{"id":828,"date":"2014-01-12T13:24:31","date_gmt":"2014-01-12T13:24:31","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/12\/gehoer-auge-und-stimme-beim-musizieren\/"},"modified":"2014-01-12T13:24:31","modified_gmt":"2014-01-12T13:24:31","slug":"gehoer-auge-und-stimme-beim-musizieren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/12\/gehoer-auge-und-stimme-beim-musizieren\/","title":{"rendered":"Geh\u00f6r, Auge und Stimme beim Musizieren"},"content":{"rendered":"<table cellpadding=\"10\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"430\"><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\"><br \/><strong>11.11.2009 &#8212; Am 7. Symposium der Schweizerischen Gesellschaft f\u00fcr Musik-Medizin stand im Marianischen Saal in Luzern das Zusammenspiel von Auge, Geh\u00f6r und Stimme im Zentrum. Dabei zeigte sich, dass in den letzten Jahren in Sachen Pr\u00e4vention und Behandlung von St\u00f6rungen grosse Fortschritte gemacht worden sind. Es gibt aber noch viel zu tun.<\/strong><\/p>\n<p> Mittlerweile haben sich die j\u00e4hrlichen Symposien der Schweizerischen Gesellschaft f\u00fcr Musik-Medizin (SMM) als wichtige Plattform zur Diskussion der Fragen rund um die seelische und k\u00f6rperliche Gesundheit der musizierenden Bev\u00f6lkerung etabliert. Mehr als zweihundert Teilnehmer zeugten in Luzern vom Erfolg der pionierhaften Aufbauarbeit der Gesellschaft. Es ist der SMM gelungen, die gesundheitlichen Probleme und Belastungen etwas zu enttabuisieren; vor allem mit Blick auf Orchesterspiel und Unterricht ist aber noch viel zu tun.<\/p>\n<p> Pia Bucher, die Initiantin und Pr\u00e4sidentin der Gesellschaft, erkl\u00e4rte denn auch zum Auftakt, dass man sich mit dem Thema \u00abGeh\u00f6r \u2013 Augen \u2013 Stimme und deren Koordination beim Musizieren\u00bb einmal mehr auf Neuland begeben habe. Sie verglich den K\u00f6rper mit einem grossen Orchester, in dem verschiedene Faktoren perfekt zusammenspielen m\u00fcssen.<\/p>\n<p> In einer Grussadresse schlug Stephan Siegenthaler, der Direktor der dieses Jahr gastgebenden Luzerner Musikhochschule, vor, im \u00f6ffentlichen Raum analog zum Rauchverbot ein Beschallungsverbot ins Ohr zu fassen und sich einmal grunds\u00e4tzlich dar\u00fcber Gedanken zu machen, wie absurd es ist, wenn Konzerte von Musikern und Publikum nur noch mit Geh\u00f6rschutz realisiert werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><\/span><\/span><center>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8211; <br \/><strong>Der Weblink<\/strong><br \/> <a href=\"http:\/\/www.musik-medizin.ch\" target=\"blank\" rel=\"noopener noreferrer\">www.musik-medizin.ch<\/a><br \/> <span class=\"txt-s-black\">Die SMM dient Musikerinnen und Musikern auch als erste<br \/> Anlauf- und Informationsstelle in Sachen<br \/> gesundheitliche Probleme.