{"id":839,"date":"2014-01-12T13:30:29","date_gmt":"2014-01-12T13:30:29","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/12\/academy-of-st-martin-in-the-fields-in-bern\/"},"modified":"2014-01-12T13:30:29","modified_gmt":"2014-01-12T13:30:29","slug":"academy-of-st-martin-in-the-fields-in-bern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/12\/academy-of-st-martin-in-the-fields-in-bern\/","title":{"rendered":"Academy of St. Martin in the Fields in Bern"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"txt-m-black\"><strong>09.03.2011 &#8212; Die deutsche Geigerin Julia Fischer ist zur Zeit in der Schweiz unterwegs. Mit dem Tonhalle-Orchester Z\u00fcrich, mit dem sie am 1. April auch einen Abstecher ins Festspielhaus Baden-Baden macht, bestreitet sie am 12. April in Z\u00fcrich ein Benefizkonzert zugunsten der Erdbebenopfer in Japan. Im Moment gastiert sie aber noch mit der Academy of St. Martin in the Fields in verschiedenen Schweizer St\u00e4dten.<\/strong><\/p>\n<p> Mit dem englischen Ensemble hat Julia Fischer bereits eine CD mit Bach-Konzerten eingespielt (siehe Codex-flores-<a href=\"http:\/\/212.60.37.143\/popular.php?art=69\">Rezension<\/a>). Dass sich Orchester und Solistin verstehen und eine \u00e4hnliche \u00c4sthetik pflegen, war in Bern ohrenf\u00e4llig. F\u00fcr ihre Auftritte im Rahmen der Migros Kulturprozent Classics stellten sie ein (nicht musikalisch, sondern stimmungsm\u00e4ssig) eher leichtes Serenade-Programm zusammen: Da fanden Vivaldi, Mozart, Othmar Schoeck und Tschaikowsky zusammen.<\/p>\n<p> Zuammen mit dem als \u00abSchweizer Talent\u00bb gelabelten Cellisten Benjamin Nyffenegger, der einen \u00e4hnlich noblen Ton wie sie kultiviert und mit dem sie sich sp\u00fcrbar gut versteht, nutzte die Geigerin Vivaldis gef\u00e4lliges Konzert f\u00fcr Violine und Violoncello B-Dur RV 547 \u2013 der Prete rosso erweist sich da vor allem im dritten Satz als erfahrener Klangt\u00fcftler \u2013 als Einspielst\u00fcck. <\/p>\n<p> Die beiden schoben allerdings noch eine Duo-Version einer H\u00e4ndel-Passacaglia des romantischen Streicher-Komponisten Johan Halvorsen nach, ein effektvolles, geschmacksicheres Kabinettst\u00fccklein, das ihr gutes Einvernehmen unterstrich und den Saal auch noch bestens unterhielt. <\/p>\n<p> In Isaac Sterns legend\u00e4rem Dokumentarfilm \u00abFrom Mao to Mozart\u00bb gibt es eine ber\u00fchrende Passage, in welcher der Geiger Mozarts Violinkonzert KV 219 in unvergleichlicher Art mit gelassen-warmer Expressivit\u00e4t aufl\u00e4dt. Man hat das unweigerlich im Ohr, wenn Fischer in eher sachlich anmutender Art \u00fcber die betreffende Passage hinwegspielt. <\/p>\n<p> Mag sein, dass ihr die etwas distanziert anmutende Perfektion ihres Spiels in solchen Momenten den Vorwurf der scheinbaren K\u00fchle einhandelt. Sie scheint (wie im Fall ihrer CD mit den <a href=\"http:\/\/212.60.37.143\/popular.php?art=107\">Capricen Paganinis<\/a>) einer Art Respekt vor der Pers\u00f6nlichkeit des Komponisten zu entspringen, dessen Absichten sie nicht mit selbstdarstellerischen Posen wegzuwischen trachtet. Man k\u00f6nnte in Zeiten gestiegener Sensibilit\u00e4t f\u00fcr den Respekt gegen\u00fcber personaler Individualit\u00e4t ihre Werkdeutungen als modern bezeichnen.