{"id":902,"date":"2014-01-12T16:23:34","date_gmt":"2014-01-12T16:23:34","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/12\/louis-couperins-oeuvre-fuer-orgel\/"},"modified":"2014-01-12T16:23:34","modified_gmt":"2014-01-12T16:23:34","slug":"louis-couperins-oeuvre-fuer-orgel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/12\/louis-couperins-oeuvre-fuer-orgel\/","title":{"rendered":"Louis Couperins \u0152uvre f\u00fcr Orgel"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"txt-m-black\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/couperin120304.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/>29.03.2004 &#8212; Nicht nur B\u00fccher, auch Partituren haben ihre Schicksale. 1957 erwarb der englische Sammler Guy Oldham ein franz\u00f6sisches Manuskript aus dem 17. Jahrhundert. Darunter fanden sich \u2013 zwar in abweichenden Fassungen \u2013 die beiden einzigen damals bekannten Orgelkompositionen von Louis Couperin; weitere 68 ebenfalls vom gleichen Meister stammende Werke dieses Folianten waren unbekannt. <\/p>\n<p> Die Musikwissenschafter und Organisten mussten ihre Neugier allerdings z\u00e4hmen \u2013 Oldham h\u00fctete seinen Schatz wie weiland Fafner Ring und Tarnkappe. Erst vier Jahrzehnte nach der Entdeckung des Manuskripts willigte der Besitzer ein in die Ver\u00f6ffentlichung aller St\u00fccke. 1995 gingen das Departement Aisne, Radio France und die \u00c9ditions de l\u2019Oiseau-Lyre, Monaco, mit vereinten Kr\u00e4ften an die Publikation der 70 Werke; seit 2003 liegen sie gedruckt vor. <\/p>\n<p> Der Name Couperin besitzt Klang und Renommee: Mitglieder dieser franz\u00f6sischen Musikerfamilie hatten w\u00e4hrend 174 Jahren das Organistenamt an Saint-Gervais in Paris inne. Bekanntester Tr\u00e4ger des Namens ist Fran\u00e7ois Couperin, genannt \u00able Grand\u00bb \u2013 Louis Couperin war sein Onkel. <\/p>\n<p> Er muss hochtalentiert gewesen sein, dieser Louis, geboren um 1626 in Chaumes-en-Brie s\u00fcd\u00f6stlich von Paris. 1650 nahm ihn Jacques Champion de Chambonni\u00e8res, ber\u00fchmter Cembalist, Geiger und Komponist, in der Hauptstadt unter seine Fittiche. Drei Jahre sp\u00e4ter trat Louis als erster seiner Dynastie das Amt des Organisten an St-Gervais an, das er bis zu seinem fr\u00fchen Tod innehatte \u2013 er starb mit etwa 35 Jahren 1661. <\/p>\n<p> Louis Couperin, der durch Johann Jacob Froberger mit der Musik Frescobaldis vertraut wurde, machte sich als Organist, Cembalist, Violenspieler im Kammermusikensemble von Ludwig XIV. und als Komponist einen Namen. Erhalten geblieben sind aus seiner Hand unter anderem 134 Cembalowerke, die zu den herausragenden Sch\u00f6pfungen dieser Gattung geh\u00f6ren, und die 70 St\u00fccke f\u00fcr Orgel, die Davitt Moroney integral eingespielt hat, 45 davon als Erstaufnahmen. <\/p>\n<p> In den zwischen 1650 und 1659 entstandenen Orgelwerken (liturgische S\u00e4tze, Fantasien, Fugen, ein Pr\u00e9lude) sind der polyphone Stil der Postrenaissance und der Formen- und Ausdrucksreichtum der neuen Barockmusik eine durch Innenspannung getragene Verbindung von erstaunlicher Vielfalt und K\u00fchnheit eingegangen. Exzellentes Handwerk, k\u00fcnstlerische Originalit\u00e4t, Intellekt, Eleganz und Expressivit\u00e4t (auch in den Kontrapunkten) pr\u00e4gen die Werke Louis Couperins, die zum herausragenden Erbe der franz\u00f6sischen Orgelmusik geh\u00f6ren, ein Br\u00fcckenpfeiler zwischen dem Schaffen von Jehan Titelouze und Guillaume-Gabriel Nivers. <\/p>\n<p> Davitt Moroney (geboren 1950), dessen erste Aufnahme 1983 Louis Couperins \u0152uvre f\u00fcr Cembalo war, hat die 70 S\u00e4tze \u2013 mit wenigen Ausnahmen in der Reihenfolge des Manuskripts \u2013 inspiriert und mit eminenter Klangphantasie eingespielt in der Abteikirche Saint-Michel-en-Thi\u00e9rache, auf der \u00e4ltesten franz\u00f6sischen Barockorgel, die im praktisch originalen Zustand von 1714 erhalten geblieben ist. Deren hohe Qualit\u00e4ten, zu denen die kernigen Lingualregister geh\u00f6ren, entfalten sich eindr\u00fccklich in 57 verschiedenen (im Booklet dokumentierten) Registrierungen. <\/p>\n<p> Um die Ger\u00e4usche der elektrischen Windversorgung zu vermeiden und die kurzhallige Akustik der Kirche nicht zu beeintr\u00e4chtigen, spannte Moroney w\u00e4hrend der einw\u00f6chigen Aufnahmezeit Kalkanten (Balgtreter) ein. Und er machte in einigen Trios auch Gebrauch von der Dritten Hand, wie sie Andr\u00e9 Raison in seinem Livre d\u2019Orgue von 1688 empfahl: Ein zweiter Spieler \u00fcbernimmt eine der drei Stimmen, in der Regel den Bass. <\/p>\n<p> Drei Gl\u00fccksf\u00e4lle in einer Gesamteinspielung: ein gewichtiger Orgelmusikkorpus, ein grossartiges Instrument, eine packende Interpretation. <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>ws<\/em>)<\/span><\/p>\n<p><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 430px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">Louis Couperin: L\u2019\u0153uvre d\u2019orgue. Davitt Moroney an der Jean-Boizard-Orgel der Abteikirche Saint-Michel-en-Thi\u00e9rache. (Collections Temp\u00e9raments TEM 316101\/3; 3 CDs; 2h26\u2019. Booklet franz.\/engl.)<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>29.03.2004 &#8212; Nicht nur B\u00fccher, auch Partituren haben ihre Schicksale. 1957 erwarb der englische Sammler Guy Oldham ein franz\u00f6sisches Manuskript&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[13],"tags":[],"class_list":["post-902","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-tontraeger-besprechungen","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/902","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=902"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/902\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=902"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=902"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=902"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}