{"id":827,"date":"2014-01-12T13:23:54","date_gmt":"2014-01-12T13:23:54","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/12\/migros-classics-wiener-symphoniker-in-bern\/"},"modified":"2014-01-12T13:23:54","modified_gmt":"2014-01-12T13:23:54","slug":"migros-classics-wiener-symphoniker-in-bern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/12\/migros-classics-wiener-symphoniker-in-bern\/","title":{"rendered":"Migros Classics: Wiener Symphoniker in Bern"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"txt-m-black\">28.10.2009 &#8212; F\u00fcr ihre Rundreise durch die Schweizer St\u00e4dte Bern, Genf, Z\u00fcrich und Luzern haben die Wiener Symphoniker ein Programm mitgebracht, das sie kurz zuvor in Wien bereits anl\u00e4sslich des \u00f6sterreichischen Nationalfeiertages zu Geh\u00f6r gebracht haben. Unter der Leitung des Chefdirigenten Fabio Luisi gibt es da Begegnungen mit Beethovens dritter <em>Leonoren<\/em>-Ouvert\u00fcre, Mendelssohns zweitem Klavierkonzert \u2013 mit der Schweizer Nachwuchshoffnung Louis Schwizgebel-Wang am Fl\u00fcgel \u2013 und Schumanns vierter Sinfonie.<\/p>\n<p> Der \u00f6sterreichische Nationalfeiertag wird seit 1965 am 25. Oktober begangen; er ist also ein Kind einer b\u00fcrgerlich-solide gepr\u00e4gten Nachkriegsepoche, in der die Programmfolge aus Ouvert\u00fcre, Konzert und Sinfonie so etwas wie ein scheinbar unverr\u00fcckbares \u00e4sthetisches Glaubensbekenntnis darstellte und die historische Bandbreite von Beethoven bis Schumann den Weihehof des Sch\u00f6nen, Wahren und Guten absteckte.<\/p>\n<p> Heute, da die Zeiten l\u00e4ngst pass\u00e9 sind, in denen man sich von solchen Ritualen auch wieder hat freistrampeln m\u00fcssen, kann ein derartiges Programm schon fast als Rekonstruktion einer Epoche erlebt werden. Da l\u00e4sst sich erahnen, dass die zu dieser Zeit historisch gewachsene Dramaturgie des Abonnementskonzertes nicht von ungef\u00e4hr so erfolgreich war: Balance und Spannungsbogen ergeben da einfach ein stimmiges Gesamterlebnis. <\/p>\n<p> In Wien allerdings hat das Orchester mit dem Programm-Triptychon ein klein wenig, aber durchaus keck gespielt. Die <em>Leonoren<\/em>-Ouvert\u00fcre, die \u2013 einem Nationalfeiertag durchaus angemessen \u2013 das Hohelied der Ehe als Schicksalsgemeinschaft singt, erklang zum Schluss, als offene Frage sozusagen, welche traditionellen Werte sich eine Nation heute noch aufs Banner sticken soll.<\/p>\n<p> Mag sein, dass dies dem Orchester bei seinem Auftritt in Bern zum Auftakt des Abstechers zu den Eidgenossen einen Streich gespielt hat. Im erfreulicherweise vollbesetzten fremden Saal des Berner Kultur-Casinos mit der ver\u00e4nderten Werkabfolge zu gastieren (die Ouvert\u00fcre wie\u2019s sich geh\u00f6rt zum Beginn), erwies sich als durchaus heikle Mission. Im langsamen Dreitakt-Adagio mit seinen subtilen Pianissimi des beethovenschen Tongem\u00e4ldes fanden Streicher und Bl\u00e4ser nicht sofort zur stimmigen Koordination, und auch die legend\u00e4ren Wiener H\u00f6rner schienen sich zun\u00e4chst mit den Saalverh\u00e4ltnissen zurechtfinden zu m\u00fcssen, bevor sie mit sicherer Intonation den typisch seidigen Glanz der Donaumetropole in die Z\u00e4hringerstadt zu zaubern vermochten. <\/p>\n<p> Bei aller zelebrierter Konventionalit\u00e4t der Werkfolge wirkte es allerdings schon fast dissident, in einer Zeit f\u00fcr das eher vernachl\u00e4ssigte zweite Klavierkonzert Mendelssohns die Lanze zu brechen, in der mit einem rekonstruierten dritten die Konzerts\u00e4le erobert werden