<\/p>\n<p> Besonderes Gewicht verlieh Fischer dem Solopart des Konzertes: Sie spielte alle Kadenzen aus, mit Varianten von ihr selber und des k\u00fcrzlich verstorbenen Yakov Kreizberg. Dabei stellte sie, vor allem im zweiten Satz, nicht einfach die Virtuosit\u00e4t in den Vordergrund, vielmehr formulierte sie so feinsinnige Kommentare zu der Musik; sie f\u00fchrte das klassische Werk damit \u00fcber die eigene Zeit hinaus. <\/p>\n<p> Nach der Pause nahm Julia Fischer den Platz der Konzertmeisterin ein, von dem aus sie wie schon zuvor, wo sie dem Ensemble gar den R\u00fccken zukehrte und es scheinbar sich selber \u00fcberliess, kaum die demonstrative Rolle der dirigierenden Gestalterin einnahm, sondern sichtbar h\u00f6chstens einmal einen Einsatz signalisierte.<\/p>\n<p> Im Mozart-Violinkonzert war vor der Pause eine eher pauschale Behandlung von Dynamik und Klanggestaltung aufgefallen, und so h\u00e4tte man vermuten k\u00f6nnen, dass auch in diesem Fall das typisch Unverbindliche von Interpretationen \u00dcberhand nehmen k\u00f6nnte, das im Falle von dirigierenden Solisten immer wieder zu beklagen ist (mehr noch, wenn Pianisten vom Klavier aus den Ton angeben als wenn Streicher ihresgleichen anf\u00fchren). <\/p>\n<p> Es blieb aber alles anders: Bereits in Othmar Schoecks stimmungsvoller \u00abSommernacht\u00bb op. 58 (die just von der Bernischen Musikgesellschaft in Auftrag gegeben und 1945 uraufgef\u00fchrt worden war) erwies sich das Orchester als subtil Klangvaleurs definierendes Ensemble. In Tschaikowskys Serenade op. 48 entfaltete es gar ein atemraubend rhythmisch-pr\u00e4zises, in allen Lagen intonationssicheres und hochdifferenziertes Klanguniversum. <\/p>\n<p> Im Ausklang des zweiten Satzes mit seiner Aufl\u00f6sung von Sordino-Passagen in kollektive Flageoletts w\u00e4re Stille so vermutlich physisch greifbar geworden, h\u00e4tte das Publikum nicht mit militanten Hustattacken den Zauber der Momente obstruiert. Kollegen Fischers haben in solchen Situationen ihrem Unwillen auch schon deutlich Luft verschafft. Es spricht f\u00fcr die Klasse und Souver\u00e4nit\u00e4t der noch sehr jungen Geigerin, dass sie sich da weder Ruhe noch Gelassenheit rauben liess, war aber schade f\u00fcr das Konzerterlebnis. <\/p>\n<p> Vom Publikum im vollen Saal des Berner Kultur-Casinos verabschiedete sich die Academy mit einer launischen Gavotte f\u00fcr Streichorchester. Ein entspanntes Ende eines grossen Abends der Ausnahmek\u00f6nner. <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>wb<\/em>)<\/span><\/p>\n<p><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 430px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">Academy of St Martin in the Fields, Julia Fischer (Leitung und Violine) Benjamin Nyffenegger (Violoncello). Antonio Vivaldi: Konzert f\u00fcr Violine und Violoncello B-Dur RV 547, Wolfgang Amadeus Mozart: Konzert f\u00fcr Violine und Orchester Nr. 5 A-Dur KV 219, Othmar Schoeck: Sommernacht op. 58, Peter Iljitsch Tschaikowski: Serenade f\u00fcr Streichorchester C-Dur op. 48.<br \/> Genf, Victoria Hall (Samstag, 26. M\u00e4rz 2011), St. Gallen, Tonhalle (Sonntag, 27. M\u00e4rz 2011), Bern, Kultur Casino (Montag, 28. M\u00e4rz 2011), Z\u00fcrich Tonhalle (Dienstag, 29. M\u00e4rz 2011). <\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>09.03.2011 &#8212; Die deutsche Geigerin Julia Fischer ist zur Zeit in der Schweiz unterwegs. 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