{"id":920,"date":"2014-01-12T16:32:59","date_gmt":"2014-01-12T16:32:59","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/12\/rachmaninows-variationen\/"},"modified":"2014-01-12T16:32:59","modified_gmt":"2014-01-12T16:32:59","slug":"rachmaninows-variationen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/12\/rachmaninows-variationen\/","title":{"rendered":"Rachmaninows Variationen"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"txt-m-black\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/rachman071104.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/>16.11.2004 &#8212; H\u00f6chste Virtuosit\u00e4t ist in der Musik immer mit dem Leibhaftigen, nie mit dem doch omnipotenten lieben Gott in Verbindung gebracht worden. So auch beim \u00abMagier\u00bb und \u00abTeufelsgeiger\u00bb Niccol\u00f2 Paganini (1782\u20131840), der sein Publikum, die Dichter und Maler, die Geiger und Pianisten, die komponierenden Kollegen seiner Epoche mit ph\u00e4nomenalem Spiel und d\u00fcster-skurrilem Verhalten in Bann schlug. <\/p>\n<p> Der Genueser, der sich das geigerische Metier grossenteils autodidaktisch beigebracht hatte, entz\u00fcndete Leidenschaften, Bewunderung und Verehrung \u2013 Schumann sah in Paganini den \u00abWendepunkt der Virtuosit\u00e4t\u00bb, und der 20-j\u00e4hrige Liszt, der Paganini erstmals 1831 in Paris begegnet war, entwickelte eine dem ph\u00e4nomenalen Geiger nachempfundene Spieltechnik auf dem Klavier. <\/p>\n<p> W\u00e4hrend das kompositorische Schaffen Paganinis im Konzertleben kaum Spuren hinterlassen hat, geistert der legend\u00e4re Geiger bis auf den heutigen Tag in einer Vielzahl von Partituren herum, in der Regel mit nur einem einzigen Werk: der Caprice in a-Moll, op. 1, Nr. 24, f\u00fcr Solovioline. Variationen \u00fcber das charakteristische Thema stammen u. a. von Nathan Milstein (f\u00fcr Geige), George Ball (Orgelpedal), Joseph Horowitz (Bl\u00e4ser), Brahms (Studien op. 35 f\u00fcr Klavier), Lutoslawski (2 Klaviere bzw. Klavier und Orchester), Boris Blacher (Orchester) und vom Musical-Komponisten Andrew Lloyd Webber (Cello mit Klavier bzw. Orchester). Robert Schumann \u00fcbrigens versah alle 24 Capricen mit einer Klavierbegleitung. <\/p>\n<p> Zwei Kompositionen haben sich in der Publikumsgunst verankert und im Repertoire gehalten: die Paganini-Variationen von Lutoslawski (1941) und die \u00abRapsodie en forme de variations sur un th\u00e8me de Paganini\u00bb op. 43 f\u00fcr Klavier und Orchester von Sergei Rachmaninow (1873\u20131943) aus dem Jahr 1934. Anzumerken ist, dass sich der seit 1917 im Exil in Europa und den USA lebende Russe noch einer weiteren beliebten Anleihe bedient hat: In vier der Variationen zitiert er die gregorianische Totenmesse-Sequenz \u00abDies irae\u00bb (zudem auch in der Sinfonischen Dichtung \u00abDie Toteninsel\u00bb und seiner 1. Sinfonie). Rachmaninow ist als Wiederverwerter des \u00abDies irae\u00bb in zahlreicher Gesellschaft: Berlioz, Britten, Chatschaturjan, Henze, Honegger, Liszt, Mahler, Saint-Sa\u00ebns, Schnittke, Schostakowitsch, Galina Ustwolskaja, Bernd Alois Zimmermann und manch andere zitieren das Motiv. <\/p>\n<p> Der 1972 in Moskau geborene, bei Tatjana Nikolajewa und Sergei Dorensky ausgebildete Pianist Nikolai Lugansky, der sich als Mozart-, Schumann-, Chopin- und Rachmaninow-Interpret profilierte, hat eine Einspielung des Gesamtwerks f\u00fcr Klavier und Orchester von Rachmaninow in Angriff genommen mit den