<\/span><br \/> &#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8211;<\/center><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\"><br \/> Karl Knobloch zeigte sich in seiner Grussnote als Pr\u00e4sident der Schweizerischen Interpretengesellschaft und \u2013stiftung (SIG\/SIS) \u00fcber die Zusammenarbeit mit der SMM h\u00f6chst zufrieden. Man arbeite sich gegenseitig ideal in die Hand, wobei die SMM als Anlaufstelle f\u00fcr medizinische Beratungen amte und die SIG als Verfechterin der juristischen Rechte Betroffener. Auch heute, meinte Knobloch, m\u00fcsse aber um die Anerkennung spezifischer Krankheitsbilder noch gek\u00e4mpft werden, vor allem wenn es um die Folgen exzessiver Schalleinwirkung gehe. <\/p>\n<p> Er finde es, so Knobloch weiter, auch bemerkenswert, dass hochber\u00fchmte K\u00fcnstler engagiert werden, die nachweislich stark schwerh\u00f6rig seien \u2013 ins Alter gekommene Dirigenten, die Fortissimo spielen liessen, weil sie selber nichts mehr zu h\u00f6ren im Stande seien. Pr\u00e4vention und Ehrlichkeit seien in dieser Hinsicht auch finanziell sinnvoll, koste doch eine durch gesundheitliche \u00dcberlastungen erfolgte Fr\u00fchpensionierung zwischen eineinhalb und zwei Millionen Franken. <\/p>\n<p> <strong>Sommerhalder und Achermann-Scherer: die Singstimme<\/strong><\/p>\n<p> Im Herzen Luzerns widmeten sich die Referentinnen und Referenten moderiert vom Tessiner Arzt Adrian Sury dem eng zusammenspielenden Komplex aus Auge, Geh\u00f6r und Stimme, eingeleitet von einem Doppelreferat des Luzerner HNO-Arztes Albert Sommerhalder und der Logop\u00e4din Monika Achermann-Scherer. Sommerhalder illustrierte mit zahlreichen Beispielen die Untersuchungsmethoden der Stimme wie Kehlkopfspiegelungen und Spektrogramme. Monika Achermann Scherer wiederum wies darauf hin, dass Stimmst\u00f6rungen in aller Regel ein ganzer Komplex an Ursachen zugrundeliegt, wobei auch psychosomatische Aspekte eine bedeutende Rolle spielen. <\/p>\n<p> Ein seelisches Ungleichgewicht dr\u00fccke sich in K\u00f6rperhaltung und Stimme aus, so Achermann-Scherer. Viele, die Probleme mit der Singstimme h\u00e4tten, zeigten auch Auff\u00e4lligkeiten in der Sprechstimme, ohne sich dessen bewusst zu sein, erkl\u00e4rte die Logop\u00e4din, die zu ihren Klienten sowohl Profis wie Semiprofis als auch Laien z\u00e4hlt. F\u00fcr Profis sei die Stimme existentiell wichtig und ihre Pflege und \u00f6konomische Nutzung fundamental, weil mit ihrem Verlust auch die materielle Existenz auf dem Spiel stehe, gab die Logop\u00e4din zu bedenken. Aber auch f\u00fcr Semiprofis und Laien k\u00f6nne die Aufgabe des Singens eine erhebliche Einschr\u00e4nkung der Lebensqualit\u00e4t bedeuten.<\/p>\n<p><\/span><\/span><center> <\/p>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"200\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/2009\/091112smm4.jpg\" border=\"0\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td align=\"right\" valign=\"bottom\" width=\"200\"><center><span class=\"txt-s-black\"><strong> Monika Achermann Scherer und Albert Sommerhalder <\/strong><\/span><\/center><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\"><br \/> Zu den typischen Problemen, mit denen die Patienten zu ihr in die Beratung kommen, geh\u00f6ren Einschr\u00e4nkungen und Schw\u00e4chen beim Singen hoher T\u00f6ne, beim Pianosingen oder Registerwechsel, vor allem aber auch die Stimmausdauer. Klassik-S\u00e4ngerinnen und \u2013S\u00e4nger, die zum Teil ausgedehnte Werke bew\u00e4ltigen