{"id":896,"date":"2014-01-12T16:20:32","date_gmt":"2014-01-12T16:20:32","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/12\/gregor-joseph-werners-instrumental-calender\/"},"modified":"2014-01-12T16:20:32","modified_gmt":"2014-01-12T16:20:32","slug":"gregor-joseph-werners-instrumental-calender","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/12\/gregor-joseph-werners-instrumental-calender\/","title":{"rendered":"Gregor Joseph Werners \u00abInstrumental-Calender\u00bb"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"txt-m-black\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/werner040104.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/>05.02.2004 &#8212; Gregor Joseph Werner: Einst sonnte er sich jahrzehntelang in f\u00fcrstlicher Wertsch\u00e4tzung, doch seit zwei Jahrhunderten hat er sich mit einem k\u00fcmmerlichen Schattendasein zufrieden zu geben. Des Oberhofkapellmeisters Pech war, dass ein Gr\u00f6sserer sein Amtsnachfolger geworden ist. <\/p>\n<p> In Ybbs an der Donau, \u00f6stlich von Linz, wurde Gregor Joseph Werner 1693 geboren. \u00dcber der ersten Lebensphase dieses Sohns eines Tischlermeisters liegt Dunkel; m\u00f6glich, dass er in Wien beim \u00abGradus ad Parnassum\u00bb-Altmeister Johann Joseph Fux studiert hat. Jedenfalls muss der hochtalentierte junge Mann eine fundierte Ausbildung genossen haben. <\/p>\n<p> Erst nach seiner Heirat 1727 lassen sich seine Lebensspuren l\u00fcckenlos verfolgen: 1728 berief ihn die Mutter des mit 17 Jahren noch unm\u00fcndigen Paul Anton Esterh\u00e1zy zum Hofkapellmeister nach Eisenstadt. Die Dame muss sehr religi\u00f6s gewesen sein, denn Werner hatte vor allem f\u00fcr Kirchenmusik zu sorgen. Dementsprechend bilden in seinem Schaffen geistliche Werke den Schwerpunkt, darunter eine Vielzahl von Messen, Vespern, Motetten, Hymnen, Litaneien und deutschen Oratorien. <\/p>\n<p> Nachdem Gregor Joseph Werner w\u00e4hrend 33 Jahren sein Amt versehen hatte, stellte ihm F\u00fcrst Paul II. Anton, vielleicht der sakralen Kl\u00e4nge und gelehrten Kontrapunkte sp\u00e4tbarocker Schule etwas \u00fcberdr\u00fcssig, 1761 einen \u00abhaus-Officier\u00bb als Vizekapellmeister an die Seite, den 29-j\u00e4hrigen Joseph Haydn, und erweiterte die Kapelle mit der neuen Hof- und Kammermusik. (1762 starb Paul Anton, und dessen Bruder Nikolaus I. Joseph, der Baryton-Spieler, wurde zu Haydns grossem F\u00f6rderer.) <\/p>\n<p> Wohl m\u00f6glich, dass Werner, als Oberhofkapellmeister nur noch f\u00fcr die Kirchenmusik verantwortlich, dem um fast zwei Jahrzehnte j\u00fcngeren, f\u00fcr Tafelmusik und Oper zust\u00e4ndigen Neut\u00f6ner Haydn mit Vorbehalten begegnet ist; einen \u00abgsanglmacher\u00bb hat er ihn genannt, und 1765 beschwerte er sich beim F\u00fcrsten \u00fcber Haydns lasche Dienstauffassung.<\/p>\n<p> Nach Werners Tod 1766 r\u00fcckte Haydn auf. Er hielt die Erinnerung an seinen Vorg\u00e4nger wach durch Auff\u00fchrungen und Ausgaben: Noch 1804 ver\u00f6ffentlichte Haydn eine Sammlung von wernerschen Streichquartett-Fugen \u00abaus besonderer Achtung gegen diesen ber\u00fchmten Meister\u00bb.<\/p>\n<p> Dieser weiland ber\u00fchmte, heute nur noch Spezialisten bekannte Meister publizierte in Augsburg 1748 eine Sammlung unter dem barocken Titel \u00abNeuer \/ und sehr curios- \/ Musicalischer \/ Instrumental- \/ Calender, \/ Parthien-wei\u00df [\u2026] \/ in die zw\u00f6lff \/ Jahrs-Monat eingetheilet \/ und \/ Nach eines jedwedern Art und Eigenschafft mit Bizzarien \/ und seltzamen Erfindungen herausgegeben, \/ Durch \/ Gregorium Josephum Werner [\u2026]\u00bb. In der lateinischen Widmung heisst das Werk schn\u00f6rkellos \u00abCalendarium Musicum\u00bb.