{"id":842,"date":"2014-01-12T13:31:55","date_gmt":"2014-01-12T13:31:55","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/12\/janina-fialkowska-und-das-mk-winterthur\/"},"modified":"2014-01-12T13:31:55","modified_gmt":"2014-01-12T13:31:55","slug":"janina-fialkowska-und-das-mk-winterthur","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/12\/janina-fialkowska-und-das-mk-winterthur\/","title":{"rendered":"Janina Fialkowska und das MK Winterthur"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"txt-m-black\">01.06.2011 &#8212; Es gibt bedeutende Ereignisse im Schweizer Musikleben, die unter der Radarreichweite der Publikumspresse stattfinden, sozusagen subkutan. Eines davon war der erste Schweizer Auftritt der Pianistin Janina Fialkowska, die auf dem europ\u00e4ischen Kontinent mit Chopin-Interpretationen aufgefallen ist und im Begriff steht, im Rahmen der Bayerischen Musikademie in Marktoberdorf einen j\u00e4hrlichen Meisterkurs zu etablieren \u2013 ennet der Grenze aber von hier aus problemlos erreichbar. In der angels\u00e4chsischen Welt hat die von Arthur Rubinstein namhaft gef\u00f6rderte Musikerin eine treue Fangemeinde.<\/p>\n<p> Ein Ereignis und nicht ein Event war dieser Einstand \u2013 zu verdanken hat man dies nicht zuletzt der \u00e4sthetischen Standhaftigkeit des Musikkollegiums Winterthur, das die Kanadierin nicht mit Chopin auf den Schild gehoben hat, sondern ihr Deb\u00fct hierzulande in eine Reverenz an die neuere polnische Klangkunst einbettete und damit Karol Szymanowski, dem Titan der polnischen Pianistik, ebenso Raum gab wie es dem in unseren Breitengraden kaum bekannten Juliusz Zarebski Geh\u00f6r verschaffte. Der Abend im Winterthurer Stadthaus wurde aber gar zum vierfachen Tribut.<\/p>\n<p> Mit dem Rezital verabschiedete sich im Weiteren n\u00e4mlich auch der Geiger Willi Zimmermann als Konzertmeister des Ensembles (er konzentriert sich k\u00fcnftig ganz auf die gleiche Aufgabe beim Z\u00fcrcher Kammerorchester). Auf Anregung von Zimmermanns polnischer Gattin Beata Checko-Zimmermann hin wiederum fand Zarebskis dicht gesetztes und damit auch physisch herausforderndes, impressionistisch-zukunftsweisendes Klavierquintett g-Moll op. 34 Eingang ins Programm des Abends \u2013 eine in Chopins und Liszts Klangkomos eingelegte Brahms-Form (die Zimmermanns bestritten den Violinpart, Beata Checko-Zimmermann atmete mit dem Verklingen des letzten Tones sichtbar auf, soviel Last \u2013 oder Liszt? \u2013 fiel da ab, auch wenn w\u00e4hrend der Wiedergabe der Eindruck gel\u00f6sten und intensiven Musizierens blieb. Das Werk ist eine Entdeckung und sollte auch hierzulande vermehrt den Weg aufs Podium finden.) <\/p>\n<p> Polnische Musik zum Staunen und Entdecken, ein Schweizer Einstand, eine Verabschiedung, und auch das noch: Zum Vierten erklangen da zum Auftakt in Witold Lutoslawskis <em>Trauermusik f\u00fcr Streicher \u2013 Musique fun\u00e8bre in memoriam B\u00e9la Bart\u00f3k<\/em> und vor allem in den mit aleatorischen Passagen durchzogenen <em>Jeux v\u00e9nitiens<\/em> akustische Architekturen, die sonst eher in Konzerten des Z\u00fcrcher Collegium Novum Luft und Raum erf\u00fcllen. <\/p>\n<p> Das Musikkollegium Winterthur (das zuletzt mit CD-Produktionen den Bogen von Mozart, Rheinberger und Schubert bis Schostakowitsch, Busoni und Bart\u00f3k gechlagen hat), ist da genauso zu Hause wie in barocken Oratorien. Die Kompetenzen werden ja auch geteilt: Mit Rahel Cunz hatte das Kollegium als Konzertmeisterin f\u00fcr Lutoslawksis venezianische Spiele etwa eine Schl\u00fcsselfigur, die auch Mitglied des Collegium Novum ist. <\/p>\n<p> Janina Fialkowska f\u00fcgte sich zun\u00e4chst fast beil\u00e4ufig ins Programm \u2013 mit Karol Szymanowskis Sinfonie Nr. 4, in der auch ein Klavier mittut. Das Musikkollegium Winterthur kennt allerdings eine Konzertform, in der eine \u00abNocturne\u00bb ans regul\u00e4re Programm anschliesst. <\/p>\n<p> Da machte die Kanadiern das Z\u00fcrcher Publikum auch noch mit drei Soloklavierwerken Szymanowskis aus verschiedenen Schaffensphasen bekannt, die dessen Werdegang vom Chopin-Erben (Et\u00fcde op.4\/3, 1900) bis zum ins Atonale ausgreifenden Virtuosen (<em>L\u2019ile des Sir\u00e8nes<\/em> aus <em>Metopen<\/em>, drei Dichtungen f\u00fcr Klavier solo von 1915) und schliesslich der Reduktion auf eine \u00e4sthetische Quintessenz (Mazurka op. 62\/1) nachzeichnete \u2013 was wiederum auf Chopin zur\u00fcckverwies, ist doch auch dessen letztes (fragmentarisches) Werk, die Mazurka op. 68 Nr.4, ein asketisch anmutendes Hyperdestillat.<\/p>\n<p> siehe auch:<br \/> <a href=\"http:\/\/212.60.37.143\/rezensionen_ind2.php?art=627\">Chopin-Rezital mit Janina Fialkowska<\/a><br \/> <a href=\"http:\/\/212.60.37.143\/popular.php?art=13\">Chopins Konzerte als intime Kammermusik<\/a><br \/> <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>cf<\/em>)<\/span><\/p>\n<p><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 430px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">Ein Polnischer Abend mit Janina Fialkowska. Stadthaus Winterthur, 26. Mai 2011. Musikkollegium Winterthur, Garry Walker (Leitung), Janina Fialkowska (Klavier). Witold Lutoslawski: Trauermusik f\u00fcr Streicher &#8211; Musique fun\u00e8bre in memoriam B\u00e9la Bartok (1958), Jeux v\u00e9nitiens. Karol Szymanowski: Sinfonie Nr. 4, op. 60 (Symphonie concertante) f\u00fcr Klavier und Orchester (1932). Juliusz Zarebski: Klavierquintett g-Moll, op. 34 (Violinen Willi Zimmermann, Beata Checko-Zimmermann Viola Severin Scheuerer Violoncello Anna Tyka-Nyffenegger Klavier Carl Wolff). <\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>01.06.2011 &#8212; Es gibt bedeutende Ereignisse im Schweizer Musikleben, die unter der Radarreichweite der Publikumspresse stattfinden, sozusagen subkutan. 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