m\u00fcssen, f\u00fcrchteten ein schnelles Erm\u00fcden der Stimme. Um dem entgegenzutreten h\u00e4tten sie zwar eine gute Gesangstechnik; Konkurrenzdruck, Partnerprobleme, Zeitnot, Gef\u00fchle des \u00dcberfordertseins und zus\u00e4tzliche Gesundheitsprobleme wie Allergien stellten aber nicht selten un\u00fcberwindbare Schwierigkeiten. H\u00e4ufig seien sich Betroffene nicht bewusst, dass der allgemeine Druck sich bereits in der Sprechstimme bemerkbar mache, etwa durch hastiges schnelles Sprechen oder gest\u00f6rte Sprechatmung. Es erstaune sie immer wieder, erkl\u00e4rte Monika Achermann Scherer, wie wenig auch gut ausgebildete S\u00e4nger ihre Sprechstimme kennen w\u00fcrden. <\/p>\n<p> Semiprofis gehen laut Achermann-Scherer oft an die Grenze ihrer Leistungsf\u00e4higkeit oder dar\u00fcber hinaus und erwarteten von der Stimme trotzdem, dass sie ihnen so oft und lang wie sie diese brauchen in guter Qualit\u00e4t zur Verf\u00fcgung stehe. Bei den Laien wiederum seien kaum stimmphysiologische Kenntnisse vorhanden. In der Unterhaltungsmusik wiederum werde oft unphysiologisches (rauhes, gepresstes) Singen genutzt. Der Stimme werde zuviel Druck gegeben, und es werde nicht systematisch auf Erholungsm\u00f6glichkeiten geachtet. Bei Pop- und Rocks\u00e4ngern k\u00e4men weitere Risiken hinzu wie Rauchen und Zugluft in Auftrittslokalen. <\/p>\n<p> <strong>Peter M. Ott: Das geschundene Musiker-Ohr<\/strong><\/p>\n<p> Peter Ott, der Leiter der ORL-Klinik am Z\u00fcrcher Unispital, erinnerte daran, dass Orchestermusiker in zunehmendem Massen einer das Geh\u00f6r sch\u00e4digenden Schallbelastung ausgesetzt sind. Die Belastungen seien laut aktuellen Studien zum Teil sogar gr\u00f6sser als diejenigen von Berufspiloten der Luftwaffe. Probleme b\u00f6ten in die Jahre gekommene Konzerts\u00e4le und oft prek\u00e4re Platzverh\u00e4ltnisse im Orchester. Auch die Programmgestaltung neige zu akustischen Exzessen. Ein Schostakowitsch-Zyklus bleibe nicht ohne Folgen f\u00fcr die Musiker. Man n\u00e4here sich in der klassischen Musik mit solchen Programmen einem psychoakustischen Bereich, wie er aus der Popwelt bekannt sei. <\/p>\n<p> Die Folgen k\u00f6nnen laut Ott Krankheitsbilder wie Hyperacusis, das heisst \u00dcberempfindlichkeit, Dysakusis \u2013 eine Verzerrung des H\u00f6reindrucks \u2013 oder Tinnitus sein. Bei Dauerbelastungen k\u00f6nnen stoffwechselbedingte Sch\u00e4den hinzu kommen. Bei der Dysakusis kann das eigene Instrument in bestimmten Tonlagen falsch klingen. Hyperakusis und Tinnitus treten h\u00e4ufig in Kombination auf. Hyperakusis kann Kindergeschrei, Klatschen oder sogar das Klappern des Geschirrs beim Abwaschen betreffen. Beim Musiker kann sie sehr selektiv auftreten und in besonders tragischen F\u00e4llen den Klang des selber gespielten Instruments als unertr\u00e4glich empfinden lassen.