{"id":863,"date":"2014-01-12T13:44:19","date_gmt":"2014-01-12T13:44:19","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/12\/das-kammerorchester-wien-berlin-in-genf\/"},"modified":"2014-01-12T13:44:19","modified_gmt":"2014-01-12T13:44:19","slug":"das-kammerorchester-wien-berlin-in-genf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/12\/das-kammerorchester-wien-berlin-in-genf\/","title":{"rendered":"Das Kammerorchester Wien-Berlin in Genf"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"txt-m-black\">25.05.2013 &#8212; 2006 haben die Wiener und Berliner Philharmoniker gemeinsam ein Konzert gegeben \u2012 aus Anlass des f\u00fcnfzigsten Geburtstages des Dirigenten Simon Rattle, der mit beiden Ensembles eng verbunden ist. Das Kammerorchester Wien-Berlin ist eine Art Spin-off dieses Anlasses und wirkt wie eine letzte R\u00fcckzugsbastion des traditionellen Orchesterverst\u00e4ndnisses, das in beiden Klangk\u00f6rpern noch immer nachklingt: Ein reiner M\u00e4nnerbund \u2012 gef\u00fchlt fast alles Westeurop\u00e4er gesetzteren Alters \u2012, ein Repertoire, das schwergewichtig der Wiener Klassik huldigt und ein historisch-informiertes Musizieren, das sich auf die Historie des Musikverst\u00e4ndnisses der Wiener und Berliner Philharmoniker zu beschr\u00e4nken scheint.<\/p>\n<p> Mittlerweile touren eine ganze Menge exzellenter Kammerorchester mit je eigenem Profil und eigener Klangkultur durch den Kontinent. Die Frage, wof\u00fcr das bilaterale Hauptst\u00e4dte-Ensemble steht und was es einzigartig macht, stellt sich also durchaus. In die opulent ornamentierte und traditionsbefrachtete Victoria Hall in Genf passte es allerdings: Da spielten die Herren nicht minder traditionsbewusst auf \u2012 musikantisch auf hohem Niveau, gemessen an organisch \u00fcber lange Zeit auch ohne Dirigenten zusammengewachsenen Streicherensembles aber auch weniger perfektionistisch und schl\u00fcssig. <\/p>\n<p> Im Rahmen seiner Tournee der Reihe Migros-Kulturprozent-Classics \u2012 begonnen mit der Ouvert\u00fcre f\u00fcr Streichquintett c-Moll D8 von Franz Schubert und Mendelssohns Konzert f\u00fcr Klavier, Violine und Streicher d-Moll \u2012 hat sich das Orchester bis ins zwanzigste Jahrhundert vorgewagt und in Genf mit Frank Martins Ballade Nr. 1 f\u00fcr Fl\u00f6te und Streichorchester ein Werk sozusagen nach Hause gebracht, war dieses doch urspr\u00fcnglich Pflichtst\u00fcck f\u00fcr den Concours de Gen\u00e8ve. Dieter Flury, der Schweizer Solofl\u00f6tist der Wiener Philharmoniker, blieb dem Kleinod an klanglicher Souplesse und klug gez\u00fcgelter Expressivit\u00e4t nichts schuldig, sicherlich einer der H\u00f6hepunkte des Abends.<\/p>\n<p> Routiniert-souver\u00e4n hatte zuvor die Interpretation des Mendelssohn-Konzertes angemutet. Der Konzertmeister Rainer Honeck als Solist und der Pianist Yefim Bronfman schienen allerdings kaum wirklich zu kommunizieren; sie drehten in ihrem je eigenen musikalischen Kosmos Kreise, Aufforderungen zu mehr spontaner Interaktion, die eine St\u00e4rke einer solchen Ensemble-Idee sein m\u00fcssten, verhallten folgenlos \u2012 etwa in den hartn\u00e4ckig insistierenden Sechzehntelketten des zweiten Satzes, die Bronfman mit offensichtlichem Vergn\u00fcgen ins Klavier meisselte, buchst\u00e4blich hinter dem R\u00fccken des ernsten Honeck. <\/p>\n<p> Recht entt\u00e4uschend dann die doch sehr konventionelle, eher konturlose Wiedergabe von Bart\u00f3ks Rum\u00e4nischen Volkst\u00e4nzen Sz. 68, einem kleinen Meisterwerk, dem andere Kammerensembles ein ganzes Universum an Kl\u00e4ngen, Schattierungen und Innenspannungen abzugewinnen verm\u00f6gen und das hier denn doch die Patina der Streicherregister gr\u00f6sserer Sinfonieorchester angesetzt zu haben schien. <\/p>\n<p> Vor allem Bronfman, und auch in nicht geringem Mass dem Trompeter G\u00e1bor Tark\u00f6vi ist es zu verdanken, dass mit Schostakowitschs Konzert f\u00fcr Klavier, Trompete und Streichorchester Nr. 1 c-Moll op.35 sich doch noch Momente intensivster Dringlichkeit ergaben, gerade auch mit radikaler, atemraubender Reduktion im Moderato. Pianist und Trompeter bedankten sich beim begeistert applaudierenden Publikum mit einem kleinen Rondo Leonard Bernsteins, das Kammerorchester artig mit einem Andante des 13-j\u00e4hrigen Mozart als Zugaben.<\/p>\n<p> Ob die Marken Wiener und Berliner Philharmoniker als \u00e4sthetisches Programm f\u00fcr ein Kammerorchester ausreichen? Will es sich beim Publikum durchsetzen, wird es wohl noch zu etwas kantigeren \u00e4sthetischen Haltungen finden m\u00fcssen. Ein Weg dazu k\u00f6nnte ja \u2012 bloss so eine spontane Idee \u2012 eine Einladung an Kolleginnen in den beiden Herkunftsorchestern sein, sich einzubringen\u2026 Das Orchester wird bald mit Jonas Kaufmann und dem Cellisten Yo-Yo Ma unterwegs sein. Der sprichw\u00f6rtliche Charme und die Begeisterungsf\u00e4higkeit des amerikanischen Cellisten k\u00f6nnte m\u00f6glicherweise f\u00fcr etwas Lockerung der Atmosph\u00e4re in dem ja nicht uninteressanten Ensemble sorgen. <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>wb<\/em>)<\/span><\/p>\n<p><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 430px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">Victoria Hall Genf, 23. Mai 2013, Migros-Kulturprozent-Classics Tournee VI, Kammerorchester Wien-Berlin. Werke von Schubert, Mendelssohn, Martin, Bart\u00f3k und Schostakowitsch. <\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>25.05.2013 &#8212; 2006 haben die Wiener und Berliner Philharmoniker gemeinsam ein Konzert gegeben \u2012 aus Anlass des f\u00fcnfzigsten Geburtstages des&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[12],"tags":[],"class_list":["post-863","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-ereignisbesprechungen","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/863","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=863"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/863\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=863"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=863"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=863"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}