, weil sie nichts anderes gelernt hat. Sie muss miterleben, wie ihre F\u00e4higkeit abnimmt, selber \u00fcber die eigene Befindlichkeit zu bestimmen. Ein Gemisch aus Wut und Angst f\u00fchren bei ihr zu erheblichen Angstsymptomen.<\/p>\n<p> \u00c4hnlich ergeht es einer Musikerin, die im Orchester pl\u00f6tzlich geschnitten wird, ohne dass sie sich erkl\u00e4ren kann, weshalb. Sie schnappt Bemerkungen auf wie: Wir h\u00e4tten keine Frau ins Orchester aufnehmen sollen. Die Sprachlosigkeit der Musiker in der Konkurrenz, erkl\u00e4rt M\u00f6ller, ist kein Thema. Dies hat ihren Grund: Musiker, die sich in der Ausbildung mehr oder weniger einsam auf sich und ihr Instrument konzentrieren m\u00fcssen, lernen nicht, sich in der Gruppe auszutauschen. Schliesslich schildert M\u00f6ller den Fall eines \u00e4lter werdenden Musikers, dem vom Dirigenten mehr Leistung abgefordert wird, als er noch zu bringen in der Lage ist. Er wird vom Stimmf\u00fchrerpult ins hintere Glied versetzt, was f\u00fcr ihn den Zusammenbruch seiner Welt bedeutet. Daf\u00fcr, dass solche Probleme sich nicht auswachsen k\u00f6nnen, m\u00fcssten Dirigenten und Orchestervorst\u00e4nde sorgen. Sie nehmen, bedauert M\u00f6ller, ihre Aufgaben der Konfliktl\u00f6sung jedoch h\u00e4ufig nicht wahr.<\/p>\n<p> <strong>Verena Kesselring: \u00abLeistungssteigerung um jeden Preis?\u00bb<\/strong><\/p>\n<p> Verena Kesselring, Fach\u00e4rztin f\u00fcr Psychosomatische und Psychosoziale Medizin, erkl\u00e4rt, dass Anstrengung und Anspannung im richtigen Mass gut sind, um eine Leistung zu erbringen. Wenn die Anspannung zu hoch wird, dann sinkt die Leistungsf\u00e4higkeit allerdings wieder. Wird der Stress chronisch, so reagieren Betroffene sogar mit R\u00fcckzug und vermeiden Neues. Wer lange Zeit sehr angespannt ist, kann schliesslich ein Burn-out erfahren. Symptome sind Schlaf-, Konzentrations- und Ged\u00e4chtnisst\u00f6rungen, Ersch\u00f6pfung und M\u00fcdigkeit, auf die Freudlosigkeit, Reizbarkeit und Gleichg\u00fcltigkeit folgen. Damit verbunden ist h\u00e4ufig ein sch\u00e4digendes Gesundheitsverhalten mit Alkohol- und Drogenmissbrauch sowie Bewegungsmangel. Erholsame Aktivit\u00e4ten werden nicht mehr unternommen, und das Gef\u00fchl der Sinnhaftigkeit der eigenen T\u00e4tigkeit geht verloren.<\/p>\n<p> Die \u00c4rztin gibt zu bedenken, dass nicht alle Leute die gleiche Belastungsbereitschaft und -f\u00e4higkeit haben. Auch das Gef\u00fchl des chronischen Stresses ist individuell. Besonders anf\u00e4llig f\u00fcr Stress sind Personen die perfektionistisch sind, ein hohes Planungsbed\u00fcrfnis haben und einem hohen Ideal entsprechen m\u00f6chten. Weitere Risikofaktoren sind mangelndes Selbstvertrauen und eine hohe F\u00e4higkeit der Empathie, auch wenn letzteres nicht auf den ersten Blick einsichtig ist. Hohes Einf\u00fchlungsverm\u00f6gen f\u00fchrt jedoch zu Mitleiden am Schicksal anderer und zur \u00dcbernahme von Verpflichtungen, die einem selber schaden k\u00f6nnen. Mehrfachbelastungen bieten ebenfalls Gefahrenpotentiale.<\/p>\n<p><\/span><\/span><center> <\/p>\n<table style=\"width: 300px;\">\n<tbody>\n<tr>\n<td align=\"right\" valign=\"bottom\"><span class=\"txt-s-black\"><strong>Der Tessiner Arzt Adrian Sury amtet als Vorsitzender und Moderator der Tagung.