{"id":883,"date":"2014-01-12T16:14:15","date_gmt":"2014-01-12T16:14:15","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/12\/einar-englunds-klavierkonzerte\/"},"modified":"2014-01-12T16:14:15","modified_gmt":"2014-01-12T16:14:15","slug":"einar-englunds-klavierkonzerte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/12\/einar-englunds-klavierkonzerte\/","title":{"rendered":"Einar Englunds Klavierkonzerte"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"txt-m-black\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/englund161103.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/>16.11.2003 &#8212; Kaum je fassen mitteleurop\u00e4ische Interpreten, Konzertveranstalter und Tontr\u00e4gerproduzenten die Musik der nordischen L\u00e4nder \u2013 Norwegen, Schweden, Finnland \u2013 in den Blick; Sibelius muss hie und da herhalten, die mangelnde Entdeckungsfreude zu kaschieren. Neugierige sind in der Regel verwiesen auf Tontr\u00e4ger-Produktionen einheimischer Firmen, wie im Fall des Finnen Einar Englund (1916\u20131999). <\/p>\n<p> In Finnland, einem kleinen Land mit grossen Komponisten, k\u00fcmmern sich haupts\u00e4chlich drei Labels intensiv um die nationale traditionelle und moderne Musik: BIS, Finlandia und Ondine. Einar Englunds angenommen hat sich Ondine: Auf vier einzeln erh\u00e4ltlichen CDs liegen dessen sieben Sinfonien, entstanden zwischen 1946 und 1988, das Cellokonzert und die Konzertsuite zu Max Frischs St\u00fcck \u00abDie chinesische Mauer\u00bb vor; erschienen ist nun eine Einspielung der beiden Klavierkonzerte. <\/p>\n<p> Insgesamt hat Englund \u2013 er gilt mit Leevi Madetoja (und neben Sibelius) als wichtigster Sinfoniker seines Landes \u2013 ein halbes Dutzend Konzerte f\u00fcr Soloinstrumente geschrieben. Seine beiden dreis\u00e4tzigen Klavierkonzerte brachte der Komponist, der ein exzellenter Pianist und Improvisator war, selber zur Urauff\u00fchrung. Das erste Konzert aus dem Jahr 1955, mit dem er einen Kompositionswettbewerb der Finnischen Kulturstiftung gewann, interpretierte er Dutzende Male; es wurde zum popul\u00e4rsten Werk Englunds und blieb bis heute das meistgespielte Klavierkonzert eines Finnen. <\/p>\n<p> Einar Englund, der f\u00fchrende Neoklassizist nach den Ersch\u00fctterungen und Desillusionen des Zweiten Weltkriegs, hielt sich an Bew\u00e4hrtes in Gliederung, Aufbau, Faktur, Entwicklung, Tonalit\u00e4t und Instrumentation. Traditionelle, aus der Pianistik heraus entwickelte Gestik pr\u00e4gt das 1. Konzert des knapp Vierzigj\u00e4hrigen, der sich inspirieren liess von Prokofiew, Chatschaturjan und vom sp\u00e4ten Bart\u00f3k. Auffallend sind die brillante Instrumentation mit einer Vorliebe f\u00fcr Holz- und Blechbl\u00e4ser, die thematische Verklammerung des Finales mit dem Kopfsatz, der bart\u00f3ksche Ausbruch im Larghissimo und die Fuge im Schlusssatz sowie die Betonung der schlagzeugartigen Charakteristiken des Soloinstruments. <\/p>\n<p> Im Schatten des Erstlings steht das 2. Klavierkonzert aus dem Jahr 1974 wohl, weil es gr\u00f6ssere Anspr\u00fcche an das analytische H\u00f6ren stellt, den Typ des sinfonischen Konzerts verk\u00f6rpert. Die drei S\u00e4tze werden aus dem gleichen Kernmotiv heraus entwickelt, das thematische Material st\u00e4ndiger Variation und kontrapunktischer Verarbeitung unterzogen, die F\u00fchrung einmal dem differenziert eingesetzten Orchesterapparat, dann wieder dem Klavier \u00fcberbunden. <\/p>\n<p> Matti Raekallio, einer der profiliertesten Pianisten Finnlands, verf\u00fcgt \u00fcber die Energie und die handwerklichen wie die musikalischen Gestaltungsmittel, um den vertrackten, mal kompakten, mal luziden Klaviersatz mit einer breiten Anschlagspalette vom schwerelos perlenden Lauf bis zum Akkordkaskaden-Martellato zu eloquenter Wirkung zu bringen. Und das mit dem Solisten ideal harmonierende Philharmonische Orchester Tampere unter Eri Klas bleibt der Partitur nichts schuldig an opulentem Glanz und sensitiver Kantabilit\u00e4t. Noch viel Sibelius steckt in der plakativ-wirkungsvollen Zugabe, Einar Englunds Ouvert\u00fcre \u00abEpinikia\u00bb aus dem Jahr 1947. <\/p>\n<p> Wer sich \u00fcber die vielen Facetten der Musik Finnlands \u2013 auch im Bereich von Folk, Jazz und Pop \u2013 ins Bild setzen m\u00f6chte, findet auf der Internetseite des Finnish Music Information Centre FIMIC eine F\u00fclle von Materialien (<a href=\"http:\/\/www.fimic.fi\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">www.fimic.fi<\/a>). <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>ws<\/em>)<\/span><\/p>\n<p><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 430px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\"><a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/exec\/obidos\/ASIN\/B0000AINFV\/codexflores-21\">Einar Englund: Klavierkonzerte 1 &amp; 2\/Epinikia<\/a>. Matti Raekallio, Klavier. Tampere Philharmonic Orchestra. Leitung: Eri Klas. (Ondine ODE 1015-2; 53\u2019)<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>16.11.2003 &#8212; Kaum je fassen mitteleurop\u00e4ische Interpreten, Konzertveranstalter und Tontr\u00e4gerproduzenten die Musik der nordischen L\u00e4nder \u2013 Norwegen, Schweden, Finnland \u2013&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[13],"tags":[],"class_list":["post-883","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-tontraeger-besprechungen","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/883","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=883"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/883\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=883"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=883"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=883"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}