{"id":942,"date":"2014-01-12T21:28:22","date_gmt":"2014-01-12T21:28:22","guid":{"rendered":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/12\/mackerras-janaceks-brillanter-anwalt\/"},"modified":"2014-01-12T21:28:22","modified_gmt":"2014-01-12T21:28:22","slug":"mackerras-janaceks-brillanter-anwalt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/codexflores.ch\/index.php\/2014\/01\/12\/mackerras-janaceks-brillanter-anwalt\/","title":{"rendered":"Mackerras, Jan\u00e1ceks brillanter Anwalt"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"txt-m-black\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/bilder\/janacek271005.jpg\" border=\"0\" align=\"left\" \/>29.10.2005 &#8212; Emotional ersch\u00fctternde Erlebnisse k\u00f6nnen Schl\u00fcsselfunktion haben, die Pers\u00f6nlichkeitsentwicklung und den zuk\u00fcnftigen Beruf nachhaltig pr\u00e4gen. Von einer solcherart eingreifenden Initialz\u00fcndung berichtet auch der Dirigent Charles Mackerras: 1947 erlebte der 22-J\u00e4hrige im Prager Nationaltheater eine von seinem Lehrer V\u00e1clav Talich geleitete Auff\u00fchrung von Leos Jan\u00e1ceks Oper \u00abKatja Kabanova\u00bb.<\/p>\n<p> Mackerras erinnert sich: \u00abWelch eine Offenbarung diese Auff\u00fchrung f\u00fcr mich war! Hier war ein Komponist, dessen Namen ich kaum kannte, der seit 20 Jahren tot war, mit einer Oper in einem von allem mir Bekannten grundverschiedenen Idiom, der die menschliche Stimme und die Modulationen seiner seltsam klingenden Sprache auf absolut ureigene Weise einsetzte und dessen Instrumentierung und Harmonie in Farben und Kl\u00e4ngen resultierten, wie ich sie noch nie geh\u00f6rt hatte.\u00bb <\/p>\n<p> Mackerras\u2019 erste Begegnung mit einer Jan\u00e1cek-Oper hatte Folgen: Heute gilt der 1925 in den USA als Sohn australischer Einwanderer geborene Dirigent als kompromisslosester, initiativster und erfolgreichster Anwalt von Jan\u00e1ceks \u0152uvre. <\/p>\n<p> Zu bedenken ist, dass der M\u00e4hre Leos Jan\u00e1cek (1854\u20131928), der sich intensiv mit der b\u00f6hmischen und m\u00e4hrischen Volksmusik auseinandersetzte, traditionelle Formen sprengte und in der Sprachmelodie, der Melodie des tschechischen Wortes, \u00abFenster in die Seele\u00bb erkannte und psychologisch ausgestaltete, Interpreten und Publikum vor erhebliche Schwierigkeiten stellte. Auch die unkonventionelle Instrumentierung war f\u00fcr viele Zeitgenossen nicht Ausdruck von Originalit\u00e4t, vielmehr ein Beleg f\u00fcr Absonderlichkeiten und unbew\u00e4ltigtes Handwerk. Manche Komponisten und Dirigenten sahen sich berufen, hier einl\u00e4sslich zu flicken, was einem Gl\u00e4tten nach konventionellen Mustern gleichkam.