{"id":851,"date":"2014-01-12T13:37:36","date_gmt":"2014-01-12T13:37:36","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/12\/tournee-des-moscow-virtuosi-chamber-orchestra\/"},"modified":"2014-01-12T13:37:36","modified_gmt":"2014-01-12T13:37:36","slug":"tournee-des-moscow-virtuosi-chamber-orchestra","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/12\/tournee-des-moscow-virtuosi-chamber-orchestra\/","title":{"rendered":"Tournee des Moscow Virtuosi Chamber Orchestra"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"txt-m-black\">25.04.2012 &#8212; Das globale Musikleben ist mittlerweile ein recht belebter Jahrmarkt. Da kann es geschehen, dass das scheinbar Konventionelle zum Exotischen wird, wie ja auch das Exaltierte mit der Zeit zum <em>D\u00e9j\u00e0 entendu<\/em> mutieren kann. Solche Dinge gehen einem durch den Kopf, ist man mit einem Programm konfrontiert, dass Vivaldis <em>Vier Jahreszeiten<\/em> (und ein Cellokonzert des Prete rosso) mit Tschaikowskys <em>Souvenir de Florence<\/em> kombiniert und als Zugaben die in solchem Umfeld \u00fcblichen Verd\u00e4chtigen nachschiebt \u2013 ein Satz (Sarabende) aus einer Cello-Solosonate Bachs, einer von Brahms Ungarischen T\u00e4nzen und \u2013 zum Gipfel der Gem\u00fctswallungen \u2013 Bachs <em>Air<\/em>.<\/p>\n<p> Das Moscow Virtuosi Chamber Orchestra, das im Rahmen einer Tournee der Migros-Kulturprozent-Classics in der Schweiz gastierte, h\u00e4lt nicht viel von historisch-kritisch munitionierten Wiederauferstehungen barocker Konzertgepflogenheiten. Zu Vivaldi gibt\u2019s bloss andeutungsweise ein Basso continuo, der Erste Cellist tut\u2019s auch, das Cembalo parf\u00fcmiert den Klang eher, als dass es Mixturen kreiert, und w\u00e4hrend dem Cellokonzert ist es so diskret hinter dem Kammerensemble verborgen, dass fast nichts davon durchdringt. F\u00fcr die \u00abVier Jahreszeiten\u00bb zielt\u2019s aus dem Zentrum des Orchsters dann zwar auff\u00e4llig und fast wie eine Kanone direkt in den Zuschauersaal. Akustisch pr\u00e4senter wird es dadurch aber kaum.<\/p>\n<p> Es ist die Stunde der Streicher. Das Orchester und sein Dirigent Vladimir Simkin halten allerdings auch eine Tradition hoch \u2013 die klangselige, vibratogetriebene des 20. Jahrhunderts. Das aber tun sie mit hoher Pr\u00e4zision und technischer Sicherheit. In Vivaldis Cellokonzert c-Moll RV 401 gibt das dem jungen Schweizer Cellisten David Pia die Gelegenheit, weitgehend unbedr\u00e4ngt von einem eigensinnigen Begleitkollektiv mit musikantischer Spiellust und technischer Souver\u00e4nit\u00e4t aufzutrumpfen. Ein sympathischer Auftakt zum Abend im Basler Stadtcasino.<\/p>\n<p> Tschaikowskys Streichsextett in der Kammerensemble-Version l\u00e4sst den Funken nicht sogleich springen, obwohl die Moskauer Virtuosen mit russischer Seele reinen Herzens ja so etwas wie die nat\u00fcrlichen Botschafter dieser Musik sind. (Unter den gut zwei Dutzend Herren des Orchesters z\u00e4hlt man gerade mal zwei Frauen, auch das sei nicht verschwiegen. In unseren L\u00e4ngengraden gew\u00f6hnt man sich mittlerweile eher an ein umgekehrtes Verh\u00e4ltnis. Ob\u2019s den Klang beeinflusst \u2013 wer weiss?) Sp\u00e4testens die wandernden Pizzicato-Effekte bringen die Freude an der Musikantik dann aber doch \u00fcber den Podiumsrand. <\/p>\n<p> Durch alle vier Jahreszeiten wandert schliesslich die amerikanisch-koreanische Violinistin Sarah Chang. Das Ohr voll mit Neudeutungen des Zyklus (etwa durch Sol Gabetta auf dem Cello, Nigel Kennedy mit dem Orchestra of Life oder dem mit allen historischen Finessen vertrauten Giuliano Carmignola und so weiter und so fort) muss man in den klang\u00fcppigen Interpretationen Changs zun\u00e4chst die Ohren wieder frei machen von Erwartungen \u2013 diesmal aber eben nicht der sp\u00e4tromantischen Konventionen, sondern der mittlerweile auch recht gealterten und selber zu Gemeinpl\u00e4tzen gewordenen Klischees des historisch-informierten Musizierens. <\/p>\n<p> Chang t\u00e4nzelt hin und her und dialogisiert auf dem Podium mit den als Mitsolisten amtierenden Stimmf\u00fchrern des Orchesters. Mit der Zeit belebt sich der venezianische Klangkosmos und zieht auch den H\u00f6rer in den Sog einer urmusikantischen Virtuosit\u00e4t, die fern aller Fragen \u00abrichtiger\u00bb Interpretation einfach exzellent geschriebene Musik kongenial zum Leben erweckt. <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>wb<\/em>)<\/span><\/p>\n<p><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 430px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">22.April 2012, Stadtcasino Basel, Tournee V der Migros-Kulturprozent-Classics, Moscow Virtuosi Chamber Orchestra, Vladimir Simkin (Leitung), Sarah Chang (Violine), David Pia (Violoncello), Vivaldi: Cellokonzert c-Moll RV 401, Die Vier Jahreszeiten Nr. 1-4 op.8, Tschaikowsky: \u00abSouvenir de Florence\u00bb, Streichsextett c-moll op. 70. <\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>25.04.2012 &#8212; Das globale Musikleben ist mittlerweile ein recht belebter Jahrmarkt. 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