{"id":940,"date":"2014-01-12T21:27:17","date_gmt":"2014-01-12T21:27:17","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/12\/gesaenge-der-hildegard-von-bingen\/"},"modified":"2014-01-12T21:27:17","modified_gmt":"2014-01-12T21:27:17","slug":"gesaenge-der-hildegard-von-bingen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/12\/gesaenge-der-hildegard-von-bingen\/","title":{"rendered":"Ges\u00e4nge der Hildegard von Bingen"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"txt-m-black\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/hildegard120805.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/>18.08.2005 &#8212; Die beiden grossen Frauengestalten des Hochmittelalters standen Kl\u00f6stern vor: Hildegard von Bingen und Herrad von Landsberg. Hildegard (1098\u20131179), \u00c4btissin des von ihr gegr\u00fcndeten Benediktinerinnenklosters Rupertsberg bei Bingen (Rheinland-Pfalz), war hoch angesehen und verehrt als Theologin, Natur\u00e4rztin, Prophetin und Musikerin. Geistliche wie weltliche Herrscher, darunter Bernhard von Clairvaux und Kaiser Barbarossa, holten sich bei der eigenst\u00e4ndig denkenden, energischen, weltoffenen Frau Rat. <\/p>\n<p> Im Schatten der heiligen Hildegard steht die um eine Generation j\u00fcngere Herrad von Landsberg (1125\/30\u20131195), Priorin des Klosters Hohenburg auf dem Odilienberg (Elsass). Das geistliche und profane Wissen ihrer Zeit fasste sie im \u00abHortus deliciarum\u00bb zusammen; der \u00abGarten der K\u00f6stlichkeiten\u00bb ist die erste nachweislich von einer Frau verfasste abendl\u00e4ndische Enzyklop\u00e4die. Der mit 350 Miniaturen reich geschm\u00fcckte Pergamentfoliant verbrannte 1870 in Strassburg. <\/p>\n<p> Hildegard von Bingen, die deutsche Gelehrte des fernen Mittelalters, ist zu einer internationalen Pers\u00f6nlichkeit avanciert. In erster Linie fanden ihre B\u00fccher zur Heilkunde weite Verbreitung, sp\u00e4ter auch ihre geistlichen Ges\u00e4nge. Dass sie durch fromme Klosterfrauen, vorerst im Rahmen von kirchlichen Feiern, wieder mit besonderem Nachdruck gepflegt wurden, war nicht zuletzt eine Gegenbewegung zu den Anordnungen des 2. Vatikanischen Konzils (1962\u20131965), das Latein der Messe in der Regel durch die Volkssprachen zu ersetzen. Die Wiederbelebung der Gregorianik \u00fcber Insiderkreise hinaus und ihre eigentliche Popularisierung ausserhalb der Kirchenmauern (samt Ausl\u00e4ufern in seichte Gefilde) ist paradoxerweise der Verdr\u00e4ngung aus dem Gottesdienst durch die Kurie zu verdanken. Zudem kamen dann der Schallplattenindustrie, stets begierig nach neuen Trends mit vielversprechendem Potential, diese einstimmigen Ges\u00e4nge zur richtigen Zeit, konnten doch damit auch die in den Achtzigerjahren neuerwachten esoterischen Bed\u00fcrfnisse weiter Kreise bedient werden. <\/p>\n<p> Anf\u00e4nglich fanden nur vereinzelte der 77 von Hildegard auf eigene lateinische Texte komponierten Ges\u00e4nge (ohne das Mysterienspiel \u00abOrdo virtutum\u00bb) Eingang in Sammelalben. Um 1960 ber\u00fccksichtigte der Aachener Domchor unter Theodor Bernhard Reichmann Ges\u00e4nge der Hildegard; von 1979 (800. Todestag) datiert eine weitere Pionier-Einspielung durch die Benediktinerinnenabtei St. Hildegard, R\u00fcdesheim\/Eibingen, unter der Leitung von Immaculata Ritscher. Verdient um Hildegards Musikschaffen machte sich ab 1980 zudem der Instrumentalkreis Helga Weber. <\/p>\n<p> In den Neunzigerjahren intensivierte sich die Hildegard-Pflege in Europa und den USA \u2013 eine steigende Flut von B\u00fcchern und CDs kam zum 900. Geburtstag der Gelehrten auf den Markt. Die Spannweite der Interpretationen reicht von der rein solistischen Wiedergabe bis zur responsorialen, mit oder ohne Instrumente, kl\u00f6sterlich introvertiert oder farbenreich festlich im Ausdruck. <\/p>\n<p> Einen eigenen Weg beschreitet das Ensemble Cosmedin (Stuttgart) mit Responsorien und Antiphonen (Marienges\u00e4nge, Engelslob) und der grossen Sequenz f\u00fcr den heiligen Rupert, \u00abO Jerusalem\u00bb. Die Sopranistin Stephanie Haas bringt in ihrer aus dem Studium der handschriftlichen Quellen und der melodischen Charakteristika (weite melismatische Fortspinnungen, grosser Ambitus der Intervalle) gewonnenen Vertrautheit Hildegards Musik aus innerer Ruhe intensiv und kraftvoll zum Leuchten. Die vokale Lobpreisung ist eingebettet in zarte, aus den Kl\u00e4ngen, Rhythmen, Bordun- und Obert\u00f6nen von Tambura, Psalter Tambura, R\u00f6hrenglocken, Chimes, Cymbals geflochtene stehende oder fliessende Raum-Gebilde. Auch in seinen sechs solistischen, zwischen den einzelnen Ges\u00e4ngen sich entfaltenden Improvisationen verschmilzt Christoph Haas Mittelalterliches und Zeitgen\u00f6ssisches, Fernes und Nahes zu einer meditativen Klangaura. <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>ws<\/em>)<\/span><\/p>\n<p><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 430px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">Hildegard von Bingen: Seraphim. Ensemble Cosmedin: Stephanie Haas, Gesang, Christoph Haas, Instrumente. (Animato ACD 6074; 67\u2019) <\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>18.08.2005 &#8212; Die beiden grossen Frauengestalten des Hochmittelalters standen Kl\u00f6stern vor: Hildegard von Bingen und Herrad von Landsberg. 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