{"id":853,"date":"2014-01-12T13:38:36","date_gmt":"2014-01-12T13:38:36","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/12\/kaspar-ewalds-exorbitantes-kabinett-in-basel\/"},"modified":"2014-01-12T13:38:36","modified_gmt":"2014-01-12T13:38:36","slug":"kaspar-ewalds-exorbitantes-kabinett-in-basel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/12\/kaspar-ewalds-exorbitantes-kabinett-in-basel\/","title":{"rendered":"Kaspar Ewalds Exorbitantes Kabinett in Basel"},"content":{"rendered":"<table cellpadding=\"10\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"430\"><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\"><br \/><strong>10.05.2012 &#8212; Jazz, Klassik, Neue Musik und keine Schnittmenge? Nicht f\u00fcr Kaspar Ewald: Der Basler Komponist, der im M\u00e4rz mit dem Credit Suisse Award for Best Teaching ausgezeichnet worden ist, vereint die drei Stile sowohl in der Zusammensetzung seines \u00abExorbitanten Kabinetts\u00bb wie auch in seinen Werken.<\/strong><\/p>\n<p><\/span><\/span><center><em>von Meret Michel<\/em><\/center><span class=\"txt-m-black\"><br \/> Freitagnachmittag, Zimmer Nummer 004 in einem Geb\u00e4ude der Z\u00fcrcher Hochschule der K\u00fcnste. Hier treffe ich den Komponisten und Kompositionslehrer Kaspar Ewald zu einem Gespr\u00e4ch. Ewald, der mich herzlich begr\u00fcsst, hat sich als Komponist und Gr\u00fcnder des Ensembles Kaspar Ewalds Exorbitantes Kabinett einen Namen gemacht \u2013 besonders durch seine F\u00e4higkeit, mit Elementen aus Klassik, Neuer Musik und Jazz eine Musik zu schaffen, die groovt, gl\u00fcht, und immer mal wieder eine \u00dcberraschung bereit h\u00e4lt, ohne dabei auf Platit\u00fcden zur\u00fcckzugreifen.<\/p>\n<p> <strong>Zweite Heimat im Gep\u00e4ck<\/strong><\/p>\n<p> Sowohl Jazz als auch Klassik haben Ewald von sehr fr\u00fch an begleitet: Aufgewachsen ist er in einem \u00abklassischen Haushalt\u00bb, die Mutter Klavierlehrerin, der Vater Hobby-Cellist. Doch schon in fr\u00fchester Kindheit hatte ihn das Schlagzeug magisch angezogen: \u00abDie Faszination f\u00fcr den Rhythmus hat mir niemand mitgegeben. Wenn bei uns auf dem Dorf fr\u00fcher eine Gugge vorbeikam, und nur \u2039Blau, blau blau bl\u00fcht der Enzian\u203a spielte, war ich schon begeistert, einfach wegen des Schlagzeugs\u00bb erz\u00e4hlt Ewald, und erkl\u00e4rt: \u00abEs ist wie jemand, der in der zweiten Generation in der Schweiz aufw\u00e4chst, aber noch Italienisch im Gep\u00e4ck hat, da kann man auch nicht sagen, wo die wahre Heimat liegt\u00bb. <\/p>\n<p> Mit Komponieren angefangen hat Ewald bereits als Kind. \u00abRichtig ernst wurde es nach dem Gymnasium. Zum zwanzigsten Geburtstag schenkte ich mir eine Big Band, um St\u00fccke zu schreiben, zu arrangieren und aufzuf\u00fchren. \u00abDies war sozusagen mein kompositorischer Sandkasten, und interessanterweise war die Formation damals recht \u00e4hnlich wie die des heutigen Kabinetts. Als ich dann 1990 mein Studium anfing, hatte ich etwas wie einen akademischen Schock\u00bb.<\/p>\n<p> Das Gef\u00fchl, nichts Neues mehr machen zu k\u00f6nnen, dass es alles schon gegeben hat, brachte Ewald dazu, in der ersten Phase seines Studiums ganz auf das Komponieren zu verzichten \u2013 stattdessen setzte er sich intensiv mit der abstrakten Musik des 20. Jahrhunderts auseinander. \u00abDiese Musik hat mich zwar irritiert, doch hatte ich nicht wie andere das Gef\u00fchl, dass sie sinnlos ist\u00bb. Seine Kompositionslehrer waren Roland Moser und sp\u00e4ter Detlev M\u00fcller-Siemens, ein Sch\u00fcler Ligetis. Sie f\u00fchrten ihn in diese Welt der konstruktiven Musik ein.