{"id":937,"date":"2014-01-12T21:25:48","date_gmt":"2014-01-12T21:25:48","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/12\/george-enescu-der-sinfoniker\/"},"modified":"2014-01-12T21:25:48","modified_gmt":"2014-01-12T21:25:48","slug":"george-enescu-der-sinfoniker","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/12\/george-enescu-der-sinfoniker\/","title":{"rendered":"George Enescu, der Sinfoniker"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"txt-m-black\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/enescu110705.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/>21.07.2005 &#8212; George Enescu? \u2013 Ah ja: der rum\u00e4nische Violinvirtuose, gefeierte Bach-Interpret, Lehrer von Yehudi Menuhin, Arthur Grumiaux, Christian Ferras, auch Komponist. Aber wo sind seine vielen Werke, all die Instrumental-, die Vokalmusik, die Oper \u00abOedipe\u00bb?<\/p>\n<p> Seinerzeit \u2013 in der ersten H\u00e4lfte des 20. Jahrhunderts \u2013 war er ein Star am Firmament der Musikwelt, triumphierte als Geiger, Pianist, Dirigent und gesuchter Musikp\u00e4dagoge in Europa und den USA. Studiert hatte der 1881 in einem nordrum\u00e4nischen Dorf geborene George Enescu in Wien ab seinem 7. Lebensjahr, ab seinem 13. dann am Conservatoire von Paris Violine, Klavier, Dirigieren und Komposition (bei Massenet, anschliessend bei Faur\u00e9). In allen F\u00e4chern heimste er 1. Preise ein, noch vor Vollendung seines 17. Lebensjahrs. Und bereits hatte er neben anderen Werken auch vier (Jugend-)Sinfonien komponiert. (Im Werkverzeichnis figurieren die drei sp\u00e4ter entstandenen Sinfonien). <\/p>\n<p> Pablo Casals nannte ihn \u00abden erstaunlichsten Musiker seit Mozart\u00bb, Menuhin einen \u00abAristokraten des Herzens\u00bb. Und heute, ein halbes Jahrhundert nach seinem Tod \u2013 Georges Enesco (so seine franz\u00f6sische Namenvariante) starb 1955 in Paris \u2013, ist der einst gefeierte Weltb\u00fcrger nur noch eine Randfigur, in guten Lexika kurz erw\u00e4hnt, gesch\u00e4tzt von einigen Geigenfans, im Musikleben weitgehend vergessen. <\/p>\n<p> Zugegeben, die Auseinandersetzung mit seinen Kompositionsstilen, in denen Einfl\u00fcsse von Wagner und Brahms, der franz\u00f6sischen Musik und der rum\u00e4nischen Folklore und Zigeunermusik verschmelzen, ist kein entspannendes Unterfangen. Die \u00fcbersprudelnde Ideenf\u00fclle und die auf weitgedehnte Entwicklungsb\u00f6gen angelegte, dicht gearbeitete Gestaltung erschweren den spontanen Zugang. Umso mehr, als Enescu mit immenser Phantasie und Kombinationsgabe die Elemente seiner musikalischen Sprache aufsplittert, schichtet, Kleinteiliges in \u00dcbergreifendes wandelt und die Gelenkstellen des formalen Ablaufs kaschiert, den tradierten Formbegriff unterl\u00e4uft. Trotz der Verwurzelung in tonal basierten Strukturen entzieht sich seine Musik bew\u00e4hrten \u00e4sthetischen Ordnungen, ist diesbez\u00fcglich von eigenwillig modernem Zuschnitt. <\/p>\n<p> Vor einem Dutzend Jahren haben sich Lawrence Foster und das Orchestre Philharmonique de Monte-Carlo mit Enescus Sinfonien Nr. 1 op. 13 (1905) und Nr. 2 op. 17 (1914) auseinandergesetzt. Wieder aufgelegt werden diese Werke nun in einem 2-CD-Album zusammen mit der k\u00fcrzlich durch Foster und das Orchestre National de Lyon eingespielten 3. Sinfonie op. 21 (1918) und dem sinfonischen Gedicht \u00abVox Maris\u00bb op. 31 (1950). <\/p>\n<p> Eher von der franz\u00f6sischen Sp\u00e4tromantik als von der deutschen Klassik inspiriert zeigt sich der 24-J\u00e4hrige in seiner Es-Dur-Sinfonie, deren drei S\u00e4tze mit franz\u00f6sischen Vortragsbezeichnungen \u00fcberschrieben sind. Die Originalit\u00e4t der thematischen Erfindung und episch ausgeweiteten Umformung, der rhythmischen Eloquenz und der farbenreich brillanten Instrumentation des grossen Orchesterapparats, die handwerkliche Souver\u00e4nit\u00e4t, die sichere Beherrschung der Proportionen und die fluktuierenden Ausdrucksbereiche zeugen von staunenswert vitaler Eigenst\u00e4ndigkeit. <\/p>\n<p> Dass es Enescu hier nicht um die Illustration irgendwelcher innerer Befindlichkeiten oder \u00e4usserer Ereignisse geht, vielmehr um die Musik als freies Spiel von Klang und Form, von Schichtungen und Umschichtungen differierender melodischer Muster, erweist sich auch in der viers\u00e4tzigen 2. Sinfonie in A-Dur. Wo er \u2013 wie im dritten und letzten Satz der 3. Sinfonie (C-Dur) \u2013 den Chor zu Orgel- und Glockenklang serene Vokalisen singen l\u00e4sst, kippt die Atmosph\u00e4re wohl f\u00fcr manchen Zuh\u00f6renden ins Geschm\u00e4cklerische. <\/p>\n<p> Einer prallen Opernszene nahe steht das erst 1964 uraufgef\u00fchrte, knapp 30-min\u00fctige Po\u00e8me symphonique \u00abVox Maris\u00bb, deren Komposition, angeregt durch ein Gedicht von Ren\u00e9 Willy, bereits in den Zwanzigerjahren begann. Eine \u00fcppige, extravertierten Effekten nicht abholde Orchestersprache, unterst\u00fctzt durch Sopran, Tenor, Chor und Windmaschine, schildert packend Meereslandschaft, Sturm und Schiffbruch. <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>ws<\/em>)<\/span><\/p>\n<p><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 430px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">George Enescu: Symphonies 1\u20133. \u00abVox Maris\u00bb. Orchestre Philharmonique de Monte-Carlo, Orchestre National de Lyon. Marius Brenciu (Tenor), Catherine Sydney (Sopran). Ch\u0153ur de chambre Les El\u00e9ments. Leitung: Lawrence Foster. (EMI Classics 7243 5 86604 2 5; 2 CDs; 154\u2019) <\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>21.07.2005 &#8212; George Enescu? \u2013 Ah ja: der rum\u00e4nische Violinvirtuose, gefeierte Bach-Interpret, Lehrer von Yehudi Menuhin, Arthur Grumiaux, Christian Ferras,&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[13],"tags":[],"class_list":["post-937","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-tontraeger-besprechungen","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/937","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=937"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/937\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=937"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=937"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=937"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}