{"id":834,"date":"2014-01-12T13:27:59","date_gmt":"2014-01-12T13:27:59","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/12\/shanghai-philharmonic-orchestra-klee-in-bern\/"},"modified":"2014-01-12T13:27:59","modified_gmt":"2014-01-12T13:27:59","slug":"shanghai-philharmonic-orchestra-klee-in-bern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/12\/shanghai-philharmonic-orchestra-klee-in-bern\/","title":{"rendered":"Shanghai Philharmonic Orchestra: Klee in Bern"},"content":{"rendered":"<table cellpadding=\"10\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"430\"><span class=\"txt-m-black\"><br \/> 16.11.2010 &#8212; <strong>Zum Auftakt der zweiten Tournee der Migros Kulturprozent Classics 2010\/11 erwies das Shanghai Philharmonic Orchestra unter Muhai Tang in Bern Klee Reverenz. Mit von der Partie: die chinesisch-schweizerische Nachwuchspianistin M\u00e9lodie Zhao.<\/strong><\/p>\n<p> Viel Umschweife macht das Shanghai Philharmonic Orchestra nicht \u2013 da wird gleich losgelegt. In Liu Yuans \u00abTrain Toccata\u00bb wird auf die grosse Trommel eingedroschen, die H\u00f6rner geben ohne Warmlaufen alles, die tiefe Posaune kann zeigen, was sie draufhat, und das ganze Orchester vokalisiert fr\u00f6hlich mit: Das kurze St\u00fcck, mit dem laut Internet-Quellen ein taiwanischer Popsong (\u00abTrain\u00bb von Lo Tayu) gecovert wird, erinnert etwas an Scott Bradleys Trickfilmmusiken: frech, effektvoll, hemmungslos lautmalerisch und \u00fcberaus unterhaltend.<\/p>\n<p> Da verwundert es nicht, zu erfahren, dass das Orchester auf ein Ensemble f\u00fcr Filmmusik zur\u00fcckgeht, das ab den f\u00fcnfziger Jahren des 20. Jahrhunderts den Aufschwung der chinesischen Filmindustrie mitpr\u00e4gte. Den aktuellen Namen tr\u00e4gt es seit 2004, seit 2009 ist Muhai Tang, selber Sohn eines Filmregisseurs und noch bis Ende dieser Saison Chefdirigent des Z\u00fcrcher Kammerorchesters, sein k\u00fcnstlerischer Leiter. <\/p>\n<p> Nicht bloss der effektvolle Crossover aus der Heimat scheint dem Ensemble zu liegen, auch Prokofiews drittes Klavierkonzert ist da in Bern zum Auftakt der zweiten Migros-Kulturprozent-Classics-Tournee auf erfrischende Art ausgedeutet worden. In eher gem\u00e4chlichen Tempi (hat man Prokofiews eigene Interpretation im Ohr durchaus stimmig) entlockte Muhai Tang dem Klangk\u00f6rper eine F\u00fclle faszinierender Farben, Mixturen und pr\u00e4zise gesetzter Akzente.<\/p>\n<p> Virtuose Bew\u00e4ltigung kniffliger Tempowechsel und Mut zu dynamischen Extremen zeichnete das Spiel aus, in das sich die Schweizer Nachwuchspianistin M\u00e9lodie Zhao bestens einf\u00fcgte. Besonders im zweiten Satz konnte man da Passagen erleben, die von fast bet\u00f6render, past\u00f6ser Feinheit waren und Spielanweisungen wie \u00abdelicatissimo\u00bb oder \u00abfreddo\u00bb frisch ausdeuteten: Ein etwas weichgezeichneter, aber faszinierender Russe war das. <\/p>\n<p> Die gerade mal 16-j\u00e4hrige sinogreyerzerische Pianistin bedankte sich f\u00fcr die freundliche Aufnahme durch das Berner Publikum mit Liszts Rhapsodie Nr.6 als Zugabe. Eine K\u00fcnstlerin, von der man zweifellos noch einiges h\u00f6ren wird.<\/p>\n<p> An kaum einem Ort w\u00e4re eine Wiedergabe von Tan Duns \u00abDeath and Fire \u2013 Dialogue with Paul Klee\u00bb (die Titelfolge ist im Programmheft gek\u00fcrzt und offenbar etwas durcheinandergeraten) passender als in der Heimatstadt des Paul Klee Zentrums, in dem das portr\u00e4tierte Bild \u00abTod und Feuer\u00bb aufbewahrt wird, im Kunstmuseum aber auch \u00abAd Parnassum\u00bb, dem Tan Dun ebenfalls Reverenz erweist.