{"id":873,"date":"2014-01-12T16:08:48","date_gmt":"2014-01-12T16:08:48","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/12\/antiker-stoff-in-romantischer-deutung\/"},"modified":"2014-01-12T16:08:48","modified_gmt":"2014-01-12T16:08:48","slug":"antiker-stoff-in-romantischer-deutung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/12\/antiker-stoff-in-romantischer-deutung\/","title":{"rendered":"Antiker Stoff in romantischer Deutung"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"txt-m-black\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/athalia.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/>05.09.2003 &#8212; Zwischen 1843 und 1845 hat Felix Mendelssohn Bartholdy vier Fassungen der Schauspielmusik zu Jean Racines \u00abAthalie\u00bb erarbeitet. Eine f\u00fcnfte hat Christoph Spering mit vier Solistinnen, einem Rezitator, dem Neuen Orchester und dem Chorus Musicus K\u00f6ln eingespielt. <\/p>\n<p> Preussenk\u00f6nig Friedrich Wilhelm IV., ein Bewunderer des bayerischen M\u00e4rchenk\u00f6nigs Ludwig I., ging nach seiner Inthronisierung daran, den Milit\u00e4rstaat in ein Land der Sch\u00f6nen K\u00fcnste zu verwandeln. Der \u00abRomantiker auf dem K\u00f6nigsthron\u00bb, wie er von kritischen Zeitgenossen genannt wurde, war kein Mann des Fortschritts; seine Ideen, auch jene eines christlich gepr\u00e4gten St\u00e4ndestaats, bezog er aus einer verkl\u00e4rten Sicht des Mittelalters. Des K\u00f6nigs Antikenkult bef\u00f6rderte neben griechischen Trag\u00f6dien und Werken Shakespeares auch Dramen franz\u00f6sischer Klassiker auf die B\u00fchne; in neuen \u00dcbersetzungen sollten die alten St\u00fccke humanistische Ideale verk\u00fcnden. <\/p>\n<p> Ehrgeiz ist dem Preussenk\u00f6nig nicht abzusprechen, berief er doch den uralten Shakespeare-\u00dcbersetzer Ludwig Tieck zum Vorleser und 1841 Felix Mendelssohn zum Generalmusikdirektor. Der ber\u00fchmte Dirigent und Komponist sollte zudem ein Konservatorium aufbauen (wie er es pionierhaft in Leipzig getan hatte) und die Grundlagen f\u00fcr eine repr\u00e4sentative Kirchenmusik erarbeiten. Mendelssohn hielt es zwar nur bis in den Herbst 1844 in Berlin und Potsdam, resigniert kehrte er dann nach Leipzig zur\u00fcck \u2013 seine Reformvorschl\u00e4ge waren der Wankelm\u00fctigkeit des K\u00f6nigs und den Hintertreibungen der B\u00fcrokratie zum Opfer gefallen. Der Nachwelt indes blieb von Mendelssohns Engagement in Preussen Beachtliches erhalten: die Schauspielmusiken zu \u00abAntigone\u00bb, zum \u00abSommernachtstraum\u00bb, zu \u00ab\u00d6dipus\u00bb und zu \u00abAthalie\u00bb.<\/p>\n<p> <strong>Oratorische Qualit\u00e4t<\/strong><\/p>\n<p>Verworren ist die Entstehungsgeschichte der Musik zu Racines Verstrag\u00f6die von 1690, verwirrlich auch die Handlung von \u00abAthalie\u00bb (im Booklet ist beides einl\u00e4sslich dargelegt). Die biblische Athalia ist eine mordende Despotin, die dem Baalskult huldigt und die Rechtgl\u00e4ubigen verfolgt; mit Hilfe Gottes aber wird die Tyrannin get\u00f6tet und ihr Heer besiegt. <\/p>\n<p> Mendelssohn hat dem ins Deutsche \u00fcbersetzten Text in der gross angelegten Vertonung der letzten, 1845 in Berlin uraufgef\u00fchrten Version oratorische Qualit\u00e4t verliehen, sie aus der st\u00fctzenden Funktion herk\u00f6mmlicher Schauspielmusik befreit. Zwar eher konventionellen Zuschnitt besitzen die von Trompeten, Posaunen und Pauken in majest\u00e4tische Sph\u00e4re gehobenen Chors\u00e4tze. Die Teile f\u00fcr Soli und Ensembles, die Instrumentation, die Schattierung der Klangfarben und die Differenzierung der Rhythmik dagegen sowie die Einbindung einzelner Teile in weit gespannte Entwicklungsb\u00f6gen sind h\u00f6chst originellen Zuschnitts. <\/p>\n<p> Bei der integralen Fassung, die Christoph Spering mit gutem Grund gew\u00e4hlt hat, legte Mendelssohns Freund Eduard Devrient, S\u00e4nger, Schauspieler und Schriftsteller, Hand an. Zwei Jahre nach dem Tod des Komponisten setzte er an Stelle des gesprochenen ausschweifenden Dramentextes einen erz\u00e4hlenden Monolog, in dem sich die Grundz\u00fcge der Handlung konzentrieren. <\/p>\n<p> Sowohl die Version wie das k\u00fcnstlerische Ergebnis der bis ins Detail stimmigen Interpretation unter Christoph Sperings Leitung sichern dem eindrucksvollen Werk in seinen Teilen wie im Ganzen unmittelbar wirkende Ausstrahlung und emotionale Kraft.<\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>ws<\/em>)<\/span><\/p>\n<p><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 430px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\"><a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/exec\/obidos\/ASIN\/B00009KV1H\/codexflores-21\">Felix Mendelssohn Bartholdy: \u00abAthalia\u00bb<\/a>, Musik zum Schauspiel von Jean Racine op. 74 in der deutschen \u00dcbersetzung von Ernst Raupach, mit den Zwischenreden von Eduard Devrient. Anna Korondi und Sabina Martin, Sopran, Ann Hallenberg und Barbara Ochs, Alt, Dirk Schortemeier, Sprecher. Chorus Musicus K\u00f6ln, Das Neue Orchester. Leitung: Christoph Spering. (Capriccio 67068; 63\u2019) <\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>05.09.2003 &#8212; Zwischen 1843 und 1845 hat Felix Mendelssohn Bartholdy vier Fassungen der Schauspielmusik zu Jean Racines \u00abAthalie\u00bb erarbeitet. 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