{"id":859,"date":"2014-01-12T13:42:11","date_gmt":"2014-01-12T13:42:11","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/12\/das-orchestre-de-la-suisse-romande-in-basel\/"},"modified":"2014-01-12T13:42:11","modified_gmt":"2014-01-12T13:42:11","slug":"das-orchestre-de-la-suisse-romande-in-basel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/12\/das-orchestre-de-la-suisse-romande-in-basel\/","title":{"rendered":"Das Orchestre de la Suisse Romande in Basel"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"txt-m-black\">13.01.2013 &#8212; H\u00e4tte Mozart Pahud bloss spielen geh\u00f6rt. Er h\u00e4tte vermutlich noch einiges mehr f\u00fcr Fl\u00f6te geschrieben, nicht bloss die paar eher lustlos abgelieferten Auftragsarbeiten. Die Fl\u00f6te mochte der Komponist der \u00abZauberfl\u00f6te\u00bb erkl\u00e4rtermassen nicht, was aber vermutlich mit dem Stand der damaligen Technik zu tun hatte, sowohl mit Blick auf die Instrumente als auch deren Spieler. Alles ein bisschen windig halt zu seiner Zeit. <\/p>\n<p> Die Fl\u00f6te steht f\u00fcr franz\u00f6sische \u00c4sthetik, f\u00fcr Transparenz, Eleganz, K\u00fcnstlichkeit. Als Soloinstrument f\u00fcr ein franz\u00f6sisches Programm bietet sie sich an. Da hat also alles seine Richtigkeit, wenn das Orchestre de la Suisse Romande (OSR) der Deutschschweiz Reverenz erweist, und dabei auch noch ein erst vor kurzem aufgefundenes Fl\u00f6tenst\u00fcck des Welschschweizer Komponisten Frank Martin im Gep\u00e4ck mitf\u00fchrt. Emmanuel Pahud, der geb\u00fcrtige Genfer Solofl\u00f6tist der Berliner Philharmoniker, erweist sich als idealer, da technisch vollkommener und zugleich expressiver und beherrschter Gestalter. Martin hatte f\u00fcr die \u00abBallade Nr. 2 f\u00fcr Fl\u00f6te und Orchester\u00bb ein Saxophonst\u00fcck umgearbeitet, das die Ausdrucksbereiche nicht zuletzt in den H\u00f6hen des Soloinstrumentes auslotet. Da kann Pahud zeigen, was f\u00fcr ein kongenialer Interpret er ist. <\/p>\n<p> Das Bearbeitung hat Martins Witwe Maria Martin 2008 in einer Kommode des Hauses im holl\u00e4ndischen Naarden, Martins letztem Wohnort, entdeckt. Der Tonsch\u00f6pfer erw\u00e4hnt sie nirgend in schriftlichen Zeugnissen, es handelt sich aber um eine Transkription seiner ersten Ballade, die er 1938 f\u00fcr den Saxophonisten Sigurd Rascher geschrieben hat. Vermutlich bereits 1939. <\/p>\n<p> Das durch und durch franz\u00f6sische Programm des OSR im Rahmen der Migros-Kulturprozent-Classics beginnt unter der Stabf\u00fchrung des geb\u00fcrtigen Lausanners Charles Dutoit zun\u00e4chst aber mit Hector Berlioz\u2019 Ouvert\u00fcre \u00abLe Corsaire\u00bb und bereits da zeigt das Orchester, dass es klangliche Pr\u00e4zision, Spiellust und interpretatorischen Witz auf h\u00f6chstem Niveau zu vereinen vermag. <\/p>\n<p> Das OSR hat viel franz\u00f6sische Musik auf CD eingespielt. Werke von Roussel \u00fcber Honegger, Saint-Sa\u00ebns, Franck, Debussy, Chausson, Poulenc, Martin bis Massenet, Ravel und Jarrell. Da f\u00fchlt es sich offensichtlich zuhause. Auch deutsche Komponisten finden sich in der Diskografie, etwa Schumann, Strauss, Mahler und Mendelssohn, nicht aber Mozart (im Gegensatz zum benachbarten Orchestre de Chambre de Lausanne, das mit Mozart-Konzerten letztes Jahr sogar einen Echo Klassik eingeheimst hat). Die Einbettung des zweiten Fl\u00f6tenkonzertes KV 314 \u2013 wie das Martin-St\u00fcck auch eine Bearbeitung, n\u00e4mlich eines Oboenkonzertes \u2013 in das postklassische franz\u00f6sische Umfeld, demonstriert aber eindr\u00fccklich, dass man Mozart auch anders als in der zur Zeit g\u00e4ngigen historisch-informierten Kantigkeit atmen lassen kann. <\/p>\n<p> Nach der Pause dann der Publikumsrenner (oder besser Spazierg\u00e4nger): Modest Mussorgskys \u00abBilder einer Ausstellung\u00bb in Ravels Orchestrierung (oder vielmehr orchestraler Nachdichtung). Eine gegl\u00fcckte russisch-franz\u00f6sische Fusion: Energie, Wucht, pr\u00e4zises Blech und erdige Rhythmen auf der einen Seite, Pr\u00e4zision in der Gestaltung, Durchh\u00f6rbarkeit und \u00e4sthetische Distanz auf der andern: eine exemplarische Wiedergabe als Leistung des Kollektivs. Das Publikum im Basler Konzertsaal will das OSR gar nicht mehr gehen lassen. <\/p>\n<p> Dutoit und das Orchester verweigern sich wie zuvor bereits Pahud allerdings dem Wunsch nach Zugaben. Das Zirzensische scheint beider Sache nicht. Gar keine so schlechte Haltung. Sie erinnert daran, dass klug zusammengestellte Konzertprogramme durchaus f\u00fcr sich sprechen und keineswegs noch eines \u00abBonus Tracks\u00bb bed\u00fcrfen, um volle H\u00f6rer-Befriedigung zu garantieren. <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>cf<\/em>)<\/span><\/p>\n<p><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 430px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">Migros-Kulturprozent Classics, Saison 12\/13, Tournee III. Stadtcasino Basel Musiksaal, 12. Januar 2013. Orchestre de la Suisse Romande, Charles Dutoit (Leitung), Emmanuel Pahud (Fl\u00f6te), Hector Berlioz: Ouvert\u00fcre \u00abLe Corsaire\u00bb; Wolfgang Amadeus Mozart: Fl\u00f6tenkonzert Nr. 2 D-Dur KV 314; Frank Martin: Ballade Nr. 2 f\u00fcr Fl\u00f6te und Orchester; Modest Mussorgsky\/Maurice Ravel: \u00abBilder einer Ausstellung\u00bb <\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>13.01.2013 &#8212; H\u00e4tte Mozart Pahud bloss spielen geh\u00f6rt. 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