<\/p>\n<p> Ott d\u00e4mpfte Hoffnungen auf eine operative Behandlung solcher St\u00f6rungen, welche die st\u00fcrmischen Entwicklungen in der Mikrochirurgie m\u00f6glicherweise geweckt haben k\u00f6nnten. Zwar kann dank dieser heute etwa ein Loch im Trommelfell geschlossen werden und selbst die Kn\u00f6chelchen des Mittelohrs lassen sich mittlerweile differenziert manipulieren. Schallbedingte Sch\u00e4digungen des Musikergeh\u00f6rs lassen sich aber nach wie vor grunds\u00e4tzlich nicht beheben. Das Innenohr entzieht sich einer reparativen Chirurgie. Selbst ein Tinnitus ist nach heutigen M\u00f6glichkeiten praktisch nicht behandelbar. Es geht mehr darum, den Betroffenen dazu zu helfen, mit den Ohrger\u00e4uschen leben zu k\u00f6nnen. Auch die medikament\u00f6sen M\u00f6glichkeiten sind stark beschr\u00e4nkt und gerne empfohlene Mittel umstritten. So ist die Wirkung der oft zitierten Cortison-Pr\u00e4parate mehr als fraglich. Es gelte deshalb, meinte Ott, vor allem die Pr\u00e4vention zu verst\u00e4rken. Dazu geh\u00f6ren laut dem Z\u00fcrcher Ohrenarzt etwa spezielle Geh\u00f6rschutze. Auf politischer Ebene muss zudem der Kampf f\u00fcr eine Reduktion der allgemeinen Lautst\u00e4rke von akustischen Belastungen gef\u00fchrt werden. <\/p>\n<p> <strong>Heinz Waldmann: Musik und H\u00f6rsch\u00e4den<\/strong><\/p>\n<p> Laut dem bei der Suva t\u00e4tigen Arbeitshygieniker Heinz Waldmann ist L\u00e4rmschwerh\u00f6rigkeit mittlerweile eine anerkannte Berufskrankheit. Es existierten verbindliche Grenzwerte f\u00fcr die Belastung, und es m\u00fcssten Massnahmen zum Schutz der Arbeitnehmer ergriffen werden. Bei den Musikern sei das Problem allerdings komplexer als etwa bei einem Handwerker, der in l\u00e4rmiger Umgebung arbeiten m\u00fcsse, denn das Geh\u00f6r sei f\u00fcr ersteren zugleich belastetes Organ und Arbeitsinstrument. So seien etwa S\u00e4nger Pegeln ausgesetzt, die bis zu 100 Dezibel erreichten, ohne dass sich die Betroffenen dagegen sch\u00fctzen k\u00f6nnten, weil das Ohr f\u00fcr sie ja unerl\u00e4ssliches Kontrollorgan sei. <\/p>\n<p><\/span><\/span><center> <\/p>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td align=\"right\" valign=\"bottom\" width=\"200\"><span class=\"txt-s-black\"><strong> SMM-Pr\u00e4sidentin Pia Bucher und Stephan Siegenthaler, Direktor der Hochschule Luzern, Musik <\/strong><\/span><\/td>\n<td width=\"160\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/2009\/091112smm2.jpg\" border=\"0\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\"><\/p>\n<p> Allgemeine L\u00e4rmschutzmassnahmen sind auf verschiedenen Ebenen m\u00f6glich. In der Regel wird ein dreistufiges Vorgehen gew\u00e4hlt. Man pr\u00fcft ob die L\u00e4rmquelle reduziert werden kann, ob Modifikationen am Arbeitsraum m\u00f6glich sind und ob schliesslich Schutzvorrichtungen am Arbeitenden selber infrage kommen. Wenn es um Musik geht, so kann etwa ein Umbau des Instruments in Betracht gezogen werden. So wird laut Waldmann etwa versucht, H\u00f6rner zu bauen, die ihre typischen Klangeffekte mit geringerer L\u00e4rmbelastung erzeugen. Proben sind unter Umst\u00e4nden auch mit sogenannten \u00abSilent Instruments\u00bb m\u00f6glich.