{"id":861,"date":"2014-01-12T13:43:19","date_gmt":"2014-01-12T13:43:19","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/12\/orchestra-dell-accademia-di-santa-cecilia-in-bern\/"},"modified":"2014-01-12T13:43:19","modified_gmt":"2014-01-12T13:43:19","slug":"orchestra-dell-accademia-di-santa-cecilia-in-bern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/12\/orchestra-dell-accademia-di-santa-cecilia-in-bern\/","title":{"rendered":"Orchestra dell\u2019Accademia di Santa Cecilia in Bern"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"txt-m-black\">13.04.2013 &#8212; Vielleicht ist das alles ja ein grosser Irrtum, mutmasst man nach diesem Konzert, nachdem Pappanos \u00abPath\u00e9tique\u00bb eben gerade damit aufger\u00e4umt hat: mit dem programmatischen Pathos in Tschaikowskys Sechster. Und wie. <\/p>\n<p> Zum Auftritt des Chefs des Royal Opera House in London und des Ensembles des Abend, des Orchestra dell\u2019Accademia Nazionale di Santa Cecilia Roma (das alle Ger\u00fcchte \u00fcber den Niedergang des italienischen Kulturlebens L\u00fcgen straft) gab\u2019s ein ungewolltes mediales Vorspiel: In der britischen Presse hatte ein resignierter Seufzer Pappanos kurz zuvor einen kleinen Sturm entfacht \u2013 mit Blick auf die physische und \u00e4sthetische Kondition einer jungen S\u00e4ngergeneration: Die Opern-Frischlinge schw\u00e4chelten auf frustrierende Art und strichen bei kleinsten Schwierigkeiten gleich die vokalen Segel. Damit sprach Pappano die auffallende H\u00e4ufung an Umbesetzungen, R\u00fcckz\u00fcgen und Verschiebungen in aktuellen Produktionen an. Fr\u00fcher war\u2019s besser, so der Tenor des Dirigenten. <\/p>\n<p> Nicht alle denken wie der italienische Maestro, die Widerreden kamen prompt, Sukkurs erhalten hat Pappano allerdings von seinem an der Met und am Opernhaus Z\u00fcrich engagierten Kollegen Fabio Luisi. In einem offenen Brief bekr\u00e4ftigte dieser, die \u00abmeisten S\u00e4ngerinnen und S\u00e4nger, speziell die jungen\u00bb seien zu jung und\/oder nicht gut genug vorbereitet, h\u00e4tten technische Probleme und s\u00e4ngen die falschen Partien. <\/p>\n<p> Ausgerechnet Pappano hat im Rahmen der Migros-Kulturprozent-Classics allerdings eines der eher seltenen Konzerte mit einer S\u00e4ngerin als Solistin bestritten, und als ob er demonstrieren wollte, wie man\u2019s denn machen muss und kann, haben er und die Altistin Marie-Nicole Lemieux ein Werk pr\u00e4sentiert, das hierzulande selten zu h\u00f6ren ist, Chaussons \u00abPo\u00e8me de l\u2019amour et de la mer\u00bb, so souver\u00e4n, dass einzig eine seltsame Unruhe im Publikum w\u00e4hrend des Berner Gastspiels daran gehindert hat, sich dieser wunderbaren Musik unbelastet hingeben zu k\u00f6nnen. <\/p>\n<p> Eingeleitet worden ist der Abend eher z\u00f6gerlich mit Respighis \u00abAdagio con Variazioni\u00ab f\u00fcr Violoncello und Orchester, trotz der exzellenten Wiedergabe des Z\u00fcrcher-Tonhalle-Solocellisten Thomas Grossenbacher kein Werk zum Einstieg in einen Konzertabend. Der fast beil\u00e4ufig anmutende Auftakt d\u00fcrfte allerdings auch eine Art Kollateralschaden der Programmierung gewesen sein, die mit Ausfl\u00fcgen in italienische, franz\u00f6sische und russische Traditionen den expressiven Bogen weit gespannt und dem r\u00f6mischen Klangk\u00f6rper die Gelegenheit geboten hat, alle Register seiner stupenden Kollektivarbeit zu ziehen. Man muss Mut in der Progammierung popul\u00e4rer Sinfoniekonzerte auch w\u00fcrdigen.<\/p>\n<p> Die ganz grosse \u00dcberraschung hat\u2019s dann aber eben nach der Pause gegeben, mit Tschaikowskys sechster Sinfonie in apollinischer Transparenz und einer pr\u00e4zisen Energie, die, je mehr der Abend vorangeschritten ist, zum atemraubenden Erlebnis geworden ist. Noch kaum je hat man die letzten S\u00e4tze des angeblichen Bekenntniswerkes so schl\u00fcssig und packend geh\u00f6rt, trotz, oder eben gerade wegen des unpathetischen, entschlackten Zugriffes. Tschaikowsky hat stets ein Geheimnis um das Programm der Sinfonie gemacht, in die deshalb gerne ein verschl\u00fcsseltes biografisches Drama hineingemutmasst wird. Pappano und das r\u00f6mische Orchester haben demgegen\u00fcber aufgezeigt, dass es ihm ebensogut einfach um eine k\u00fchne, genuin \u00e4sthetische Ausweitung des sinfonischen Raums gegangen sein k\u00f6nnte. <\/p>\n<p> Da hat man sich gefragt, was man da noch als Orchesterzugabe nachschieben k\u00f6nnte, ohne das Erlebnis zu entwerten. Pappano hat aber auch dieses Problem souver\u00e4n gel\u00f6st, mit Verdis (\u00abWir sind in einem Verdi-Jahr\u00bb, rief er dem Publikum in Erinnerung) Ouvert\u00fcre zu \u00abLa forza del Destino\u00bb. Wie passend. <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>wb<\/em>)<\/span><\/p>\n<p><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 430px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">13. April 2013, Kultur-Casino Bern, Migros-Kulturprozent-Classics, Tournee V, Orchestra dell\u2019Accademia di Santa Cecilia Roma, Antonio Pappano (Leitung), Marie-Nicole Lemieux (Alt), Thomas Grossenbacher (Violoncello), Ottorino Respighi: Adagio con Variazioni, Ernst Chausson: Po\u00e8me de l\u2019amour et de la mer, Peter Tschaikowsky: Sinfonie Nr.6 h-Moll op. 74 \u00abPath\u00e9tique\u00bb. <\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>13.04.2013 &#8212; Vielleicht ist das alles ja ein grosser Irrtum, mutmasst man nach diesem Konzert, nachdem Pappanos \u00abPath\u00e9tique\u00bb eben gerade&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[12],"tags":[],"class_list":["post-861","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-ereignisbesprechungen","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/861","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=861"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/861\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=861"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=861"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=861"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}