{"id":846,"date":"2014-01-12T13:34:08","date_gmt":"2014-01-12T13:34:08","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/12\/das-tonhalle-orchester-und-die-wiener-sinfonik\/"},"modified":"2014-01-12T13:34:08","modified_gmt":"2014-01-12T13:34:08","slug":"das-tonhalle-orchester-und-die-wiener-sinfonik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/12\/das-tonhalle-orchester-und-die-wiener-sinfonik\/","title":{"rendered":"Das Tonhalle-Orchester und die Wiener Sinfonik"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"txt-m-black\">28.09.2011 &#8212; Eigentlich h\u00e4tte der Oboist Heinz Holliger das Z\u00fcrcher Tonhalle-Orchester auf der ersten Tournee der Migros-Kulturprozent-Classics der Saison 2011\/12 begleiten sollen. Der renommierte Musiker ist allerdings krank. Er musste schon auf die Teilnahme an einem Jubil\u00e4umskonzert zu seinen Ehren des Lucerne Festivals im Sommer 2011 verzichten. Er h\u00e4tte das Oboenkonzert von Richard Strauss von 1945 interpretiert, was in Kombination mit Mahlers 1904 uraufgef\u00fchrten F\u00fcnften eine Art Ecksprung durch den Herbst der deutschen Sp\u00e4tromantik ergeben h\u00e4tte. Statt Strauss gab\u2019s nun Schuberts \u00abUnvollendete\u00bb und damit eine ganz andere, aber nicht minder anregende Programmidee.<\/p>\n<p> Eckpfeiler der deutschen romantischen Sinfonik, hier speziell der wienerischen Sorte. Das ist so etwas wie die Kernkompetenz des Tonhalle-Orchesters unter seinem Chefdirigenten David Zinman. Es hat die sinfonischen Werke von Richard Strauss und Gesamtzyklen der Sinfonien Beethovens, Brahms\u2019, Mahlers und Schumanns eingespielt. Daf\u00fcr hat es verdienterweise immer ausserordentlich viel Lob eingeheimst. Zur Zeit arbeitet es an einer Gesamtaufnahme der Schubert-Sinfonien. Der Abend war also so etwas wie eine \u00e4sthetische Visitenkarte des Ensembles. <\/p>\n<p> Schuberts \u00abUnvollendete\u00bb erklang da in sinnlich-seidigem Gewand, in erster Linie geschneidert von den Streichern, mit hoher Pr\u00e4zision, vital und mit einer Transparenz, die eher auf franz\u00f6sische Orchestertradition verwies, denn auf brokatene, hintergr\u00fcndige und schwelgerische Wiener Musse \u2013 ein fast etwas zu filigraner und durchsichtiger Schubert. Sch\u00f6n und stimmig allerdings, wie er mit der vibratolosen ppp-Violinlinie und einem vollkommen unspektakul\u00e4ren Abgang des Bl\u00e4serkollektivs am Schluss des zweiten Satzes kein Ende vorgaukelte, sondern auf weiteres verwies. Das hat Schubert, wie\u2019s der \u00dcbername der Sinfonie verdeutlicht, eben nicht mehr nachgeliefert. <\/p>\n<p> Mahlers F\u00fcnfte wirkte nach einem solchen Ausklang auch nach der Pause noch wie ein Schock. Das mit der Partitur exzellent vertraute Orchester sezierte selbst die bizarren und grotesken Stellen des gewaltigen Werkes mit teils atemraubender Pr\u00e4zision (auch wenn es in den Tenorregistern von H\u00f6rnern und Celli einige unerhebliche Unsauberkeiten gab). Im richtigerweise nicht wie sonst gerne \u00fcblich zu schnell genommenen Scherzo blies Ivo Gass, der Solohornist des Tonhalle-Hausensembles, den obligaten Part als Solist vor dem Orchester in souver\u00e4ner Art.<\/p>\n<p> Einen H\u00f6hepunkt des Abends bildete das mit Viscontis Film \u00abTod in Venedig\u00bb zur Ikone gewordene Adagietto, f\u00fcr das sich die Streicher des Tonhalle-Orchester (ohne zu schleppen, Mahler w\u00fcrde es verdanken) viel Zeit nahmen und dabei eine Intensit\u00e4t erreichten, die den ganzen Satz zu \u00fcberspannen vermochte. <\/p>\n<p> Bei aller orchestraler Virtuosit\u00e4t, die mit der Sinfonie zelebriert wurde, blieb allerdings, wie schon mit dem Ohr an der Schubert-Wiedergabe, der Eindruck, dass hier eine hintergr\u00fcndige Dimension des Schaurig-Morbiden und Schmachtenden, das die Musik der Donaustadt so unverwechselbar macht, dem pr\u00e4zis-luziden Ausputz zum Opfer fiel. Die Tonhalle-Zinman-Lesart von Mahler und Schubert mutete fast etwas zu vital und perfektionistisch an. <\/p>\n<p> Das Z\u00fcrcher Publikum, das seinem Orchester selbst bei diesem paradoxen Heimspiel auf einer Tournee \u2013 im Rahmen der Migros Kulturprozent Classics gastiert das Ensemble noch in St. Gallen, Genf und Basel \u2013 einen vollen Saal bescherte, feierte selbiges st\u00fcrmisch. V\u00f6llig zu recht. <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>wb<\/em>)<\/span><\/p>\n<p><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 430px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">Tonhalle Z\u00fcrich, Dienstag, 27. September 2011, Migros-Kulturprozent-Classics, Tournee I. Tonhalle-Orchester Z\u00fcrich, David Zinman (Leitung). Franz Schubert: 8. Sinfonie (Unvollendete), h-Moll D759; Gustav Mahler: 5. Sinfonie. <\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>28.09.2011 &#8212; Eigentlich h\u00e4tte der Oboist Heinz Holliger das Z\u00fcrcher Tonhalle-Orchester auf der ersten Tournee der Migros-Kulturprozent-Classics der Saison 2011\/12&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[12],"tags":[],"class_list":["post-846","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-ereignisbesprechungen","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/846","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=846"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/846\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=846"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=846"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=846"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}