wollen. Das d-Moll-Konzert op. 40 gilt allgemeinhin nicht als grosser Wurf, gibt dem Solisten aber die M\u00f6glichkeit zur virtuosen Schau. Dem erst 22-j\u00e4hrigen Migros-Kulturprozent-Solisten Schwizgebel-Wang bot sich so die Gelegenheit zu zeigen, dass ihm technische Schwierigkeiten weitgehend fremd sind. <\/p>\n<p> Seine Interpretation wirkte allerdings (noch) eher pauschal und wenig konturiert, die differenzierten dynamischen Anweisungen des Klavierparts haben in sein Spiel kaum Eingang gefunden. M\u00f6glich, dass die Koordination mit dem Orchester (Luisi dirigerte das Konzert als einziges der drei Werke offensichtlich nicht auswendig) unter den ungewohnten Verh\u00e4ltnissen etwas befangen machten. F\u00fcr den nichtsdestotrotz heftigen Applaus bedankte sich Schwizgebel-Wang mit Moritz Moszkowskis <em>\u00c9tincelles<\/em> (Op. 36, Nr. 6) als witzig-charmante Zugabe. <\/p>\n<p> Nach der Pause schien das Orchester wie von Fesseln befreit. Die Wiedergabe der Schumann-Sinfonie war erf\u00fcllt von Innenspannungen voller \u00dcberraschungen, klanglichem Nuancenreichtum und pointiertem Spielwitz. Orchestraler Glanz stach dabei kammermusikalische Transparenz aus, so dass sich etwa das Violinsolo der <em>Romanze<\/em> eher beil\u00e4ufig ins Gesamtbild einf\u00fcgte, daf\u00fcr Koppelungen wie das den zweiten Satz einleitende Espressivo von Celli und Solo-Oboe sich zu den subtilen Kolorierungen zusammenf\u00fcgten, die den Wiener Klangk\u00f6rper so einzigartig machen. <\/p>\n<p> In der effektvollen Steigerung des vierten Satzes von <em>lebhaft<\/em>, <em>schneller<\/em> bis zum <em>Presto<\/em> brach sich die Lust am Musikantischen schliesslich vollends Bahn. F\u00fcr den nun enthusiastischen Applaus bedankte sich das Orchester mit Johann Strauss\u2019 <em>Pizzicato Polka<\/em>, eine kluge Wahl \u2013 die klangliche Reduktion und der lakonische Humor des Aper\u00e7us r\u00fchrte nicht ans innere Bild, das die Farbigkeit des grossen sinfonischen Werkes in den Zuh\u00f6rern hinterlassen haben d\u00fcrfte. <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>wb<\/em>)<\/span><\/p>\n<p><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 430px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">Migros Classics: Wiener Symphoniker, Fabio Luisi (Leitung), Louis Schwizgebel-Wang (Klavier), Werke von Beethoven, Mendelssohn und Schumann. Bericht vom Konzert im Berner Kultur-Casino (27. Oktober 2009). Weitere Konzertdaten: Victoria Hall Genf (28.10.2009), Tonhalle Z\u00fcrich (29.10.2009), KKL Luzern (30.10.2009).<br \/> Mehr Infos: <a href=\"http:\/\/www.migros-kulturprozent-classics.ch\/html.php?lang=de&amp;dplnk=m2\" target=\"blank\" rel=\"noopener noreferrer\">www.migros-kulturprozent-classics.ch <\/a> <\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>28.10.2009 &#8212; F\u00fcr ihre Rundreise durch die Schweizer St\u00e4dte Bern, Genf, Z\u00fcrich und Luzern haben die Wiener Symphoniker ein Programm&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[12],"tags":[],"class_list":["post-827","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-ereignisbesprechungen","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/827","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=827"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/827\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=827"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=827"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=827"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}