<\/p>\n<p> <strong>Unterschiedliche Welten, gegenseitiges Misstrauen<\/strong><\/p>\n<p> Trotz seiner Faszination f\u00fcr die Neue Musik und ihre Techniken, fand sich Ewald aber auch in einem st\u00e4ndigen Konflikt mit dem Anspruch, die einzig wahre Form von \u00c4sthetik gefunden zu haben. Alles, was schon mal existiert hatte oder auch alles, was zu tonal war, wurde rigoros abgelehnt \u2013 eine st\u00e4ndige Neuerfindung der Musik war das Credo.<\/p>\n<p> In dieser Doktrin, welche nur atonale Musik zuliess, blieb kein Platz f\u00fcr Jazz oder die Klassik des 18. Jahrhunderts. Doch Ewald, der sich im Jazz genauso zu Hause f\u00fchlt wie in der Neuen Musik, vermochte diesen nie ganz aus seinem Kosmos zu verbannen: \u00abIrgendwo groovte es immer mal wieder dazwischen\u00bb. <\/p>\n<p> Doch Misstrauen gegen\u00fcber anderen Musikrichtungen war nicht nur unter Vertretern der Neuen Musik verbreitet. Auch Jazzer haben Vorurteile gegen\u00fcber der Klassik: \u00abIch habe schon w\u00e4hrend des Studiums immer Leute um mich geschart, die sich sowohl f\u00fcr Jazz wie auch Klassik interessiert haben. Und obwohl man meinen k\u00f6nnte, dass die Klassiker dabei immer die Kritischen waren und die Jazzer die Offenen, so war es doch oft gerade umgekehrt. Heute haben aber auch die Jazzer gemerkt, dass auch die Klassik viel Interessantes zu bieten hat. Den Austausch zwischen den beiden zu f\u00f6rdern, ist mir daher wichtig\u00bb.<\/p>\n<p> Welches Bild aber hat Ewald von diesen verschiedenen Stilrichtungen, sind die Unterschiede \u00fcberhaupt relevant f\u00fcr ihn? \u00abNat\u00fcrlich kommt es vor allem bei Auftragskompositionen darauf an, f\u00fcr wen ich ein St\u00fcck schreibe. Allein schon durch die Zusammensetzung der Musiker ist ein bestimmter Rahmen ja bereits gegeben\u00bb, so Ewald. \u00abWenn ich f\u00fcr eine Big Band komponiere, denke ich automatisch in Groove- und Funk-Elementen, und umgekehrt schreibe ich f\u00fcr eine Oper eher klassisch. Aber egal in welchem Stil ich gerade komponiere, es kann jederzeit auch etwas der anderen Welt hineinfliessen\u00bb. <\/p>\n<p> Den Unterschied zwischen den Musikrichtungen sieht Ewald \u00abin der Art, in welcher man seinem Gef\u00fchl in der Musik Ausdruck verleiht\u00bb. So kann sich beispielsweise ein Klassik-H\u00f6rer an der Art st\u00f6ren, wie der Rocks\u00e4nger ins Mikrophon schreit, und umgekehrt kann vielleicht ein Jazzer den inbr\u00fcnstigen Ton des Operns\u00e4ngers nicht verstehen. \u00abIm Kern ist es aber letztlich das Gleiche, was ausgedr\u00fcckt wird. Einfach auf zwei v\u00f6llig unterschiedliche Arten\u00bb. Wenn Ewald Musik h\u00f6rt, spielt es ihm keine Rolle, auf welche Weise etwas musikalisch ausgedr\u00fcckt wird: das Gef\u00fchl, das es bei ihm ausl\u00f6st, ist dasselbe. <\/p>\n<p> <strong>Ein Baukasten mit vielseitigen Werkzeugen<\/strong><\/p>\n<p> So kann Ewald beim Komponieren nach Belieben auf die Techniken der verschiedenen Stilrichtungen zur\u00fcckgreifen und sie kombinieren. Als Beispiel nennt er das Kreieren von Groove- oder Klangelementen mit der konstruktiven Bauweise Neuer Musik: \u00abMan kann beispielsweise einen Rhythmus konstruieren, indem man lediglich Sechzehntel und Achtel in F\u00fcnfergruppen einteilt und sie nacheinander verschieden anordnet. So