{"id":900,"date":"2014-01-12T16:22:33","date_gmt":"2014-01-12T16:22:33","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/12\/tigran-mansurian-ein-portraet\/"},"modified":"2014-01-12T16:22:33","modified_gmt":"2014-01-12T16:22:33","slug":"tigran-mansurian-ein-portraet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/12\/tigran-mansurian-ein-portraet\/","title":{"rendered":"Tigran Mansurian \u2013 ein Portr\u00e4t"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"txt-m-black\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/tigran030304.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/>10.03.2004 &#8212; Armenien: \u00abLand der Steine\u00bb zwischen Orient und Okzident, Schwarzem und Kaspischem Meer. Hauptstadt: Jerewan, einst oft zitiert als Eriwan mit dem fiktiven regimekritischen Radiosender (\u00abIm Prinzip ja, aber\u2026\u00bb).<\/p>\n<p> Armenien: Schmelztiegel abendl\u00e4ndischer und morgenl\u00e4ndischer Kultur mit reichem musikalischem Erbe. Wenige Namen erst sind uns in Westeuropa gel\u00e4ufig: Komitas (Ssogomon Ssogomonjan), Sammler und Herausgeber armenischen Volksliedguts, der die Basis legte f\u00fcr eine eigenst\u00e4ndige armenische Kunstmusik und die musikalische Infrastruktur nach westlichem Vorbild (CD \u00abHayren\u00bb; ECM, 2002), Aram Chatschaturian (\u00abGajaneh\u00bb-Ballett mit dem S\u00e4beltanz; Komponist der Staatshymne der Armenischen Sowjetrepublik), Vertreter der musikalischen Moderne wie Awet Terterian und Tigran Mansurian (viele andere sind nicht \u00fcber die Grenzen ihres Landes bekannt), und, wohl am popul\u00e4rsten, die Bratschistin Kim Kashkashian. <\/p>\n<p> Die Depression der postsowjetischen Zeit wirkt sich auch auf das Musikleben Armeniens aus: An der Musikhochschule der 1,3-Millionen-Stadt Jerewan, an der 800 Studierende immatrikuliert sind, fehlt es an Geld und Materialien, an R\u00e4umlichkeiten, Mobiliar, Instrumenten und Noten. Auch in psychologischer Hinsicht wirkte sich das Ende der Sowjetunion auf die K\u00fcnstler einschneidend aus. Tigran Mansurian beschreibt dies so (im Interview, das im Booklet des vorliegenden Albums abgedruckt ist): \u00abNach dem Zerfall der UdSSR erlebe ich \u2013 wie auch meine ganze Generation \u2013 eine Epoche der Zeitlosigkeit. F\u00fcr viele meiner Kollegen ist die Zeit stehen geblieben, oder, anders gesagt, sie wurden von ihrem Fluss eingesaugt. Ich bevorzuge aber, allein zu sterben. Meine Musik ist auf ihre Art die Botschaft des Ertrinkenden, die er in einer Flasche versiegelt hat, in der Hoffnung, dass jemand sie irgendwann aus dem Wasser zieht und liest.\u00bb <\/p>\n<p> Mansurian, 1939 geboren, wie Martun Israelyan, Aschot Sohrabian, Aram Satyan und andere der Komponistengruppe der Generation der Sechzigerjahre zugeh\u00f6rend, eignete sich nach dem staatlich verordneten Informationsvakuum mit grosser Versp\u00e4tung die westlichen Techniken des 20. Jahrhunderts (Dodekaphonie, serielle Musik, Aleatorik) an, verbindet sie mit Charakteristika der alten armenischen Kirchen- und Volksmusik zu einem Personalstil eigener Klanglichkeit von br\u00fcchigem Gewebe bis zu satter Opulenz, wachsend aus Keimzellen, sich spielerisch-variativ entwickelnd, mal in lyrischem Fluss, mal in dramatischen Verdichtungen. <\/p>\n<p> Ein eindr\u00fcckliches Portr\u00e4t des Komponisten vermittelt das ECM-Album \u00abMonodia\u00bb mit zwei Konzerten (f\u00fcr Viola und Streichorchester, 1995, und f\u00fcr Violine und Streichorchester, 1981), einer Klageode f\u00fcr Sopransaxophon und Viola (\u00abLachrymae\u00bb, 1999) und \u00abConfessing with faith\u00bb f\u00fcr Viola und vier Stimmen auf Gebete des heiligen Nerses, des christlich-armenischen Kirchenpatriarchen aus dem 12. Jahrhundert. Das informative illustrierte Booklet (dt., engl.) f\u00fchrt ein in Mansurians Biographie, Gedankenwelt und Inspirationsquellen: \u00abAlle meine Musik ist autobiographisch.\u00bb <\/p>\n<p> Exemplarische Bedeutung kommt den Interpretationen zu, die mit dem Komponisten erarbeitet worden sind. Kim Kashkashian (Viola), Leonidas Kavakos (Violine), Jan Garbarek (Sopransaxophon), das Hilliard Ensemble und das M\u00fcnchner Kammerorchester unter Christoph Poppen widmen sich ihren Aufgaben mit souver\u00e4ner Kompetenz, facettenreichem Ausdruck und beschw\u00f6render Eindringlichkeit. <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>ws<\/em>)<\/span><\/p>\n<p><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 430px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\"><a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/exec\/obidos\/ASIN\/B0000A5BWU\/codexflores-21\">Tigran Mansurian: Monodia<\/a>. (ECM New Series 1850\/51; 2 CDs; 81\u2019)<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>10.03.2004 &#8212; Armenien: \u00abLand der Steine\u00bb zwischen Orient und Okzident, Schwarzem und Kaspischem Meer. Hauptstadt: Jerewan, einst oft zitiert als&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[13],"tags":[],"class_list":["post-900","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-tontraeger-besprechungen","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/900","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=900"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/900\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=900"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=900"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=900"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}