{"id":938,"date":"2014-01-12T21:26:16","date_gmt":"2014-01-12T21:26:16","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/12\/benjamin-brittens-streichquartette\/"},"modified":"2014-01-12T21:26:16","modified_gmt":"2014-01-12T21:26:16","slug":"benjamin-brittens-streichquartette","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/12\/benjamin-brittens-streichquartette\/","title":{"rendered":"Benjamin Brittens Streichquartette"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"txt-m-black\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/britten250705.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/>30.07.2005 &#8212; Aberhunderte respektabler Komponisten sind vergessen, die einen gewiss zu Recht, andere wohl zu Unrecht, und manche bleiben nur im Ged\u00e4chtnis dank ber\u00fchmten Kollegen, die Themen zitiert und zu Variationenreihen verarbeitet haben. Frank Bridge (1879\u20131941), der englische Komponist, Dirigent, Geiger und Bratschist, lebt namentlich \u2013 zumindest auf dem Kontinent \u2013 nicht dank seinen Werken weiter, sondern weil Britten die \u00abVariations on a Theme by Frank Bridge\u00bb f\u00fcr Streichorchester (op. 10, 1937) geschrieben hat. <\/p>\n<p> Bridge nahm den 12-j\u00e4hrigen Benjamin Britten als (seinen einzigen) Kompositionssch\u00fcler unter die Fittiche, betrachtete ihn als Adoptivsohn und lehrte ihn Grundlegendes: seri\u00f6ses Handwerk, Klarheit, Disziplin und Selbstkritik. W\u00e4hrend und noch nach seinen Studien bei John Ireland in London (1930\u20131933), holte sich Britten bei seinem ersten Kompositionslehrer, Freund und Mentor Rat und Anregung. <\/p>\n<p> Selbstredend hat Bridge das Schaffen von Benjamin Britten (1913\u20131976) stark beeinflusst. Eine dieser Spuren ist in der Kammermusik zu finden. Bridge war als Geiger und Bratschist bereits w\u00e4hrend seines Musikstudiums Mitglied dreier Streichquartette. In sp\u00e4teren Jahren geh\u00f6rte er ab 1903 bis Anfang der Zwanzigerjahre dem English String Quartet an (mit dem er 1904 Debussys Quartett zur britischen Erstauff\u00fchrung brachte) und spielte 1906 aushilfsweise Viola im Joachim-Quartett. Kein Zufall, dass Frank Bridge mehrere Werke f\u00fcr diese Gattung geschrieben hat, die unter seinen komponierenden Landsleuten nicht mit auffallender Zuneigung behandelt wird. Mit Bridge (5 Streichquartette sowie eine Reihe freier St\u00fccke) aufnehmen kann es nur noch Tippett (5 Streichquartette); es folgen \u2013 in Auswahl \u2013 Bax, Vaughan-Williams, Davies, Elgar, Arnold, Fricker, Walton, Cardew, Birtwistle, Ferneyhough, Alexander Goehr. <\/p>\n<p> Es war wohl naheliegend f\u00fcr den jungen Britten unter Bridges Obhut, sich fr\u00fch auch mit der Quartettkomposition auseinanderzusetzen. Allerdings: Alle drei grossen Quartette Brittens gehen auf Bestellungen bzw. eine Anregung zur\u00fcck. <\/p>\n<p> Aus dem Jahr 1931 stammt ein dreis\u00e4tziges Quartett, drei Divertimenti schrieb der 20-J\u00e4hrige 1933 (rev. 1936). Die amerikanische Musikm\u00e4zenin Elizabeth Sprague Coolidge bestellte bei Britten, der sich von 1939 bis 1942 in den USA aufhielt, ein Streichquartett. Das mit klanglichen Experimenten durchsetzte viers\u00e4tzige Opus 25 (D-Dur) entstand innerhalb von zwei Monaten. <\/p>\n<p> Auch das 2. Streichquartett C-Dur op. 36, 1945 kurz nach der fulminanten Urauff\u00fchrung der Oper \u00abPeter Grimes\u00bb komponiert, geht auf einen Auftrag zur\u00fcck. Anlass war der 250. Todestag von Henry Purcell, dessen Werk Britten seinem eigenen Schaffen fruchtbar machte, nicht allein mit dem von ihm entliehenen Thema zu \u00abThe Young Person\u2019s Guide to the Orchestra\u00bb (1945). Die Auseinandersetzung mit Purcell und dem Barockstil pr\u00e4gt das dreis\u00e4tzige C-Dur-Quartett, mit besonderem Profil in der \u00abChacony\u00bb, in dem Brittens Variationskunst den Bogen vom Barock bis in die Gegenwart spannt. <\/p>\n<p> Das 3. Streichquartett op. 94 komponierte der schwerkranke Britten nach wiederholtem Dr\u00e4ngen des Musikers und Autors Hans Keller 1975. Das f\u00fcnfs\u00e4tzige Werk, kurz nach dem Tod seines Sch\u00f6pfers im Dezember 1976 durch das Amadeus-Quartett uraufgef\u00fchrt, ist Brittens letztes und eines seiner kontrastreichsten, freiesten Kammermusikwerke. <\/p>\n<p> Das 1994 in London gegr\u00fcndete Belcea Quartet (Corina Belcea, Laura Samuel, Krzysztof Chorzelski, Alasdair Tait), das sich mit Einspielungen von Schubert, Brahms, Ravel und Debussy in die erste Reihe der Nachwuchsensembles stellte, widmet sich mit herausragendem technischem K\u00f6nnen und eminenter Musikalit\u00e4t und Gestaltungskraft den drei Britten-Quartetten. Das Album enth\u00e4lt zudem die drei fr\u00fchen Divertimenti. <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>ws<\/em>)<\/span><\/p>\n<p><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 430px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">Benjamin Britten: String Quartets 1, 2 &amp; 3. Three Divertimenti. Belcea Quartet.<br \/>(EMI Classics 5 57968 2; 2 CDs; 95\u2019)<br \/><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>30.07.2005 &#8212; Aberhunderte respektabler Komponisten sind vergessen, die einen gewiss zu Recht, andere wohl zu Unrecht, und manche bleiben nur&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[13],"tags":[],"class_list":["post-938","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-tontraeger-besprechungen","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/938","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=938"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/938\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=938"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=938"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=938"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}