{"id":941,"date":"2014-01-12T21:27:51","date_gmt":"2014-01-12T21:27:51","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/12\/ferdinand-ries-septett-und-oktett\/"},"modified":"2014-01-12T21:27:51","modified_gmt":"2014-01-12T21:27:51","slug":"ferdinand-ries-septett-und-oktett","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/12\/ferdinand-ries-septett-und-oktett\/","title":{"rendered":"Ferdinand Ries: Septett und Oktett"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"txt-m-black\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/ries200905.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/>21.09.2005 &#8212; In den Beethoven-Biografien ist ihm ein prominenter Platz sicher, in Musikgeschichten und -f\u00fchrern rangiert er unter den Fussnoten: Ferdinand Ries (1784\u20131837), Klaviersch\u00fcler Beethovens in Wien von 1802 bis 1805, dessen Stimmenkopist und Adlatus, sp\u00e4ter Mitverfasser der \u00abBiographischen Notizen \u00fcber L. van Beethoven\u00bb (1838), der fr\u00fchesten Lebens- und Werkbeschreibung des Meisters. <\/p>\n<p> In reiferen Jahren befreite sich Ries allerdings aus dem Schatten seines Lehrers, machte sich europaweit einen Namen als Klaviervirtuose, Komponist und Dirigent. Allerdings hatte er sich in der napoleonischen \u00c4ra zu profilieren, keine g\u00fcnstige Voraussetzung f\u00fcr einen Neuling ohne Verbindungen. Kaiserreiche und Diktaturen f\u00f6rdern Prunk, Pathos und Protzertum auch in allen Bereichen der Kunst. In der Musik sind Opern und Oratorien, \u00fcppige Chorwerke und Sinfonien gefragt; jedenfalls soll das Kollektive positiv und imposant zur Wirkung gebracht werden. <\/p>\n<p> Ferdinand Ries, voll jugendlicher Illusionen, machte sich auf ins Zentrum der Macht. 23-j\u00e4hrig liess er sich im Fr\u00fchjahr 1807 in Paris nieder, um sich als Pianist und Komponist \u2013 er hatte bei Albrechtsberger studiert \u2013 einen Namen zu schaffen. Er konzertierte, schrieb f\u00fcr die Auff\u00fchrung in Salons und Privatzirkeln f\u00fcnf Klaviersonaten, acht Violin- und zwei Cellosonaten (sein Cellolehrer war Beethovens Bekannter Bernhard Heinrich Romberg gewesen), dazu das Klavierquartett op. 13 und das Septett op. 25. Der erhoffte Durchbruch misslang, die Tore der grossen Institutionen blieben ihm verschlossen, kein Verleger wollte seine Werke drucken. Im Sommer 1808 brach Ries nach Monaten des Darbens seine Zelte in der franz\u00f6sischen Metropole ab, zog vorerst nach Wien, dann in seine Geburtsstadt Bonn. <\/p>\n<p> Mehr Gl\u00fcck war ihm sp\u00e4ter in London, Godesberg, Aachen und Frankfurt a. M. beschieden, wo er sich Meriten erwarb als Dirigent, Lehrer und Komponist. Auf die Vielzahl seiner Kammer- und Klaviermusikwerke, auf seine sechs Sinfonien, seine Instrumentalkonzerte, darunter neun f\u00fcr Klavier, seine Oratorien und Opern hat sich der Staub der Archive gelegt. <\/p>\n<p> Mit dem 1812, vier Jahre nach seiner Entstehung, in Bonn als Grand Septuor op. 25 f\u00fcr Klavier, Klarinette, zwei H\u00f6rner, Violine, Cello und Kontrabass publizierten Werk hat Ries eine allerdings kurzlebige Gattungstradition begr\u00fcndet, jene des Klavierseptetts. Vorbildhaft (auch f\u00fcr Schubert) war Beethovens Septett op. 20 f\u00fcr Bl\u00e4ser und Streicher, doch Ries f\u00fchrt nicht nur das Klavier als konzertierendes Instrument ein, er schreibt Kammermusik, keine Serenade (was auch die konventionelle viers\u00e4tzige Anlage und der 2. Satz, ein Trauermarsch, signalisieren). Aufgenommen haben die Besetzung von Klavier und gemischten Bl\u00e4sern\/Streichern in eigenen Werken etwa Kalkbrenner, Hummel, Moscheles, Onslow, Spohr. <\/p>\n<p> 1816 komponierte Ries, der von 1813 bis 1824 hochangesehen in England wirkte, f\u00fcr eine Auff\u00fchrung in der Londoner Philharmonic Society das Oktett in As-Dur op. 128 f\u00fcr die Besetzung Klavier, Violine, Bratsche, Klarinette, Horn, Fagott, Cello und Kontrabass. In diesem dreis\u00e4tzigen Werk verschmelzen Grundz\u00fcge der Kammermusik mit jenen des Klavierkonzerts zu einem virtuosen Klavier-Kammerkonzert, in dem der Komponist all seine intellektuellen und manuellen St\u00e4rken ausspielen konnte. <\/p>\n<p> Gewiss: Es ist viel Beethoven in Ries \u2013 was ihm unter den Zeitgenossen den Vorwurf mangelnder Originalit\u00e4t eingebracht hat. Auch die beiden hier eingespielten Werke lassen in manchem Beethovens Vorbild durchscheinen, doch ist es aufgehoben in einem pers\u00f6nlichkeitsstarken Ganzen, in dem klassischer Formenkanon und individueller Ausdruck zur Synthese gebracht sind. <\/p>\n<p> Das in seiner festen Besetzung aus Streichquintett und Bl\u00e4serquintett sowie Klavier (der exzellenten Pianistin Konstanze Eickhorst) bestehende, 1978 gegr\u00fcndete deutsche Linos-Ensemble stellt die beiden Werke von Ferdinand Ries in helles Licht, brilliert durch handwerkliche Akkuratesse, ausgefeiltes Ensemblespiel, durch Farbenreichtum und, nicht zuletzt, eine Spontaneit\u00e4t des Gestaltens, die den Werken Glanz und Frische sichert. <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>ws<\/em>)<\/span><\/p>\n<p><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 430px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">Ferdinand Ries: Grand Septuor op. 25 &amp; Gran Otetto op. 128. Linos-Ensemble. (Classic Produktion Osnabr\u00fcck, cpo 999 937-2; 55\u2019)<br \/><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>21.09.2005 &#8212; In den Beethoven-Biografien ist ihm ein prominenter Platz sicher, in Musikgeschichten und -f\u00fchrern rangiert er unter den Fussnoten:&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[13],"tags":[],"class_list":["post-941","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-tontraeger-besprechungen","entry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/941","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=941"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/941\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=941"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=941"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=941"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}