{"id":932,"date":"2014-01-12T21:23:13","date_gmt":"2014-01-12T21:23:13","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/12\/schweizer-hornquartette\/"},"modified":"2014-01-12T21:23:13","modified_gmt":"2014-01-12T21:23:13","slug":"schweizer-hornquartette","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/12\/schweizer-hornquartette\/","title":{"rendered":"Schweizer Hornquartette"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"txt-m-black\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/050426horn.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/>05.05.2005 &#8212; Mit der Zeit gingen sie Daniel Lienhard, dem 1955 geborenen Solohornisten des Berner Symphonieorchesters, ziemlich auf den Keks \u2013 \u00abdie pentrante Verwendung von Jagdsignalen, der einfallslos durchwegs vierstimmige Satz und die gelegentlich praxisferne Art, f\u00fcr das Horn zu komponieren\u00bb. Daraus entwickelte sich der Ehrgeiz, selber ein Werk zu schreiben, das diese Klippen umschiffen sollte. Musik f\u00fcr vier H\u00f6rner kreieren ist tats\u00e4chlich eine Herausforderung. Zum einen sind da die beschr\u00e4nkten klangfarblichen Varianten, mit denen jede homogene Besetzung \u2013 ob Violinen, Gitarren, Klaviere oder Fl\u00f6ten \u2013 zu k\u00e4mpfen hat. Zum andern sieht sich jeder Komponist hier tats\u00e4chlich hartn\u00e4ckigen Klischees gegen\u00fcber.<\/p>\n<p> Aber dennoch sind f\u00fcr die spezielle Besetzung originelle und interessante Werke geschaffen worden \u2013 auch in der Schweiz. Die einheimischen Sch\u00f6pfungen sind allerdings nicht einfach vom Himmel gefallen. Dazu bedurfte es eines unerm\u00fcdlichen Lobbyisten, den das Instrument in der Person des 2003 verstorbenen Edmond Leloir hatte. Der belgischst\u00e4mmige Solohornist des Orchestre de la Suisse Romande pr\u00e4gte nicht nur viele Aufnahmen seines Orchesters der Ansermet-\u00c4ra. Er begr\u00fcndete mit dem Quatuor Leloir auch eine neue \u00c4ra eidgen\u00f6ssischer Hornmusik. Seiner Initiative verdanken wir Werke von Erik Sz\u00e9kely, Alphonse Roy, Julien-Fran\u00e7ois Zbinden, Carlo Florindo Semini, Bernhard Reichel und Renato Grisoni. <\/p>\n<p> Nun liegt eine erste CD vor, die das Schweizer Hornquartett-Schaffen auf erfreulich sorgf\u00e4ltige Art dokumentiert. Die CD von Musiques Suisses, einem Programm des statutarisch zum Kulturengagement verpflichteten Schweizer Grossverteilers Migros, l\u00e4sst weder editorisch noch musikalisch W\u00fcnsche offen. Von den bereits erw\u00e4hnten Werken findet sich darauf Erik Sz\u00e9kelys \u00abAubade et S\u00e9quence\u00bb. Daneben lassen sich die \u00abLegende f\u00fcr Hornquartett\u00bb des Liszt-Spezis Templeton Strong als sp\u00e4tromantischer Beitrag zum Genre, sowie Ernst Widmers \u00abPanorama\u00bb (1974), Lienhards \u00abPartikel\u00bb (1978\/80), Klaus Cornells \u00abRem\u00e9morances\u00bb (2004), Andreas Pfl\u00fcgers \u00abResonanzen\u00bb (1987\/2002) und Roland Mosers \u00abTon in Ton\u00bb (1990\/97) entdecken. <\/p>\n<p> Es ist sicher nicht Zufall, dass in der Kammermusik traditionellerweise bloss zwei oder drei H\u00f6rner kombiniert werden. Was dar\u00fcber hinaus geht, neigt zur Erzeugung einer Klangsuppe. Die Farbe des Hornes hat etwas Artifizielles und stark Verschmelzendes, das sie vermutlich f\u00fcr einen Mix mit elektronisch erzeugten Kl\u00e4ngen pr\u00e4destinieren w\u00fcrde. Die vielf\u00e4ltig irisierenden und changierenden Mixturen der auf der CD vorfindlichen Werke geh\u00f6ren denn auch zu den st\u00e4rksten Eindr\u00fccken, und Titel wie \u00abResonanzen\u00bb oder \u00abTon in Ton\u00bb scheinen dem Charakter der Besetzung am ehesten gerecht zu werden. <\/p>\n<p> Weit weniger \u00fcberzeugend sind die metaphorischen Br\u00fccken zu Aussermusikalischem und Lautmalerei, die einige Titel zu schlagen versuchen und in den Erkl\u00e4rungen im Booklet etwas allzu unkritisch paraphrasiert werden. So ist in Sz\u00e9kelys \u00abAubade\u00bb mit besten Willen kaum etwas von Morgenstimmung auszumachen und auch die Entlehnungen aus der Musik des brasilianischen Nordostens, die sich in Widmers Quartett finden sollen, sind sehr gut versteckt. Aber auch \u00abErlebnisse in der W\u00fcste\u00bb m\u00fcssen in Klaus Cornells \u00abRem\u00e9morances\u00bb eine sehr subjektive F\u00e4rbung angenommen haben. Dass \u00fcberdies akzentuierte Rhythmik nicht das Ding eines Hornquartettes mit seinen verschwimmenden Konturen ist, zeigt sich im weiteren an der Tatsache, dass die ungeraden Metren in Sz\u00e9kelys \u00abS\u00e9quence\u00bb kaum den z\u00fcndenen Impetus erreichen, den derartige Musik etwa mit Streichern entfaltet. <\/p>\n<p> Die Quartettformation hat aber auch ihre spezifischen St\u00e4rken, die sie f\u00fcr Komponisten wie Interpreten und selbstverst\u00e4ndlich auch die H\u00f6rerinnen und H\u00f6rer \u00fcberaus attraktiv machen. Vor allem das gekonnte Spiel mit den Klangfarben und Mixturen (etwa von gestopften und ged\u00e4mpften Instrumenten) und die extreme dynamische Spannweite mit ihrem Klangfarbenreichtum nutzen alle ausgew\u00e4hlten Werke f\u00fcr eigene Universen einer Art \u00abMusique spectrale\u00bb.<\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>wb<\/em>)<\/span><\/p>\n<p><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 430px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">Schweizer Hornquartette, Vol. I, Musiques Suisses, MGB CD 6226, <a href=\"http:\/\/www.musiques-suisses.ch\/product.asp?productid=6226\" target=\"blank\" rel=\"noopener noreferrer\"> www.musiques-suisses.ch <\/a> <\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>05.05.2005 &#8212; Mit der Zeit gingen sie Daniel Lienhard, dem 1955 geborenen Solohornisten des Berner Symphonieorchesters, ziemlich auf den Keks&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[13],"tags":[],"class_list":["post-932","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-tontraeger-besprechungen","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/932","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=932"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/932\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=932"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=932"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=932"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}