{"id":856,"date":"2014-01-12T13:40:23","date_gmt":"2014-01-12T13:40:23","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/12\/tschaikowsky-sinfonieorchester-moskau-in-bern\/"},"modified":"2014-01-12T13:40:23","modified_gmt":"2014-01-12T13:40:23","slug":"tschaikowsky-sinfonieorchester-moskau-in-bern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/12\/tschaikowsky-sinfonieorchester-moskau-in-bern\/","title":{"rendered":"Tschaikowsky Sinfonieorchester Moskau in Bern"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"txt-m-black\">27.10.2012 &#8212; Die russische Orchesterlandschaft ist voller Klangk\u00f6rper mit klingenden Namen, aber eher nebul\u00f6ser Existenz. Das Tschaikowsky Sinfonieorchester Moskau geh\u00f6rt nicht dazu. Es ist klar verortbar, als urspr\u00fcngliches Radiosinfonierorchester, das heisst als eine Art Pendant zu westlichen Ensembles wie dem SWR Sinfonieorchester, dem hr-Sinfonieorchester oder dem Radio-Sinfonieorchester Basel. Es wird \u2013 eine halbe Ewigkeit im heutigen schnelllebigen Konzertbetrieb \u2013 seit 1974 von Vladimir Fedoseyev geleitet. Auch sein Vorg\u00e4nger, Gennady Rozhdestvensky, war eine Ikone der russischen Dirigierkunst. <\/p>\n<p> So staatstragend wie das Orchester war anl\u00e4sslich seines Berner Auftrittes auch das Programm grundsolide nach dem Muster \u00abOuvert\u00fcre, Konzert, Sinfonie\u00bb gestrickt, mit Reverenzen an zwei hyperpopul\u00e4re Komponisten des 19. Jahrhunderts: Beethoven und (naheliegenderweise) Tschaikowsky. Bew\u00e4hrtes also, das jedes Orchester schon oft rauf- und runtergespielt haben d\u00fcrfte (ausser vielleicht der \u00abManfred-Sinfonie\u00bb, die im Vergleich zu den grossen Bekenntnis-Sinfonien Tschaikowskys wohl eher selten gesetzt ist). <\/p>\n<p> Dennoch oder vielleicht deswegen gerieten die Beethoven-Interpretationen des Orchesters eher entt\u00e4uschend. In die Wiedergabe der dritten Leonoren-Ouvert\u00fcre schlich sich manche Ungenauigkeit, eine eher pauschale Dynamik, auch etliche leichte Intonationstr\u00fcbungen, vor allem in den Bl\u00e4serpartien, so dass man streckenweise den Eindruck erhielt, man habe eben einen dieser mit Freelancern best\u00fcckten russischen Klangk\u00f6rper vor sich, die ab und zu durch die westlichen Konzerts\u00e4le touren. <\/p>\n<p> Aussergew\u00f6hnlich blieb so vor allem die im wesentlichen deutsche Orchesteraufstellung, bei der aber die acht Kontrab\u00e4sse in der hintersten Reihe nebeneinander aufgereiht so etwas wie eine akustische Abschlussmauer bildeten und auch optisch (vor allem in Pizzicati-Partien) ein durchaus reizvolles Bild ergeben. Gespielt wird so auch bei den Wiener Symphonikern, die Fedoseyev um die Jahrtausendwende ebenfalls geleitet hat.<\/p>\n<p> Der gerade erst 20-j\u00e4hrige Schweizer Pianist Teo Gheorghiu vermochte mit Beethovens erstem Klavierkonzert denn auch nicht mehr als eine durchaus \u00fcberzeugende Talentprobe abzugeben. Von Orchester und Solist war wenig an gemeinsamem, tieferlotendem Gestaltungswillen sp\u00fcrbar. Gerade mit einem solchen Werk d\u00fcrfte Gheorghiu \u00fcber mehr Potential verf\u00fcgen; zumindest l\u00e4sst sich das daraus schliessen, dass er 2009 mit einem \u00abBeethoven-Ring\u00bb ausgezeichnet worden ist. <\/p>\n<p> F\u00fcr den freundlichen Applaus des Publikums im restlos ausverkauften Saal bedankte er sich \u2013 nach etwas Z\u00f6gern? \u2013 mit Rachmaninows Bearbeitung von Fritz Kreislers \u00abLiebesleid\u00bb. Es war in Sachen Spiellust und musikalischer Feinzeichnung einer der H\u00f6hepunkte des Abends. <\/p>\n<p> Russische Orchester haben den klischierten Ruf dessen, was man im Fussball als \u00abTurniermannschaften\u00bb bezeichnen w\u00fcrde, als Kollektive n\u00e4mlich, die sich, kommt\u2019s darauf an, aus dem Moment heraus in einen Rausch spielen k\u00f6nnen. Erinnert an das Klischee wurde man, je weiter nach der Pause die Wiedergabe von Tschaikowskys \u00abManfred\u00bb-Sinfonie voranschritt. <\/p>\n<p> Nach den ersten Blechorgien am Ende des ersten Satzes schien der Bann gebrochen. So massig, wie das Orchester auftrumpfen konnte, so filigran war es auch in der Lage, eine hypnotisierende Pianissimo-Kultur zu entwickeln \u2013 vor allem in den bei Tschaikowsky so charakteristischen, beinahe ins Unh\u00f6rbare absinkenden Stillst\u00e4nden des sinfonischen Geschehens. Da h\u00f6rte man vom Klangk\u00f6rper, der den Namen des Komponisten tr\u00e4gt, russische Romantik vermutlich in realexistierender Authentizit\u00e4t. <\/p>\n<p> Als Orchesterzugaben gab\u2019s ein nach \u00abManfred\u00bb kontrastreiches, aber vergn\u00fcgliches kammermusikalisches \u00abEcho eines Walzers\u00bb des 1998 verstorbenen Georgy Vasilyevich Sviridov und schliesslich auch noch etwas \u00abSchwanensee\u00bb, n\u00e4mlich den \u00abSpanischen Tanz\u00bb aus dem Tschaikowsky-Ballett. <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>ws<\/em>)<\/span><\/p>\n<p><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 430px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">26. Oktober 2012, Kultur-Casino Bern. Tschaikowsky Sinfonieorchester Moskau, Vladimir Fedoseyev (Leitung), Teo Gheorghiu (Klavier). Beethoven: 3. Leonoren-Ouvert\u00fcre, 1. Klavierkonzert; Tschaikoswky: \u00abManfred\u00bb-Sinfonie. <\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>27.10.2012 &#8212; Die russische Orchesterlandschaft ist voller Klangk\u00f6rper mit klingenden Namen, aber eher nebul\u00f6ser Existenz. Das Tschaikowsky Sinfonieorchester Moskau geh\u00f6rt&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[12],"tags":[],"class_list":["post-856","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-ereignisbesprechungen","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/856","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=856"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/856\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=856"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=856"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=856"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}