{"id":858,"date":"2014-01-12T13:41:29","date_gmt":"2014-01-12T13:41:29","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/12\/neurowissenschaftliche-aspekte-des-musizierens\/"},"modified":"2014-01-12T13:41:29","modified_gmt":"2014-01-12T13:41:29","slug":"neurowissenschaftliche-aspekte-des-musizierens","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/12\/neurowissenschaftliche-aspekte-des-musizierens\/","title":{"rendered":"Neurowissenschaftliche Aspekte des Musizierens"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\">22.11.2012 &#8212; Das 10. Symposium der Schweizerischen Gesellschaft f\u00fcr Musik-Medizin (SMM) hat am 27. Oktober im Marianischen Saal in Luzern einen \u00dcberblick \u00fcber die neuesten Erkenntnisse der Neurowissenschaften geboten \u2013 mit Blick auf Strategien beim Lernen und \u00dcben sowie typische neurologische Krankheitsbilder.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span class=\"txt-m-black\">22.11.2012 &#8212; <strong>Das 10. Symposium der Schweizerischen Gesellschaft f\u00fcr Musik-Medizin (SMM) hat am 27. Oktober im Marianischen Saal in Luzern einen \u00dcberblick \u00fcber die neuesten Erkenntnisse der Neurowissenschaften geboten \u2013 mit Blick auf Strategien beim Lernen und \u00dcben sowie typische neurologische Krankheitsbilder.<\/strong> <\/p>\n<p> 2003 widmete sich das erstmals und in der Folge j\u00e4hrlich stattfindende Symposium dem R\u00fccken des Musikers. Seither hat es in der Schweiz selber musikermedizinische Geschichte geschrieben und mitgeholfen, gesundheitliche Aspekte und typische Berufskrankheiten zu enttabuisieren. Das Spektrum reichte dabei von Betrachtungen zu den physischen \u00abInstrumenten\u00bb der Musizierenden wie R\u00fccken, Hand, Ohr und Auge und der Ergonomie \u00fcber psychische Aspekte \u2013 Psychosomatik, psychische Belastungen \u2013 bis zu allgemeinen Betrachtungen mit Blick auf Prophylaxe und Ausbildung. <\/p>\n<p> Der Valenser Neurologe J\u00fcrg Kesselring trat im vom Tessiner Arzt Adrian Sury souver\u00e4n moderierten 10. Symposium zun\u00e4chst einen Schritt zur\u00fcck und gab zu bedenken, dass Musizieren dann gl\u00fccke, wenn einerseits der Erkenntnis Rechnung getragen werde, dass neuronale Verbindungen genutzt werden m\u00fcssten, sollen sie nicht verloren gehen. Anderseits erinnerte er in Anlehnung an Erich Fromms Klassiker \u00abDie Kunst des Liebens\u00bb daran, dass Musizieren und \u00dcben ganzheitlich betrachtet werden m\u00fcssen. Gefordert seien Selbstdisziplin, Konzentration, Geduld und Aufmerksamkeit, F\u00e4higkeiten, die in der Multioptions- und Mediengesellschaft besonders schwierig zu pflegen sind. <\/p>\n<p> Der Berliner Psychoanalytiker Helmut M\u00f6ller thematisierte Versagens- und Auftritts\u00e4ngste der Musiker. Angesichts der Tatsache, dass sie f\u00fcr rund einen Drittel der Studienabbr\u00fcche und f\u00fcr sp\u00e4tere Ausf\u00e4lle im Berufsleben wesentlich verantwortlich sind, werden sie heute noch viel zu wenig systematisch aufgearbeitet. <\/p>\n<p> <strong>Fokale Dystonie im Zentrum <\/strong><\/p>\n<p> Weitaus den gr\u00f6ssten Raum nahm aber die Auseinandersetzung mit dem \u00abMusikerkrampf\u00bb, der fokalen Dystonie ein, dem wichtigsten neurologischen Ph\u00e4nomen des Musizierens. Der Hannoveraner Neurologe Eckart Altenm\u00fcller