<\/strong><\/span><\/td>\n<td width=\"160\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.codexflores.ch\/bilder\/2008\/081111smm3.jpg\" border=\"0\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\"><br \/> Kurzzeitige Belastungen kann der menschliche K\u00f6rper sehr gut verarbeiten. Ein Burn-out kann jedoch in ernsthafte k\u00f6rperliche oder psychische Erkrankung \u00fcbergehen. Zwischen Burn-out und Depression gibt es Unterschiede. Ein Burn-out \u00e4ussert sich nicht unbedingt in Trauer oder Niedergeschlagenheit. Es kann aber Schmerzen und Krankheiten ausl\u00f6sen, zum Beispiel Diabetes.<\/p>\n<p> Mit Blick auf ein drohendes Burn-out k\u00f6nnen ung\u00fcnstige Bew\u00e4ltigungsstrategien gew\u00e4hlt werden: Es kann, so Kessselring, einfach nicht wahrgenommen oder mit Alkohol kompensiert werden. Auf der richtigen Seite befindet sich, wer das Problem aktiv anzupacken in der Lage ist, respektive \u00fcberhaupt einmal merkt, dass er ein Problem hat, seine Anspr\u00fcche auf ein realistisches Mass reduziert und eventuell erkennt, dass er nicht ganz so belastbar ist, wie er es von sich selber annimmt oder erhofft.<\/p>\n<p> Zu den g\u00fcnstigen Massnahmen geh\u00f6ren aber auch besseres Selbst- und Zeitmanagement sowie pers\u00f6nliche Kontakte. Manchmal sind auch eine Psychotherapie oder gar die Einnahme von Medikamenten sinnvoll. Auf keinen Fall sollte man aber zu Alkohol, Drogen und Beruhigungsmitteln greifen. Auch Antidepressiva, meint die Fach\u00e4rztin, sind nicht geeignet als kurzzeitige Massnahme. Sie sollten nur unter \u00e4rztlicher Aufsicht und psychotherapeutisch begleitet eingenommen werden. Am wenigsten gef\u00e4hrlich sind Betablocker. Sie wirken direkt auf die Zelle, hemmen das Einstr\u00f6men des Adrenalins in die Zelle und beeintr\u00e4chtigen die Leistungsf\u00e4higkeit nicht. Aber auch Betablocker sollten nur unter \u00e4rztlicher Aufsicht genutzt werden.<\/p>\n<p> <strong>Horst Hildebrandt: \u00abPsychosomatik und Musikp\u00e4dagogik\u00bb<\/strong><\/p>\n<p> Horst Hildebrandt, der an den Musikhochschulen Basel und Z\u00fcrich den Fachbereich Musikphysiologie leitet, best\u00e4tigt, dass psychosomatische Belastungen das gr\u00f6sste gesundheitliche Problem der Berufsgattung darstellen und eher die Regel als die Ausnahme sind. Den Studierenden versuchen die Musikhochschulen in dieser Hinsicht mit modular aufgebauter Weiterbildung entgegenzukommen. Korrekturen an falschen Einstellungen sind jedoch oft komplexer als man meinen k\u00f6nnte. Studierende haben, erkl\u00e4rt Hildebrandt, meistens Unterweisungen bei mehreren Lehrern hinter sich, die alle auf unterschiedliche Unterrichtsmethoden und Spieltechniken schw\u00f6ren. Die angemessene Diagnose von Problemen versetzt den Physiologen deshalb in die Position eines \u00abArch\u00e4ologen\u00bb, der in den verschiedensten historischen Schichten einer Musikerbiografie die jeweils richtigen Ursachen f\u00fcr ein Problem ausfindig machen muss.