{"id":921,"date":"2014-01-12T16:33:42","date_gmt":"2014-01-12T16:33:42","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/12\/kostbare-furtwaengler-dokumente\/"},"modified":"2014-01-12T16:33:42","modified_gmt":"2014-01-12T16:33:42","slug":"kostbare-furtwaengler-dokumente","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/12\/kostbare-furtwaengler-dokumente\/","title":{"rendered":"Kostbare Furtw\u00e4ngler-Dokumente"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"txt-m-black\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/furtw251104.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/>16.11.2004 &#8212; Ein halbes Jahrhundert nach seinem Hinschied \u2013 er starb am 30. November 1954 im Alter von 68 Jahren \u2013 ist der deutsche Dirigent Wilhelm Furtw\u00e4ngler, der sich prim\u00e4r als Komponist verstand, eine legend\u00e4re Figur und selbst jenen im Bewusstsein geblieben, denen nur ein kleiner Bereich seines interpretatorischen Schaffens pr\u00e4sent ist. Diverse CD-Alben bringen eine Vielzahl repr\u00e4sentativer Mitschnitte wieder zu Geh\u00f6r, die entweder l\u00e4ngst vergriffen sind oder in Einzelf\u00e4llen noch nie ver\u00f6ffentlicht wurden. <\/p>\n<p> Das Label Orfeo hat in seiner 1992 begonnenen Serie \u00abFestspieldokumente\u00bb mit Aufnahmen aus Salzburg Live-Einspielungen der Orchesterkonzerte der Wiener Philharmoniker unter Furtw\u00e4nglers Leitung zwischen 1949 und 1954 in einer acht CDs umfassenden Kassette ediert. Sie enth\u00e4lt alle Konzertaufnahmen, die im Lauf der Jahre bei Orfeo erschienen sind, sowie einige Rarit\u00e4ten, die erstmals auf CD publiziert werden. <\/p>\n<p> Erstaunlich und seltsam: Furtw\u00e4nglers Ruhm als singul\u00e4rer Dirigent war l\u00e4ngst unangefochten, doch die Originalb\u00e4nder seiner Salzburger Festspielkonzerte haben sich \u2013 mit einer Ausnahme \u2013 im Sender Rotweissrot, dem bis 1954 f\u00fcr die \u00dcbertragung der Festspiele zust\u00e4ndigen Rundfunk, nicht erhalten. Das letzte Festspielkonzert von 1954 existiert in einer Kopie im Archiv des Landesstudios Salzburg; einige fr\u00fche Mitschnitte haben sich in deutschen Radioarchiven erhalten, doch die meisten in diesem Album ver\u00f6ffentlichten Tondokumente sind privaten Sammlern zu verdanken. Kein Wunder, dass man das den (Mono-)Aufnahmen anh\u00f6rt. Allerdings wurden sie f\u00fcr diese Edition sorgf\u00e4ltig und zur\u00fcckhaltend digital \u00fcberarbeitet, ohne den Reiz der akustischen (mit manchen Hustern versetzten) Patina zu plafonieren oder den typischen Furtw\u00e4ngler-Klang auszun\u00fcchtern. <\/p>\n<p> Um auch einen Eindruck von Furtw\u00e4nglers Programmierung zu vermitteln, wurden \u2013 wo m\u00f6glich \u2013 die Konzertabende als ganze rekonstruiert: so Konzerte von 1950 (mit Bachs Brandenburgischen Konzerten 3 und 5 und Beethovens Eroica), zwei von 1951 (Mendelssohns Hebriden-Ouvert\u00fcre, Mahlers \u00abLieder eines fahrenden Gesellen\u00bb und Bruckners F\u00fcnfte im einen sowie Beethovens Neunte im andern), von 1953 (Strauss\u2019 \u00abDon Juan\u00bb, in einer sp\u00e4ter entstandenen