setzte den historischen Ursprung dieser dramatischen Form des Versagens differenzierter Steuerung von Fingern und anderen beim Musizieren strategischen K\u00f6rperteile beim aufkommenden Virtuosentum des 19. Jahrhunderts an. Es habe, so Altenm\u00fcller, das exzessive mechanische Exerzieren isolierter Bewegungsabl\u00e4ufe mit sich gebracht und mit Robert Schumann das erste Opfer gefunden. <\/p>\n<p> Ern\u00fcchtert zeigte sich Altenm\u00fcller mit Blick auf Erkl\u00e4rungen und Therapieverfahren. Ob geduldiges Neuprogrammieren von Bewegungsabl\u00e4ufen, medikament\u00f6se Behandlung oder Versteifung von Fingerteilen mittel Botox \u2013 keine Methode konnte bisher als Patentrezept \u00fcberzeugen. Dies macht Altenm\u00fcller heute zum dezidierten Pragmatiker, der jeden Einzefall individuell beurteilt und \u00aballes, was irgendwie hilft\u00bb zur therapeutischen Option macht. Er warnte aber auch davor, eine Dystonie-Diagnose allzu schnell zu stellen. Oberfl\u00e4chlich vergleichbare Fehlverhalten k\u00f6nnte einfach auch auf miserable Instrumentaltechnik oder mangelnde \u00dcbedisziplin zur\u00fcckgef\u00fchrt werden. <\/p>\n<p> Der Z\u00fcrcher Neuropsychologe Lutz J\u00e4ncke widmete sich einem weiteren typischen Aspekt des Musizierens, n\u00e4mlich der H\u00e4ndigkeit. Speziell Pianisten m\u00fcssen ihre eigene Links- oder Rechtsh\u00e4ndigkeit \u00fcberwinden lernen und zu ausgewogener manueller Fertigkeit finden. Hirnuntersuchungen k\u00f6nnen dar\u00fcberhinaus zeigen, dass Streicher entgegen naiver Annahmen mit der rechten Strichhand weitaus komplexere Funktionen aus\u00fcben als mit der linken Griffhand. Die feinmotorische Beherrschung der rechten Hand sei f\u00fcr den richtigen Klang mindestens genauso wichtig wie die linke. <\/p>\n<p> Einen \u00dcberblick \u00fcber die verschiedenen Formen der fokalen Dystonie bot der Z\u00fcrcher Psychologe Victor Candia. Er diskutierte oft kolportierte Arbeiten zur mutmasslichen Verschmelzung der Regionen im Hirn, die benachbarte Finger kontrollieren. Sie gehen davon aus, dass eine solche \u00dcberlappung f\u00fcr die Symptome verantwortlich seien. Die Resultate w\u00fcrden in der Regel aber verk\u00fcrzt dargestellt, denn die empirischen Befunde zeigten auch Beispiele, bei denen der Zusammenhang nicht hergestellt werden k\u00f6nne. <\/p>\n<p> Die Bamberger Orchestermusikerin und Feldenkrais-Therapeutin Hildegard Wind schliesslich berichtete von ihren eigenen Erfahrungen mit einer fokalen Dystonie als Geigerin. Voraussetzungen, eine solche zu \u00fcberwinden, sei es, zu Gelassenheit zu finden und das Gesamtsystem aus Bewegungen und ihrer kontrollierender sinnlicher Selbstwahrnehmung neu zu erfahren. Geholfen habe ihr dabei, so die Violinistin, die Feldenkrais-Methode, die genau diese Selbstwahrnehmung schulen helfe. <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>wb<\/em>)<\/span><\/p>\n<p><span class=\"txt-m-black\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-s-black\">10. Symposium der Schweizerischen Gesellschaft f\u00fcr Musik-Medizin, Marianischer Saal Luzern, 27. Oktober 2012 <\/span><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\">22.11.2012 &#8212; Das 10. Symposium der Schweizerischen Gesellschaft f\u00fcr Musik-Medizin (SMM) hat am 27. 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