{"id":91,"date":"2014-01-09T12:40:56","date_gmt":"2014-01-09T12:40:56","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/09\/chailly-und-die-brahms-sinfonien\/"},"modified":"2014-01-09T12:40:56","modified_gmt":"2014-01-09T12:40:56","slug":"chailly-und-die-brahms-sinfonien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/09\/chailly-und-die-brahms-sinfonien\/","title":{"rendered":"Chailly und die Brahms-Sinfonien"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"txt-m-black\"><img decoding=\"async\" src=\"images\/archivbilder\/131206brahms.jpg\" border=\"0\" alt=\"Cover Brahms-Sinfonien\" style=\"float: left; margin: 4px;\" \/>Nachdem Barock und Klassik als Studienobjekte f\u00fcr historisch-informiertes Musizieren mehr oder weniger ausgereizt sind, konzentriert sich in der deutschen Musik zur Zeit einiges auf die sinfonischen Beethoven-Nachfolger Schumann, Brahms, Bruckner bis hin zu Mahler. Insofern ist ein Gesamtblick aufs sinfonische Schaffen von Brahms mit einem Seitenblick auf orchestrale Gelegenheitskompositionen des b\u00e4rtigen Tonsch\u00f6pfers (Ouvert\u00fcren, Intermezzi, T\u00e4nze und so weiter) nichts \u00fcberaus Originelles. <\/p>\n<p> Wenn das Gewandhausorchester Derartiges unternimmt, dann darf man aber durchaus Interesse zeigen, denn sein ehemaliger langj\u00e4hriger Chefdirigent Kurt Masur hatte das pathetische, deutsch-dunkle und schwere Brahms-Klangbild des 20. Jahrhunderts wesentlich mitgepr\u00e4gt. Zuvor hatten, wie Peter Korfmacher im Booklet zur Tripel-CD schreibt, der in Winterthur beerdigte Felix Weingartner (mit expliziter Billigung von Brahms), Artur Toscanini und Bruno Walter sie \u00abrein, ohne Extreme und verankert in einer Tradition, die heute versch\u00fcttet scheint\u00bb interpretiert, eher klassisch also, denn romantisch.<\/span><\/p>\n<p><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\"><span class=\"txt-m-black\"><img decoding=\"async\" src=\"images\/archivbilder\/131206brahms.jpg\" border=\"0\" alt=\"Cover Brahms-Sinfonien\" style=\"float: left; margin: 4px;\" \/><\/span>Nachdem Barock und Klassik als Studienobjekte f\u00fcr historisch-informiertes Musizieren mehr oder weniger ausgereizt sind, konzentriert sich in der deutschen Musik zur Zeit einiges auf die sinfonischen Beethoven-Nachfolger Schumann, Brahms, Bruckner bis hin zu Mahler. Insofern ist ein Gesamtblick aufs sinfonische Schaffen von Brahms mit einem Seitenblick auf orchestrale Gelegenheitskompositionen des b\u00e4rtigen Tonsch\u00f6pfers (Ouvert\u00fcren, Intermezzi, T\u00e4nze und so weiter) nichts \u00fcberaus Originelles. <\/p>\n<p> Wenn das Gewandhausorchester Derartiges unternimmt, dann darf man aber durchaus Interesse zeigen, denn sein ehemaliger langj\u00e4hriger Chefdirigent Kurt Masur hatte das pathetische, deutsch-dunkle und schwere Brahms-Klangbild des 20. Jahrhunderts wesentlich mitgepr\u00e4gt. Zuvor hatten, wie Peter Korfmacher im Booklet zur Tripel-CD schreibt, der in Winterthur beerdigte Felix Weingartner (mit expliziter Billigung von Brahms), Artur Toscanini und Bruno Walter sie \u00abrein, ohne Extreme und verankert in einer Tradition, die heute versch\u00fcttet scheint\u00bb interpretiert, eher klassisch also, denn romantisch.<\/span><\/p>\n<p> Die Musiker des Gewandhausorchesters h\u00e4tten denn auch \u00abteilweise mit Befremden\u00bb auf Chaillys R\u00fcckgriffe reagiert, vor allem \u00abwenn Details besonders stark abwichen.