schafft man zun\u00e4chst ein Rhythmusmuster, und pr\u00fcft erst in einem zweiten Schritt, ob es auch gl\u00fcht und befl\u00fcgelt\u00bb. <\/p>\n<p> Dies unterscheidet ihn von den Klassikern des 20. Jahrhunderts: Musik darf gefallen und soll dies auch d\u00fcrfen. Die Faszination, auf unkonventionelle Art und Weise neue Klangwelten zu schaffen, verbindet ihn wiederum mit den Vertretern der Neuen Musik. <\/p>\n<p> F\u00fcr Ewald ist es aber keine Vorschrift, alle Regeln zu verwerfen und st\u00e4ndig etwas noch nie Dagewesenes zu erfinden, sondern ein Mittel zum Zweck: um eine Musik zu schaffen, die innovativ ist und ungew\u00f6hnlich klingt, aber gleichzeitig eing\u00e4ngig und verst\u00e4ndlich ist. Auf diese Weise transformiert er die Groove-Elemente des Jazz mithilfe technischer Konstruktionsweisen der abstrakten neuen Musik zu einem v\u00f6llig neuen Stil, die Grenzen zwischen den Genres verschwinden zusehend. <\/p>\n<p> So kann man Ewald als Br\u00fcckenbauer zwischen Jazz, Klassik und abstrakter Neuer Musik sehen: Einer, der sich in all diesen Stilen zu Hause f\u00fchlt, sie zwar als unterschiedliche Welten wahrnimmt und unterscheidet, sie aber letztlich als Teil eines Ganzen sieht. Diese Philosophie findet sich nicht nur in Ewalds Kompositionen, auch der zusammengew\u00fcrfelte Haufen aus Jazzern und Klassikern seines Ensembles widerspiegelt sie. <\/p>\n<p> Ausserdem versucht er, auch seinen Kompositionsstudenten diesen Gedanken weiterzugeben: \u00abIch m\u00f6chte nicht Leute heranz\u00fcchten, die genau gleich komponieren wie ich. Vielmehr glaube ich, der Job des Kompositionslehrers besteht darin herauszufinden, wo es den einzelnen hinzieht, und ihn dabei zu f\u00f6rdern. Ich muss nicht versuchen, jemandem den Groove aufzudr\u00e4ngen, wenn er sich f\u00fcr ganz anderes interessiert\u00bb. <\/p>\n<p> Das Jubil\u00e4umskonzert, welches am 12. Mai im Basler Gare du Nord realisiert wird, ist daf\u00fcr bezeichnend: \u00abObwohl in dieser Klasse eigentlich alle einen Hang zum Jazz haben, und durch die Zusammensetzung des Ensembles ein gewisser Stil vorgegeben ist, stellen die sechs St\u00fccke, die aufgef\u00fchrt werden, sechs komplett verschiedene Herangehensweisen dar\u00bb.<\/p>\n<p> Das Konzert ist kr\u00f6nender Abschluss der Konzertreihe des Exorbitanten Kabinetts im Gare du Nord. Und obwohl diesmal nicht die Werke Ewalds im Zentrum stehen, so ist es doch bildhaft f\u00fcr seine Vereinigung verschiedenster Musikrichtungen zu einem neuen Ganzen. <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>mm<\/em>)<\/span><\/p>\n<p><center> <\/p>\n<table style=\"width: 430px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><span class=\"txt-s-black\">Vorschau auf: Gare du Nord, 12. Mai 2012, Reihe Kaspar Ewalds Exorbitantes Kabinett \u00abGesellenst\u00fccke\u00bb Die Kompositionsklasse von Kaspar Ewald stellt sich vor: Kilian Deissler, Pascal Destraz, B\u00e4nz Isler, Richard Kind, Roman Lerch und Sandra Stadler.<\/p>\n<p> siehe auch<br \/> <a href=\"http:\/\/www.keek.ch\" target=\"blank\" rel=\"noopener noreferrer\">www.keek.ch<\/a> (Kaspar Ewalds Exorbitantes Kabinett)<br \/> <a href=\"http:\/\/www.garedunord.ch\" target=\"blank\" rel=\"noopener noreferrer\">www.garedunord.ch<\/a> (Gare du Nord) <\/span><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>10.05.2012 &#8212; Jazz, Klassik, Neue Musik und keine Schnittmenge? 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