<\/p>\n<p> Portr\u00e4ts in Noten (Der aberwitzige Bauer, Der spielende Sch\u00e4fer, Der Faulenzende, Der hinkende Bote, Der melancholische Student), Naturschilderungen (Das ver\u00e4nderliche Aprilwetter, Ein Erdbeben, Der liebliche Sommer, Ein Sturmwetter auf der See), Stimmungsbilder (Gute Hoffnung eines gl\u00fcckseligen Jahres, Die Nachsinn- und Betrachtung, Widerhall oder Echo, Der Zeitvertreib, Die Jagd, Der Schlaf oder ein Nachtst\u00fcck) und kalendarische Ereignisse (Die Sonne betritt den Widder, Die Sonne im Krebs, Die Sonne in der Waage) reihen sich zu einem klingenden Gang durch alle Monate. <\/p>\n<p> So bunt die F\u00fclle, so durchdacht aufgebaut ist das Ganze. Jeder Monat ist charakterisiert durch f\u00fcnf (Januar vier) S\u00e4tze in jeweils gleicher Tonart. Die Musik mit einer Vielzahl programmatischer Vorw\u00fcrfe zeugt von Werners handwerklicher und formaler Souver\u00e4nit\u00e4t, von Erfindungsreichtum, Komik, Humor und stets im Zaum gehaltenem Witz. Tonmalerisch f\u00fchrt er die Eigenheiten der einzelnen Monate vor Ohren, Menschen, T\u00e4tigkeiten und Szenen, Tiere, Stimmungen, durchwegs mit sicherem Geschmack, grobschl\u00e4chtigen Effekten abhold. <\/p>\n<p> Phantasie und Konstruktionskunst dokumentiert Gregor Joseph Werner in den sechzehn zweiteiligen Menuetten. Sie reflektieren, verteilt auf die entsprechenden Monate, den jeweiligen Sonnenstand nach Tages- und Nachtl\u00e4nge. Tag- und Nachtgleiche fallen in die Monate M\u00e4rz und September; alle anderen Positionen sind ungleich: im Januar und im November beispielsweise betr\u00e4gt die Tagesl\u00e4nge 9, die Nacht 15 Stunden. Werner setzt dieses Zahlenverh\u00e4ltnis kunstvoll um: Er baut den ersten Teil des in der Regel ja geradtaktigen und symmetrischen Menuetts auf 9 Takten, den zweiten auf 15 Takten auf, ohne dass Ungleichheiten im formalen oder melodischen Verlauf sp\u00fcrbar werden. <\/p>\n<p> Das siebzehnk\u00f6pfige, auf alten Instrumenten spielende Ensemble A Corte Musical unter der Leitung des Fagottisten Rog\u00e9rio Gon\u00e7alves realisiert in wechselnder Zusammensetzung von Streichern und Bl\u00e4sern mit konzertantem Zugriff und Freude an den solistischen Herausforderungen und den Feinheiten der Partitur eine temperamentvolle Darstellung dieser erheiternden Jahreschronik. <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>ws<\/em>)<\/span><\/p>\n<p><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 430px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">Gregor Joseph Werner: Calendarium Musicum. Ensemble A Corte Musical. Leitung: Rog\u00e9rio Gon\u00e7alves. (2 einzeln erh\u00e4ltliche CDs. <a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/exec\/obidos\/ASIN\/B00006BMXY\/codexflores-21\">Gallo 1068<\/a>, 62\u2019, Vol. 1: Januar\u2013Juni \/ <a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/exec\/obidos\/ASIN\/B00008LLVX\/codexflores-21\">Gallo 1069<\/a>, 57\u2019, Vol. 2: Juli\u2013Dezember)<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>05.02.2004 &#8212; Gregor Joseph Werner: Einst sonnte er sich jahrzehntelang in f\u00fcrstlicher Wertsch\u00e4tzung, doch seit zwei Jahrhunderten hat er sich&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[13],"tags":[],"class_list":["post-896","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-tontraeger-besprechungen","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/896","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=896"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/896\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=896"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=896"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=896"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}