{"id":840,"date":"2014-01-12T13:30:58","date_gmt":"2014-01-12T13:30:58","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/12\/das-orchestre-national-de-belgique-in-zuerich\/"},"modified":"2014-01-12T13:30:58","modified_gmt":"2014-01-12T13:30:58","slug":"das-orchestre-national-de-belgique-in-zuerich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/12\/das-orchestre-national-de-belgique-in-zuerich\/","title":{"rendered":"Das Orchestre National de Belgique in Z\u00fcrich"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"txt-m-black\">25.04.2011 &#8212; Als eine Art schweizerisch-belgisches Freundschaftstreffen erwies sich der Auftritt des Orchestre National de Belgique im Rahmen der Migros Kulturprozent Classics in der Z\u00fcrcher Tonhalle: Das sehr popul\u00e4re Violinkonzert g-Moll op. 26 von Max Bruch wurde umrahmt von der Urauff\u00fchrung eines Schweizer Werkes aus der Feder des speziell im Grossraum Z\u00fcrich grossz\u00fcgig mit Kompositionsauftr\u00e4gen versorgten Rolf Urs Ringger und der Sinfonie d-Moll des geb\u00fcrtigen Belgiers C\u00e9sar Franck.<\/p>\n<p> Zun\u00e4chst hiess es also, sich in zeitgen\u00f6ssischen Klangwelten einzurichten. Ringgers \u00abCanto vagante\u00bb bot dem jungen Schweizer Kontrabassisten Thierry Roggen Gelegenheit, sein exzellentes technisches und musikalisches K\u00f6nnen unter Beweis zu stellen. Es entwickelte \u00fcber weite Strecken einen Dialog zwischen einem rezitativisch erz\u00e4hlenden, Linien spinnenden Solisten und ruhig atmenden, statischen Kl\u00e4ngen des Orchesters, neben Streichern arbeiteten da eine reich best\u00fcckte Holzbl\u00e4sergruppe (mit opulentem Fagott-Detachement), zwei Trompeten, Harfe, Celesta und das typische Orchesterschlagwerk Gong, Glocken, Trommel, Vibraphon.<\/p>\n<p> So wirklich packen liess man sich von dem lyrisch-pulsierenden, eher epigonal wirkenden Werk aber kaum. Als erstmaliger H\u00f6rer fragte man sich, ob\u2019s an der Partitur, an der Interpretation oder an der eigenen Position im Saal lag, dass etwa Schlagwerk und Rest des Orchesters nicht wirklich zu einem Ganzen verschmolzen. M\u00f6glicherweise ist das Orchestre National de Belgique, das einen kalorienreichen, grossz\u00fcgig-erdigen Klang pflegt, f\u00fcr die filigranen Farbwerte des Werkes nicht der ideale Klangk\u00f6rper. Vom Publikum wurde der \u00abCanto vagante\u00bb wohlgesinnt-zur\u00fcckhaltend aufgenommen. <\/p>\n<p> Da verstanden sich der Geiger Daniel Hope und das Orchester schon viel besser. Hope \u2013 der seine letzte CD ja auch dem historischen Kollegen Joseph Joachim gewidmet hat (siehe Codex-flores-<a href=\"http:\/\/212.60.37.143\/rezensionen_ind2.php?art=689\">Rezension<\/a>) pflegt ebenso einen physischen, eher schweren Ton. In Bruchs Violinkonzert, das auch von andern generell langsamer angegangen wird, als es die Tempoangaben (Allegro non troppo im ersten und dritten Satz) eigentlich suggerieren, wurde das Geschehen zwar nicht immer mit der n\u00f6tigen Energie und Pr\u00e4zision in Gang gebracht (Hope spielt das Werk auch auf der CD mit dem Royal Stockholm Philharmonic Orchestra fast schleppend). Im Adagio brachte er sein Instrument hingegen mit aussergew\u00f6hnlich lyrisch-innigem Ton in faszinierender Art zum Singen \u2013 zweifellsohne ein H\u00f6hepunkt des Abends. <\/p>\n<p> Originell die Zugabe: Hope dampfte dazu eine vom indischen Sitar-Spieler Ravi Shankar urspr\u00fcnglich f\u00fcr Yehudi Menuhin geschriebene Improvisation von epischer L\u00e4nge auf drei Minuten ein und zeigte so eher ungewollt, weshalb indische Musik soviel Zeit braucht, um in schnellen Passagen volle Wirkung zu entfalten: In dieser Schnappschussl\u00e4nge kann man diese Klanguniversen bloss zitieren, aber nicht replizieren.<\/p>\n<p> Francks Sinfonie ist hierzulande wenig zu h\u00f6ren. Es handelt sich in gewisser Weise um eine Art dreis\u00e4tziger Orgel-Simulation f\u00fcr Orchester, in der Harfen-Pizzicato-Mixturen \u2013 sie er\u00f6ffnen den langsamen Mittelsatz \u2013 umso \u00fcberraschender, ja fast schon frivol klingen. Der volle, dunkel-sinnliche Klang des Orchestre National de Belgique kam der Partitur in idealer Weise entgegen, der Gestaltungswille des Ensemble war unter der gelassen-souver\u00e4nen Stabf\u00fchrung Wellers auch deutlich ausgepr\u00e4gter als im Bruch-Konzert. <\/p>\n<p> Mit den Zugaben, dem Furiant aus Dvoraks sechster Sinfonie und \u00abMaruntel\u00bb aus Bartoks Rum\u00e4nischen Volkst\u00e4nzen, blieb das Ensemble, das vom Z\u00fcrcher Publikum mit viel Applaus bedacht wurde, auf ihm vertrautem \u00e4sthetischem Boden. <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>wb<\/em>)<\/span><\/p>\n<p><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 430px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">Tournee V der Migros Kulturprozent Classics, Tonhalle Z\u00fcrich, 26. April 2011. Orchestre National de Belgique, Walter Weller (Leitung), Daniel Hope (Violine), Thierry Roggen (Kontrabass), Rolf Urs Ringger: Canto vagante (UA), Max Bruch: Violinkonzert g-Moll op. 26, C\u00e9sar Franck: Sinfonie d-Moll<\/p>\n<p> Weitere Daten: Mittwoch, 27. April (Tonhalle St. Gallen), 28. April (Stadtcasino Basel), 28. April (Victoria Hall Genf).<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>25.04.2011 &#8212; Als eine Art schweizerisch-belgisches Freundschaftstreffen erwies sich der Auftritt des Orchestre National de Belgique im Rahmen der Migros&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[12],"tags":[],"class_list":["post-840","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-ereignisbesprechungen","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/840","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=840"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/840\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=840"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=840"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=840"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}