{"id":879,"date":"2014-01-12T16:12:04","date_gmt":"2014-01-12T16:12:04","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/12\/australische-nationalkompositionen\/"},"modified":"2014-01-12T16:12:04","modified_gmt":"2014-01-12T16:12:04","slug":"australische-nationalkompositionen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/12\/australische-nationalkompositionen\/","title":{"rendered":"Australische Nationalkompositionen"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"txt-m-black\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/Sculthorpe.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/>05.10.2003 &#8212; Peter Sculthorpe stammt aus einem Land, dessen eigenst\u00e4ndige musikalische Kultur hierzulande lange Zeit entweder untersch\u00e4tzt oder ignoriert worden ist. Dies beruht \u2013 gerade was die Schweiz angeht \u2013 keineswegs auf Gegenseitigkeit. In seiner Biographie \u00absun music\u00bb windet Sculthorpe einem Schweizer Ensemble ein ungew\u00f6hnliches Kr\u00e4nzchen. Sein Werk \u00abTabuh Tabuhan\u00bb habe jahrelang an schlechten Auff\u00fchrungen gelitten und er h\u00e4tte es beinahe zur\u00fcckgezogen, schreibt er. 1977 habe das Schweizer Pro Arte Quintett jedoch eine kongeniale Wiedergabe geboten, die ihn mit dem St\u00fcck vers\u00f6hnt habe. Sp\u00e4ter hat es die australische Fluglinie Quantas sogar ins Programm ihres Inflight-Unterhaltungsprogrammes aufgenommen.<\/p>\n<p> Die bei Chandos neu verlegte CD mit dem simplen Titel \u00abSculthorpe\u00bb vereint Werke f\u00fcr Streicher aus verschiedenen Jahrzehnten. Sie bietet damit einen guten Einblick ins faszinierende Universum des heute hochdekorierten Tonk\u00fcnstlers vom f\u00fcnften Kontinent.<\/p>\n<p> Sculthorpes Ehrgeiz war es immer, eine Art australischen oder ostasiatischen Regionalstil zu entwickeln, der sich nicht prim\u00e4r als Weiterentwicklung oder Reverenz an die europ\u00e4ische Tradition versteht, sondern die Klangwelten seiner Heimat reflektiert. Darunter geh\u00f6ren neben der Musik der Aborigines, deren Sprache der Abk\u00f6mmling europ\u00e4ischer Auswanderer spricht (er arbeitet sogar an einem entsprechenden W\u00f6rterbuch) auch die Gamelans von Java und Bali oder die Traditionen Japans. \u00abMeine Musik wurde beeinflusst von den Konturen der Felsen und Berge, der Farben der \u00c4ste und B\u00fcsche und den Vogelges\u00e4ngen\u00bb, schreibt er in \u00absun music\u00bb (Seite 27). Den auffallend melancholischen Ausdruck vieler seiner Kompositionen f\u00fchrt Sculthorpe \u00fcberdies auf das koloniale Erbe zur\u00fcck. Den ersten Siedlern sei Australien sicherlich kauzig, monoton, steril und feindlich vorgekommen, meint er. Selbst Charles Darwin habe Bemerkungen \u00fcber die desolate und schmucklose Erscheinung der W\u00e4lder gemacht.<\/p>\n<p> Eine pers\u00f6nliche Eigenheit verst\u00e4rkt die Schwerbl\u00fctigkeit offensichtlich noch mehr: \u00abDie Basslinie\u00bb, verr\u00e4t Sculthorpe, der sich w\u00e4hrend des Studiums intensiv dem Bassspiel zugewandt hatte, \u00abwurde zu einem der wichtigsten Aspekte in meiner Musik. Sogar heute bietet sie sozusagen den Schl\u00fcssel zu den meisten meiner St\u00fccke \u2013 selbst wenn sie bloss langsam einherschreiten.\u00bb In \u00absun music\u00bb geht Sculthorpe noch weiter: \u00abEs gibt nat\u00fcrlich einige Charakteristiken in unserer Musik, die als australisch angesehen werden k\u00f6nnten. Einige Werke haben zum Beispiel eine spezielle Breite. Damit meine ich nicht die Dauer. Ich meine damit, dass in solcher Musik wenige Ereignisse stattfinden. Die vielleicht offensichtlichste Manifestation davon ist die sehr langsame Rate des harmonischen Wechsels, egal ob die Musik schnell oder langsam ist. (&#8230;) Ein weiteres Charakteristikum ist die Flachheit und Ausgedehntheit der melodischen Form. (\u00absun music\u00bb, Seite 199)<\/p>\n<p> Schon der erste Akkord von \u00abIrkanda IV\u00bb weckt laut Sculthorpe Assoziationen an Einsamkeit und Weite. Das Werk entstand unter dem Eindruck des Todes des Vaters. Es handelt sich um einen einzigen langsamen Satz, ein rituelles Klagelied, das sich kaum entwickelt, und schon gar nicht im Sinne der europ\u00e4ischen \u00c4sthetik. Aus dem Klagegesang wachsen konstrastierende Teile heraus. Die Musik endet in einem \u00abSchleier aus Wind, Meer und Sonne\u00bb (\u00absun music\u00bb, Seite 69).<\/p>\n<p> Das reifste und geschlossenste Werk auf der CD ist m.E. die zweite Sonate f\u00fcr Streicher, ein Arrangement des neunten Streichquartettes aus dem Jahr 1975. Die Sonate nimmt laut Sculthorpe das Thema der einsamen Figur in Busch und W\u00fcste Australiens auf. Die schnelleren Partien basieren auf Techniken, wie sie von den australischen Ureinwohnern beim Musizieren angewandt werden.<\/p>\n<p> Richard Tognetti und das Australian Chamber Orchestra sind kongeniale Interpreten, die sich seit Jahren immer wieder in den Dienst der Musik Sculthorpes stellen. In \u00absun music\u00bb wird eine ihrer von der ABC (Australian Broadcasting Corporation) produzierte Aufnahme verschiedener Streicherwerke (unter anderem \u00abIrkanda IV\u00bb) aus dem Jahr 1996 als Referenz angef\u00fchrt. Die Aufnahmen der aktuellen CD stammen aus dem Jahr 2001.<\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>wb<\/em>)<\/span><\/p>\n<p><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 430px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\"><a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/exec\/obidos\/ASIN\/B00008WQB3\/codexflores-21\">Peter Sculthorpe<\/a>, Irkanda I, Irkanda IV, Lament, Second Sonata for strings, Cello Dreaming, Djilile, Australian Chamber Orchestra, Richard Tognetti (Violine, Leitung), Chandos, Chan 10063, 2003<br \/> Peter Biographie: \u00absun Music\u00bb, ABC Books, Sydney 1999 (\u00dcbersetzung der Zitate: Codex flores) <\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>05.10.2003 &#8212; Peter Sculthorpe stammt aus einem Land, dessen eigenst\u00e4ndige musikalische Kultur hierzulande lange Zeit entweder untersch\u00e4tzt oder ignoriert worden&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[13],"tags":[],"class_list":["post-879","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-tontraeger-besprechungen","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/879","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=879"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/879\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=879"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=879"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=879"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}