Studioproduktion, Hindemiths \u00abHarmonie der Welt\u00bb und Schuberts grosse C-Dur-Sinfonie) und von 1954 (Beethoven-Programm mit den Sinfonien 7 und 8 und der Grossen Fuge op. 133), \u00fcbrigens das letzte Konzert der Wiener Philharmoniker unter Furtw\u00e4ngler, genau drei Monate vor dessen Tod. <\/p>\n<p> Ausschnitte aus Konzertabenden sind Pfitzners C-Dur-Sinfonie (aus dem Konzert von 1949) und (aus dem Konzert von 1950) Strawinskys Sinfonie in drei S\u00e4tzen und Brahms\u2019 Vierte \u2013 von dem im gleichen Programm enthaltenen \u00abTill Eulenspiegel\u00bb von Strauss hat sich die Aufnahme nicht erhalten. <\/p>\n<p> Die Salzburger Interpretationen aus Furtw\u00e4nglers letzten Lebensjahren widerspiegeln die Schwerpunkte seines Repertoires, mit Strawinsky auch seinen (dezenten, aber ganzherzigen) Einsatz f\u00fcr seinem Naturell weniger Entsprechendes. Auch der \u00fcber einen eigent\u00fcmlich kantablen, introvertiert anmutenden Anschlag gebietende Pianist Furtw\u00e4ngler kommt zum Zug in Bachs 5. Brandenburgischen (mit Josef Niedermayr, Fl\u00f6te, und Willi Boskovsky, Violine); in Mahlers Gesellen-Liedern deb\u00fctiert der 26-j\u00e4hrige Dietrich Fischer-Dieskau. Die Vokalsolisten in Beethovens Neunter sind Irmgard Seefried, Sieglinde Wagner, Anton Dermota und Josef Greindl. <\/p>\n<p> Zu erleben gibt es eine Kunst der kompromisslos pers\u00f6nlichkeitsgepr\u00e4gten Interpretation, die gespeist ist durch Furtw\u00e4nglers kompositorische Erfahrung. Musik als Spiel von Energie, Musik, die sich, nicht ohne Ecken, Kanten und Br\u00fcche, organisch entfaltet, die Zeit hat zum Atmen, deren Innenspannung nicht abh\u00e4ngt von stur durchgezogenem Metrum oder aufgesetzt knalligen Effekten, Musik, in der die sogenannten Nebenstimmen und die \u00dcberg\u00e4nge sich entfalten, eine Sinnlichkeit des Klangs und der Klangfl\u00e4chen, deren Stufungen und Brechungen die Dramaturgie eines Satzes wesentlich konstituieren. Ein kreativer Umgang mit dem Tempo ohne Beengtheit und Hektik. Und \u2013 dies vor allem \u2013 eine innere Freiheit voll Unmittelbarkeit und Frische, Subjektivit\u00e4t und Expressivit\u00e4t, eine Aura mit bezwingender Wirkung, trotz zuweilen technisch arg l\u00e4diertem Klangbild. <\/p>\n<p> <strong>An Anniversary Tribute<\/strong> <\/p>\n<p> <img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/furtwr251104.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/>Das andere Furtw\u00e4ngler-Orchester, die Berliner Philharmoniker, bestreitet den Hauptteil der Konzertmitschnitte und Studioaufnahmen, welche die Deutsche Grammophon im sechs CDs enthaltenden Album \u00abWilhelm Furtw\u00e4ngler \u2013 An Anniversary Tribute\u00bb versammelt hat. Einige der Einspielungen stammen aus den Kriegsjahren (Mozarts Sinfonie KV 543 von 1942\/43 und Bruckners Neunte von 1944), vier entstanden zwischen 1947 und 1948 (Beethovens Ouvert\u00fcren \u00abEgmont\u00bb, \u00abLeonore\u00bb II sowie Strauss\u2019 \u00abMetamorphosen\u00bb und Bachs 3. Suite), die letzten aus den Jahren von 1951 bis 1954 (Glucks \u00abAlceste\u00bb- und Schuberts \u00abRosamunde\u00bb-Ouvert\u00fcre, Schumanns Fr\u00fchlingssinfonie, Brahms\u2019 Erste und Dritte, Beethovens Achte und die Grosse Fuge, Webers \u00abEuryanthe\u00bb-Ouvert\u00fcre). <\/p>\n<p> Aufschlussreiche Dokumente sind die auf einer CD zusammengefassten Ausschnitte aus Interviews und Gespr\u00e4chen Furtw\u00e4nglers von 1950, 1951 und 1954. Er referiert beispielsweise \u00fcber das Sinfonische, das Tempo, die Akustik von S\u00e4len, Instrumentationstechnisches, Stilfragen, Bruckner und Musik in der Oper. <\/p>\n<p> <strong>Live Recordings 1944\u20131953<\/strong> <\/p>\n<p> <img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/furt251104.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/>Ebenfalls ein halbes Dutzend CDs findet sich in einem weiteren Album der Serie Original Masters der Deutschen Grammophon, \u00abWilhelm Furtw\u00e4ngler \u2013 Live Recordings 1944\u20131953\u00bb. Den \u00fcberwiegenden Teil bestreiten auch hier die Berliner Philharmoniker in Aufnahmen zwischen 1947 und 1951 (Strauss\u2019 \u00abDon Juan\u00bb, Hindemiths \u00abSymphonische Metamorphosen\u00bb, Ausz\u00fcge aus Wagner-Opern, Schumanns \u00abManfred\u00bb-Ouvert\u00fcre, Brahms\u2019 Haydn-Variationen, Beethovens Achte, Schuberts \u00abUnvollendete\u00bb und als Erstver\u00f6ffentlichung auf CD Tschaikowskis \u00abPath\u00e9tique\u00bb, aufgenommen 1951 in Kairo w\u00e4hrend der \u00c4gypten-Tournee). <\/p>\n<p> Die Wiener Philharmoniker leitet Furtw\u00e4ngler in Beethovens Ouvert\u00fcre \u00abLeonore\u00bb III und Bruckners Achter (Aufnahmen von 1944), Brahms 2. Sinfonie und Francks d-Moll-Sinfonie (1945) sowie Ravels \u00abRhapsodie espagnole\u00bb (1951). <\/p>\n<p> Das erstaunlich pr\u00e4sente Klangbild dieser Original-Masters-Alben ist der Direkt\u00fcberspielung der nach damals neustem technischem Stand aufgenommenen Originalb\u00e4nder auf CD zu verdanken. <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>ws<\/em>)<\/span><\/p>\n<p><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 430px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">Wilhelm Furtw\u00e4ngler \u2013 Die Salzburger Orchesterkonzerte 1949\u20131954. Wiener Philharmoniker. (Orfeo C 409 048 L; 8 CDs, mono) <\/p>\n<p> <a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/exec\/obidos\/ASIN\/B0002ANRZS\/codexflores-21\">Wilhelm Furtw\u00e4ngler \u2013 An Anniversary Tribute.<\/a> Berliner Philharmoniker, Wiener Philharmoniker. (DG 477 006-2; 6 CDs, mono) <\/p>\n<p> <a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/exec\/obidos\/ASIN\/B00007BGXS\/codexflores-21\">Wilhelm Furtw\u00e4ngler \u2013 Live Recordings 1944\u20131953.<\/a> Berliner Philharmoniker, Wiener Philharmoniker. (DG 474 030-2; 6 CDs, mono)<\/p>\n<p> Zu Wilhelm Furtw\u00e4ngler siehe auch <a href=\"http:\/\/212.60.37.143\/rezensionen_ind2.php?art=120\">unsere Rezension<\/a> der in diesem Jahr erschienenen Biografie von Herbert Haffner.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>16.11.2004 &#8212; Ein halbes Jahrhundert nach seinem Hinschied \u2013 er starb am 30. 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