{"id":857,"date":"2014-01-12T13:40:53","date_gmt":"2014-01-12T13:40:53","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/12\/das-orchestre-de-paris-im-kkl\/"},"modified":"2014-01-12T13:40:53","modified_gmt":"2014-01-12T13:40:53","slug":"das-orchestre-de-paris-im-kkl","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/12\/das-orchestre-de-paris-im-kkl\/","title":{"rendered":"Das Orchestre de Paris im KKL"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"txt-m-black\">19.11.2012 &#8212; Die Urauff\u00fchrung von Strawinskys <em>Le Sacre du Printemps<\/em>, wohl einer der ber\u00fchmtesten Eklats der Musikgeschichte, fand am 29. Mai 1913 statt. Sie j\u00e4hrt sich in einigen Monaten also zum hundertsten Mal. Das Orchestre de Paris, obwohl erst 1967 gegr\u00fcndet, kann als authentischer Erbe der Pariser Orchestertradition verstanden werden, die das Ballett verk\u00f6rpert. Seine Auftritte in der Schweiz im Rahmen der Migros-Kulturprozent-Classics sind denn auch so etwas wie eine Reverenz an das bedeutende Ereignis, das in der Seine-Metropole die Moderne endg\u00fcltig einl\u00e4utete. <\/p>\n<p> Vorgesehen war urspr\u00fcnglich, Strawinskys auch heute noch \u00fcberaus modern anmutendes Ballett mit Ravels im gleichen Jahr entstandener Orchestrierung der <em>Danses nobles et sentimentales<\/em> zu kombinieren, was durchaus eine schl\u00fcssige Kombination ergeben h\u00e4tte \u2013 erg\u00e4nzt um Mozarts Klavierkonzert Nr. 24 c-Moll KV 491, das sich mit seiner f\u00fcr seine Zeit ebenfalls sehr modern anmutenden Klanglichkeit gut eingef\u00fcgt h\u00e4tte. <\/p>\n<p> Dem Orchester stand der Sinn nach anderem. Es ersetzte Ravels gl\u00e4serne Walzerk\u00fcnstlichkeit durch Debussys 18 Jahre vor dieser entstandenem \u00abPr\u00e9lude \u00e0 l\u2019apr\u00e8s-midi d\u2019un faune\u00bb, ein Schl\u00fcsselwerk des franz\u00f6sischen Impressionismus. Mit Strawinskys Fr\u00fchlingsopfer ist es aber ebenfalls eng verbunden, hat doch der Choreograph Vaclav Nijinsky beide 1912 in Bewegung umgesetzt und damit die Tanzsprache gleich zweimal revolutioniert. <\/p>\n<p> Im Luzerner KKL demonstrierte Paavo J\u00e4rvi, der Chefdirigent des Pariser Orchesters, mit welcher Delikatesse und Pr\u00e4zision in den Pianissimi dieser Klangk\u00f6rper zu agieren in der Lage ist. Etwas von dem Ambiente schien auch auf die Wiedergabe des Mozart-Klavierkonzertes abzuf\u00e4rben, das in facettenreicher (franz\u00f6sischer?) Klanglichkeit aufbl\u00fchte und auch im t\u00e4nzerischen Kehraus des dritten Satzes mehr die nobel-sensible Geste betonte als die durchaus auch angelegte rhythmische Ausgelassenheit. <\/p>\n<p> Am Klavier agierte Andreas Haefliger, der Bruder des Lucerne-Festival-Intendanten Michael Haefliger, und dies just am Vorabend der Er\u00f6ffnung des Lucerne Festival am Piano 2012. Das Konzert wurde so unversehens zum Pr\u00e4ludium der Luzerner Klavierwoche. Darauf, dass da durchaus auch einschl\u00e4gige Fingerakrobtik gefragt ist, verwies Haefliger mit Liszts exhibitionistischem \u00abOrage\u00bb (aus dem ersten Band der <em>Ann\u00e9es de P\u00e8lerinages<\/em>) als Zugabe \u2013 nicht ganz so perfekt wie gewohnt und im Ganzen des panfranz\u00f6sischen Abends etwas querliegend. In Mozarts Klavierkonzert f\u00fcgte er sich wunderbar in die Orchester\u00e4sthetik J\u00e4rvis ein. <\/p>\n<p> Zwischen das Mozart-Konzert und das tastendonnernde Klaviersolo schob das Orchester allerdings noch eine \u2013 Urauff\u00fchrung. Dem staunenden Publikum pr\u00e4sentierte es das j\u00fcngste Werk des zur Pariser Nomenklatura geh\u00f6renden Mustersch\u00fclers und Komponisten Karol Beffa, <em> La Vie ant\u00e9rieure<\/em> f\u00fcr Klavier und Orchester. <\/p>\n<p> Das Werk des mit Titeln und Preisen bereits h\u00f6chstdotierten 41-j\u00e4hrigen Musikers und Politik-Sachverst\u00e4ndigen folgt typisch franz\u00f6sischer \u00c4sthetik. Es entfaltet \u00fcber knappen Ostinati und Motiven die unter anderem (zuf\u00e4lligerweise?) ein Motiv aus Tschaikowskys sechster Sinfonie zu paraphrasieren scheinen, pulsierende Texturen. Dar\u00fcber schwingen sich weiter ausgreifende Bl\u00e4serlinien, bevor ein stetig steigender Marimba-Ton in ein ruhiges Auspendeln f\u00fchrt. Ein insistierend-repetitives Jambus-Motiv tut schliesslich etwas des Guten zuviel. Das insgesamt gef\u00e4llig-akademisch anmutende Konzert wurde vom Publikum \u00fcberrascht, aber nicht unfreundlich aufgenommen. <\/p>\n<p> Souver\u00e4n dann die Wiedergabe des Fr\u00fchlingsopfers, zugleich pr\u00e4zise und kantig, in einer unpr\u00e4tenti\u00f6sen Interpretation, die es auch heute noch zum Aufreger machen kann, wie ein nicht ganz ger\u00e4uschlos den Saal verlassendes Paar demonstrierte. Franz\u00f6sisches gab\u2019s auch als Orchesterzugabe: die Farandole aus Bizets zweiter Arl\u00e9sienne-Suite \u2013 ein toller Ausgang eines tollen Abends. <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>wb<\/em>)<\/span><\/p>\n<p><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 430px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">18. November 2012: KKL, Tournee II der Migros-Kulturprozent-Classics. Orchestre de Paris, Paavo J\u00e4rvi (Leitung), Andreas Haefliger (Klavier). Werke von Debussy (Pr\u00e9lude \u00e0 l&#8217;apr\u00e8s-midi d&#8217;un faune), Mozart (Klavierkonzert KV 291), Strawinsky (Le Sacre du Printemps)<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>19.11.2012 &#8212; Die Urauff\u00fchrung von Strawinskys Le Sacre du Printemps, wohl einer der ber\u00fchmtesten Eklats der Musikgeschichte, fand am 29.&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[12],"tags":[],"class_list":["post-857","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-ereignisbesprechungen","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/857","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=857"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/857\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=857"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=857"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=857"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}