<\/p>\n<p> Wie k\u00f6nnen in der Ausbildung psychosomatische Aspekte des Musizierens integriert werden? Zun\u00e4chst, meint Hildebrandt, m\u00fcssen die gesteckten Ziele realisierbar bleiben. Zu hohe Anforderungen erzeugen zwangsl\u00e4ufig eine F\u00fclle von psychosomatischen Problemen. Erreichbare Ziele sind hingegen mit Gl\u00fccks- und Flowgef\u00fchlen gekoppelt. Manchmal sind es auch bloss nur spezielle kleine Probleme (etwa ein ung\u00fcnstiger Fingersatz), die eine ganze Kette von psychosomatischen Symptomen ausl\u00f6sen und leicht beseitigt werden k\u00f6nnen. Sie verschwinden sofort, wenn die Ursache richtig erkannt worden ist. Kleinigkeiten k\u00f6nnen andererseits ein Leben lang nachwirken, zum Beispiel Pr\u00e4gungen in der Fr\u00fchzeit der Ausbildung, etwa ein schlecht verlaufenes Vorspiel in der Kindheit.<\/p>\n<p><\/span><\/span><center> <\/p>\n<table style=\"width: 364px;\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"164\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.codexflores.ch\/bilder\/2008\/081111smm4.jpg\" border=\"0\" \/><\/td>\n<td align=\"left\" valign=\"bottom\"><span class=\"txt-s-black\"><strong>Horst Hildebrandt, der Leiter des Fachbereichs Musikphysiologie an den Musikhochschulen Basel und Z\u00fcrich, bespricht sich mit Pia Bucher, der Pr\u00e4sidentin der SMM.<\/strong><\/span><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\"><\/p>\n<p> Vorspiele, erkl\u00e4rt Hildebrandt, sind ein nicht zu untersch\u00e4tzender Stolperstein und d\u00fcrfen nicht nach einem starren Schema ablaufen. Sie m\u00fcssen sehr individuell auf die Belastbarkeit der Studierenden abgestimmt werden. Zudem bietet das Standardrepertoire, an dem sich die Ausbildung noch immer stark orientiert und das die Vorspiele bestimmt, heute eine fast unm\u00f6gliche Herausforderung. Die St\u00fccke sind tausendfach auf CD dokumentiert. Damit liegt die Messlatte f\u00fcr die Studierenden so hoch, dass die Erarbeitung keinen Spass mehr macht, sondern \u00dcberforderung bedeutet. Im Rahmen der Musikerphysiologie werden Vorspiele deshalb im gesch\u00fctzten Raum ge\u00fcbt und analysiert. Dabei sind Fehler erlaubt, und auch Feedbacks von gemischten Gruppen (also nicht nur Geiger \u00fcber Geiger und so weiter) werden realisiert. <\/p>\n<p> <strong>Workshops mit Martina Berchtold und Nicole Bloch <\/strong><\/p>\n<p> In Workshops erarbeiteten die in Stein am Rhein t\u00e4tige Hypnotherapeutin Martina Berchtold und die Berner Eutonie-Spezialistin Nicole Bloch mit den Tagungsteilnehmern praktische Strategien zum Umgang mit Schmerzen beim Musizieren, respektive zur Arbeit mit der Muskelspannung als Instrument zur besseren Abstimmung von K\u00f6rper, Geist und Seele. Die dank Hypnose ver\u00e4nderte K\u00f6rperwahrnehmung hilft, eingefahrene Bewegungsmuster neu zu erleben und physiologisch problematische Abl\u00e4ufe deutlicher zu erfassen. Eine harmonischere K\u00f6rperspannung wiederum steigert sowohl die k\u00f6rperliche Leistungs- als auch die emotionale Erlebnisf\u00e4higkeit, ohne dass sich einzelne K\u00f6rpergegenden verspannen oder der Gesamtorganismus in Stress geraten w\u00fcrden. <\/p>\n<p> <strong>Daniela Gut: \u00abGeh\u00f6rst\u00f6rungen bei Musikern\u00bb<\/strong><\/p>\n<p> Daniela Gut, Z\u00fcrcher Fach\u00e4rztin