Klavierkonzerten 1 und 3, dem nun, auch bei Warner Classics, seine Interpretation der Rachmaninow-Rhapsodie folgt. <\/p>\n<p> Dem popul\u00e4ren letzten Klavierwerk Rachmaninows hat Lugansky die beiden Variationszyklen f\u00fcr Klavier beigesellt: Die Variationen \u00fcber ein Thema von Chopin op. 22 aus dem Jahr 1903 und die Variationen \u00fcber ein Thema von Corelli op. 42 von 1931. Die 22 Ver\u00e4nderungen \u00fcber Chopins c-Moll-Pr\u00e9lude op. 28, Nr. 20, sind in Et\u00fcdenart gehalten und in Grossform gegliedert als eine dreiteilige Sonate. Ebenfalls dreiteilig sind die Corelli-Variationen, deren Thema allerdings auf einem seit dem 15. Jahrhundert bekannten und oft zitierten, variierten und paraphrasierten Volkstanz \u00abLa Folia\u00bb (\u00abFolies d\u2019Espagne\u00bb) beruht; viele Komponisten griffen darauf zur\u00fcck \u2013 Rachmaninow hat das Thema in Arcangelo Corellis Violinsonate op. 5, Nr. 12, entdeckt. <\/p>\n<p> Sch\u00f6nf\u00e4rberisch zu nennen ist Rachmaninows Aussage, seine Paganini-Variationen seien \u00abtats\u00e4chlich ziemlich schwierig\u00bb; er (einer der f\u00fchrenden Pianisten seiner Generation) m\u00fcsse mit Blick auf die Urauff\u00fchrung anfangen mit dem \u00dcben. Nikolai Lugansky jedenfalls hat so intensiv ge\u00fcbt, dass die horrenden technischen Anforderungen des Parts in seinem Spiel zum faszinierenden ungetr\u00fcbten H\u00f6rerlebnis werden. Sein Anschlag besitzt Leichtigkeit und Eleganz, verf\u00fcgt \u00fcber eine breite Palette an N\u00fcancen vom Scherzando bis zum Maestoso, vom hingetupften Leggiero bis zum energischen Martellato. Der virtuose Impetus, die pointierte Rhythmik und die klangliche Transparenz finden ihre Entsprechung im City of Birmingham Symphony Orchestra, das vom Finnen Sakari Oramo zu differenzierter, eng mit dem Solisten korresponierender Gestaltung angeleitet wird. <\/p>\n<p> Vitalit\u00e4t und Lyrik, Kraft und Poesie zeichnen auch die Interpretationen der beiden Solowerke aus. Lugansky gliedert die Kleinform, die einzelnen in ihrer Charakteristik betonten Variationen, einer das ganze Werk durchziehenden grossr\u00e4umigen Entwicklung ein und erweist sich auch hier als ein Meister im Beherrschen der Klangr\u00e4ume und Klangschichten. <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>ws<\/em>)<\/span><\/p>\n<p><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 430px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">Rachmaninov: Rhapsody on a Theme of Paganini. Variations on a Theme of Corelli. Variations on a Theme of Chopin. Nikolai Lugansky, Klavier. City of Birmingham Symphony Orchestra. Leitung: Sakari Oramo. (Warner Classics 2564 60613-2; 74\u2019)<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>16.11.2004 &#8212; H\u00f6chste Virtuosit\u00e4t ist in der Musik immer mit dem Leibhaftigen, nie mit dem doch omnipotenten lieben Gott in&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[13],"tags":[],"class_list":["post-920","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-tontraeger-besprechungen","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/920","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=920"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/920\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=920"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=920"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=920"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}