<\/p>\n<p> Probenr\u00e4ume, Unterrichtszimmer und so weiter k\u00f6nnen akustisch angepasst werden. In Orchestern kann mit Schallschutzschirmen gearbeitet werden. Dies ist allerdings weniger einfach, als man vermuten k\u00f6nnte. Sind solche Schirme n\u00e4mlich falsch konstruiert, werfen sie den Schall zur\u00fcck und der Schallerzeuger wird sogar zus\u00e4tzlich belastet. F\u00fcr solche Abschirmungen, erkl\u00e4rt Waldmann, gibt es zur Zeit noch keine wirklich \u00fcberzeugende L\u00f6sungen. <\/p>\n<p> Das Ohr des Musikers selber kann mit einem speziellen Geh\u00f6rschutz abgeschirmt werden. Einfache Ohrpfropfen sind dabei allerdings nicht sinnvoll. Ein Geh\u00f6rschutz sollte mindestens mit einem Filter versehen sein, oder es sollten individuell angepasste, sogenannt otoplastische Geh\u00f6rsch\u00fctzer verwendet werden. Modelle dieser Art br\u00e4uchten zwar etwas l\u00e4nger zum Einsetzen, seien aber nach einer gewissen Eingew\u00f6hnung durchaus vertr\u00e4glich, meinte Waldmann. <\/p>\n<p> <strong>Georg von Arx: Zum Musizieren braucht es ein gutes Geh\u00f6r<\/strong><\/p>\n<p> Der Oltener Augenarzt Georg von Arx explizierte die h\u00e4ufigsten Sehprobleme, mit denen auch Musiker zu k\u00e4mpfen haben. Die Palette reicht von Refraktionsproblemen, das heisst Sefehlern \u2013 Weitsichtigkeit, Kurzsichtigkeit, Altersichtigkeit, Astigmatismus \u2013 \u00fcber Tr\u00fcbungen der Linse und des Glask\u00f6rpers bis hin zu St\u00f6rungen der Augenbeweglichkeit, Netzhauterkrankungen, Glaukomen, Entz\u00fcndungen im Hirn, Durchblutungsst\u00f6rungen, Tumoren oder der sogenannten okul\u00e4ren Myasthenie, einer h\u00e4ufig nicht erkannten Muskelkrankheit. <\/p>\n<p> Die Augen von Orchestermusikern, deren Blick rasch vom Dirigent auf detailreiche Noten und das eigene Instrument wechselt, sind je nach Instrument unterschiedlich gefordert. Das Spielen von Blasinstrumenten kann wegen des Atemdruckes im Kopf zum Beispiel zu f\u00fcr diese Instrumentengattungen typischen Sehtr\u00fcbungen f\u00fchren. Suboptimale Verh\u00e4ltnisse inklusive schlechter Beleuchtung f\u00fchren \u00fcberdies zu Fehlhaltungen, die wiederum Folgeprobleme beim Sehen mit sich bringen. Mit zunehmendem Alter nimmt die Anpassungsf\u00e4higkeit des Sehapparates zus\u00e4tzlich ab. <\/p>\n<p> Universal-Gleitsichtgl\u00e4ser entsprechen den Anforderungen beim Musizieren in der Regel nicht, erkl\u00e4rt Ott. Alleine das Lesen der Noten stellt hohe Anforderungen: Feine Details wie Versetzungszeichen, Anmerkungen mit Bleistift fordern das Auge. Das gr\u00f6sste Sehfeld nehmen dementsprechend die eigenen Noten ein. Der entfernte Dirigent wird im Randfeld wahrgenommen. Dies alles muss bei der Konzeption einer Brille inidviduell ber\u00fccksichtigt werden. <\/p>\n<p> Neben Brillen und Linsen erfreut sich heute die refraktive Chirurgie zunehmender Beliebtheit. Im Alter ist diese jedoch wenig geeignet, weil eine Laseroperationen das Auge auf bestimmte Sehdistanzen einstellt. Junge sind noch gut in der Lage, sich in Sachen Sch\u00e4rfeneinstellung an die Sehdistanz anzupassen. Im Alter wird das Auge starrer und bleibt auf eine bestimmte Distanzsch\u00e4rfe fixiert. <\/p>\n<p> Die aufwendigen Abkl\u00e4rungen sind nicht gratis. Musiker sollten beim Optiker dennoch darauf dringen, den entsprechenden Aufwand zu treiben, um wirklich befriedigende L\u00f6sungen zu finden. Die Krankenkasse \u00fcbernimmt unter Umst\u00e4nden Kosten, wenn ein Augenarzt die