\u00bb Aber die Bereitschaft, Chailly auf diesem Weg zu folgen, sei dennoch gross gewesen. Die Unterschiede l\u00e4gen in \u00abunz\u00e4hligen Details\u00bb, vor allem in den Tempi. Die Dramatik dieser Musik werde so ohne Exzesse h\u00f6rbar. <\/p>\n<p> Leipzig hat bei Brahms etwas gutzumachen: Der Rezensent der Leipziger <em>Signale f\u00fcr die musikalische Welt<\/em> schrieb in den 1850er-Jahren nach einer vollst\u00e4ndig misslungenen Brahms-Auff\u00fchrung, man m\u00fcsse in dieser Musik \u00abW\u00fcrgen und W\u00fchlen, Zerren und Ziehen, Zusammenflicken und Auseinanderreissen von Floskeln ertragen\u00bb. Nicht gerade eine Liebesgeschichte der Stadt mit dem Komponisten, auch wenn dieser in der geb\u00fcrtigen Leipzigerin Clara Schumann eine Seelenverwandte (wenn nicht mehr) gefunden hatte. Einen Ruf an die Thomaskirche als ferner Nachfolger Bachs im Kantorenamt schlug er sp\u00e4ter denn auch aus. <\/p>\n<p> Die hier vorliegenden Interpretationen Chaillys und des Gewandhausorchesters kommen frisch und spielfreudig daher, wer dem akademischen Brahms mit einer Vorliebe zu dunklen Alt-Timbres wenig abgewinnen kann, der d\u00fcrfte sich davon allerdings auch nicht zum Liebhaber bekehren lassen. F\u00fcr andere wird die Zurkenntnisnahme dieser Sammlung allerdings zur Pflicht werden. <em>(wb)<\/em><\/p>\n<p> <span class=\"txt-s-black\" style=\"font-size: x-small;\"><em>Brahms: The Symphonies. Gewandhausorchester, Riccardo Chailly, Decca\/Universal, 3 CDs, Best.-Nr. 478 5344.<\/em> <\/span><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><span class=\"txt-m-black\"><img decoding=\"async\" src=\"images\/archivbilder\/131206brahms.jpg\" border=\"0\" alt=\"Cover Brahms-Sinfonien\" style=\"float: left; margin: 4px;\" \/>Nachdem Barock und Klassik als Studienobjekte f\u00fcr historisch-informiertes Musizieren mehr oder weniger ausgereizt sind, konzentriert sich in der deutschen Musik zur Zeit einiges auf die sinfonischen Beethoven-Nachfolger Schumann, Brahms, Bruckner bis hin zu Mahler. Insofern ist ein Gesamtblick aufs sinfonische Schaffen von Brahms mit einem Seitenblick auf orchestrale Gelegenheitskompositionen des b\u00e4rtigen Tonsch\u00f6pfers (Ouvert\u00fcren, Intermezzi, T\u00e4nze und so weiter) nichts \u00fcberaus Originelles. <\/p>\n<p> Wenn das Gewandhausorchester Derartiges unternimmt, dann darf man aber durchaus Interesse zeigen, denn sein ehemaliger langj\u00e4hriger Chefdirigent Kurt Masur hatte das pathetische, deutsch-dunkle und schwere Brahms-Klangbild des 20. Jahrhunderts wesentlich mitgepr\u00e4gt. Zuvor hatten, wie Peter Korfmacher im Booklet zur Tripel-CD schreibt, der in Winterthur beerdigte Felix Weingartner (mit expliziter Billigung von Brahms), Artur Toscanini und Bruno Walter sie \u00abrein, ohne Extreme und verankert in einer Tradition, die heute versch\u00fcttet scheint\u00bb interpretiert, eher klassisch also, denn romantisch.<\/span><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[4],"tags":[],"class_list":["post-91","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-im-gespraech","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/91","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=91"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/91\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=91"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=91"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=91"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}