{"id":829,"date":"2014-01-12T13:25:04","date_gmt":"2014-01-12T13:25:04","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/12\/prix-du-piano-bern-arena-frei-fuer-den-nachwuchs\/"},"modified":"2014-01-12T13:25:04","modified_gmt":"2014-01-12T13:25:04","slug":"prix-du-piano-bern-arena-frei-fuer-den-nachwuchs","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/12\/prix-du-piano-bern-arena-frei-fuer-den-nachwuchs\/","title":{"rendered":"Prix du Piano Bern: Arena frei f\u00fcr den Nachwuchs"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"txt-m-black\"><strong>26.02.2010 &#8212; Zum vierten Mal war der Berner Kursaal Schauplatz der Austragung des vom Festival Interlaken Classics ausgerichteten Prix du Piano. In seinem Rahmen stellen sich jeweils vier Nachwuchspianisten dem Urteil des Publikums.<\/strong><\/p>\n<p> Klavierwettbewerbe stellt man sich in der Regel als geschlossene Veranstaltungen vor, in denen Fachleute in \u00fcberaus ernsten, episch breiten und h\u00e4ufig engagiert bis erbittert gef\u00fchrten Diskussionen die Darbietungen ambitionierter Jungtalente sezieren und eine Jury nach l\u00e4ngeren Beratungen ihre Urteile f\u00e4llt. Mit andern Worten: als Branchenrituale unter praktischem Ausschluss der \u00d6ffentlichkeit. Der Berner Prix du Piano, den das Festival Interlaken Classics nun zum vierten Mal durchgef\u00fchrt hat, ist anders \u2013 und er hat das Potential zur Kultveranstaltung.<\/p>\n<p> Da pr\u00e4sentieren sich in dem sonst eher der kulinarischen Zerstreuung vorbehaltenen Rundsaal des Berner Kursaals auf einer Arena-B\u00fchne vier junge Interpretinnen und Interpreten dem Publikum. Dieses wiederum setzt sich aus Vertretern der lokalen Politik und Wirtschaft, diskret im Hintergrund bleibenden Fachleuten als Zaung\u00e4sten und zahlreichen interessierten Laien zusammen, die sonst kaum je an derartigen Anl\u00e4ssen zu finden sein d\u00fcrften. Eine Nebenrolle hat das Publikum aber keineswegs; es amtet n\u00e4mlich als Jury.<br \/> K\u00fcnstlerischer Leiter des Prix du Piano ist der in Paris wohnhafte Marian Rybicki. Er ist sich der Eigenart der volkst\u00fcmlichen Veranstaltung durchaus bewusst. Hier w\u00fcrden sich \u2013 so der sympathisch und bescheiden wirkende Kenner der Szene \u2013 Talente dem Publikum stellen, die mit dem Gewinn von Preisen und Auszeichnungen ihre k\u00fcnstlerische K\u00f6nnerschaft bereits unter Beweis gestellt h\u00e4tten. Es gehe deshalb auch nicht darum, ihre Technik und Gestaltungskraft auf Herz und Nieren zu pr\u00fcfen, sondern ihr Charisma auf der B\u00fchne zu ergr\u00fcnden.<\/p>\n<p> Dem ungewohnten H\u00e4rtetest stellten sich heuer die Japanerin Madoka Fukami (die kurzfristig f\u00fcr einen erkrankten Teilnehmer einsprang), der Deutsche Alexander Schimpf, der Russe Denis Kozhukhin und die Ukrainerin Dinara Klinton, die laut der Pr\u00e4sentation Rybickis alle unterschiedliche pianistische Schulen repr\u00e4sentieren \u2013 vom Pariser Conservatoire in der Tradition Alfred Cortots bis zur russischen Schule, die in Moskau gelehrt wird.<\/p>\n<p> Ein direkter fachlicher Vergleich der vier w\u00e4re nicht nur dadurch erschwert gewesen, sondern auch durch die Tatsache, dass sie unterschiedliche Werke unterschiedlicher Schwierigkeit pr\u00e4sentierten und in der k\u00fcnstlerischen Reife nicht alle am gleichen Ort zu stehen schienen \u2013 wenn auch allen unbestreitbar hohes K\u00f6nnen und Talent attestiert werden durfte. Allen gemeinsam war in der Programmwahl eine Nummer aus Chopins Et\u00fcden op. 10 oder op. 25 und ein opulenteres Werk aus der Zeit der romantischen Klaviervirtuosen.<\/p>\n<p> Am ehrgeizigsten zeigte sich da der auch k\u00fcnstlerisch am gereiftesten wirkende Kozhukhin, der mit der \u00abOzean\u00bb-Et\u00fcde op. 25, Nr.12 eine der schwierigsten Chopin-Studien gew\u00e4hlt hatte und sich auch mit drei Pr\u00e9ludes Rachmaninows exorbitanten technischen Herausforderungen stellte. Klinton und Schimpf pr\u00e4sentierten je eine Ungarische Rhapsodie von Liszt (Nr.2 und Nr. 12), Makoda Fukami blieb \u2013 wohl eine Konzession an ihr kurzfristiges Einspringen \u2013 Chopin treu, n\u00e4mlich mit einer Auswahl aus den Pr\u00e9ludes op. 28.