Untersuchungen durchf\u00fchrt. <\/p>\n<p> <strong>Urs Schlumpf: Kopfhaltung und Nackenmuskulatur<\/strong><\/p>\n<p> Der Luzerner Rheumatologe Urs Schlumpf zeigte auf, dass beim Zusammenspiel von Sehen, H\u00f6ren und Fingern auch der Nackenbereich einer kritischen Beobachtung bedarf. Aufgrund seiner evolution\u00e4ren Entwicklung ist der Kopf des Menschen rundum sehr beweglich. Er kann in alle Richtungen gedreht und geneigt werden. Dies hat allerdings seinen Preis. Der Kopf muss n\u00e4mlich selbst in Ruheposition mit dauerndem Equilibrieren stabilisiert werden. Die hoch differenzierte Muskulatur, die dazu zur Verf\u00fcgung steht, ist \u00fcberaus anf\u00e4llig f\u00fcr St\u00f6rungen. <\/p>\n<p><\/span><\/span><center> <\/p>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"200\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/2009\/091112smm3.jpg\" border=\"0\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td align=\"right\" valign=\"bottom\" width=\"200\"><center><span class=\"txt-s-black\"><strong> Urs Schlumpf (links) im Gespr\u00e4ch <\/strong><\/span><\/center><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\"><br \/> Symptome k\u00f6nnen da ebenfalls an andern Orten als dem eigentlichen Ursprung entstehen. Wenn Musiker \u00fcber Schmerzen in den Armen klagen, sind deshalb m\u00f6glicherweise Belastungen von sogenannten Triggerpunkten in der Halsmuskulatur die Ursache. Einen bedeutenden Einfluss haben \u00fcberdies unter anderem der grosse Trapezmuskel, der sich \u00fcber den ganzen Schulterg\u00fcrtel erstreckt, und die Kaumuskulatur. Letztere kann stark angespannt sein. Schmerzen entstehen so nicht nur in den Gelenken, sondern auch in den Muskeln selber. Allf\u00e4llig auftretende Schmerzen d\u00fcrfen keinesfalls bagatellisiert werden. Die im Sport vielzitierte Devise \u00abNo pain no gain\u00bb (\u00abOhne Schmerz keine Fortschritte\u00bb) ist in der Musik Unsinn.<\/p>\n<p> <strong>Irene Spirgi-Gantert: Funktionelle Dysphonie <\/strong><\/p>\n<p> Darauf, dass Probleme der Haltung auch zu Stimmproblemen f\u00fchren k\u00f6nnen, wies die Berner Physiotherapeutin Irene Spirgi-Gantert hin. Es gebe hier einen kausalen funktionellen Zusammenhang von Fehlhaltung, Fehlatmung und Fehlspannungen im Schulterg\u00fcrtel und Nackenbereich. Eine gesunde Kontrolle dieser Bereiche sei deshalb unerl\u00e4sslich. Sportler seien sich dessen bewusst und gingen nie ohne Aufw\u00e4rmen in den Wettkampf. Viele Musiker hingegen ignorierten das Warmmachen. <\/p>\n<p> Die an der Hochschule der K\u00fcnste Bern t\u00e4tige Fachfrau erkl\u00e4rte, eine dynamische Haltung sei f\u00fcrs Musizieren wichtig. Im aufrechten Stand sollten die Knie deblockiert sein, was f\u00fcr Frauen mit ihrer \u00dcberbeweglichkeit in den Knien herausfordernder sei als f\u00fcr M\u00e4nner. Der Brustkorb sei das Zentrum, in dem sich die Bewegungsimpulse versammelten. Der Schulterg\u00fcrtel k\u00f6nne nur entspannt sein, wenn der Brustkorb stabilisiert werde. <\/p>\n<p> Haltungs- und Stabilisierungsprobleme k\u00f6nnten in einem erstem Schritt mit passiven Massnahmen angegangen werden, etwa Entlastungsstellungen, in denen Gewicht