<\/p>\n<p>Erst drei Jahrzehnte nach dem Tod des Komponisten begannen Jan\u00e1cek-Verehrer, sich f\u00fcr die Wiederherstellung seiner Intentionen einzusetzen und sichteten die Originalmanuskripte, Kopistenabschriften und fr\u00fchen gedruckten Ausgaben. An vorderster Front aktiv waren dabei John Tyrrell, Musikwissenschaftler und Mitautor des Jan\u00e1cek-Werkverzeichnisses, und Charles Mackerras, der sich in Oper und Konzertsaal als herausragender Interpret der Musik des grossen Alleing\u00e4ngers profilierte. <\/p>\n<p> Zwischen 1976 und 1982 nahm Mackerras in Wien mit dem Chor der Wiener Staatsoper und den Wiener Philharmonikern f\u00fcr das Label Decca die reifen Opern Jan\u00e1ceks in den originalen Fassungen auf. Ver\u00f6ffentlicht wurden die Alben in Einzelausgaben zwischen 1977 und 1986. Alle gelten sie, mehrfach mit Preisen bedacht, noch heute als Referenzeinspielungen. <\/p>\n<p> Unter den S\u00e4ngerinnen finden sich Nadezda Kniplov\u00e1, Libuse M\u00e1rov\u00e1, Ivana Mixov\u00e1, Lucia Popp, Elisabeth S\u00f6derstr\u00f6m und Eva Zigmundov\u00e1, unter den Vokalisten Beno Blachut, Peter Dvorsky, Dalibor Jedlicka, Vlad\u00edm\u00edr Krejc\u00edk, Richard Nov\u00e1k, Jaroslav Soucek, Zdenek Svehla und V\u00e1clav Z\u00edtek. Die hier Genannten wirken in mehr als einem Werk mit. <\/p>\n<p> Aus Anlass des 80. Geburtstags von Sir Charles Mackerras im kommenden November sind nun in einer 9-CD-Kassette die f\u00fcnf Musiktheaterwerke \u00abJenufa\u00bb (UA 1904), \u00abKatja Kabanova\u00bb (1921), \u00abDas schlaue F\u00fcchslein\u00bb (1924), \u00abDie Sache Makropulos\u00bb (1926) und \u00abAus einem Totenhaus\u00bb (1930) versammelt. Ebenfalls enthalten sind die vom Komponisten ausgeschiedene Ouvert\u00fcre zu \u00abJenufa\u00bb (\u00abZ\u00e1rlivost\u00bb), die Schlussszene der \u00abJenufa\u00bb in der gl\u00e4ttenden Instrumentation von Karel Kovarovic, die zweiteilige Orchestersuite, die V\u00e1clav Talich mit Materialien aus dem \u00abSchlauen F\u00fcchslein\u00bb zusammengestellt hat, die \u00abSinfonietta\u00bb (1928) und die Rhapsodie \u00abTaras Bulba\u00bb (1918) nach Gogol. <\/p>\n<p> Das Booklet (engl., frz., dt.) bringt nebst den technischen Angaben Einf\u00fchrungen in die Opern samt Schilderung des Inhalts und Ablauf der Szenen, aber keine Libretti. Wer des Tschechischen nicht m\u00e4chtig ist, dem entgehen notgedrungen die sprachmelodischen Finessen. Was ihm von Musik und Interpretation bleibt, ist faszinierend und beeindruckend. <\/span> <span class=\"txt-m-black\">(<em>ws<\/em>)<\/span><\/p>\n<p><\/p>\n<p> <center> <\/p>\n<table style=\"width: 430px;\" summary=\"linie\" border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\">\n<tbody>\n<tr>\n<td colspan=\"9\" bgcolor=\"#666666\" height=\"1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/212.60.37.143\/grafiken\/dbrown1x1.gif\" border=\"0\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p> <\/center> <\/p>\n<p><span class=\"txt-s-black\">Jan\u00e1cek: The Cunning Little Vixen. From the House of the Dead. Jenufa. K\u00e1t\u2019a Kabanov\u00e1. Vec Makropulos. Sinfonietta. Taras Bulba. \u2013 Vokalsolisten, Chor der Wiener Staatsoper, Wiener Philharmoniker. Leitung: Sir Charles Mackerras.<br \/> (Decca 475 6872; 9 CDs)<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>29.10.2005 &#8212; Emotional ersch\u00fctternde Erlebnisse k\u00f6nnen Schl\u00fcsselfunktion haben, die Pers\u00f6nlichkeitsentwicklung und den zuk\u00fcnftigen Beruf nachhaltig pr\u00e4gen. 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