{"id":849,"date":"2014-01-12T13:36:34","date_gmt":"2014-01-12T13:36:34","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/12\/das-orchestre-national-de-france-in-bern\/"},"modified":"2014-01-12T13:36:34","modified_gmt":"2014-01-12T13:36:34","slug":"das-orchestre-national-de-france-in-bern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/12\/das-orchestre-national-de-france-in-bern\/","title":{"rendered":"Das Orchestre National de France in Bern"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"txt-m-black\"><strong>22.03.2012 &#8212; Im Kultur-Casino Bern demonstrierte das Orchestre National de France im Rahmen der Migros-Kulturprozent-Classics, was f\u00fcr eine berauschende Wirkung authentischer franz\u00f6sischer Orchesterklang haben kann.<\/strong><\/p>\n<p> Es h\u00e4tte auch Ravels \u00abBolero\u00bb sein k\u00f6nnen. War\u2019s aber nicht. Oder Debussys \u00abPr\u00e9lude \u00e0 l&#8217;apr\u00e8s-midi d&#8217;un faune\u00bb. War\u2019s auch nicht. Das Orchestre National de France w\u00e4hlte f\u00fcr seine Migros-Kulturprozent-Classics-Tournee durch Schweizer St\u00e4dte weniger bekannte Werke \u2013 eine \u00e4sthetische Visitenkarte ohne Konzessionen. Belohnt wurde man mit einem faszinierenden Ohr voll franz\u00f6sisches Fin de Si\u00e8cle. Die Berner, die trotz dem Verzicht des Ensembles auf die Repertoire-Reisser f\u00fcr ein beinahe volles Kultur-Casino sorgten, waren gut beraten, gut hinzuh\u00f6ren, hat doch Mario Venzago, der Chefdirigent des Berner Symphonieorchesters versprochen, in der Bundesstadt k\u00fcnftig eine franz\u00f6sische Klangkultur zu pflegen.<\/p>\n<p> Und, nun ja: <em>So<\/em> muss das klingen. Was dieser grosse Orchesterapparat in der vornehmlich in Pianos und Pianissimi gehaltenen Partitur von Gabriel Faur\u00e9s Orchestersuite \u00abP\u00e9lleas et M\u00e9lisande\u00bb an pr\u00e4zisen Klangvaleurs und Stimmungen in den Saal zauberte, war atemraubend (und noch viel mehr die wuchtig aufbl\u00fchenden Tutti-Crescendi in Ravels \u00abDahnis et Chlo\u00e9\u00bb).<\/p>\n<p> Dass das Konzert in Bern Event-Charakter hatte, liegt aber nicht zuletzt auch daran, dass der Solist des Abends, der Cellist Antonio Meneses, seit 2008 an der dortigen Hochschule der K\u00fcnste unterrichtet. Einen idealeren Partner f\u00fcr die Wiedergabe von Camille Saint-Sa\u00ebns erstem Cellokonzert h\u00e4tte nicht gefunden werden k\u00f6nnen. Meneses kultiviert \u2013 abseits der Mode, die kantige, rohe und angriffige T\u00f6ne favorisiert \u2013 einen seidig-transparenten, sanften Ton, der sich perfekt in die schimmernden, bebenden und irisierenden Texturen des Orchesters einf\u00fcgte. F\u00fcr den verdienten Applaus bedankte er sich mit den schlichten Bour\u00e9e I und II aus Bachs dritter Sonate f\u00fcr Cello solo in C-Dur als Zugabe. <\/p>\n<p> Nach Debussys \u00abJeux\u00bb zeigten nicht zuletzt die Holzbl\u00e4ser, zu welchem subtil-dunklen Schattierungen sie im untergr\u00fcndigen W\u00fchlen der Klangwerdung in Ravels Suite f\u00e4hig sind, und wie perfekt sich da Streichereffekte und Bl\u00e4ser zu einem Ganzen f\u00fcgen. Daniele Gatti, der zur Zeit noch das Orchester des Z\u00fcrcher Opernhauses leitet, f\u00fchrte den Klangk\u00f6rper umsichtig, unaffektiert und souver\u00e4n. <\/p>\n<p> Das Programm war auch als kulturelles Bekenntnis zu verstehen. Definierte sich die deutsche Musik Ende des 19. Jahrhunderts vor allem durch den Logos der sinfonischen Strukturarbeit, findet sich die Seele der franz\u00f6sischen im Eros des Balletts (Debussy, Ravel) und Theaters (Faur\u00e9). <\/p>\n<p> Als Orchester-Zugabe gab\u2019s dann doch noch Deutsches, aber auch da nicht der grosse Reisser, sondern verhalten Hintergr\u00fcndiges. Aus Wagners \u00abMeistersinger zu N\u00fcrnberg\u00bb w\u00e4hlte Gatti nicht die schmissige Ouvert\u00fcre, sondern die aus dem Celloklang aufbl\u00fchende ruhige Reflektion des Vorspiels zum dritten Aufzug. Da zeigte sich denn auch, wie nahe im Klangempfinden sich Franzosen und Deutsche trotz aller polemischen Nationalismen dannzumal waren. <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>wb<\/em>)<\/span><\/p>\n<p><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 430px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">21. M\u00e4rz 2012, Kultur-Casino Bern. Orchestre National de France, Daniele Gatti (Leitung), Antonio Meneses (Violoncello). Gabriel Faur\u00e9: \u00abP\u00e9lleas et Meilsande\u00bb, Suite f\u00fcr Orchester op.80; Camille Saint-Sa\u00ebns: Konzert f\u00fcr Violoncello und Orchester Nr.1 a-Moll, op.33, Claude Debussy: \u00abJeux\u00ab, Po\u00e8me dans\u00e9; Maurice Ravel: \u00abDahnis et Chlo\u00e9\u00bb, Orchestersuite Nr. 2. <\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>22.03.2012 &#8212; Im Kultur-Casino Bern demonstrierte das Orchestre National de France im Rahmen der Migros-Kulturprozent-Classics, was f\u00fcr eine berauschende Wirkung&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[12],"tags":[],"class_list":["post-849","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-ereignisbesprechungen","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/849","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=849"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/849\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=849"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=849"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=849"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}