{"id":933,"date":"2014-01-12T21:23:44","date_gmt":"2014-01-12T21:23:44","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/12\/claudio-merulos-orgelwerke\/"},"modified":"2014-01-12T21:23:44","modified_gmt":"2014-01-12T21:23:44","slug":"claudio-merulos-orgelwerke","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/12\/claudio-merulos-orgelwerke\/","title":{"rendered":"Claudio Merulos Orgelwerke"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"txt-m-black\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/merulo140505.jpg\" border=\"0\" alt=\"CD-Cover: Merulos Orgelwerke\" align=\"left\" \/>21.05.2005 &#8212; Einer wird gewinnen. Wettspiele wurden nicht nur in Sportarenen veranstaltet. Immer wieder traten Gladiatoren der Musik gegeneinander an, mal freiwillig, mal gezwungenermassen, um sich in der Kunst des Instrumentalspiels und der Improvisation auszustechen. Das ber\u00fchmteste Beispiel ist uns in einer Musikeranekdote \u00fcber einen allerdings nur geplanten Musikerwettstreit \u00fcberliefert: 1717 soll der ber\u00fchmte franz\u00f6sische Tastenk\u00fcnstler Louis Marchand Dresden fluchtartig verlassen haben, um sich nicht mit Johann Sebastian Bach messen zu m\u00fcssen. Ob Tatsache oder gut erfunden, die patriotische Pointe bleibt: Bachs \u00dcberlegenheit steht f\u00fcr jene der seri\u00f6sen deutschen Musik \u00fcber die leichtgesch\u00fcrzte franz\u00f6sische. <\/p>\n<p> Gut eineinhalb Jahrhundert zuvor, 1557 in Venedig, wurde ein Concorso durchgef\u00fchrt zwischen dem 24-j\u00e4hrigen Domorganisten von Brescia und dem ber\u00fchmten, um gut zwanzig Jahre \u00e4lteren Andrea Gabrieli, dem offiziellen Komponisten der Republik. Der Nachwuchsmusiker schwang obenaus: Claudio Merulo wurde 2. Organist an San Marco und r\u00fcckte 1566 als Hauptorganist an die Stelle Annibale Padovanos. Das Amt an der zweiten Orgel versah nun Andrea Gabrieli; er war wohl kenntnisreich (und selbstkritisch) genug, um die Qualit\u00e4ten Merulos sch\u00e4tzen zu k\u00f6nnen. <\/p>\n<p> Denn Claudio Merulo \u2013 1533 in Correggio (Reggio Emilia) geboren und 1604 in Parma verstorben \u2013 brillierte nicht nur als Organist und Improvisator, er widmete sich komponierend auch der Instrumental- und Vokalmusik, zudem der Edition von Notenwerken und dem Orgelbau: Ein Orgelpositiv von Merulos Hand hat sich im Konservatorium von Parma erhalten. Nach zweij\u00e4hrigem Aufenthalt in Mantua trat Merulo 1584 in Parma in den Dienst des Conte Ranuccio Farnese. <\/p>\n<p> Der italienische Organist Stefano Molardi hat es als Pionier unternommen, das gesamte Orgelschaffen Claudio Merulos einzuspielen; das erste der beiden Alben liegt nun vor und zeugt von der Genialit\u00e4t des Komponisten wie von der Inspiration des Interpreten, der gut zwei Dutzend Werke auf der grossartigen, aus Merulos Geburtsjahr stammenden, 1999 restaurierten Orgel von Valvasone (Pordenone) farben- und kontrastreich zum Erklingen bringt. (Nicht ber\u00fccksichtigt in der Gesamteinspielung sind die der Kirchenmusik zugeh\u00f6renden \u00abMesse d\u2019intavolatura d\u2019organo\u00bb, Venedig 1568.) <\/p>\n<p> In seinem Orgel-\u0152uvre \u2013 erhalten in sieben Sammelb\u00e4nden, die zwischen 1567 und 1611 in Venedig bzw. in Rom erschienen sind \u2013 hat sich Merulo mit allen damaligen Hauptgattungen der italienischen Tastenmusik auseinandergesetzt (Ricercar, Canzona, Versetto und Toccata) und sie formal, technisch, melodisch und harmonisch zu dichter Expressivit\u00e4t und Innenspannung entwickelt. H\u00f6rend erfahren l\u00e4sst sich Claudio Merulos Stellung: Mit ihm kulminiert und endet \u2013 \u00e4hnlich wie sp\u00e4ter bei Bach \u2013 eine Epoche (die Renaissance) und \u00f6ffnet sich eine neue (der Barock). <\/p>\n<p> Die pers\u00f6nlichsten Leistungen sind Merulo gelungen in seinen Toccaten in der Nachfolge Andrea Gabrielis. Es sind virtuose, reich verzierte St\u00fccke, in denen er erstmals kontrastierende Teile \u2013 Passagen mit schnellen L\u00e4ufen und Arpeggien, kontrapunktische Imitationen \u2013 zu einem homogenen Ganzen f\u00fcgt. \u00dcber Italien hinaus setzten diese Toccaten Massst\u00e4be: Merulos Ausstrahlung pr\u00e4gte die norddeutsche Toccata der 2. H\u00e4lfte des 17. Jahrhunderts. <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>ws<\/em>)<\/span><\/p>\n<p><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 430px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">Claudio Merulo: Opera omnia per Organo. Complete Organ Works. Vol. I. 26 Toccate, Ricercari, Canzoni. Stefano Molardi an der Orgel von Vincenzo Colombi (1533) in Valvasone. (Gute Dokumentation im Booklet, ital.\/dt.\/engl.\/frz. Divox Antiqua CDX-70309\/10-6; 137\u2019. Hybrid Multichannel 2+2+2 Recording)<\/p>\n<p> Infos zur Multichannel-Technik:<br \/> <a href=\"http:\/\/www.2plus2plus2.info\" target=\"blank\" rel=\"noopener noreferrer\">www.2plus2plus2.info<\/a><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>21.05.2005 &#8212; Einer wird gewinnen. Wettspiele wurden nicht nur in Sportarenen veranstaltet. 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