{"id":914,"date":"2014-01-12T16:30:11","date_gmt":"2014-01-12T16:30:11","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/12\/vicente-martin-y-soler-1754-1806\/"},"modified":"2014-01-12T16:30:11","modified_gmt":"2014-01-12T16:30:11","slug":"vicente-martin-y-soler-1754-1806","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/12\/vicente-martin-y-soler-1754-1806\/","title":{"rendered":"Vicente Mart\u00edn y Soler, 1754\u20131806"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"txt-m-black\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/martin120704.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/>16.07.2004 &#8212; Martini \u00ablo Spagnuolo\u00bb oder \u00abil Valenziano\u00bb, wie er seiner Herkunft wegen auch genannt wird, verdankt die weltweite Pr\u00e4senz seines Namens einem gr\u00f6sseren Komponisten: Mozart zitiert in der Tafelmusik des \u00abDon Giovanni\u00bb eine Arie aus Vicente Mart\u00edn y Solers \u00abUna cosa rara\u00bb (1786). Der Protagonist, musischen Gen\u00fcssen des Lebens abhold, erkennt die Quelle alsogleich, Zeichen f\u00fcr die Popularit\u00e4t der Opera buffa des 1754 im spanischen Valencia geborenen Komponisten. <\/p>\n<p> In Madrid gab Atanasio Mart\u00edn Ignacio Vicente Tedeo Francisco Pelegrin Mart\u00edn y Soler sein Deb\u00fct mit der Zarzuela \u00abLa madrile\u00f1a\u00bb, ab 1776 ist er als Vincenzo Martino in Italien anzutreffen, wo er in Bologna vermutlich bei Padre Martini studierte, der gr\u00f6ssten musikalischen Autorit\u00e4t seiner Zeit. 1785 zog er nach Wien. Dort begann die erfolgreiche Zusammenarbeit mit Lorenzo da Ponte; ihr sollten f\u00fcnf Opern entspringen. <\/p>\n<p> Drei Jahre sp\u00e4ter folgte Mart\u00edn y Soler dem Ruf der Zarin Katharina II. ins Amt des Maestro di cappella. Seit 1790 war er zudem Musiklehrer an einem Institut f\u00fcr adlige Knaben und neben Domenico Cimarosa Komponist f\u00fcr die kaiserlichen Theater von St. Petersburg, wo er ausser italienischen Textb\u00fcchern auch zwei russische Libretti von Katharina II. vertonte. Nach einem Aufenthalt in London (1794\u20131796) wurde er von Zar Paul I. zum Kaiserlichen Russischen Hofrat ernannt und zum Inspektor der italienischen Hoftheatertruppe bef\u00f6rdert. 1806 ist Mart\u00edn y Soler in St. Petersburg 52-j\u00e4hrig gestorben. <\/p>\n<p> Zur\u00fcck ins Jahr 1795. Lorenzo da Ponte, nach dem Tod Kaiser Josephs II. ohne potenten G\u00f6nner, hatte Wien verlassen und kam 1792 nach London (1805 reist er nach Amerika weiter, 1838 starb er in New York). In der britischen Metropole bestellte William Taylor, Direktor des Italian Theatre in the Haymarket, bei da Ponte zwei Libretti, darunter das Dramma giocoso \u00abLa capricciosa corretta o sia La scola de\u2019 maritati\u00bb. Die Vertonung \u00fcbernahm Mart\u00edn y Soler; innerhalb von drei Wochen lag seine Partitur vor. Der Urauff\u00fchrung von Ende Januar 1795 folgten elf weitere Vorstellungen. Auch auf dem Kontinent begeisterte \u00abLa capricciosa corretta\u00bb, \u00fcbersetzt etwa \u00abDie gebesserte Eigensinnige\u00bb: Auff\u00fchrungsserien sind in verschiedenen L\u00e4ndern nachgewiesen bis 1824. <\/p>\n<p> Vertrackt ist die Quellenlage des Werks. Der franz\u00f6sische Cembalist und Dirigent Christophe Rousset, Gr\u00fcnder (1991) und Leiter des Vokal- und Instrumentalensembles Les Talens Lyriques (Montpellier), hat es unternommen, die verstreut in Wien, Darmstadt, Genua, Neapel und Paris erhaltenen Partiturteile, Varianten und Alternativen zu sichten; in seiner kritischen Edition der zweiaktigen Oper st\u00fctzt er sich prim\u00e4r auf das in der Accademia Chigiana in Siena aufbewahrte Manuskript vom Mai 1796. Die Auff\u00fchrung, deren Einspielung nun vorliegt, wurde realisiert als Koproduktion der Opern von Lausanne und Bordeaux sowie des Teatro de la Zarzuela in Madrid. <\/p>\n<p> In einer goldonischen Welt und in Neapel entwickelt sich die Handlung zwischen Morgen und Abend. In Bonarios Haus hat seine extravagante Gattin Donna Ciprigna die Hosen an, was nicht l\u00e4nger so bleiben darf; mit Hilfe des schlauen Dieners Fiuta wird die widerspenstige Aufst\u00e4ndische gez\u00e4hmt, der Hausherr in seine Rechte eingesetzt, die M\u00e4nnerwelt in Ordnung gebracht. <\/p>\n<p> Mart\u00edn y Soler hat da Pontes witziges Libretto, in dem die Personen (drei Soprane, zwei Ten\u00f6re, drei Baritone) die sozialen Klassen Aristokratie, Bourgeoisie und Domestiken vertreten, in eine spritzige, in hellen Orchesterfarben und starken Kontrasten funkelnde Musik gekleidet, mit schwungvollen Rezitativen (hier gest\u00fctzt durch den Hammerfl\u00fcgel), launigen Arien und inspirierten, Mozart nahen Ensembles. Psychologische Vertiefung der Typen mit musikalischen Mitteln ist Mart\u00edn y Solers Sache dagegen nicht. <\/p>\n<p> Christophe Roussets einf\u00fchlsamer Leitung, welche die Sch\u00f6nheiten im Einzelnen dem beschwingten Ganzen eingliedert, den rollentypischen S\u00e4ngerinnen und S\u00e4ngern, deren Stimmcharaktere ideal harmonieren, und den Instrumentalisten von Les Talens Lyriques ist eine rundum gegl\u00fcckte Ehrenrettung des Vicente Mart\u00edn y Soler und seiner exquisiten \u00abCapricciosa corretta\u00bb zu danken. <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>ws<\/em>)<\/span><\/p>\n<p><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 430px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\"><a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/exec\/obidos\/ASIN\/B0001GCMWC\/codexflores-21\">Mart\u00edn Y Soler: \u00abLa Capricciosa Corretta\u00bb<\/a>. Marguerite Krull, Raffaella Milanesi, Katia Velletaz (Sopran), Emiliano Gonzalez-Toro, Yves Saelens (Tenor), Enrique Baquerizo, Carlos Marin, Josep Miquel Ramon (Bariton). Les Talens Lyriques. Leitung: Christophe Rousset. (Na\u00efve E 8887; 2 CDs; 2h15\u2019. \u2013 Booklet franz.\/engl.; Libretto ital.\/franz.\/engl.)<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>16.07.2004 &#8212; Martini \u00ablo Spagnuolo\u00bb oder \u00abil Valenziano\u00bb, wie er seiner Herkunft wegen auch genannt wird, verdankt die weltweite Pr\u00e4senz&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[13],"tags":[],"class_list":["post-914","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-tontraeger-besprechungen","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/914","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=914"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/914\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=914"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=914"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=914"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}