f\u00fcr Hals-Nasen-Ohren-Krankheiten, erkl\u00e4rte in ihrem Referat zun\u00e4chst, was man unter einem H\u00f6rsturz zu verstehen hat. Es handle sich, so Gut, dabei um eine akute Schallempfindungs-Schwerh\u00f6rigkeit, die teilweise von Tinnitus begleitet werde. Der Funktionsverlust kann auch nur wenige Frequenzbereiche umfassen. Die Ursachen f\u00fcr einen H\u00f6rsturz sind weitgehend unbekannt. Stress geh\u00f6rt aber laut Gut nicht dazu. Vermutet werden entweder eine Virus- oder eine Durchblutungsgenese. Die Heilungsrate eines H\u00f6rsturzes betr\u00e4gt 70 bis 80 Prozent.<\/p>\n<p> St\u00e4rker betroffen sind Musiker allerdings von akustischen Traumata. Darunter fallen laut Gut der akustische Unfall, das Knalltrauma, das Explosionstrauma und vor allem die chronische L\u00e4rmschwerh\u00f6rigkeit. Ein akustischer Unfall wird in der Regel von L\u00e4rmbelastungen ausgel\u00f6st, zu denen auch noch k\u00f6rperliche Belastungen hinzukommen. Verst\u00e4rkt wird die Gefahr durch Drehungen der Halswirbels\u00e4ule. Das Knalltrauma \u2212 das sogenannte Artilleriegeh\u00f6r \u2212 entsteht unter Schalldruck von \u00fcber 150 dB und einer Exposition w\u00e4hrend zwei Millisekunden. Es ist verbunden mit Schmerzen, in der Regel auch mit Tinnitus.<\/p>\n<p> Das chronische L\u00e4rmtrauma, das am Innenohr zu irreversiblen Sch\u00e4den f\u00fchrt, ist Folge einer wochen- bis monatelangen Einwirkung von Schalldruckpegeln \u00fcber 85 dB. Solche Belastungen sind f\u00fcr Musiker vor allem im Orchester durchaus \u00fcblich. Ein charakteristisches Symptom ist eine langsam zunehmende Hochtonschwerh\u00f6rigkeit. Ein Risikofaktor ist Magensiummangel. Gegen das chronische L\u00e4rmtrauma sch\u00fctzt man sich mit Pausen beim Musizieren, einer Einnahme von Magnesiumpr\u00e4paraten, der Aufgabe des Rauchens und zweij\u00e4hrlichen Geh\u00f6rkontrollen.<\/p>\n<p> Die Symptome eines akuten L\u00e4rmtraumas wiederum sind laut Gut Vertaubungsgef\u00fchl, hochfrequenter Tinnitus, kein Schwindel und eine Senke um 4000 Hz. Im Gegensatz zum chronischen L\u00e4rmtrauma ist die akute Auspr\u00e4gung heilbar, oft sogar ohne Therapie. Dabei gilt es, auf Probleme im Halswirbelbereich zu achten. Sch\u00fctzende Magnesiumpr\u00e4parate sind im Lebensmittelgesch\u00e4ft erh\u00e4ltlich.<\/p>\n<p> Der vieldiskutierte Tinnitus, erkl\u00e4rt Gut, ist entgegen landl\u00e4ufiger Meinung nicht eine eigentliche Krankheit, sondern ein Symptom, das auf verschiedene Ursachen zur\u00fcckverweisen kann. Seine Erscheinungsweisen k\u00f6nnen in objektive und subjektive Formen unterteilt eingeteilt werden. Nur die objektiven k\u00f6nnen von aussen festgestellt werden. Zu den zugrundeliegenden Problemen geh\u00f6ren Ersch\u00f6pfungen, Depressionen und Medikamentenmissbrauch, aber auch Altersschwerh\u00f6rigkeit. Auch Aspirin kann in hohen Dosen einen Tinnitus ausl\u00f6sen. Dieser verschindet aber wieder, wenn das Medikament nicht mehr eingenommen wird. Andere Medikamente, die Tinnitus ausl\u00f6sen, sind Wirkstoffe, wie sie bei Chemotherapien eingesetzt werden.