{"id":930,"date":"2014-01-12T21:22:12","date_gmt":"2014-01-12T21:22:12","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/12\/antonin-dvoraks-oper-dimitrij\/"},"modified":"2014-01-12T21:22:12","modified_gmt":"2014-01-12T21:22:12","slug":"antonin-dvoraks-oper-dimitrij","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/12\/antonin-dvoraks-oper-dimitrij\/","title":{"rendered":"Antonin Dvor\u00e1ks Oper \u00abDimitrij\u00bb"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"txt-m-black\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/dvorak250305.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/>01.04.2005 &#8212; Eduard Hanslick, als Kritiker regelm\u00e4ssig mit grobem Gesch\u00fctz auffahrend, hatte eine empfindsame Seele. Der Beweis: In Antonin Dvor\u00e1ks Oper \u00abDimitrij\u00bb wird Xenia, Boris Godunows Tochter, in den Kulissen erstochen; t\u00f6dlich verwundet wankt sie auf die B\u00fchne, ruft um Hilfe und stirbt. Hanslick, Dvor\u00e1k wie auch dessen F\u00f6rderer Brahms wohlgesinnt, fand das allzu krass und machte die \u00c4nderung des Librettos zur Bedingung f\u00fcr eine Auff\u00fchrung der Oper in Wien. <\/p>\n<p> Der Komponist, stets konziliant, gab nach, obwohl die beanstandete Szene im Rahmen der Handlung schl\u00fcssig ist. Die Librettistin Marie Cervinkov\u00e1-Riegrov\u00e1 (sie verfasste auch die Textb\u00fccher zu Dvor\u00e1ks Opern \u00abDer Jakobiner\u00bb, 1888, und \u00abDie Teufelsk\u00e4the\u00bb, 1899) liess im zweiten Anlauf Xenia am Leben und ins Kloster eintreten. Dvor\u00e1k vertonte die sanfte Szene. Hanslick, \u00c4sthetik-Professor an der Wiener Universit\u00e4t, war beruhigt. <\/p>\n<p> Die Entstehungsgeschichte von \u00abDimitrij\u00bb ist allerdings noch um einige Stationen reicher. Komponiert in den Jahren 1881 und 1882, uraufgef\u00fchrt im Oktober 1882 im Neuen Tschechischen Theater in Prag, stand die Oper mit der oben erw\u00e4hnten Modifikation ein Jahr sp\u00e4ter auf dem Programm des nach dem Grossbrand von 1881 wieder aufgebauten Prager Nationaltheaters.<\/p>\n<p> F\u00fcr eine geplante M\u00fcnchner Auff\u00fchrung \u00fcberarbeitete und k\u00fcrzte Dvor\u00e1k die Partitur. Nach dieser 1. Fassung von 1886 folgte 1894 eine Revision, in welcher der Komponist auf das urspr\u00fcngliche Material zur\u00fcckgriff. F\u00fcr eine Wiedergabe in Pilsen 1904, Dvor\u00e1ks Todesjahr, griff er die 1. Version auf und kombinierte sie im 3. Akt mit der 2. Fassung von 1894. <\/p>\n<p> Nicht genug: Karel Kovarovic, Komponist und Opernchef des Prager Nationaltheaters, stellte aus beiden \u00abDimitrij\u00bb-Fassungen eine eigene gek\u00fcrzte Version her, die lange Zeit erfolgreich war. Erst die neue kritische Edition der Oper, erstellt von Milan Posp\u00edsil, bringt alle zwischen 1882 und 1885 komponierte Musik zusammen, ausserdem jene Teile, die in der Urauff\u00fchrung erklangen, aber nie publiziert wurden. Auf der Basis von Posp\u00edsils Edition bietet die vorliegende \u00abDimitrij\u00bb-Gesamtaufnahme unter Gerd Albrecht (der einige kleinere Streichungen vornahm \u2026) nun erstmals das \u00abgesamte\u00bb Werk. <\/p>\n<p> Die Handlung (sie spielt 1605\/06 in Moskau und basiert auf Schillers Demetrius-Fragment von 1805 und dem Schauspiel \u00abDimitrij Iwanowitsch\u00bb des Tschechen F. B. Mikovec) setzt dort ein, wo Mussorgskis \u00abBoris Godunow\u00bb abbricht, und endet mit der Erschiessung Dimitrjis durch den Prinzen Schuiski (\u00fcbrigens auf offener B\u00fchne, was Hanslicks Zartgef\u00fchl jedoch nicht verletzt hat).<\/p>\n<p>W\u00e4hrend bei Puschkin Otrepjew ein Betr\u00fcger ist, stellt Schiller Demetrius als einen von der Legalit\u00e4t seines Thronanspruchs \u00fcberzeugten Nachfolger Godunows dar, der erst im Lauf der Handlung erkennen muss, dass er als Instrument der polnischen Machtpolitik missbraucht wird. Dimitrij scheitert als Liebender zwischen zwei Frauen und als ethisch handelnder Zar zwischen russischen und polnischen Interessen. Das individuelle Drama ist verbunden mit dem kollektiven. <\/p>\n<p> Antonin Dvor\u00e1k ist mit \u00abDimitrij\u00bb eine Verbindung von grosser historischer Oper und Musikdrama gelungen, ein Werk, gleichermassen packend in der lyrischen Intensit\u00e4t wie in den dramatischen Verdichtungen (\u00fcber tragische Abgr\u00fcnde sieht der Urmusikant Dvor\u00e1k hinweg), mit scharf umrissenen Protagonisten und m\u00e4chtigen Ch\u00f6ren, mit melodisch-harmonischer F\u00fclle und differenzierter Instrumentierung, die in der Regel die Singstimme(n) ausspart. <\/p>\n<p> Die zu den H\u00f6hepunkten von Dvor\u00e1ks Schaffen z\u00e4hlende vieraktige Oper liegt nun in einer werkdienlichen, k\u00fcnstlerisch inspirierten Einspielung vor, der ersten des \u00abkompletten\u00bb Werks. Das dem Album beiliegende tschechische Libretto bringt ad\u00e4quate \u00dcbersetzungen in Englisch und Franz\u00f6sisch; die deutsche Version ist eine reimende schw\u00fclstige Nachdichtung, die den Qualit\u00e4ten des originalen Textbuchs zuwiderl\u00e4uft. <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>ws<\/em>)<\/span><\/p>\n<p><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 430px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">Antonin Dvor\u00e1k: \u00abDimitrij\u00bb. Grosse Oper in 4 Akten, op. 64. Libretto von Marie Cervinkov\u00e1-Riegrov\u00e1. \u2013 Leo Marian Vodicka (Dimitrij), Magdal\u00e9na Haj\u00f3ssyov\u00e1 (Marina, Dimitrijs Frau), L\u00edvia \u00c1ghov\u00e1 (Xenia, Godunows Tochter), Peter Mikul\u00e1s (Basmanov), Ivan Kusnjer (Schuiski) u.a. \u2013 Philharmonischer Chor Prag. Prager Radiochor. Tschechische Philharmonie. Leitung: Gerd Albrecht. (Supraphon SU 3793-2; 190\u2019. Drei CDs mit Booklet und Libretto)<br \/><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>01.04.2005 &#8212; Eduard Hanslick, als Kritiker regelm\u00e4ssig mit grobem Gesch\u00fctz auffahrend, hatte eine empfindsame Seele. 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