{"id":918,"date":"2014-01-12T16:32:05","date_gmt":"2014-01-12T16:32:05","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/12\/filmmusik-von-schostakowitsch\/"},"modified":"2014-01-12T16:32:05","modified_gmt":"2014-01-12T16:32:05","slug":"filmmusik-von-schostakowitsch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/12\/filmmusik-von-schostakowitsch\/","title":{"rendered":"Filmmusik von Schostakowitsch"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"txt-m-black\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/schosta240904.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/>11.10.2004 &#8212; 1923, Leningrad, Filmtheater \u00abLichtes Band\u00bb. Am Klavier unter der Leinwand sitzt ein schm\u00e4chtiger, grossbebrillter J\u00fcngling und improvisiert die Musik zum Stummfilm: der 17-j\u00e4hrige Student Dmitri Schostakowitsch. Er hatte, wie er in seinen Memoiren erz\u00e4hlt, \u00abdie menschlichen Leiden auf der Leinwand musikalisch zu illustrieren. Es war widerlich und sehr erm\u00fcdend. Schwerstarbeit bei einem winzigen Gehalt. Aber ich hielt durch in der Vorfreude auf die wenn auch noch so unbedeutende Summe. Wir hatten das Geld bitter n\u00f6tig.\u00bb <\/p>\n<p> Zweifelsohne lernte der hochbegabte junge Pianist bei dieser Knochenarbeit manch Grunds\u00e4tzliches \u00fcber die Filmdramaturgie, die Stimmungen, die Charaktere und die Umsetzung der stummen Bilder in ad\u00e4quate, m\u00f6glichst ausdrucksgeladene Klaviermusik. Die praktische Erfahrung und die Aussicht aufs Honorar m\u00f6gen dann Hand in Hand gegangen sein, als Schostakowitsch nach den Sinfonien 1 und 2, der 1. Klaviersonate und seiner ersten Oper \u00abDie Nase\u00bb 1928\/29 seine erste Filmmusik verfasste zum Stummfilm \u00abDas neue Babylon\u00bb (von Kosinzew und Trauberg). Der Komposition von (live gespielter) Orchestermusik zu Filmen und dann von (aufgezeichneter) Filmmusik blieb er bis f\u00fcnf Jahre vor seinem Tod treu: 1970 schrieb er seine 34. Filmpartitur (zu Kosinzews \u00abK\u00f6nig Lear\u00bb). In der gleichen Zeitspanne von \u00fcber vier Jahrzehnten schuf er auch seine Sinfonien und Streichquartette. <\/p>\n<p> F\u00fcr Schostakowitsch war die Gattung Filmmusik nicht nur eine M\u00f6glichkeit, zu Einnahmen zu kommen; vielmehr noch bot sie ihm immer wieder Zuflucht und gesch\u00fctzten Raum in der Epoche grausamer stalinistischer Repression. Denn mit brillant inszenierter Filmmusik, in der er auf Experimente und Selbstbekenntnisse (nicht aber auf \u00fcberdrehte heroische Geb\u00e4rden, Witz und bissige Ironie) verzichten musste, konnte er sich den Filmfan Stalin gewogen halten. \u00dcberlebt hat die Musik, w\u00e4hrend viele der nach dem Modell des sozialistischen Realismus verfertigten Filme sp\u00e4testens nach Stalins Tod in der Versenkung verschwanden. <\/p>\n<p> Dass Schostakowitsch in die Gilde der bedeutenden Filmmusikkomponisten einzureihen ist, basiert nicht allein auf der Zahl seiner Partituren, auch die Originalit\u00e4t und Kraft ihrer Inspiration und die satz- und instrumentationstechnische Qualit\u00e4t lassen ihn als einen der Grossen dieses Fachs erkennen.<\/p>\n<p> Eine M\u00f6glichkeit, dies an vielf\u00e4ltigen Beispielen nachzupr\u00fcfen, bietet das vorliegende Album mit 32 S\u00e4tzen aus neun Filmen, die zwischen 1930 und 1970 entstanden sind. Die St\u00fccke wurden kompiliert aus bereits fr\u00fcher beim Label Capriccio erschienenen CDs mit Filmmusik von Schostakowitsch und \u00fcberzeugen durch expressive, glanzvoll vitale Interpretationen. <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>ws<\/em>)<\/span><\/p>\n<p><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 430px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">Dmitri Shostakovich: <a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/exec\/obidos\/ASIN\/B0002A4IEM\/codexflores-21\">Filmmusik<\/a>. Rundfunkchor Berlin. Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin. Radio-Symphonie-Orchester Berlin. Deutsches Symphonie-Orchester Berlin. Leitung: Michail Jurowski, Leonid Grin, James Judd. (Capriccio 51150; 2 CDs; 120\u2019)<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>11.10.2004 &#8212; 1923, Leningrad, Filmtheater \u00abLichtes Band\u00bb. 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