<\/p>\n<p> Auch in dieser Mischung aus lautmalerischen Texturen mit ornithologischen Ankl\u00e4ngen, volksliedartig-einfacher Melodik und langgezogenen, expressiven T\u00f6nen stellte das Orchester seine hohen Qualit\u00e4ten in Sachen Pr\u00e4zision, Klanggef\u00fchl und -balance unter Beweis. Im abschliessenden, reduktionistisch-eindringlichen \u00abDeath and Fire\u00bb erreichte es ersch\u00fctternde expressive Intensit\u00e4t. <\/p>\n<p> Abgeschlossen wurde das thematisch rund und stimmig-poetisch wirkende Programm des Abends mit Strawinskys Ballett-Suite \u00abDer Feuervogel\u00bb in der Version von 1919. Die Partitur gab den durchgehend exzellenten Solisten in den Bl\u00e4ser- und Streicherregistern Gelegenheit, ihre Musikali\u00e4t unter Beweis zu stellen, und auch wenn die Wiedergabe insgesamt etwas pauschal wirkte, konnte doch noch einmal mehr das feine Klanggef\u00fchl von Orchester und Dirigent bewundert werden. <\/p>\n<p> Zwei mal A-Dur \u2013 einmal chinesisch, einmal europ\u00e4isch ausgedeutet \u2013 gab\u2019s als Orchesterzugaben. Das volkst\u00fcmliche St\u00fcck \u00abBeautiful evening\u00bb Liu Tianhuas, eines Pioniers der Verbindung chinesisch-traditioneller und westlicher Kompositionstechniken, offenbarte, dass die heute hierzulande geschm\u00e4hten Streicher-Portamenti in \u00f6stlichem Kontext eine ganz andere Bedeutung erhalten, Boccherinis Menuett in A-Dur, welchen Charme auch europ\u00e4ische Ohrw\u00fcrmer noch zu entfalten verm\u00f6gen. <\/p>\n<p> In den letzten Jahren waren vermehrt unkonventionelle Orchester aus S\u00fcdamerika und Asien auf den westlichen Konzertpodien zu h\u00f6ren. Sie setzen auf erfrischende Art neue, von ihren eigenen regionalen Dialekten gepr\u00e4gte Akzente im Umgang mit der europ\u00e4ischen Kunstmusik. Dazu geh\u00f6rt auch das Shanghai Philharmonic Orchestra. Man kann das als willkommene Bereicherung der globalen Orchesterlandschaften nur begr\u00fcssen. <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>wb<\/em>)<\/span><\/p>\n<p><center> <\/p>\n<table style=\"width: 430px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><span class=\"txt-s-black\">Migros Kulturprozent Classics 2010\/11, Tournee II, Shanghai Philharmonic Orchestra, Muhai Tang (Leitung), M\u00e9lodie Zhao (Klavier), Werke von Yuan Liu, Prokofjew, Tan Dun, Strawinsky. Kultur-Casino Bern, 15. November 2010.<br \/><strong>Weitere Auff\u00fchrungen:<\/strong> Z\u00fcrich, Tonhalle (16. November 2010), Basel Stadtcasino (17. November 2010), St. Gallen, Tonhalle (18. November 2010), Genf, Victoria Hall (19. November 2010). <\/span><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>16.11.2010 &#8212; Zum Auftakt der zweiten Tournee der Migros Kulturprozent Classics 2010\/11 erwies das Shanghai Philharmonic Orchestra unter Muhai Tang&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[12],"tags":[],"class_list":["post-834","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-ereignisbesprechungen","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/834","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=834"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/834\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=834"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=834"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=834"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}