<\/p>\n<p> Die \u00e4ussern Umst\u00e4nde des Wettbewerbs d\u00fcrften f\u00fcr die Auftritte eine Herausforderung dargestellt haben: Das Publikum, das sich ansonsten sehr diszipliniert verhielt, gruppierte sich am Prix de Piano an Tischen und klapperte ab und zu ungewollt mit Flaschen und Gl\u00e4sern; Huster und hartn\u00e4ckige Klickger\u00e4usche von Fotoapparaten sorgten f\u00fcr akustisches Hintergrundrauschen und eine konstant arbeitende Klimaanlage lieferte den summenden Grundton, der jegliche Michelangelo-Benedetti- und Keith-Jarrett-All\u00fcren der Auftretenden im Keim ersticken h\u00e4tte. <\/p>\n<p> Unberechenbar (und vielsagend) war auch das Applausverhalten des Publikum. Am st\u00e4rksten zu sp\u00fcren bekam dies die Japanerin, deren erstes Werk, ein subtil vorgetragener Satz aus einer fr\u00fchen Beethoven-Sonate, im Saal keinerlei Reaktion ausl\u00f6ste. Daf\u00fcr wurde sie davon \u00fcberrascht, dass ihr Chopin-Zyklus mit Applaus unterbrochen wurde. Kozhukhins fulminant-souver\u00e4ne Interpretation des \u00abOzeans\u00bb wiederum wurde eher verhalten aufgenommen, m\u00f6glicherweise ein Indiz darauf, dass das geerdete Berner Publikum Auftritten, in die ein Hauch Exhibitionismus hineininterpretiert werden k\u00f6nnte, aus Prinzip mit Skepsis begegnet. <\/p>\n<p> In den zwei Runden, in welche die vier ihr Programm unterteilten, gab es viel musikalisch Interessantes und Geschmacksvolles zu erleben. Aufhorchen liess etwa, wie Madoka Fukami die sechs der aus op. 28 ausgew\u00e4hlten Chopin-Pr\u00e9ludes mit langem Atem aufbl\u00fchen liess oder Dinara Klinton die linke Hand im Mittelteil der Et\u00fcde op.25 Nr.5 zum Singen brachte. Die Ukrainerin bestach dar\u00fcberhinaus mit transparentem, konturenreichem Spiel, das auch die Ungarische Rhapsodie Nr.2 zu einem glitzernden Kaleidoskop der pianistischen Farben werden liess.<\/p>\n<p> Mit Menuett und Alla turca aus Mozarts Klaviersonate KV 331 er\u00f6ffnete Klinton ihren Part daneben mit einem der popul\u00e4rsten Werke der Klavierliteratur. Das war auch schon dem Programmheft zu entnehmen gewesen, was am Nebentisch des Berichterstatters einen Besucher schon vor dem Auftakt der Pr\u00e4sentation darauf wetten liess, sie werde beim Publikum das Rennen machen.<\/p>\n<p> Er sollte recht behalten. Dem Russen wurde der mit 5000 Franken dotierte zweite Preis zugesprochen, der mit 10&#8217;000 Franken alimentierte erste ging an die Ukrainerin. Details zu den Stimmverh\u00e4ltnissen wurden keine bekanntgegeben. Klinton bedankte sich beim Publikum mit Liszts \u00abLiebestraum\u00bb als Zugabe, einem weiteren Ohrwurm des klassisch-romantischen Repertoires. Ein unpr\u00e4tenti\u00f6ser, ganz der Musik verpflichteter Abend fand damit ein sympathisches Ende. <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>wb<\/em>)<\/span><\/p>\n<p><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 430px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">4. Prix du Piano, Kursaal Bern, 20. Februar 2010, pr\u00e4sentiert vom Festival Interlaken Classics, <a href=\"http:\/\/www.interlaken-classics.ch\" target=\"blank\" rel=\"noopener noreferrer\">www.interlaken-classics.ch<\/a> <\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>26.02.2010 &#8212; Zum vierten Mal war der Berner Kursaal Schauplatz der Austragung des vom Festival Interlaken Classics ausgerichteten Prix du&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[12],"tags":[],"class_list":["post-829","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-ereignisbesprechungen","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/829","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=829"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/829\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=829"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=829"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=829"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}