<\/p>\n<p> <strong>Anke Steinmetz: \u00abWenn das Musizieren schmerzt\u00bb<\/strong><\/p>\n<p> Die Berliner Fach\u00e4rztin f\u00fcr Physikalische und Rehabilitative Medizin Anke Steinmetz erinnert daran, dass laut aktuellen Studien heute bereits 90 Prozent der Musikstudierenden angeben, unter Schmerzen zu leiden. Es handelt sich dabei in der Regel vor allem um Probleme des Bewegungsapparates und psychosomatische Leiden. Typischerweise haben Musiker, die in eine Musikersprechstunde kommen, wie sie Steinmetz an der Klinik f\u00fcr Manuelle Medizin Sommerfeld in Berlin mittr\u00e4gt, bereits eine medizinische Odyssee hinter sich \u2212 mit Abkl\u00e4rungen, R\u00f6ntgen, Physiotherapie, die alle ohne Ergebnisse blieben. H\u00e4ufige Ratschl\u00e4ge, welche die Betroffenen h\u00f6ren, sind, sie sollten sich halt schonen oder eine Psychotherapie absolvieren. Funktionsst\u00f6rungen der Muskulatur, der Gelenke, die vor physischen Sch\u00e4digungen auftreten, werden in der Regel von nicht-musikspezialisierten \u00c4rzten nicht erkannt.<\/p>\n<p> Schmerz wird definiert als ein unangenehmes Gef\u00fchlserlebnis, das mit einer strukturellen Sch\u00e4digung verbunden sein kann, aber nicht muss. Es hat die Funktion, vor K\u00f6rpersch\u00e4den zu warnen. Schmerzen, die l\u00e4nger als vier bis sechs Monate bestehen, werden als chronische Schmerzen bezeichnet. Beim chronischen Schmerz besteht der ausl\u00f6sende physische Reiz nicht mehr, oder der noch vorhandene Reiz bewirkt eine unverh\u00e4ltnism\u00e4ssig hohe Schmerzausl\u00f6sung. Im Falle einer Chronifizierung von Schmerzen verselbst\u00e4ndigen sich Schmerzwahrnehmung und -empfindung.<\/p>\n<p><\/span><\/span><center> <\/p>\n<table style=\"width: 260px;\">\n<tbody>\n<tr>\n<td><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.codexflores.ch\/bilder\/2008\/081111smm5.jpg\" border=\"0\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><center><strong>Die Referenten stellen sich dem Publikum.<\/strong><\/center><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center><span class=\"txt-m-black\"><br \/> Wir wissen heute, dass Schmerz zu \u00abTriggerpunkten\u00bb im Muskel f\u00fchrt, die zu Verspannungen an anderen Muskeln f\u00fchren. Es ist deshalb oft schwierig, die tats\u00e4chliche Quelle eines Schmerzes zu lokalisieren. Durch die Verschiebungen von Ausl\u00f6ser und Schmerzlokalisierung entstehen auch \u00dcberlastungsph\u00e4nomene an Muskeln, die nicht direkt die Schmerzausl\u00f6ser sind. F\u00fcr das Musizieren ziehen Schmerzen fatale Folgeprobleme nach sich: Lokale Schmerzen f\u00fchren dazu, dass ganze Bewegungsabl\u00e4ufe ver\u00e4ndert werden. <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>wb<\/em>)<\/span><\/p>\n<p><center> <\/p>\n<table style=\"width: 430px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><span class=\"txt-s-black\">\u00abPsychosomatische Aspekte in der Musik-Medizin &#8211; Ursachen &#8211; Pr\u00e4vention &#8211; Behandlung\u00bb, 6. Symposium der Schweizerischen Gesellschaft f\u00fcr Musik-Medizin, Samstag, 25. Oktober 2008, Hochschule f\u00fcr Musik der Musik-Akademie der Stadt Basel.<\/span><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>11.11.2008 &#8212; Am 6. 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