abgegeben werden kann. Physiotherapeutisch sei es oft sinnvoll, spezifische Gebiet gezielt zu mobilisieren. Aktive Massnahmen k\u00f6nnen etwa der bewusste Aufbau einer dynamischen Haltung und die Aktivierung von Fuss- und Beinmuskulatur umfassen. Dabei k\u00f6nnten Hilfsmittel wie Schaukelbretter, auf denen dauernd das Gleichgewicht gehalten werden muss, eingesetzt werden. <\/p>\n<p> <strong>Abschliessende Fragen ans Podium <\/strong><\/p>\n<p> In der Diskussion wurde bedauert, dass die im Symposiums-Thema angesprochene Koordination von Auge, Geh\u00f6r und Stimme nicht wirklich sp\u00fcrbar war. Die SMM-Pr\u00e4sidentin Pia Bucher erkl\u00e4rte, dies w\u00e4re Inhalt eines Referates des Neuropsychologen Lutz J\u00e4ncke gewesen, der seine Teilnahme grippebedingt allerdings kurzfristig absagen musste. Ein weiterer Teilnehmer wollte wissen, ob es, wie immer wieder kolportiert werde. m\u00f6glich sei dass das Auge durch den blossen Gebrauch gesch\u00e4digt werde. Dies wurde von den Referenten eindeutig verneint. Gebrauch mache das Auge einfach m\u00fcde, gesch\u00e4digt werden k\u00f6nne es nur aufgrund mechanischer oder chemischer Einwirkung. <\/p>\n<p><\/span><\/span><center> <\/p>\n<table style=\"width: 360px;\">\n<tbody>\n<tr>\n<td><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/2009\/091112smm5.jpg\" border=\"0\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><center><span class=\"txt-s-black\"><strong> Das Schlusspodium (v.l.n.r.): Ott, Waldmann, Sommerhalder, Achermann-Scherer, Sprigi-Gantert, Schlumpf, Sury<\/strong><br \/> <\/span><\/center><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center><span class=\"txt-m-black\"><\/p>\n<p> Auch die L\u00e4rmbelastungen in Diskotheken und beim Musikh\u00f6ren mit MP3-Playern wurde angesprochen. Der Suva-Vertreter erkl\u00e4rte, es gebe dazu in der Schweiz eine Schall- und Laserverordnung mit zul\u00e4ssigen Werten. Die Lautst\u00e4rke von MP3-Spielern lasse sich aber praktisch nicht begrenzen. Entsprechende Softwaremassnahmen w\u00fcrden von findigen Hackern in kurzer Zeit ausser Gefecht gesetzt. Das Problem sei, dass Musik erst \u00fcber einem Pegel von 93 Dezibel die Adrenalinproduktion angerege und zu einem \u00abKick\u00bb f\u00fchre und die Besucher eines Lokals dehalb auf einer solchen Beschallung best\u00fcnden. Eine Teilnehmerin wollte \u00fcberdies wissen, ob es m\u00f6glich sei, das Ohr mit gezielter Schulung wieder zu verbessern, wenn es nachlasse. Auf dem Podium war man sich einig, dass solche Methoden, wie sie namentlich unter dem Schlagwort der Tomatis-Therapie angeboten werden, jeglicher wissenschaftlicher Grundlage entbehren. H\u00f6rverlust sei physiologisch irreversibel. <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>wb<\/em>)<\/span><\/p>\n<p><center> <\/p>\n<table style=\"width: 430px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><span class=\"txt-s-black\">7. Symposium der Schweizerischen Gesellschaft f\u00fcr Musik-Medizin, 24. Oktober 2009, Marianischer Saal Luzern. <\/span><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>11.11.2009 &#8212; Am 7. 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